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TAL DER AFFEN

Da wir am Vormittag noch Zeit hatten und erst gegen Mittag von unserem Fahrer abgeholt wurden, buchten wir an der Rezeption des Hotels Sariska Palace eine geführte Wanderung zum ehemaligen Jagdturm des Maharajas. Dieser Ausflug wurde nicht irgendwo offiziell vom Hotel angeboten, wir hatten nur über das Internet von der Möglichkeit erfahren und gezielt danach gefragt. Der Ausflug kostete uns in 2006 200 Rupien pro Person. Führer und 2 Flaschen Mineralwasser waren inklusive, wobei schon die 2 Liter Wasser bei den happigen Preisen des Hotels mehr als die Hälfte ausmachten. Der Turm ist zwar nur 1,5 Kilometer entfernt und wenn man weiss, wo man laufen muss, ist der Weg auch durchaus alleine zu finden. Aber ein Angestellter des Hotels möchte sich ja auch etwas dazu verdienen und so machten wir uns gemeinsam mit Mr. Umrao Singh auf den Weg.

Vom Hintereingang des Hotels aus ging es zuerst vorbei an einigen Kühen und Büffeln und einer Baustelle. Danach erreicht man schnell den Wald und eine alte gemauerte Wasserleitung, die jedoch ausgetrocknet ist. Sie führt durch ein malerisches Tal, allerdings sollte man nicht zu viel in der Gegend herumgucken, denn der Weg ist uneben und gutes Schuhwerk eine Empfehlung. Der Guide schreitet schnellen Schrittes voran und wartet nur, wenn man Fotos machen möchte.

Rechts unten im Tal schimmert das Wasser eines kleinen Flusses und im trockenen Gebüsch fanden wir abgestreifte Schlangenhaut. Ausser gelegentlichem Vogelzwitschern war kein Tier zu sehen. Erst nach einer Weile sahen wir den ersten männlichen Pfau scheu im Gebüsch verschwinden.


Affenbande

In der Mitte des Tals sonnte sich eine große Affenhorde in der Morgensonne. Zuerst sah man nur vereinzelte Tiere, aber wenn man dann genauer schaute vermehrte sich ihre Zahl enorm. Überall sassen die niedlichen Hanuman-Languren auf Bäumen und Felsen. Immer, wenn wir stehen blieben um ein Foto zu machen, bewegte sich die Baumkrone über uns und einige Affen suchten Schutz im Nachbarbaum. Am Wasser sassen Mütter mit ihren Kleinen und Halbstarke räkelten sich malerisch auf den Felsen.

Die Tiere zeigten wenig Angst und beäugten nur vorsichtig unser Tun. Aber außer Beobachtung und Fotografieren hatten sie von unsere Seite aus wenig zu befürchten. Die Gruppe gehört zu den Schlankaffen innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten. Ihr Fell ist an der Oberseite grau-silber gefärbt, nett anzusehen ist das schwarze oder violette haarlose Gesicht, das von einem weißlichen Haarkranz umgeben wird. Sie zählen als Kulturfolger und sind als heilige Tiere eine der bekanntesten Affenarten Indiens. Meist trifft man sie in der Nähe von Tempeln an, dort werden sie gefüttert und können oft auch ziemlich aggressiv sein. Hier im Tal jedoch war alles friedlich.

Wir kamen zu einer baufälligen Staustufe, auf der wir den Fluss überqueren mussten. Am Ufer lag ein orange gestrichener Hanuman Tempel. Er sah eigentlich wenig malerisch aus, aber unserer Führer drängte auf einen Besuch und ließ sich auch gerne voller Stolz beim Läuten der Tempelglocke fotografieren.


Tigerturm

Die Tigerjagd war in der Adelskaste ein gesellschaftliches Ereignis, alte Fotografien im Hotel erzählen von den fragwürdigen Erfolgen. Sie zeigen die Jagdgesellschaften mit den erlegten Tigern zu Füßen. Hunderte Tiere wurden abgeschossen und der ehemalige Jagdturm, das Ziel unserer Wanderung, steht heute noch. Nach dem Überqueren der Staumauer, die hier eine Art Brücke bildet, trafen wir auf einige Dorffrauen, die Brennholz im lichten Wald sammelten und uns neugierig betrachteten. Nach einem relativ steilen Aufstieg auf losem Geröllweg erreichten wir den Turm.

Hier hatte die Jagd nur wenig Heroisches, denn am Fuße des Turms wurde als Beute eine Ziege angebunden und der herrschaftliche Jäger saß hoch im Turm hinter den Schießscharten und brauchte nur auf den Tiger zu warten, der sich die leichte Beute holen wollte. Dann wurde die gestreifte Katze einfach abgeknallt. Dies war keine Jagd mit vielen Treibern und auf geschmückten Elefanten sitzend, wie man es so oft in historischen Filmen oder auf Miniaturenmalereien sieht.

Unser Guide hatte einen Schlüssel zur Tür des Turms und wir konnten bis zur letzten Plattform und zu den Schießscharten hochklettern. Der Platz, an dem die Ziege angepflockt wurde, war gut einzusehen, aber die andere Seite mit Blick ins grüne Tal noch viel interessanter. Man schaut auf den Fluss und auf grüne Baumwipfel und Palmen hinab.

Auf dem Hinweg hatten sich viele Kletten in meinem Rock verfangen und Mr. Singh half mir eifrig, die hartnäckigen Dinger zu entfernen. Der Rückweg führte wieder vorbei an Affen, diesmal aber leider nicht wieder durch das Tal. Es ging hinter dem Tempel bergauf über eine breite Rampe und auf den Steinmauern am Rande tummelten sich die Affen und einige Pfaue. Wir waren ein wenig enttäuscht, denn auf dem Rückweg wollten wir eigentlich noch Bilder vom Tal machen, für die wir uns auf dem Hinweg zu wenig Zeit genommen hatten. Stattdessen ging es hinauf zur Fernstraße und auf einem kleinen Umweg mit Verkehr und weiteren Affenhorden zurück zum Hotel. Am Straßenrand saßen zahlreiche der rotgesichtigen Rhesusaffen und ließen sich nicht die geringste Angst anmerken, wenn mal wieder ein Motorrad oder ein voll beladener Bus vorbeikam. Sie sind meist aggressiver als die Languren und wir hielten respektvollen Abstand zu den Tieren.

Der Grund für die Route wurde dann schnell klar: Der Guide wollte uns noch zu seinem Haus etwas abseits auf der anderen Seite der Straße einladen. Doch wir wollten eigentlich nur noch zurück ins Zimmer, denn mittlerweile war es sehr heiß geworden, wir mussten noch packen und die Zeit wurde knapp. So lehnten wir die Einladung mit Bedauern ab, was ihn ein wenig bedrückte - er hätte sich wohl gerne in unserer Begleitung seinen Nachbarn gezeigt. Das Trinkgeld am Ende der Tour zauberte dann aber schnell wieder ein Lächeln auf sein Gesicht.


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