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Während wir da so durch Kanada fahren, sehen wir Namen oder auffällige Dinge am Wegesrand. Manches lässt sich oft nicht so einfach erklären, und man stellt wilde Vermutungen an. Dann aber recherchiert man am Abend mal im Internet und ist oft erstaunt, was für eine Geschichte dahinter steckt.
Hier habe ich für Euch ein acht Fragen zusammengestellt, weiter unten nach den Bildern stehen die Anworten. Oder klickt gleich auf den Link ANTWORT hinter der Frage. Egal ob Neuling oder Kanada-Kenner, hättet Ihr sie alle beantworten können?
1. Was transportieren die weißen großen Autos mit den blauen Buchstaben Purolator, oft ergänzt durch eine geschwungene rote Linie?
ANTWORT 1
2. Warum findet man an vielen Häusern und Garagen in Nova Scotia einen fünfzackigen Stern?
ANTWORT 2
3. Warum sieht man auf Neufundland oft eine schwebende Tür ohne Treppe im ersten Stock?
ANTWORT 3
4.Warum gibt es eine rote Fahne an den Briefkästen am Straßenrand?
ANTWORT 4
5. Warum hängen um Strommasten oft breite Plastikringe?
ANTWORT 5
6. Warum sieht man in Nova Scotia gefühlt an jeder Ecke jemanden auf einem Rasentrakor seine Runden drehen?
ANTWORT 6
7. Warum gibt es in vielen Orten so viele "Lobster Traps" (Hummerkörbe) gestapelt vor den Häusern?
ANTWORT 7
8. Warum sind in den Atlantikprovinzen so viele Häuser bunt gestrichen?
ANTWORT 8
8. Warum stehen überall rote oder bunte Stühle in der Landschaft?
Diese Antwort findt Ihr ausführlich HIER.





Purolator ist einer der größten kanadischen Paket-, Express- und Logistikdienstleister. Wenn man es mit Deutschland vergleicht, ist es im Grunde das kanadische Äquivalent zu DHL Express oder UPS. Das Unternehmen gehört zu 91 % der kanadischen Post (Canada Post), operiert aber als eigenständiger, meist schnellerer und teurerer Kurierdienst für eilige Sendungen.
Der Name klingt ein bisschen wie ein Haushaltsgerät oder ein Filter. Das liegt daran, dass die Firma in den 1960er Jahren als Tochter eines US-Herstellers von Öl- und Luftfiltern gegründet wurde ("Pure Oil Later"). Der Name blieb, auch als man sich komplett auf Logistik konzentrierte.
Der Name setzt sich aus dem Slogan "Pure Oil Later" zusammen.
Das Ganze war ursprünglich ein reines Wortspiel: Das Versprechen der Filter war eben, dass das Öl durch die Reinigung "später pur" (pure oil later) sein würde.
Als sich das Unternehmen dann im Laufe der Jahre komplett veränderte und zu dem großen kanadischen Paket- und Logistikdienstleister wurde, den man heute überall sieht, hat man den bekannten Markennamen einfach beibehalten. Mit Filtern oder sauberem Öl hat die Firma heute also überhaupt nichts mehr zu tun.

Zum einen ist der Stern ein starkes Kultur- und Herkunftssymbol. Er steht für die Gemeinschaft der Akadier (Acadians), den Nachfahren der ersten französischen Siedler in der Region, die eine sehr bewegte und tragische Geschichte hinter sich haben. Auf der akadischen Flagge befindet sich genau so ein goldener Stern, die Stella Maris (der Meerstern), der als Symbol für die Jungfrau Maria und als Schutzpatronin der Seeleute und Fischer gilt. Viele Familien zeigen mit diesem Stern an der Fassade stolz ihre akadischen Wurzeln.
Zum anderen hat sich der Stern über die Jahre zu einem reinen Dekorations- und Glückssymbol entwickelt. Ursprünglich stammt dieser Brauch der sogenannten Barnstars von deutschen Einwanderern in Pennsylvania. Dort wurden sie als Glücksbringer an Scheunen angebracht, um für gute Ernten zu sorgen und Unheil abzuwenden. Dieser ländliche "Farmhouse"-Stil wurde irgendwann so populär, dass die Sterne in ganz Nordamerika Einzug in die Baumärkte hielten.
Heute hängen sie deshalb an unzähligen Häusern in ganz Nova Scotia, oft auch völlig unabhängig von einer akadischen Herkunft, einfach als rustikale Deko und als Wunsch für ein gutes und sicheres Zuhause.

Diese architektonische Besonderheit ist an der Ostküste als "Newfoundland Door" bekannt. Oft bauten die Menschen ihre Häuser mit dieser Tür, um später in Hanglage problemlos eine Veranda oder einen Balkon anzubauen, schoben das Projekt aus Kostengründen auf oder sparten sich die Fertigstellung, um Steuern zu sparen. Im extremen Winter, wenn der Schnee meterhoch lag, diente sie außerdem manchmal als Notausgang.

Das ist kein Signal für den Besitzer, dass Post angekommen ist, sondern ein Zeichen für den Postboten. In Kanada nimmt die Post frankierte Briefe direkt aus dem privaten Kasten mit. Klappt man die rote Fahne hoch, weiß der Briefträger beim Vorbeifahren, dass er anhalten und Post zum Mitnehmen herausholen muss.

