| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Central | Site-Map | HOME |

| Wasserfälle und Haypook Summit |

ALEXANDER MURRAY TRAIL

Als wir am Morgen in Rocky Harbour im Gros Morne National Park losgefahren sind, kam schon die Sonne heraus und der Himmel wurde blau. So suchten wir noch eine schöne Wanderung entlang der Fahrstrecke, denn wir hatten eine Nacht im Ort Grand Falls-Windsor geplant, um dort am nächsten Morgen noch in Ruhe unsere Vorräte aufzufüllen, bevor wir weiter in Richtung Twillingate fuhren.

Mit dem Alexander Murray Hiking Trail bei Kings Point hatten wir in den Informationsheften etwas interessantes entdeckt. Also bogen wir 116 km hinter Deer Lake vom Trans-Canada Highway nach Norden auf die NL-390 ab und kurze Zeit später noch einmal auf die NL-391. Bis zum Trailhead sind es hier noch mal 14 km.

Kurz vor Erreichen von King's Point liegt der Parkplatz des Alexander Murray Hiking Trail mit einem angeschlossenen kleinen Shop, der sich schnell als perfekt entpuppte. Bevor es überhaupt auf den Weg ging, haben wir uns dort erst einmal einen Kaffee geholt und uns mit der freundlichen Frau im Laden unterhalten, die uns ein paar Tipps zur Route mitgab. Hier bekommt man auch eine Mud-Map zur Route.

Am Anfang der Wanderung sollte man sich im Wachhäuschen vor der Brücke über den Bach hinter dem Shop in ein Buch eintragen und nach der Wanderung dort auch wieder abmelden. Sonst wird man als vermisst gesucht. Der Weg führt zunächst ohne große Steigung durch borealen Nadelwald, am plätschernden Grouse Brook entlang. Dann durchquert man die sogenannten Moose Barrens, eine offene Moorlandschaft. Leider haben wir hier keinen der Namensgeber gesehen.

Dafür wuchsen hier wieder die fleischfressenden Pflanzen, die wir schon von der Wanderung in den Tablelands kannten. Die Purpurrote Schlauchpflanze (Purple Pitcher Plant oder Sarracenia purpurea) ist die offizielle Provinzemblem-Blume Neufundlands.

Sie hat auffällige rote bis purpurfarbene Blätter, die zu kleinen Schläuchen oder Kelchen umgebildet sind. Darin sammelt sich Regenwasser. Da sie aus dem Boden keine Nährstoffe ziehen kann, deckt sie ihren Stickstoffbedarf über Insekten, die in ihren mit Regenwasser gefüllten Trichtern ertrinken und verdaut werden. Angelockt von der Farbe und vom süßlichen Duftstoffen landen sie auf dem Rand des Kelches und können leicht hineinrutschen. Die Innenseite ist glatt und mit nach unten gerichteten Haaren versehen, wieder herauszuklettern ist deshalb schwierig. Am Boden des Kelches befindet sich eine Flüssigkeit, in der das gefangene Insekt schließlich zersetzt wird, dann kann die Pflanze die dabei frei werdenden Nährstoffe aufnehmen.

Nach etwa 1,5 Kilometern erreicht man die Weggabelung für den Rundweg. Man kann den Trail hier im oder gegen den Uhrzeigersinn laufen. Wir haben uns für die Runde nach rechts (gegen den Uhrzeigersinn) entschieden.

Beim Wandern über die Ostflanke wurde es schnell warm, auch wenn ab und zu noch ein kühler Wind wehte. Die Regenjacke landete schnell in der Tasche. Die Sonne brannte hier ganz schön und wir haben es zum ersten Mal bereut, auf dieser Reise keine Hüte mitgenommen zu haben. Schatten gibt es hier keinen. Aber wir hatten ausreichend Power-Riegel und Wasser im Gepäck und zur Not immer noch eine Kapuze.

