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STELLPLÄTZE

Das Übernachten und die Suche nach dem perfekten Stellplatz in Ostkanada hatten wir uns im Vorfeld ehrlich gesagt etwas anders vorgestellt. In unserer Vorstellung wollten wir viel öfter frei in der Natur stehen, das sogenannte Boondocking nutzen und die Einsamkeit genießen.

Die Realität in Nova Scotia und Newfoundland sah jedoch ein wenig anders aus, da ein Großteil der Grundstücke in Küstennähe in Privatbesitz ist, Zäune den Weg versperren oder deutliche Verbotsschilder sehr oft das Campen untersagen.

Eigentlich ist alles ziemlich zugebaut und Privatbesitz, die meisten Wege führen vom Highway zu Häusern. Nova Scotia ist die am dichtesten besiedelte Atlantikprovinz Kanadas. Während der kanadische Westen durch riesige, unberührte Staatsflächen geprägt ist, stößt man im Osten auf eine völlig andere Siedlungs- und Landstruktur, die das freie Stehen erheblich erschwert.

Nova Scotia ist nach Prince Edward Island die flächenmäßig kleinste Provinz Kanadas, beheimatet aber über eine Million Einwohner. Daraus ergibt sich eine hohe Bevölkerungsdichte von rund 20 Einwohnern pro Quadratkilometer, das ist im kanadischen Vergleich extrem viel. Zum Vergleich: British Columbia hat etwa 5 Einwohner/km². Nahezu jede malerische Bucht, jede Klippe und jeder Strandzugang gehört einer Familie oder ist als touristisches Eigentum deklariert.

Fast alle Straßen abseits der Highways sind meist private Zufahrten zu Wohnhäusern oder Ferien-Cottages. Und nahe der wenigen Forestry Roads im Landesinneren steht man je nach Jahreszeit zwischen Black Flies, Mücken und Zecken.

Waldwege waren nach den Regenfällen so nass, tief und unübersichtlich, was den weiteren Verlauf angeht, dass wir das Risiko mit unserem Truck-Camper gar nicht erst eingehen wollten, dorthin abzubiegen und steckenzubleiben. Einmal hat Google-Maps uns fehlgeleitet, die Gravel-Road wandelte sich von einer zweispurigen Splitt-Straße zu einem einspurigen Schotterweg und dann zu einem Dschungelpfad für Quads - da mussten wir mir viel Mühe wenden und zurückfahren.

Findet man mal einen schönen Platz, an dem man stehen bleiben könnte, und er ist nicht besetzt, dann ist es meist Vormittag und man möchte an diesem Tag noch etwas weiterfahren. An einer einzigen Stelle haben wir tatsächlich ein Schild gesehen: "Campers welcome"

Besonders im Norden von Newfoundland war Hochsaison und ohne Vorbuchung hätten wir nur mit Mühe einen Standplatz gefunden. Die Insel ist riesig, sehr dünn besiedelt und das ist theoretisch ein Paradies für Wildcamping, aber in der Praxis lauern handfeste Hindernisse. Die unberührte Natur besteht abseits der Straßen überwiegend aus dichten, undurchdringlichen borealen Nadelwäldern, Mooren und schroffen Felsen. Es gibt schlicht keine befahrbaren Wege in diese Wildnis. Die wenigen Abzweige ins Landesinnere sind oft alte Holzfäller- oder Minenwege und nach heftigen Regenfällen verwandeln sich diese Pisten in tiefen Schlamm. Ohne die Bereitschaft festzustecken sind diese Wege mit einem Miet-Wohnmobil unpassierbar.

An den gut erreichbaren Küstenabschnitten konzentriert sich das Leben in kleinen Fischerdörfern. Aber genau wie in Nova Scotia ist der direkte Zugang zum Wasser im besiedelten Raum meist Privatbesitz. Aufgrund des enormen Booms beim Eisberg- und Wal-Tourismus im Sommer reagieren Gemeinden zunehmend empfindlicher auf Wildcamper und stellen rigoros Verbotsschilder auf, viele Zufahrten zu möglichen Plätzen werden mit großen Felsbrocken abgesperrt.

