| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Twillingate | Site-Map | HOME |
| Monster-Eisberg |
Auf der ersten Seite Prime Berth habe ich Captain Dave und seinen Schwiegersohn Justin vorgestellt und die besonderen Programmpunkte an diesem Tag, die nichts mit Eisbergen zu tun haben: Fischereimuseum, Neufundländer Hund, Hummerkörbe und ein Adlernest.
Hier auf dieser Seite geht es jetzt um das Wichtigste, weshalb man zu dieser Jahreszeit nach Twillingate reist: Eisberge in der sogenannten Iceberg Alley.
An diesem schönen, meist sonnigen Tag gab es gleich mehrere in der Umgebung. Zuerst querten wir die Bucht in Richtung Tizzard’s Harbour. Dort fuhren wir um die Spitze der Halbinsel im Norden herum in Richtung offenes Meer, und da waren sie: prächtige Eisberge.
Die kühle, salzige Atlantikluft peitscht ins Gesicht, während die zwei Bootsmotoren kräftig brummen und das Schiff Kurs auf die offene See nimmt. Die Aufregung an Bord ist greifbar, Ferngläser werden geputzt, Kameras in Anschlag gebracht, und jeder blickt gebannt über das glitzernde Wasser, um das erste Weiß zu entdecken. Lange muss man nicht fahren, bis der erste Eisberg auch schon umrundet wird.
Schon bald tauchen weitere eisige Gebilde aus dem Blau auf, und mit jedem Meter, den sich das Boot nähert, steigt die Begeisterung. Die Vielfalt der Formen ist schier überwältigend: Einige Eisberge ragen wie mächtige, gotische Kathedralen mit steilen Türmen empor, andere ähneln geschwungenen Skulpturen, sanften Bögen oder wuchtigen Tafelbergen. Überall tropft es, während die Wellen auf den flacheren Teil treffen und ins Meer zurücklaufen. Genauso faszinierend ist das Farbenspiel der Giganten: Neben dem makellosen, blendenden Weiß des jahrtausendealten Schnees schimmern die Risse und tiefen Eishöhlen in einem schier unwirklichen, leuchtenden Türkis oder Saphirblau.
Man gerät in einen regelrechten Fotografierrausch: Ständig wird der Auslöser gedrückt, jeder Winkel, jede Schattierung und jede Kante muss festgehalten werden, schließlich ist jeder dieser Eisriesen ein absolutes Unikat, das vor den eigenen Augen langsam zerfällt.
Zwei riesige Eisberge konnten wir umrunden: Einer hatte vier markante Ecken, der andere war ein Tafelberg mit einem großen Seitenteil, das hoch über dem Boot aufragte.
Wenn man einmal rundherum fährt, sieht man mit jedem Meter, den das Boot zurücklegt, eine andere Perspektive mit neuen Spitzen, Rillen und Formen.
Mit etwas Glück konnten wir erleben, wie ein Stück von einem der Riesen abbrach und sich die kleineren Eisbrocken auf dem tiefen Meeresblau verteilten.
Auch die Boote von anderen Anbietern waren hier unterwegs, kleine Zodiacs und auch die richtig großen Schiffe. Was für ein Unterschied! Wir saßen in dem kleinen Boot mit nur zwölf Gästen pro Fahrt plus Skipper, ohne Musik, nur mit direkter Ansprache und sehr persönlich. Und auf der anderen Seite die großen Anbieter mit Musik und Lautsprecherdurchsagen.
Das größte Ausflugsboot zur Eisbergbeobachtung in Twillingate, betrieben von Iceberg Quest Ocean Tours, fasst bis zu 84 Passagiere. An Bord wird oft ein traditionelles Screech-In-Ritual angeboten, bei dem Gäste einen Schluck Neufundländer Rum trinken und zu ehrenamtlichen Neufundländern getauft werden. Auch das eine oder andere Tänzchen wird dabei gerne witzig inszeniert. Das ist allerdings nichts für uns, da wir es lieber kleiner und persönlicher mögen.
Und immer, wenn man denkt, es geht nicht besser, kommt um die nächste Ecke noch ein gigantischer Eisberg daher. Nach einer langen Besichtigungszeit fuhren wir mit voller Fahrt zurück in Richtung Prime Berth Fishing Museum.












Wir steuerten aber noch nicht direkt den Anleger an, als die Fahrt eigentlich schon zu Ende schien. Die kleinen Boote hielten stattdessen mit voller Fahrt auf die Brücke zwischen Twillingate Island und New World Island zu und schossen in einer gekonnten Kurve durch die schmale Durchfahrt hindurch auf die Ostseite in die Main Tickle. Dort wartete das unangefochtene Highlight am Ende der Tour: Die kleinen Boote hielten auf einen Eisberg zu, der genau hinter einer kleinen Felseninsel namens Main Tickle Island lag.
Unser Kapitän war zu Recht stolz darauf, dass seine kleinen Boote nach seiner Aussage die einzigen waren, die diesen Eisberg erreichen konnten - die großen Boote passen nicht unter der Brücke hindurch. Der Eisberg lugte mächtig und wunderbar geformt hinter der Insel hervor, die zwischen Hatchet Harbour und dem Wanderweg zum Natural Arch liegt. Von dort hätte man ihn sicher ebenfalls sehen können, das haben wir zeitlich aber leider nicht mehr geschafft.
Als wir schon glaubten, bereits alles gesehen zu haben, taucht am Horizont dieser wahre Koloss auf. Dieser gigantische Eisberg übertraf alle vorherigen an Schönheit und Erhabenheit. Wie ein Monument thronte er in den Fluten, umspült von schäumender Gischt. Kaum hatte das Boot die kleine Insel in der Mitte der Bucht passiert, wurde das Meer unruhiger und die Wellen nahmen zu. Als das Boot langsam um den Riesen kreiste, um ihn aus jeder Perspektive zu fotografieren, war das Staunen groß. Dieser Eisberg sah von hinten schon wieder ganz anders aus. Nur zwei Tage später, bei unserer Abfahrt, war er bereits weiter zerfallen und deutlich kleiner in die Bucht getrieben, aber immer noch imposant.
Wir konnten ihn in voller Schönheit erleben. Es war ein Moment absoluter Magie und das perfekte Finale einer unvergesslichen Fahrt.
Justin erwies sich zudem als echter Profi: Er ging herum und fotografierte jedes Paar vor den Eisriesen als Erinnerung. Man vergisst so oft, auch einmal Fotos von sich beiden zu machen. Umso schöner war es, dass andere daran dachten und man später ein tolles Erinnerungsfoto von einem solch spektakulären Augenblick in den Händen hielt.
Am nächsten Tag haben wir beim Verlassen von Twillingate den Brocken vom Dammweg (Causeway) aus noch einmal gesehen, das letzte Bild zeigt ihn schon etwas mehr abgescholzen. Ein wunderbarer Abschied von Twillingate. Nur wenige Stunden später hatten wir dann den schweren Unfall kurz vor Erreichen von Gander.



















Eigenes Video zum Thema
| Weltreisen | Kanada | Newfoundland | Twillingate | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |