Archiv : Die Infos und Bilder auf dieser Seite sind aus dem Jahr 2005

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SPELLBOUND-TOUR

Nachdem wir uns für den Anbieter Spellbound entschieden und die Tour im Visitorcenter bezahlt hatten, verließen wir das laute und volle Waitomo, um auf einem Parkplatz um die Ecke eine Siesta zu halten. Nach zwei Stunden Ruhe fuhren wir wieder zurück. Am Informationscenter warteten wir auf die Abholung zur Tour und pünktlich fuhr ein kleiner Transporter mit der Spellbound Werbung vor. Die Gruppe bestand aus einem amerikanischen Pärchen, einem Paar aus Neuseeland auf Hochzeitsreise, einem alleinreisenden Japaner und uns beiden. Also eine sehr angenehme und überschaubare Gruppengröße. Mehr als 12 Personen sind es auf dieser Tour nie. Am Steuer saß Pete, der auch in den Höhlen unser Guide sein sollte und Inhaber der Firma ist. Pete ist ein Höhlenforscher, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist und diese Begeisterung auch an seine Kunden weitergeben kann. Er hat auch unbekannte Höhlen erforscht, kennt die Gegend wie seine Westentasche und erzählt unterwegs gerne und sehr interessant von seinen Erlebnissen.

Die Fahrt geht zuerst über sehr hügeliges Farmland mit Kühen und Schafen, über Gravel und bessere Feldwege. Das dauert eine ganze Weile, es sind sicher über 10 km von Waitomo aus. Dann wird auf einer stillen Wiese geparkt und man geht ein paar Minuten zu Fuß bis zum Eingang der ersten Höhle. Unterwegs kann man in Felsen versteinerte Muscheln und Meerestiere betrachten.


Glühwürmchen

Die Spellbound-Tour führt durch zwei der vielen Höhlen in Waitomo, jeder Teilnehmer ist mit Schutzhelm und Grubenlampe ausgestattet. Zuerst wird eine Glühwürmchenhöhle besucht. Diese Gloworms von Neuseeland haben nichts gemeinsam mit den bei uns bekannten Johanniskäfern, deren Hinterteil in warmen Sommernächsten leuchtet. Hier ist es eine Spinnenart, die in ihren Lavenstadium Licht produziert um Insekten anzulocken, die sich in die Höhlen verirren. Diese verfangen sich dann in den klebrigern Fäden die von den Larven produziert werden und überall von der Decke hängen. Diese Tiere findet man überall in Neuseeland, auch au0erhalb von Höhlen. Es muss nur dunkel und feucht genug sein, dann können sie überleben. Man darf sie nie mit einer Taschenlampe anleuchten, denn dann hören sie für einige Stunden auf zu leuchten und können in dieser Zeit keine Nahrung fangen.

Die ersten Meter werden mit Licht des Führers und von den Grubenlampen an den Helmen zurückgelegt. Nur so kann man die Fäden und die Umgebung erkennen. Dann schalten alle das Licht aus und vollkommene Dunkelheit umfängt die Gruppe. Noch ein paar Meter im Gänsemarsch durch die Höhle bis zu einem Schlauchboot, in das alle im Schein einer winzigen Lampe hineinklettern. Schnell noch ein paar Erinnerungsfotos, dann geht das Licht wieder aus und Pete erklärt das Leben eines Gloworms und die Entstehung der Höhlen. Die Augen haben sich mittlerweile an das Dunkel gewöhnt und im Hintergrund hört man das Rauschen eines Wasserfalls. Hört sich an wie der Niagara, dabei ist er nur einen halben Meter hoch.

Unser Führer zieht uns langsam an Leinen durch die Höhle. Oben an der zerklüfteten Höhlenwand leuchtet und funkelt es, je weiter das Boot sich der Höhlenmitte nähert umso beeindruckender sind die winzigen Lichtpunkt an den Wänden und an der Decke. Die am intensivsten leuchten, das sind die mit dem grössten Hunger. Reden und Fotografieren ist verboten, wir sind sehr beeindruckt und schweigen gerne. Man kann man leider auch gar kein Bild davon machen, dafür ist das Licht viel zu schwach. Das Schöne an der Tour ist, dass man sich richtig satt sehen kann an diesem einmaligen Naturschauspiel, denn hier ist man eine knappe halbe Stunde im Boot unter den leuchtenden Insekten. Der Himmel ist hier ganz weit unter der Erde.

Ein besonderes Erlebnis dabei ist die Erfahrung der Anpassung des eigenen Auges an die Dunkelheit. Nach einer halben Stunde im Licht der Leuchtspinnenlarven reicht diese schwache Lichtquelle aus, damit man seinen Nachbarn im Boot erkennen kann, wo man nach dem Betregen des Bootes noch gar nichts gesehen hatte.

Knochenhöhle

Weiter geht es in die nächste Höhle zu Fuß, allerdings machen wir vorher auf einer Wiese noch ein kleines Picknick. Es gibt Kaffee, Tee und Plätzchen und die Teilnehmer plaudern ein wenig über Herkunft und Reisezeit in Neuseeland. Dann geht es weiter in eine weitere, beeindruckende Höhle namens Te Ana o te Atua. Hier wurden sehr viele Knochen des ausgestorbenen, flugunfähigen Riesenvogels namens Moa gefunden. Lange Jahre hatten hier nur Forscher und Caver Zutritt, erst im Jahr 2004 hat Spellbound einen Weg aus recyceltem Plastik in die Höhle gebaut. Und das, ohne die Struktur von Wänden und Decken zu beschädigen. Es wurde nur Nichtrostender Edelstahl verwendet und so ist die ganze Höhle heute bequem auf einem Spaziergang im Urzustand zu besichtigen. Sogar einige Moa-Knochen sind noch zu sehen. Zwei BBC Filmcrews kamen im Januar 2005 hierher, eine wurde von dem berühmten Naturfilmer Sir David Attenborough geleitet und die andere von Huw Cordey. Darauf ist man bei Spellbound besonders stolz und das zu Recht.

Die ganze Tour hat über 3,5 Stunden gedauert und ist jeden Dollar wert und von uns mit Überzeugung zu empfehlen. Kleine Gruppengröße, sehr kompetenter Führer und wunderschöne Höhlen, dazu Zeit zum Genießen und keine Abzocke. Fotos werden selbstverständlich mit dem eigenen Fotoapparat gemacht und nicht zu überteuerten Preisen verkauft. Die Höhlentemperatur beträgt 12°C, also ist eine leichte Jacke auch im Sommer angebracht. Feste Schuhe sind auch zu empfehlen.


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