So landeten wir am Ende doch wesentlich häufiger als gedacht und erwünscht auf RV-Campingplätzen, die allerdings oft eher den Charme von aneinandergereihten Parkplätzen versprühten. Die Stellflächen sind meist eng, sodass man den dicken, fetten Nachbarcampern, die mit ihren Generatoren und Klimaanlagen nicht selten ordentlich Krach machten, kaum entkommen konnte. Auch die sanitäre Infrastruktur ließ hier und da zu wünschen übrig. Es ist keine Seltenheit, dass ein riesiger, voll besetzter Platz lediglich mit ein bis zwei Duschen ausgestattet ist.

Trotz dieser Abstriche wurden die Campingplätze für uns, insbesondere auf Newfoundland, dennoch zu einer unverzichtbaren Anlaufstelle. In den ungemütlichen, kalten Nächten war ein Stromanschluss wichtig, mit dem wir unseren leisen Heizlüfter betreiben konnten um die Kabine angenehm warm zu halten, ohne Angst vor einer leeren Gasflasche. Auch wenn so das romantische Bild vom Campen in der Einsamkeit leider der Realität weichen musste.

Wenn man den Osten Kanadas mit British Columbia (BC) und Alberta vergleicht, ist das beim Thema Freistehen ein Unterschied wie Tag und Nacht. In BC und Alberta gibt es ein fantastisches, riesiges Netzwerk an kostenlosen oder sehr günstigen Stellplätzen, die genau auf diese Art des Reisens ausgelegt sind.

Offizielle Recreation Sites sind meist einfache, wunderschön in der Natur an Seen oder Flüssen gelegene Plätze, die von der Provinzregierung instand gehalten werden. Es gibt dort keinen Strom und kein fließendes Wasser. Aber fast jede dieser Sites hatte solide Stellplätze, feste Feuerstellen, Picknicktische und ein einfaches Plumpsklo. Sehr viele dieser Plätze sind komplett kostenlos. Einige wenige, die besonders gut erreichbar sind oder von einem festen Betreuer vor Ort gepflegt werden, kosten eine kleine Gebühr, die bar in eine Box geworfen wird.

So etwas suchten wir im Osten leider vergeblich, weshalb wir hier wohl keinen Camper mehr mieten werden, sondern beim nächsten Mal eher in Cottages mit Leihwagen unterwegs sein werden, so wie fast überall auf der Welt auch. Auch weil es das schöne Lyout des Truck Camper Bunk mit slide-out nur noch bis 2027 gibt und danach ausgemustert wird.








Provincial Parks

Während im Westen (BC) über 90 % des Landes Crown Land sind, ist der allergrößte Teil der Atlantikprovinzen in privater Hand oder als streng geschützter National- und Provinzpark ausgewiesen, in dem Wildcampen verboten ist.

Die Provincial Parks in Nova Scotia und Newfoundland bieten für das Campen mit dem Wohnmobil eine wunderschöne, naturnahe Alternative zu den oft engen, privaten Campingplätzen und entsprachen genau dem, was wir uns im Vorfeld vorgestellt hatten. Im Gegensatz zu den kommerziellen Stellplätzen steht man hier auf sehr großzügigen, geräumigen Campsites, die von dichtem Grün, hohen Bäumen und natürlichem Sichtschutz umgeben sind. Dadurch genießt man ein echtes Gefühl von Privatsphäre und Wildnis. Ein charmantes Relikt der kanadischen Parkkultur ist das typische gelbe Telefon, das man manchmal noch im Eingangsbereich oder an zentralen Punkten der Parks findet. Über dieses kostenlose Telefon lässt sich bei der Ankunft direkt Kontakt mit der Parkverwaltung aufnehmen, um einzuchecken oder Fragen zu klären – auch wenn wir diese Möglichkeit während unserer Reise nur ein einziges Mal nutzen mussten. Es war recht langwierig, über die Verbindung mit einem Sprachcomputer die Kreditkartennummer recht flott anzusagen, aber es hat funktionert.

