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CAP D´OR COASTAL PARK

Während unseres Aufenthalts im Five Islands Provincial Park zog es uns an einem sonnigen Tag dann weiter westlich entlang der Küste zum spektakulären Cap d’Or. Die rund 80 Kilometer lange Fahrt führt fast durchgehend über die Route 2 und später die Route 209, das ist eine landschaftlich wunderschöne, aber extrem hügelige und kurvenreiche Küstenstraße. Hinter jeder Biegung eröffnen sich neue Ausblicke auf das Minas Basin und die dichten Wälder Nova Scotias.

Man kommt hier eher langsam voran, da die Straße hier den rauen atlantischen Wintern Tribut zollen muss und von tiefen Schlaglöchern sowie Frostaufbrüchen durchzogen ist. Mit dem schweren Truck-Camper heißt es hier: vorausschauend fahren, das Tempo drosseln und die grandiose Kulisse genießen. Dazu fährt man immer durch kleine, malerische Gemeinden mit bunten und teilweise auch sehr alten Holzhäusern, in denen man immer das Tempo drosseln muss. Man sollte sich also Zeit nehmen für den Ausflug entlang der Küste, für die rund 80 Kilometer sollte man wegen der Straßenbedingungen und der langsamen Fahrt auf der Schotterpiste gut 1,5 bis 2 Stunden reine Fahrtzeit einplanen.

Das eigentliche Abenteuer begann jedoch erst hinter der kleinen Ortschaft Advocate Harbour, wo die Zivilisation gefühlt komplett endet. Eben lagen noch die Fischerboote bei Ebbe auf dem Meeresgrund und rundum noch viele Häuser, dann ist man schon wieder am Ortsausgang.

Um zum weltberühmten Leuchtturm am Kap zu gelangen, biegt man auf die unbefestigte Cape d’Or Road ab. Diese gut sechs Kilometer lange Schotterpiste ist sehr breit und mit einem Truck Camper war sie problemlos zu befahren. Die Piste ist kurvig und windet sich über Steigungen und Gefälle nach oben. Während der Fahrt prasselten ununterbrochen Hunderte von kleinen Kieselsteinen und klackender Schotter gegen den Unterboden unseres Campers.

Größere Wohnmobile und Gespanne sollten die Cape d'Or Road auf keinen Fall befahren. Die Straße ist zu schmal zum Wenden, es gibt Haarnadelkurven, und die Steigungen kurz vor dem Parkplatz sind extrem steil. Am oberen Parkplatz angekommen, wird man schließlich mit einer Aussicht belohnt, die jede Schüttelei sofort vergessen lässt. Vom hölzernen Aussichtsplateau blickt man senkrecht hinab auf den Cape d’Or Leuchtturm, der einsam auf einer exponierten Felsnase steht. Um direkt zum Turm und dem dortigen kleinen Restaurant im ehemaligen Wärterhaus zu gelangen, muss man das Fahrzeug oben stehen lassen und einen abgesperrten, extrem steilen, felsigen Fahrweg zum Cape d’Or Coastal Park hinabwandern. Das ist allerdings kein Vergleich zu den Azoren, wo wir den wohl steilsten Weg zu einem Leuchtturm weitweit bewältigt haben: São Miguel - Nordeste - Faro do Arnel.

Hier ist es ein anderes Phänomen, das die Menschen hierher lockt. Die schiere Gewalt der Gezeitenströmung, die hier am Zusammenfluss der Bay of Fundy und des Minas Channel wie ein reißender, weiß schäumender Fluss direkt an den Klippen vorbeischießt.








Am Leuchtturm

Die indigene Kultur der Mi’kmaq schätzte diese schroffen Basaltfelsen wegen ihrer reichen Vorkommen an extrem hartem Achat und reinem Kupfer, aus denen sie scharfkantige Werkzeuge und Messer fertigten. Als der französische Entdecker Samuel de Champlain in den frühen 1600er-Jahren an den Klippen vorbeisegelte, glänzten die freiliegenden Kupferadern im Sonnenlicht so intensiv, dass er die Landzunge kurzerhand „Cap d’Or“ (Kap des Goldes) taufte.

