| Weltreisen | Südafrika | Allgemeines | Site-Map | HOME |

| Sprachen | Ortsnamen-Babylon |

BEVÖLKERUNG

Bezeichnungen wie Schwarz, Coloured und Weiß stammen schon aus den Zeiten vor der Apartheid. Die rassistische Gesetzgebung ab den 50er Jahren des letzten Jahrhunders machte aus diesen Bezeichnungen Etiketten, die für die Betroffenen zum Teil schlimmste Folgen hatten. Legalisiertes Unrecht, bürokratisierte Willkür bis hin zu Psychopathen im Polizeidienst haben dennoch keinen fanatischen Mob erzeugt, der Gewalt als einzige Lösung sieht, die Ergebnisse einer solch oberflächlichen Einstufung zu korrigieren.

Es gibt auch keine Bestrebungen, diese Begriffe in einer Art "political correctness" zu verbieten und die gleichen Sachverhalte durch modische neue Worte zu umschreiben. Der Augenschein ist halt nicht zu übersehen, folglich sind diese Begriffe auch heute auch gebräuchlich. Ebenso wie eine Stammeszugehörigkeit sind sie vorrangig nicht als Diskriminierung zu sehen, sondern ein Mittel, mit dem sich die vielen unterschiedlichen Volksgruppen im Vielvölkerstaat Südafrika zurechtfinden. Viele Einwohner bezeichnen sich selbst als Schwarz, Coloured oder Weiß.

Alle drei Volksgruppen sind ebenfalls keine homogenen Einheiten, sondern setzen sich aus sehr unterschiedlichen Völkern und Stämmen zusammen. Alleine die schwarze Bevölkerung besteht aus 9 Stämmen, die alle eigene Sprachen sprechen. Mit Englisch und Afrikaans zusammen gibt es somit 11 offizielle Amtssprachen in Südafrika, dazu kommt noch eine Zeichensprache.

Dunkelhäutige Menschen, die man in der Kapregion antrifft, sind meist Xhosa die aus den ehemaligen Homelands Transkei und Ciskei auf der Suche nach Arbeit nach Kapstadt kommen. Viele von Ihnen leben in den Bretterverschlägen und provisorischen Siedlungen, die man entlang der Ausfallstraßen findet.

Eine weitere große Bevölkerungsgruppe gerade im Western Cape sind die "Coloureds", sie sprechen Afrikaans und sind Nachkommen von weißen Seefahrern, schwarzen Sklaven aus Zentralafrika und den Buschmännern wie den San und Khoi. Eine große Gruppe in Kapstadt ist asiatischer Abstammung, die so genannten "Kapmalaien". Sie wurden einst als Sklaven der Engländer ins Land geholt und gehören zu den "Coloureds". zur Zeit der Apartheid waren sie für die Regierung nicht weiß genug, der jetzigen schwarzen Regierung sind sie nicht schwarz genug.

Bei den Weißen gibt es die Buren und die mit englischer Abstammung. Die Buren sprechen Afrikaans und ihre Vorfahren setzten als erste Weiße nach den portugiesischen Entdeckern ihren Fuß auf afrikanisches Land.. Grösstenteils kamen sie aus Holland, Deutschland und Frankreich.

Sprachen

Afrikaans ist die einzige germanische Sprache, die sich außerhalb Europas entwickelt hat. Aus einem holländischen Dialekt zusammen mit etlichen eingewanderten und eingeborenen Einflüssen formte sich die Sprache der entwurzelten Mischlinge und wandernden Voortrecker. Schließlich wurde die eigene Sprache zum Mittel, mit der sich die Coloureds und die benachteiligte weiße Mittelschicht von der als arrogant empfundenen englisch sprechenden Oberschicht abgrenzten und eigene Ansprüche auf Herrschaft und Anteil am Reichtum des Landes forderten.

Mit der Machtübernahme der rassistischen Burenpartei wurde aus Folklore schließlich Ideologie. Afrikaans wurde Sprache der Macht, das Sprachendenkmal bei Paarl zeigt dies überdeutlich. Die Universität von Stellenbosch war - auf Afrikaans - lange Zeit die Kaderschmiede der Apartheid.

Wer im Land reist, wird viele Dinge wie Wegweiser, Nationalparkschilder und Speisekarten zweisprachig sehen: auf englisch und in Afrikaans. Radiosendungen wechseln die Sprache manchmal von Werbespot zu Werbespot. Wobei es uns als Deutschen manchmal gelingt, einges zu verstehen, was in Afrikaans gesprochen oder geschrieben wird.

Hier sind einige eine Kostproben: Afrikaans oppie Net, Duisende Afrikaanse Bestemmings!, www.afrikaans.com/ und ein Online Wörterbuch.