Die meisten Provincial Parks öffnen ihre Tore für Camper erst gegen Mitte oder Ende Mai und schließen sie oft schon im Laufe des Septembers, spätestens jedoch nach dem Thanksgiving-Wochenende im Oktober, wenn der raue atlantische Herbst einzieht. In dieser kurzen Saison, besonders an den Wochenenden und während der kanadischen Sommerferien im Juli und August, sind die Parks unglaublich beliebt und rasch restlos ausgebucht, da auch viele Einheimische für ein paar Tage in die Natur flüchten. Neben den Provinzparks bieten übrigens auch die noch bekannteren Nationalparks der Region, wie der berühmte Terra Nova National Park oder der Cape-Breton-Highlands-Nationalpark, atemberaubende staatliche Stellplätze, die nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionieren.

Um sich einen der begehrten Plätze zu sichern, ist eine frühzeitige Reservierung über die jeweiligen Online-Buchungsportale der Provinzen dringend zu empfehlen. Das Buchungssystem für die Nova Scotia Provincial Parks schaltet meist im frühen April frei, während das Portal von ParksNL in Newfoundland und Labrador in der Regel in der zweiten Aprilhälfte die Reservierungsphase eröffnet. In den ersten Tagen führt dies regelmäßig zu einem großen virtuellen Ansturm und langen digitalen Warteschlangen.

Für jede Reservierung wird neben den eigentlichen Übernachtungskosten eine feste Vorbuchungsgebühr fällig, die in der Regel zwischen 7 und 9 CAD liegt und im Falle einer Stornierung nicht erstattet wird. Wer diese kleine Gebühr investiert und ein bisschen vorausplant, wird dafür mit herrlich ruhigen Nächten im Grünen belohnt, die genau das bieten, was man von einer Campingreise im Osten Kanadas erwartet. Die Ausstattung variiert dabei von Platz zu Platz: Es gibt Stellplätze mal mit und mal ohne Stromanschluss (unserviced), wobei die parzellierten Plätze mit Strom meist als Erstes komplett ausgebucht sind, während man unserviced Plätze oft noch sehr spontan vor Ort ergattern kann.

Achtung: Auch wenn man drei Buchungen in einem Auftrag zusammenfassen kann, so kostet das dennoch drei mal Gebühren! Also zur besseren Übersicht in der Mailbox und auf dem Kreditkartenkonto besser jeden Platz als Einzelbuchung für die gewünschte Anzahl Tage buchen.

Zu den Bildern der weniger schönen Plätze hier: Einen Generator hatte in den 8 Wochen nur einmal jemand kurz laufen, vor dem Geknatter waren wir zum Glück verschont. Das kann auch anders ausgehen! Die Ausstattung der Kanadier ist teilweise erstaunlich. So holte einmal unser Nachbar eine verlängerbare Waschbürste mit Wasseranschluss hervor und hat seinen Campervan gewaschen und poliert - trotz angesagtem Regenwetter. Andere waren mit Kombi und kleinen Zelten zum Schlafen unterwegs und haben auf den Holztischen der Sites gekocht. Aber gegessen wurde in einem großen Zelt mit Stehhöhe, welches zu 90% aus Fliegennetz gegen Mücken und Blackflies bestand - Natur ist, was man draus macht.

Sehr glücklich waren wir mit den gelben Auffahr-Keilen zum nievellieren des Campers. Mit etwas Geschick konnte unser Truckcamper auf so manch schrägen Platz noch fast waagerecht ausgerichtet werden.











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