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PRIME BERTH FISHING MUSEUM

Eine Reise entlang der Road to the Isles führt unweigerlich zu einem Ort, an dem die maritime Geschichte Neufundlands nicht bloß ausgestellt, sondern mit viel Herzblut bewahrt wird: das Prime Berth Fishing Museum and Heritage Centre. Direkt an der Route 340 gelegen, kurz vor Twillingate, hat Captain Dave Boyd hier eine ganz besondere Sammlung rund um das traditionelle Leben der neufundländischen Fischerfamilien zusammengetragen.

Wir waren auf der Suche nach einem Anbieter für eine Bootsfahrt zu den Eisbergen. Nachdem wir bei einem der größeren Anbieter das Park-Chaos und die Menschenmassen gesehen hatten, wollten wir lieber ein kleineres, persönlicheres Erlebnis. Und genau das fanden wir hier bei Captain Dave.

Captain Dave ist ein echtes Urgestein der Gegend und ein Geschichtenerzähler par excellence. Er stammt aus einer traditionellen Fischerfamilie aus Tizzard’s Harbour, einer Halbinsel westlich von Twillingate Island, und ist mit dem Leben auf dem Wasser groß geworden. Als das kanadische Kabeljau-Moratorium von 1992 die traditionelle Fischerei praktisch zum Erliegen brachte, begann er verstärkt, Erinnerungsstücke und Zeugnisse dieser alten Lebensweise zu sammeln und für Besucher zugänglich zu machen. Über die Jahre kamen historische Bootsschuppen, Fischereigeräte, Räucherkammern und zahlreiche andere Gegenstände aus dem Fischerleben zusammen. Sogar große Walskelette gehören zur Sammlung. Seine Frau kümmert sich unter anderem um den angeschlossenen Souvenirshop.

Das Herzstück unseres Besuchs waren jedoch seine Bootstouren. Wenn Captain Dave das Steuer übernimmt, wird aus einer gewöhnlichen Ausflugsfahrt schnell eine lebendige Geschichtsstunde über die See, die Fischerei und das Leben an dieser rauen Küste. Mit viel Humor und einem enormen Wissen über seine Heimat erzählt er von den Menschen, den Tieren und den Besonderheiten der Gewässer rund um Twillingate. Wir fuhren mit zwei Booten hinaus, eines wurde von ihm gesteuert, das zweite von seinem Schwiegersohn Justin, der viele Jahre als Bootsbauer an genau dieser Art Aluminiumboote gearbeitet hat.

Dadurch hatten wir als Passagiere angenehm viel Platz und konnten uns auf dem Boot bewegen, um nach allen Seiten Ausschau zu halten. Zwei Boote gleichzeitig draußen zu haben, empfanden wir außerdem als sehr angenehm.

Wir hatten uns im Camper noch einmal extra warm angezogen, bevor wir unten am Bootssteg die anderen Gäste kennenlernten und auf den Beginn der Tour warteten.

Die Sonne kam schließlich heraus. Wir hatten die Wettervorhersage genau verfolgt und deshalb am Vortag spontan hier angehalten und die Tour für diesen Zeitpunkt gebucht. Gekostet hat das Ganze pro Person 100 CAD.

Es gab hier aber nicht nur Eisberge zu sehen. Die Fahrt hatte noch einige andere interessante und ungewöhnliche Höhepunkte, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Die Eisberge gibt es dann noch ausführlicher auf der Seite Bootsfahrt zu sehen.

Ein Highlight der Fahrt war das hautnahe Erleben traditioneller Fangmethoden: Vor den Augen der Passagiere holten die beiden Kapitäne aus den tiefen, klaren Fluten der Bucht echte Hummerkörbe, die sogenannten Lobster Traps, nach oben. Das Heraufziehen der schweren Körbe, das Begutachten der gefangenen Hummer und die Erklärungen zu den strengen Schutzbestimmungen waren nicht nur interessant, sondern auch ein tolles Motiv zum Fotografieren.

