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DUST & DIESEL

Aufgrund mangelhafter Erschließung durch die Eisenbahn hat sich in den Weiten Australiens der Lastkraftwagen für den Transport von schweren und sperrigen Gütern fast völlig durchgesetzt. Die großen Entfernungen, das Fehlen von gut ausgebauten Straßen und der Mangel an Fahrern führte gerade in den Gebieten des Outback zu extremen Konstruktionen. Dabei folgen die Australier einer Tradition, die den Landtransport auf den Straßen der USA mickerig erscheinen lässt.

Im letzten Jahrhundert war der Transport der Schafwolle Aufgabe der großen Flussdampfer am Murray und Darling River. Nur, irgendwie mussten die Wollballen ja auch von der Farm zum Fluss gelangen. Dabei wurden Ochsenkarren eingesetzt, die teilweise mit einer Bespannung von 24 Ochsen und einer Ladung von über 15 Tonnen Wolle über die unbefestigten Schotterpisten rollten.

In der Gegend von Mildura wurde eine gigantische Dampfmaschine verwendet, die so genannte "big lizzy". Höher und breiter als eine Lokomotive und mit einer Art Raupenkette an jedem der vier Räder war dies eigentlich eine Rodungsmaschine für den Mallee-Busch, sie konnte zur Saison aber auch einige der erwähnten Ochsenkarren ziehen.

Zuhause

Die australischen Trucks sind beeindruckend wie die Landschaft, in der sie sich bewegen. Vor Brücken und Durchfahrten von 4,70 m Höhe wird mit "low clearance"-Schildern gewarnt, und es gibt extra Umleitungen - "detour" - für die Trucks. Für den Transport von Vieh, welches früher mit viel Personaleinsatz getrieben werden musste, gibt es inzwischen große Anhänger, Schafe reisen in vier Etagen, die Rindertransporter sind zwei- und dreistöckig. Stellenweise sieht man regelrechte Konvois, die am Straßenrand stehen und die Fahrer turnen artistisch auf den Aufliegern herum, um die Tiere mit Wasser zu versorgen.

Als Anpassung an die unbefestigten Straßen entwickelten die Australier die so genannten road trains, das sind Trucks mit Sattlauflieger und mehreren Anhängern dahinter. Mit der Befestigung der wichtigsten Durchgangs-Highways und der dichteren Besiedlung der Ballungsräume wurden diese Anhängerzüge schließlich auf maximal drei Anhänger begrenzt und ihr Betrieb ist nur auf bestimmten Strecken erlaubt.

Bei den großen Entfernungen ist nicht immer garantiert, dass die Fahrer überall eine passende Möglichkeit zum Schlafen finden. Es ist ihnen auch gar nicht recht, ihre liebevoll geschmückten und polierten Laster allein zu lassen. Also tragen die großen Zugmaschinen wie eine Schnecke ihr Haus auf dem Rücken. Die Cabins der Trucks sind nur größer, luxuriöser und schneller als ein Schneckenhaus, und die Fahrer übernachten genauso auf dem Parkplatz wie ihre Fracht.

Dreckschleudern

Aufgrund von Lärm und Dreck sind die Trucks vielerorts nicht gern gesehen, auch wenn man nicht auf sie verzichten kann. Auf dem Titelbild oben sieht man gut die Ablagerung von Dieselruss auf reifen Orangen. Der Garten lag an der Durchgangsstraße eines kleinen Ortes mit einer Brücke über den Murray River, was natürlich Fernverkehr anzieht.

Wenn sich der Durchgangsverkehr nicht vermeiden lässt, so ist doch in der Nacht auf den Einsatz der Motorbremse - "exaust brake" - zu verzichten, da sie ziemlich laut ist. Häufig sieht man auch Aufforderungen, auf einer "truck parking area" außerhalb der Stadt den feinen roten Straßenstaub von den Anhängern zu entfernen.

Roadhouse

Es gibt auch Städte, die von den Truckern leben. Dort, wo sich mehrere große Highways kreuzen oder gabeln findet man manchmal auch kilometerlange Parkstreifen für Trucks bis hin zum Ortskern, so gesehen zwischen Coonabarabran und Cobar. Auch wenn die Fahrer in den Kabinen ihrer Zugmaschinen schlafen, so lassen sie wenigstens Geld an der Hotelbar.

Ansonsten bleibt den Truckern nur das so genannte "Roadhouse". Was im ersten Moment mit dem Beiklang von Freiheit und Abenteuer daherkommt, ist aber nur irgendwo zwischen McDonaldisierter Autobahnraststätte und Dorftankstelle mit Kiosk und Imbissbude angesiedelt. Die freien Flächen zum Wenden der großen Trucks müssen ohne Begrünungskübel auskommen, an den Tanksäulen warten wahre Elefantenrüssel darauf, in kurzer Zeit bis zu 2.000 Liter Diesel in die verchromten und polierten Seitentanks zu pumpen.

Unten das niedliche Roadhouse von Emerald Springs am Stuart Highway im Northern Territory, mit Campingplatz, Biergarten und Restaurant. Überall dort, wo neben einem Ortsnamen Roadhouse auf der Karte steht, besteht der Ort im wesentlichen aus nichts weiter als aus diesem Roadhouse.

Video zum Thema

Roadtrains Australia promo clip

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