Bei diesen Ringen handelt es sich um eine Waschbären-Sperre, hier Raccoon Baffle genannt). Die kletterwütigen Tiere verursachen nämlich regelmäßig Kurzschlüsse und Stromausfälle, wenn sie an die Transformatoren geraten. Aber auf dem glatten Plastik finden sie keinen Halt und bleiben am daher Boden.

Außerhalb der Stadtkerne sind die Grundstücke in Nova Scotia oft gigantisch groß. Viele Häuser haben Rasenflächen, die eher an kleine Parkanlagen oder Fußballfelder erinnern. Mit einem normalen Schieberasenmäher wäre man da tagelang beschäftigt, der Aufsitzmäher ist hier einfach ein notwendiges Werkzeug.
Zudem hat Nova Scotia hat ein perfektes "Rasenwetter": es ist feucht, oft nebelig und im Frühsommer angenehm warm. Das Gras wächst unter diesen Bedingungen extrem schnell. Wer hier im Mai oder Juni auch nur eine Woche mit dem Mähen aussetzt, steht schnell vor einer unbezähmbaren Wiese.
Ein weiterer, sehr ernster und praktischer Grund: Nova Scotia ist leider bekannt für eine hohe Population an Hirschzecken (Blacklegged Ticks), die Borreliose übertragen können. Da Zecken sich besonders gern in hohem Gras aufhalten und dort auf Haustiere oder Menschen lauern, halten die Kanadier den Rasen rund um das Haus extrem kurz, um das Risiko im eigenen Garten flach zu halten.
In Kanada wird viel Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild des Hauses gelegt. Ein sauber gemähter Rasen gehört für viele zum guten Ton in der Nachbarschaft und ist Ausdruck von Stolz auf das eigene Eigentum. Daher ist das Aufsitzmähen kein lästiger Pflichttermin, sondern pure Entspannung. Man setzt sich die Kopfhörer auf und zieht in aller Ruhe seine Bahnen. Es ist für viele die perfekte Ausrede, um am Wochenende ein paar Stunden ungestört im Freien zu verbringen.
Oftmals stehen neben der Garage oder dem Gartenhaus gleich zwei solche kleinen Traktoren. Es könnte ja sein, das einer der Mäher einen Defekt hat, dann steht man nicht ohne da, weil: gemäht werden muss!

Viele Familien leben hier 6 Monate im Jahr direkt oder indirekt vom Hummerfang. Die Körbe werden dort gelagert, gereinigt, repariert und für die nächste Saison vorbereitet. Gerade in Nova Scotia und Neufundland gehören diese Stapel zum typischen Ortsbild. Ein Hummerfischer besitzt oft mehrere hundert, teilweise sogar über tausend Körbe. Jeder Korb ist mit einer farbig markierten Boje verbunden. Die Farbkombination ist wie eine persönliche Kennung des Fischers.
Früher wurden sie aus Holzlatten gefertigt, heute überwiegend aus einem stabilen Stahlrahmen mit kunststoffbeschichtetem Drahtgeflecht. Moderne Körbe besitzen Fluchtöffnungen für kleine Hummer und oft auch eine biologisch abbaubare Sollbruchstelle. Geht ein Korb verloren, öffnet er sich nach einiger Zeit, sodass keine Tiere dauerhaft darin gefangen werden.
Im Inneren befinden sich trichterförmige Eingänge. In den Korb wird Köder gelegt, meist Hering oder Makrele. Der Hummer folgt dem Geruch und krabbelt durch den trichterförmigen Eingang hinein, findet aber nur schwer wieder hinaus. Der Korb wird mit einem Seil und einer Boje markiert und später vom Fischer wieder eingeholt.

Besonders in den Küstenorten von Nova Scotia und Neufundland prägen bunt gestrichene Holzhäuser das Ortsbild. Die kräftigen Farben machten die Häuser bei Nebel, Regen und Schnee besser erkennbar und brachten gleichzeitig etwas Farbe in die oft graue Küstenlandschaft. Heute sind sie vor allem Ausdruck der regionalen Tradition. Im Hafen sind die Geräteschuppen manchmal in der Farbkombi des Fischers für seine Hummerkorb-Bojen gestrichen.
Die meisten Häuser sind mit Holzschindeln oder Holzverschalungen verkleidet, die regelmäßig gestrichen werden müssen. Durch salzige Meeresluft, starke UV-Strahlung, Wind und Feuchtigkeit hält ein Anstrich meist nur etwa 7 bis 10 Jahre, an besonders exponierten Küstenlagen oft sogar nur 5 bis 7 Jahre. Deshalb wird viel Wert auf hochwertige Außenfarben gelegt.
Neben Holz kommen heute auch Vinylverkleidungen (PVC-Siding), Faserzementplatten oder Aluminiumverkleidungen zum Einsatz. Diese Materialien sind oft bereits durchgefärbt und müssen nicht mehr gestrichen werden. Trotzdem bleiben kräftige Farben wie Rot, Blau, Gelb oder Grün beliebt und sorgen dafür, dass viele Orte ihren charakteristischen, farbenfrohen Charme behalten.



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