Auf der rechten Route geht es nochmal etwa 1 km durch Moor- und Heidelandschaft, dort überquert man nach links Corner Brook, kurz danach beginnt der steile Aufstieg in Form von langen, gut gebauten Holztreppen, die sich in mehreren Abschnitten den Hang hinaufziehen. Insgesamt passiert man auf der gesamten Acht-Kilometer-Runde fünf ausgewiesene Aussichtspunkte, die ersten davon schon hier auf dem Weg nach oben. Es sind kleine Plattformen mit einer grandiosen Aussicht auf King's Point und den Southwest Arm von Green Bay, der mit jedem Höhenmeter weiter wird.

Dieser Anstieg ist extrem steil und wir mussten immer wieder mal stehen bleiben. Gegen den Uhrzeigersinn bewältigt man den kleineren Teil der 2.200 Stufen im Steig-Modus. Das geht zwar ordentlich in die Oberschenkel und Waden, entlastet dafür aber die Knie, da man die vielen Stufen nicht bergab laufen muss - das kommt dann am Ende. Die meisten Wanderer hatten sich aber anders entschieden und kamen uns entgegen. Egal wie herum, der Anstieg erfordert jedenfalls von Beginn an sehr gute Kondition, da man die Treppen kaskadenartig nach oben steigen muss – und wenn man müde ist, ist es bergab vielleicht leichter.

Insgesamt ist man etwas schneller unterwegs, wenn man links hoch nur bis zum Aussichtspunkt geht und den gleichen Weg wieder zurückläuft. Dann verpasst man aber zwei Wasserfälle und die weiteren Aussichtspunkte. Die Orientierungskarte hier ist nicht ganz Entfernungsgetreu, es fehlt auch der kurze Abstecher zu den Corner Brook Falls, die eben nicht direkt an der Hauptschleife liegen.









Wasserfälle und Haypook Summit

Der Weg führt jetzt immer weiter bergauf, vorbei an dichtem Wald, Felsformationen und den ersten Aussichtspunkten über die Hall's Bay und die Meeresarme der Green Bay in Richtung Gipfel.

Im oberen Drittel des Treppenaufstiegs erreicht man die schönen Gull Brook Falls im östlichen Bereich des Trails. Auch hier gibt es einige Plattformen, um den Wasserfall zu bestaunen oder eine kleine Pause einzulegen. Die Fälle liegen am Flusslauf des Gull Brook bzw. in den angrenzenden Schluchten.

Weiter im Verlauf kommt man durch den Wald. Dieser Teil des Weges kann sehr rutschig werden, wenn es geregnet hat. Man geht hier auf einem schmalen Pfad, der voller Wurzeln und Steine ist. Für mich war das schlimmer als die Treppen, da ich bei solchen Wegen unsicher laufe, weil ich nicht gut dreidimensional gucken kann.

Der Weg führt dann noch an den etwas kleineren Rowsell’s Falls vorbei, und über Wiesen geht es steil bergauf bis zum Gipfel. Da oben wurde es dann noch einmal ziemlich matschig und anstrengend. Das letzte Stück vor den Felsen oben ist nochmal eine ordentliche Treppe. Von der Brücke unten bis zum Gipfel sind es hier nur 1,6 km.

Endlich oben angekommen erreicht man den Haypook Summit auf rund 335 Metern. Dies ist der mit Abstand schönste Punkt der Runde mit Aussichtsplattformen. Von hier hat man einen fabelhaften 360°-Rundumblick über Green Bay, die Ortschaft King's Point tief unter einem, die Moorlandschaft der Barrens und die charakteristischen Hügelketten der Gaff Topsails am Horizont. Ein perfekter Platz für eine Rast und die mitgebrachte Verpflegung.

An klaren Tagen kann man hier wunderbar Ausschau nach Eisbergen halten, die weit unten in der Bucht schwimmen. 2026 gab es sogar einen Eisberg, der hier vor King's Point bis Ende Juli noch zu sehen war. Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel.

Den Abstieg auf der anderen Seite und ein paar Statistiken zum Weg findest du auf der zweiten Seite namens Viele Stufen.













Video zum Thema

Google Map zum Thema

| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Central | Site-Map | HOME |

| Datenschutz | Impressum |