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| Nebel |
Als wir am Morgen im Camper erwachten, war es sonnig, der perfekte letzte Tag in Twillingate für eine kleine Wanderung an der Küste nach der Bootstour, dem Besuch des Leuchtturms und der Wild Cove mit ihren vielen Eisbergen. Auch an diesem Tag sollten wir noch einen sehen, und es wartete sogar noch eine weitere Überraschung auf uns.
Unsere Fahrt führte in Richtung des Ausgangspunkts für einen bekannten Wanderweg. Die Bezeichnung des Parkplatzes als Spiller's Cove Parking unterscheidet sich in der Schreibweise leicht von Spillar's Cove, da in regionalen Karten, historischen Aufzeichnungen und auf Beschilderungen auf Neufundland beide Varianten nebeneinander verwendet werden. Wir waren erst einmal verwirrt, weil uns die unterschiedliche Schreibweise erst nach dem Besuch aufgefallen ist und wir natürlich erst danach im Internet nachgeschlagen haben.
Da der sehr kleine offizielle Parkplatz an der Bucht bereits komplett belegt war, folgten wir der Dump Road. Sie führt, wie der Name schon sagt, zu einer Deponie, und nach wenigen Metern fanden wir etwas weiter oben an einem Übungsgebäude der örtlichen Feuerwehr eine Parkmöglichkeit für unseren Camper. Von dort aus führte ein Fußweg direkt zum Wanderweg an der Küste. Dem folgten wir dann nach rechts den Hügel hinauf. Unterwegs gab es immer wieder Bänke und beeindruckende Aussichten auf die Brandung sowie einen weiten Panoramablick über die raue Küstenlandschaft.
An einer Stelle wurde die Gischt vom Nordostwind erkennbar weit ins Land geblasen und man lief durch einen sehr feinen Sprühnebel von der weiter unten an die Felsen schlagenden Brandung.
Beim Erreichen der Bergkuppe gab das Gelände den Blick in die nächste Bucht frei, wo ein gewaltiger Eisberg direkt vor der Küste im Wasser lag. Den hatten wir bereits auf den digitalen Eisberg-Karten der Region entdeckt.
Wie gehofft blickten wir von hier oben direkt auf den Atlantik hinaus und auf den Eisberg, hinter dem die dunklen, teils mit niedrigem Bewuchs bedeckten Felsrücken im Hintergrund einen markanten Kontrast bildeten. Die Küstenlinie fällt hier teilweise steil zum Meer hin ab, während sich die Wellen an den vorgelagerten Klippen brechen und weiße Schaumkronen auf dem dunkelblauen Wasser hinterlassen.
Dort, wo die Strömung das Eis oft dicht an die Landzungen drückt, lag der Gigant. Seine strahlend weißen und leuchtend bläulichen Eisflächen schimmerten selbst aus der Entfernung. Eine steil aufragende Spitze ragte wie ein riesiges Segel aus dem Ozean empor, während sich direkt daneben eine flachere, massivere Eisfläche erstreckte. Der Eisberg hatte offensichtlich bereits seine Form verändert und sich im Wasser gedreht.
Durch die erhöhte Perspektive von der Kuppe aus ließ sich gut beobachten, wie nahe der Koloss am gegenüberliegenden Ufer lag und wie winzig selbst Boote auf dem Wasser im direkten Vergleich zu den Ausmaßen des Eises wirkten. Es gab sicher auch Wanderwege, die noch näher heranführten, aber dazu hatten wir dann leider keine Zeit mehr.











Nach dem Rückweg zum Fahrzeug folgte dann mit ausgefahrenem Slide-out die Mittagspause im Camper, mit prima Aussicht auf die Küstenlandschaft, in der immer wieder Wanderer als kleine, bunte Gestalten auf dem Pfad an der Küste auftauchten. Während der Mahlzeit veränderte sich die Kulisse draußen zusehends. Dunkle Wolken hatten wir schon während unserer Wanderung weit draußen auf dem Meer entdeckt und waren daher auch umgekehrt.
Aber jetzt konnten wir wie in Zeitlupe dabei zusehen, wie auf der Wasserfläche eine dichte, dunkle Nebelbank aufzog. Die graue Wand schob sich ausschließlich über das Meer und blieb wie eine Wand draußen auf dem Wasser stehen, während die Küste und das Festland völlig frei und von der Feuchtigkeit unberührt blieben. Bis auf die eine Stelle, an der vorher Gischt spüren konten: Dort zog der Nebel über die Klippen ein Stück weit landeinwärts.
Das Phänomen entsteht, wenn warme, feuchte Luftmassen über die eiskalten Meeresströmungen Neufundlands streichen. Die Luft kühlt blitzschnell ab, der enthaltene Wasserdampf kondensiert direkt über der Wasseroberfläche und bildet diesen typischen, dichten Küstennebel.
Je nach Wind, Temperatur und Küstenform steht diese Nebelwand oft messerscharf über dem Meer, während man am Strand noch in der Sonne steht. Sie kann stundenlang an derselben Stelle verharren oder schlagartig das Land verschlingen.
Das Nebelhorn beim Long Point Lighthouse ist kein historisches Dekor, sondern gehört tatsächlich zur maritimen Navigation. Bei schlechter Sicht können solche Nebelsignale Schiffen helfen, ihre Position und die Nähe zur Küste einzuschätzen.
Wir standen da bei strahlendem Sonnenschein auf den Klippen, während vielleicht nur wenige hundert Meter draußen eine kompakte weiße Nebelwand über dem Atlantik lag, und plötzlich hörte man das tiefe Horn. Das ist genau die Art von Neufundland-Moment, die man nicht planen kann.














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