Der Amerikanische Hummer (Homarus americanus), der in den kalten Gewässern rund um Neufundland lebt, gehört zu den bekanntesten und begehrtesten Spezialitäten der Region. In den vergleichsweise kalten Gewässern wachsen die Tiere langsam. Ihr Wachstum erfolgt durch Häutungen, deren Häufigkeit unter anderem vom Alter und von der Wassertemperatur abhängt. Große Tiere häuten sich nur noch in größeren Abständen.

Um die Bestände zu schützen, gelten für die Hummerfischerei strenge Regeln. Es gibt je Region nur wenige Moate im Jahr, wo gefangen werden dar. In Neufundland und Labrador darf ein Hummer nur behalten werden, wenn sein Rückenpanzer eine Mindestlänge von 82,5 Millimetern erreicht. Die Länge wird am Carapax mit einer speziellen Messlehre überprüft. Ist der Hummer auch nur ein kleines Stück zu klein, geht er sofort wieder über Bord.

Auch eiertragende Weibchen sind tabu und müssen direkt zurückgesetzt werden. Zusätzlich gibt es das sogenannte V-Notching: Bei diesem freiwilligen Schutzprogramm schneiden Fischer eiertragenden Weibchen eine winzige V-Kerbe in die Schwanzflosse. Diese Markierung bleibt über mehrere Häutungen hinweg sichtbar. Ein so gekennzeichneter Hummer darf nicht gefangen werden, selbst wenn er aktuell keine sichtbaren Eier trägt. Auf diese Weise stellt man sicher, dass besonders fruchtbare Weibchen über Jahre hinweg für Nachwuchs sorgen können. Hier noch ein externer Link zur Paarung, eine bemerkenswerte und komplexe Geschichte.

Natürlich taten einem die schönen Tiere trotzdem ein wenig leid, wenn sie wieder in den Fangkorb gelegt und anschließend zurück ins Meer gelassen wurden. Andererseits war gerade dieser unmittelbare Einblick in die lokale Fischerei für uns ein ungemein spannender Teil der Tour.









Adler und ein Hund

Während das Boot bei der Annäherung an Tizzard’s Harbour langsam an den steilen Felsküsten vorbeiglitt, konnten wir auch ein mächtiges Adlernest beobachten. Mit scharfem Blick spürte Dave die Weißkopfseeadler auf, die erhaben über der Bucht kreisten oder am Nest auf ihre Jungen aufpassten. Wir sahen ein Weibchen im Nest. Angeblich sollten sich dort auch zwei Jungvögel befunden haben, die sich uns allerdings leider nicht zeigten. Der Vater saß etwas erhöht über dem Nest im Nadelwald und begutachtete die beiden Boote unter sich misstrauisch.

Im Laufe der Fahrt passierten wir auch den Ort, an dem Captain Dave aufgewachsen ist: Tizzard’s Harbour. Das kleine traditionelle Fischerdorf auf New World Island liegt nur wenige Kilometer und eine kurze Fahrt über das Wasser von Twillingate entfernt. Dort wuchs Dave auf und lernte schon als Kind das Leben und Arbeiten in der Fischerei kennen.

Als wir die Bucht erreichten, kam ein Freund von ihm an den Holzsteg. In seiner Begleitung war ein ganz besonderer Hund: Die imposanten Neufundländer sind sanftmütige Riesen mit einem dichten, wasserabweisenden Fell und den typischen Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Diese Rasse diente den Fischern der Insel früher als unverzichtbarer Arbeitshund, berühmt für das Einholen schwerer Fischernetze und mutige Rettungseinsätze im kalten Wasser.

Hier sahen wir den einzigen Vertreter seiner Art während der ganzen Reise: ein mächtiges Tier, das sich sogar ein bisschen vom Boot aus streicheln ließ. Unser Boot war zwar etwas weiter entfernt, aber mit dem Zoom konnte ich schöne Bilder von dem jungen Hund namens Chief machen.

Dann ging es weiter, einmal um die Ecke und dort waren sie: die ersten Eisberge dieser Tour.















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