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HAMELIN POOL

Der erste lohenswerte Stopp auf der Peron Halbinsel nach der Abzweigung in Richtung Denham ist nach knapp 30 km das Hamelin Pool Nature Reserve mit den ältesten Lebensformen der Erde. Schon auf vielen Fotos hat man sie gesehen, die schwarzen Knubbel in türkisem Salzwasserbecken. Diese Stromatholiten sind so genannte lebende Felsen. Sie bestehen aus Cyanobakterien, früher auch als Blaualgen oder Blaugrünalgen bezeichnet, die man allerdings nur mit Hilfe eines Mikroskops sehen kann. Sie haben hier Nährstoffe und Sedimente aus dem flachen Salzwasser zu felsenähnlichen Türmen und schwarzen, schwammigen Matten verarbeitet.

Tagsüber sind die Bakterien aktiv und betreiben Fotosynthese, dabei fällt Staub auf sie. Nachts wird der Staub dann mit Kalzium überdeckt und so wachsen langsam diese bizarren Gebilde heran. Ein wenig erinnern sie an Pilzkulturen oder Blumenkohl. Allerdings gibt es wohl kaum Pilze die schon 3 bis 3 Milliarden Jahre alt sind. Denn vor dieser Zeit, dem Präkambrium, haben die kleinen Stromatholiten ihre Arbeit begonnen und zwar weltweit. Dadurch trugen sie wesentlich zur Freisetzung vom Sauerstoff in die bis dahin sauerstofffreie Erdatmosphäre bei, der aber für die damaligen Lebensformen Gift war. Viele Organismen starben aus, und die Stromatolithen dominierten das Leben auf der Erde für lange Zeit. In manchen Abschnitten der Erdgeschichte, schon lange bevor es Korallen gab, bildeten sie die Riffe an den Küsten. Erst später reicherte sich der Sauerstoff auch in der Atmosphäre an und dadurch konnten sich dann neue Arten bilden, die diesen Sauerstoff nutzen. Die Stromatolithen gab es noch bis vor 700 Millionen Jahren weltweit, dann ging die Verbreitung ständig zurück.

Lebendige Exemplare findet man aber nur noch selten, meist in den wenigen ökologischen Nischen mit erhöhtem Salzgehalte wie Lagunen oder Salz- und Sodaseen. Es gibt Vorkommen in den bolivianischen Hochanden, im Glacier National Park in Montana und in Australien. Weil das Wasser hier im Hamelin Pool zweimal so salzhaltig ist wie sonst im Ozean hatten die Bakterien hier unter geeignete Lebensbedingungen überdauern.



Lebende Felsen

Um ans Ufer und zu den Stromatholiten zu gelangen, folgt man der ausgeschilderten Abzweigung über eine Straße, die an der alten Old Hamelin Pool Telegraph Station endet. Hier befinden sich auch ein Shop mit Restaurant und ein kleiner Campground, all dies gehört zur Hamelin Station. Für die Besichtigung der Telegrafenstation wird eine kleine Eintrittsgebühr erhoben. Das im Jahr 1884 erreichtete Gebäude war eine von insgesamt 38 Stationen, die einst das nördlich gelegene Wyndham mit Albany im Süden verbanden.

Die Abzweigung, die direkt zu den Stromatholiten führt, haben wir bei der Anfahrt übersehen - die Straße zweigt am Eingang zur Station gleich wieder links ab. Also folgten wir einem kurzen Wanderweg, der am Strand entlangführt. Dabei kommt man zuerst an einem Steinbruch vorbei. Hier haben Abermillionen weißer Mini-Muscheln ein festes Gestein gebildet, durch den Einfluss von Regenwasser hat sich zwischen den Muscheln weiteres Kalzium abgelagert, wodurch die Muscheln zu einem festen Block verschmolzen. Diese Muschelschicht soll hier zwischen sieben und zwölf Meter dick sein. Dieses Naturprodukt wurde in Blöcken ausgeschnitten und abtransportiert.

Früher wurden damit ganze Häuser gebaut, heute ist der Steinbruch ein kleines Open-Air Museum. Das leichte Baumaterial mit gutem Isolierwert wird nur noch für Restaurierungen an Altbauten verwendet. Der Weg ist eben und nicht weit, aber die Hitze machte uns zu schaffen. Die Sonne reflektierte vom hellen Grund und blendete sehr, wir waren froh, als wir nach kurzem Fußmarsch dann die hölzernen Plattformen erreichten, die sich vom Strand aus über dem flachen Wasser erheben. Darunter liegen die Stromatholiten, die man von oben schön sehen kann. Es gab tote Gebilde in Rot (red-capped domes) und lebende in Schwarz (tufted mats). Die meisten liegen unter Wasser - wenn die Flut kommt. Es ist unglaublich, dass sich hier auf auf 1 m² Fläche bis zu 3 Milliarden einzelne Mikroorganismen befinden. Sie wachsen sehr langsam, maximal 1 cm in ungefähr 30 Jahren. Die wenigen vielleicht 1 Meter hohen Exemplare, die man hier sehen kann, sind dann ca. 3.000 Jahre alt - wobei man nicht sieht, wie tief sie im Sand stecken. Sie meist die typische Blumenkohlstruktur (coalflowers) und an der unregelmäßigen Oberflächenstruktur kann man erkennen, dass die Sedimente durch die Tätigkeit von Lebewesen entstanden sind - ähnlich den Korallenstöcken.

Damit niemand gegen die Auflagen verstößt und hier ins Wasser geht oder gar auf die Lebewesen tritt, sitzt ein Aufpasser gut getarnt unter einem Busch. Ein japanisches Mädchen verlor in einer Windböe den Sonnenhut, der wurde vom Steg hinuntergeweht und sie hatte keine Möglichkeit, ihn zurückzuholen.

Da wir den Weg zu Fuß gekommen waren, mussten wir in der Hitze dann auch wieder zurück. Die Tourgroup mit ihrem Minibus stand direkt an der Düne zum Strand - der Fahrer kannte die Abzweigung am Campground. Bis nach Denham fährt man dann noch einmal 105 km, vorbei an vielen Lookouts und danach weiter bis nach Monkey Mia.



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Stromatolites of Hamelin Pool

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