Aufgrund der ethnischen Vielfalt des Landes werden 11 offizielle Sprachen gesprochen, oben auf dem Bild ist ein Schild der Telkom zu sehen, das ich in einem Postamt aufgenommen habe. Die Unterschiede hier mal an Hand der Begrüßungsformeln:

Englisch sprechende Südafrikaner sagen Hello oder Good morning, was von den meisten anderen auch verstanden wird. Afrikaaner benutzen Goeie more - Guten Morgen. Zulus und Swasi grüßen einander mit Sakubona, was wörtlich übersetzt "Ich sehe dich" heist. Auch Kunjani - "Wie geht es Dir?" - ist gebräuchlich. Molo ist die Grussformel der Xhosa, Dumela die der Sotho und Tswana, beide haben eine ähnliche Bedeutung. Alle Südafrikaner schütteln sich die Hände bei der Begrüsung, viele Leute aus ländlichen Regionen benutzen sogar beide Hände.

Ortsnamen-Babylon

Südafrika wirbt mit dem Slogan: "Die ganze Welt in einem Land" für die Vielfalt von Landschaft, Klima und Flora. Die Vielfalt der Sprachen sorgt manchmal für babylonisches Wirrwarr. Nicht genug, dass Ortsnamen ihre Wurzeln im Niederländischen, Englischen, Französischen, Deutschen oder Portugiesischen haben, sie stammen auch von Sprachen wie Zulu, Afrikaans, Xhosa, Sotho, San oder Tswana. Sogar Biblisches findet man in Ortsnamen wie Bethesda, Emmaus, Bethlehem oder Genadendal.

Mancher Ortsname ist wirklich schwierig auszusprechen und weltweit wohl einzigartig. Oder kennt jemand ausshalb von Südafrika noch Orte mit dem Namen Qhoboshaeneng, Baardskeerdersbos oder Umkungunhlovo?

Ausserdem werden einige Städte mit Abkürzungsslang bedacht, wer kennt nicht CT, PE oder Jo´burg?

Als der Portugiese Dias 1487 am Kap landete nannte es es Cobo Tormentosa, später wurde es dann wohl aus Public Relation Gründen in Cabo de Boa Esperanza umbenannt. Auch andere von Portugiesen benannte Flecken erfuhren danach eine Namensänderung.

Die Buren benannten ihre Orte wohl eher nach persönlichen ersten Eindrucken, so entstanden Namen wie Banghoek (Furchtecke), Eensamheid (Einsamkeit), Weenen (Weinen) oder Reivilo (bedeutet nix, nur Olivier rückwärts). Elandsbaii mag der unbedarfte Deutsche mit Elendsbucht übersetzen, Eland ist allerdings eine Antilopenart, nach der die Bucht benannt ist. Und ob in Mooimeisiesfontein wirklich schöne Jungfrauen in der Quelle gelebt haben? Quellen und Sümpfe muss es jedenfalls eine Menge geben, es gibt nämlich auch eine Menge Ortsnamen mit dem Begriff Fontein oder Vlei: Yzerfontein, Matjiesfontein, Driefontein, Rondevlei......

Auch bekannte Weingüter haben klingende Namen wie Allesverloren, Meerlust, Morgenhof, Buitenverwachting (über alle Erwartungen) oder Kanonkop.

Die französischen Hugenotten hinterließen Klangvolles wie La Rochelle, La Motte oder Lanquedoc.

Die Engländer, Schotten und Iren wiederum wollten möglich alles so benennen, wie in ihrer Heimat üblich und somit gibt es auch im Süden von Afrika nun ein Margate, ein Devon, ein Aberdeen, ein Belfast und ein Newcastle. Ausserdem ist alles mögliche nach Königin und Königskindern benannt wie der Prince Alfred`s Pass, der Ort Prince Alfred Hamlet oder die Victoria und Alfred Waterfront.

Auch deutsche Städtenamen sind durchaus üblich und reichlich auf der Landkarte Südafrikas zu finden. Wer wollte nicht immer schon mal nach Heidelberg, Dysselsdorp oder Hamburg? Das südafrikanische Wupperthal wurde sogar noch weit vor der Stadt in Nordrhein-Westfalen gegründet.

Auch die Niederländer haben ihr Amsterdam, Amersfoort, Uetrecht, Ermelo und ihr Dordrecht in Südafrikas Atlas hinterlassen.

Namen, die aus afrikanischen Sprachen entstanden haben meist eine Bedeutung, so ist zum Beispiel Karoo das San-Wort für "Trockener Platz" - wie treffend.

Zur Verwirrung trügt bei, das viele Städte seit November 2002 umbenannt wurden und wieder afrikanische Namen tragen sollen. So wurde aus:

Pretoria = Tshwane

Bloemfontein = Manguang

Bethlehem = Dihlabeng

Paulpietersburg = uPhongolo

Warmbaths = Bela Bela

Nelspruit = Mbombela

East London = Buffalo City

Durban = eThekwini

Petermaritzburg = Msunduzi

Bis jetzt hat sich das aber noch nicht so richtig rumgesprochen und die Verkehrsschilder und das Kartenmaterial weisen noch die alten Namen aus. Im Volksmund hält sich sowas bekanntlich ja noch viel länger, vor allem unter den Weißen Südafrikanern.

Video zum Thema

Jacqui Schmidt and Mavis Nontsekelelo on the News in Xhosa

| Weltreisen | Südafrika | Allgemeines | HOME |

Social Bookmarks
wong twitter_de facebook Google