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KEOLADEO

Nachdem wir in einer Fernsehdokumentation einmal einen Beitrag über den Keoladeo National Park gesehen hatten stand fest: da wollen wir unbedingt hin. Zahlreiche Wasservögel tummelten sich dort und man kann den Park per Fahrrad, per Fahrrad-Rikscha oder mit dem Boot erkunden. Das Schutzgebiet liegt am Ort Bharatpur und wir wohnten für 2 Nächte im Hotel Laxmi Vilas Palace wenige Kilometer vom Parkeingang entfernt.

Das Schutzgebiet ist auch unter den Namen Bharatpur Bird Sanctuary oder Keoladeo Ghana Bird Sanctuary bekannt. Bei manchen Quellen wird es auch Keoladev geschrieben. Dies ist der Name eines alten, dem Gott Shiva geweihten Hindu-Tempels, der im Zentrum des Parks steht. Ghana bedeutet übersetzt "dicht".

Mit einer Größe von 29 km² bietet der Park vielen Wasservögeln aus Afghanistan, Turkmenistan, China und Sibirien im Winter ein ideales Quartier, bevor sie wieder in ihre Heimat zurückfliegen. Im Park überwintern große Populationen und im Sommer brüten hier ebenfalls viele Vögel. Man kann je nach Jahreszeit Kraniche, Pelikane, Gänse, diverse Entenarten, Kiebitze, Wachteln, Pfaue, verschiedene Raubvogelarten, Hühnervögel, viele Taubenarten, Eisvögel, Mynas, Spechte, Reiher, Kormorane, Störche, Ibisse, Lerchen und Wasserpieper beobachten. Über 364 Spezies einschließlich des sehr seltenen Sibirischen Kranichs wurden im Keoladeo schon beobachtet. Letzterer allerdings zuletzt im Jahr 1993, wahrscheinlich ist er mittlerweile ausgestorben.

Dieses Paradies, 55 km von Agra entfernt, wurde einst von Menschenhand geschaffen. Der Maharaja von Bharatpur war ein begeisterter Jäger und ließ schon im Jahr 1760 den Ajan-Dam errichten, um die heftigen Monsunregenfälle zu stauen. Die Erde, die damals für den Dammbau ausgehoben wurde, hinterließ eine tiefe Grube, die sich schnell mit Wasser füllte. So entstand der Keoladeo-See und rund um seine Ufer wurde um die Jahrhundertwende ein Jagdrevier für den Herrscher eingerichtet. Er veranstaltete hier für britische Vizekönige und befreundete Fürsten jedes Jahr Entenjagden, bei denen Tausende von Vögel getötet wurden. An manchen Tagen sollen hier bis zu 4.000 Vögel der herrschaftlichen Schießwut zum Opfer gefallen sein. Diese Ausbeute dieser Jagden ist heute noch auf großen Sandsteintafeln in der Nähe des Tempels eingraviert.

Mit Schleusen und Dämmen konnte man den Wasserstand auf das gewünschte Niveau heben und senken. Es gab versteckte Schießplätze, von denen aus man die Wasservögel, vor allem Enten, abschießen konnte. Damals war dies eines der besten Entenjagdgebiete der Welt. Die Jagd wurde dann Mitte der 1960er Jahre endgültig eingestellt, aber es dauerte bis zum Jahr 1981, um das Gebiet als Nationalpark unter Schutz zu stellen.

Speziell in den Wintermonaten November bis Mai und während der Brutzeit in den Monsunmonaten Juli bis September sind die beiden großen seichten Seen in der Mitte des Parks Heimatstätte von Zehntausenden von Vögeln. Soweit die Theorie...


Fahrradtour

Die beste Jahreszeit für einen Besuch ist im Winter, das heißt zwischen November und Februar wenn die überwinternden Zugvögel im Park sind. So liest man es überall und wir freuten uns, genau zur passenden Zeit im November vor Ort zu sein. Am Nachmittag vor dem Besuch fuhren wir am Eingang vorbei, wo uns sofort ein vogelkundlicher Guide seine Karte gab und seine Dienste als Führer anbot. Da unser Fahrer den Eintritt und auch einen Anteil an der Führung bezahlte, das war so in unserem Pauschalpreis mit enthalten, verabredeten wir uns für den nächsten Tag.

Nach einer angenehmen Nacht im Laxmi Vilas fuhren wir dann zum Haupteingang, wo der Guide auf uns wartete. Leider kamen wir nicht am Kassenhäuschen vorbei, sonst hätten wir den Hinweis dort gelesen, den Guides bitte kein Trinkgeld zu geben. Die Guides kosten 70 Rupien pro Stunde, was angesichts der Tageslöhne einiger anderer Menschen ein gutes Einkommen ist, und unser Guide wurde, ohne dass wir es mitbekamen, für 2 Stunden von unserem Fahrer im Voraus bezahlt - wir vermuteten nur für eine Stunde.