Unterhalb vom Cape d’Or Leuchtturm, direkt vor der Felsnase, lässt sich ein faszinierendes und furchteinflößendes Naturphänomen beobachten: die sogenannten Dory Rips. Hier prallen nicht einfach nur Ebbe und Flut aufeinander, sondern es kollidieren drei gegensätzliche Gezeitenströmungen mit brutaler Gewalt. Da sich direkt unter der Wasseroberfläche ein langes Basaltrifft vom Kap in den Minas-Kanal erstreckt, werden die strömenden Wassermassen der Gezeiten senkrecht nach oben gepresst. Selbst an absolut windstillen Tagen entstehen so meterhohe, wilde, stehende Wellen, brodelnde Strudel und eine weiße Gischt. Die schiere Masse des Wassers, das hier wie ein reißender Fluss vorbeischießt, erzeugt zur richtigen Zeit ein tiefes, permanentes Grollen, das man bis in den Magen spürt. Das haben wir so leider nicht erlebt, wir sahen zwar Strudel und gischtende stehende Wellen, waren aber wohl nicht ganz zur rechten Zeit vor Ort. Man sollte vorher die Gezeitentabelle studieren, aber die Zeiten passen ja nicht an jedem Tag zur Planung.

Die Geschichte dieser abgelegenen Navigationsstation ist eng mit den tückischen Strömungen der Bay of Fundy verknüpft. Das Kurioseste daran: Fast 50 Jahre lang gab es am Cap d’Or überhaupt kein Lichtsignal, sondern ausschließlich eine akustische Warnung. Aufgrund der dichten Nebelbänke und der unberechenbaren Gezeitenstrudel wurde im Dezember 1874 zunächst eine dampfbetriebene Nebelpfeife (Steam Fog Whistle) in Betrieb genommen. Erst im Jahr 1922 erhielt die Station ihr erstes echtes Leuchtfeuer. Dabei handelte es sich um einen kleinen, quadratischen Holzleuchtturm im klassischen Pepperpot-Stil, der per Schiff von der nahegelegenen Station Eatonville hierher transportiert und auf einem roten Holzgerüst direkt neben dem Nebelhorngebäude montiert wurde. Der damalige Maschinist des Nebelhorns übernahm den Dienst des Leuchtturmwärters einfach mit.

Der heutige, eher zweckmäßige Betonbau stammt aus den Jahren 1964/1965. Es handelt sich um ein einstöckiges Nebelsignalgebäude, aus dessen südlicher Ecke ein quadratischer, weißer Turm mit roter Laterne emporragt. Bis zum Jahr 1989 wurde die Station rund um die Uhr von Leuchtturmwärtern und deren Assistenten manuell betrieben, die mit ihren Familien in den beiden 1959 erbauten Bungalows am Hang lebten. Der letzte Wärter vor Ort war Ernie Morris. Als die Station 1989 vollständig automatisiert und das Personal abgezogen wurde, drohte den historischen Gebäuden der Verfall oder der Abriss. Dem unermüdlichen Einsatz der lokalen Advocate District Development Association ist es zu verdanken, dass die Denkmäler ab 1995 gepachtet und liebevoll restauriert wurden. So blieb ein Stück kanadisches Erbe am Leben, das heute Reisenden aus aller Welt offensteht.

Ein absoluter Geheimtipp für Reisende ohne Wohnmobil ist, dass man an diesem geschichtsträchtigen Ort die Nacht verbringen kann und so sicher alles hautnah mitbekommt. In den originalen Wärterhäusern direkt neben dem Turm befindet sich das Gasthaus The Lighthouse on Cape d’Or. Neben einem kleinen Restaurant, das für seine hervorragende lokale Küche und den fangfrischen Fisch bekannt ist, verfügt das historische Gebäude über vier gemütliche Gästezimmer für ca. 165 CAD pro Nacht.

Wer hier übernachtet, erlebt sicher nach Abzug der Tagesgäste eine unvergleichliche Einsamkeit. Man schläft beim beruhigenden Rauschen der Dory Rips und dem periodischen Aufblitzen des Leuchtfeuers ein, sicher ein unvergessliches Erlebnis am sprichwörtlichen Ende der Welt.

Wir sahen im Meer sogar ein paar Eiderenten und eine Robbe steckte ganz kurz den Kopf heraus. Beim Aufstieg flatterten Schmetterlinge um uns herum, sogar ein prächtiger Kanadischer Tigerschwalbenschwanz (Papilio canadensis) ließ sich fotografieren.

Ein absolut magischer und rauer Ort, der uns tief beeindruckt hat. Nach dem Besuch fuhren wir weiter in Richtung Cape Chignecto.

Klippen










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