Im Winter ist der Park zwischen 6.30-17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 200 Rupien pro Person plus 3 Rupien für ein mies gepflegtes Fahrrad. Fotokameras sind hier gebührenfrei, für eine Videokamera müssen allerdings happige 200 Rupien gezahlt werden, wie fast überall in Indien. Am Eingang standen einige alte Drahtesel herum und wir durften uns aussuchen, mit welchem wir zuerst einen Unfall bauen wollten. Verkehrstüchtig waren die alle nicht, bei einem brach schon nach dem ersten Tritt die Pedale aus der Kurbel. Wir hätten lieber mehr gezahlt und dafür etwas Vernünftiges bekommen oder einen guten Mechaniker bezahlt.

Mitten durch die beiden Seen führt eine Dammstraße, ideal für ein Fahrrad. Auch zahlreiche kleine Seitenwege können damit gut erkundet zu werden. Wer nicht selbst strampeln will, der mietet eine der zahlreich vor dem Eingang wartenden Fahrradrikshas. Die dürfen dann allerdings dann nur auf dem asphaltierten Hauptweg fahren. Laut Reisführer kann man auch eine Bootstour buchen, aber bei unserem Besuch gab es für das Boot zuwenig See.


Dürre

Der Park war fast völlig ausgetrocknet und tot. Es gab zwar ein wenig Wasser und auch einige Vögelchen, aber nichts wirklich Spannendes. Unser muffeliger Guide, der kaum ein Wort sprach, stapfte nur in der Gegend herum und führte uns zu einem vollkommen verdreckten Tempel, wo es angeblich Hornbills geben sollte. Aber außer Müll, Kühen und ein paar Arbeitern sahen wir hier nichts. Zeitweilig gingen wir zu Fuß, obwohl man hätte Fahren können, das wirkte auf uns wie Zeitschinderei. In den nächsten zwei Stunden schaffte es der Mann, uns eine Python in ihrem Erdloch und ein paar Käuzchen in einem Baum zu zeigen. Die sitzen wahrscheinlich immer dort und bei unserer Rückfahrt fanden wir die Tierchen wieder unverändert in der Astgabel sitzend. Viele andere Vögel sahen und erkannten wir aufgrund unserer Übung beim Fotografieren schneller als unser Guide.

Mitten im Park erreichten wir den Keoladeo Tempel, die dritte Stunde war bereits angebrochen und wir wollten unseren Guide gerne loswerden und weiter alleine durch den Park streifen. Michael gab ihm 200 Rupien in der Annahme, es seien noch zwei Stunden a 70 Rupien zu bezahlen plus ein kleines Trinkgeld von 60 Rupien - was in Wirklichkeit ja schon eines von 130 Rupien war. Da wurde er unverschämt und meinte, wir wären wahrscheinlich neu in Indien und 200 Rupien Trinkgeld würde er für angemessen halten. Laut Aushang am Eingang hätte er gar nichts bekommen sollen, dort wird das Trinkgeld geben untersagt. Aussserdem war er als Guide eine eher mundfaule Nullnummer, wir können an dieser Stelle nur vor Herrn Hari Singh warnen, der sich als Naturalist vorstellt. Wir haben uns zwar am Ende des Tages an der Kasse über ihn beschwert, nachdem wir von unserem Fahrer erfahren hatten, wie viele Stunden er schon im voraus bezahlt hatte, das rief aber nur ein müdes Schulterzucken hervor.

Den Rest des Tages verbrachten wir dann Fahrrad fahrend auf der Suche nach den Vögeln im Park, fanden aber mehr Kühe und vertrocknete Landschaften. Wasser gab es nur in der nähe des Hauptdamms, die meißten auf der Karte eingezeichneten Kanäle waren trocken. Ein Vogelparadies sieht definitiv anders aus. Am Wegrand waren als Höhepunkt einige Schakale zu sehen, es gab ein paar Affen, ein recht zahmer Wiedehopf ließ sich am Tempel ganz nah fotografieren, ein Adler verspeiste gerade eine Schlange und in einem alten Baumstamm entdeckten wir sogar eine Echse. Und das alles erst ohne Füher mit viel Zeit und Muße. Rast machten wir zwischendurch auf einer der Holzbänke. Am Abend waren wir dann mit einer dicken, grauen Staubschicht bedeckt. Am Nachmittag tranken wir auf dem Rückweg im Staatshotel namens Forest Lodge, dem einzigen innerhalb der Parkgrenzen, einen Tee. Hier war wenig los, alles wirkte etwas verschlafen und viele Touristen hatten sich auch nicht hierher verirrt.

Wir können von einem Besuch beim aktuellen, kaum vorhandenen Wasserstand nur abraten. Vertrocknetes Gras und ein paar Vögelchen trifft man überall in Rajasthan. Der Tag im Park war ja ganz nett, aber definitiv die größte Enttäuschung dieser Reise. Die Erwartung an reiches Vogelleben war einfach zu groß, geschürt durch Berichte aus der Vergangenheit.



Google Map zum Thema

Der Nationalpark von oben


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