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Der Küstenabschnitt zwischen Truro und Windsor wird oft auch als Noel Shore bezeichnet, insbesondere der Abschnitt entlang der Nordwestseite des Minas Basin zwischen dem Avon River bei Windsor und der Mündung des Shubenacadie River nahe Truro.
Wir kamen aus dem Five Islands Provincial Park und hatten eine Nacht als Zwischenübernachtung im Smileys Provincial Park gebucht, um etwas Zeit für diese Küste zu haben.
Der Smileys Provincial Park ist ein kleiner, ruhiger Provinzpark in Brooklyn bei Windsor, etwa 15 Minuten östlich von Windsor und nur wenige Kilometer von der Bay of Fundy entfernt. Hier gibt es 65 einfache, nicht erschlossene Campingplätze sowie ein Gruppencampingplatz. Er ist sehr bleibet bei den Einheimischen, man kann Angeln im Meander River und es gibt einen kleinen Badesee im Sommer. Eine moderne Comfort Station mit kostenlosen warmen Duschen und Münzwaschautomaten ist ebenfalls vorhanden. Zudem gibt es einen schönen, 1,5 Kilometer langen Rundweg namens Meander River Trai), der direkt am Fluss entlangführt.
Hier war es ziemlich warm und wir konnten am 27. Juni zum ersten Mal im Freien am Tisch unser Abendessen genießen. Doch auf dem Weg hierher haben wir uns noch ein paar nette Plätze angeschaut, die ich Euch hier auf dieser Seite vorstellen möchte.
Unsere Reise führte uns von Five Islands erstmal in Richtung der zentralen Drehscheibe der Provinz, in die Stadt Truro, die nicht umsonst als "Hub of Nova Scotia" bekannt ist. Hier hieß es für uns erst einmal: Vorräte aufüllen. Im Walmart Supercenter von Truro legten wir einen ausgiebigen Zwischenstopp zum Einkaufen ein, um den Kühlschrank unseres Truck-Campers wieder für die nächsten Tage mit Vorräten zu befüllen. Unser erstes Ziel steuerten wir in ein Stück weiter in Lower Truro an: das Besucherzentrum des Fundy Tidal Interpretive Centre am Shubenacadie River. Das Areal ist geschichtlich hochspannend, da hier eine alte Eisenbahnbrücke der historischen Intercolonial Railway den Fluss überspannte, deren massive Pfeiler man noch heute sieht. Auf dem Parkplatz direkt am Highway 236 soll man nach Aussage der Freiwilligen im Centre sogar frei stehen können - falls man sonst nichts mehr bekommen hat mag das gehen, da der Verkehr des Nachts hier doch sehr nachlässt.
Direkt am Zentrum grenzt ein ökologisch wertvolles Feuchtgebiet (Wetland), das man über den alten Bahndamm erkunden kann, der heute nur noch ein Wanderweg ist. Wir nutzten den Stopp für einen Spaziergang durch das Schilf und hielten Ausschau nach Vögeln. Zudem ist dies der perfekte Ort, um das faszinierende Phänomen der Gezeitenwelle (Tidal Bore) zu beobachten, die zweimal täglich den Fluss hinaufschießt. Dafür haben wir leider nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt.
Nach diesem erholsamen Naturstopp folgten wir anschließend der Route 215 entlang der Südküste des Minas Basin zum weltberühmten Burntcoat Head Park.
Ein Teil dieser Strecke wird Glooscap Trail genannt, wir wunderten uns über den merkwürdigen Namen. Ohne Recherche wären wir nie darauf gekommen: er wurde benannt nach einer bedeutenden Kultur- und Schöpfergestalt der Mi'kmaq, des indigenen Volkes der Atlantikprovinzen Kanadas.
Glooscap wird nicht als Gott im westlichen Sinn verstanden, sondern als mächtiger Kulturheld und Lehrer, der die Welt formte, den Menschen Wissen vermittelte und das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur bewahrte. Einer Legende zufolge erschuf er die gewaltigen Gezeiten der Bay of Fundy, indem er einen riesigen Biberdamm zerstörte. Das ausströmende Wasser bildete die außergewöhnlichen Tiden. Die markanten Basaltinseln im Minas Basin sollen Felsen sein, die Glooscap nach einem Biber oder anderen riesigen Wesen geworfen hat.
Der Glooscap Trail in Nova Scotia trägt seinen Namen, weil die Route durch eine Landschaft führt, die in vielen Mi'kmaq-Überlieferungen eine zentrale Rolle spielt – insbesondere entlang des Minas Basin und der Bay of Fundy.










Der Eintritt zum Burntcoat Head Parkgelände ist frei. Es gibt ein kleines Museum mit Souvenirshop im Leuchtturm. Ein Blick in die lokale Gezeitentabelle vor der Ankunft ist absolute Pflicht, wenn man auf dem Meeresboden spazieren gehen möchte.
Hinter dem heutigen Leuchtturm verbirgt sich eine wechselvolle und faszinierende Geschichte, die im Jahr 1858 begann. Damals wurde der erste Burntcoat Head Leuchtturm errichtet, um die boomende Holzfäller- und Segelschiffindustrie in der Region sicher durch das Minas Basin zu leiten. Dieser bestand aus einem etwa 15 Meter hohen Holzturm, der direkt an das hölzerne Wohnhaus des Wärters angebaut war. Die fünf Öllampen mussten damals vom Leuchtturmwärter jeden Tag mühsam von Hand gereinigt und wieder mit Reflektoren versehen werden. Das Besondere: Der Turm stand ursprünglich auf einer markanten Landzunge, die nur über einen sehr schmalen Landstreifen mit dem Festland verbunden war. Die unvorstellbare Erosionskraft der Gezeiten nagte im Laufe der Jahrzehnte jedoch so unaufhaltsam an diesem Übergang, dass der Leuchtturm irgendwann auf einer kleinen Insel stand und komplett vom Festland isoliert war. Der Wärter konnte seine Station schließlich nur noch über eine wackelige Holzleiter erreichen, die er an die steilen Klippen lehnte!
Wegen der fortschreitenden Zerstörung der Klippe wurde der historische Turm im Jahr 1913 schließlich abgerissen und ein Nachfolgebau ein Stück weiter landeinwärts auf dem sicheren Festland errichtet. Tragischerweise wurde dieser zweite Leuchtturm im Jahr 1972 bei einer Übung des kanadischen Transportministeriums kontrolliert abgebrannt und vorübergehend durch einen simplen Gittermast ersetzt, sodass der geschichtsträchtige Ort jahrelang ohne markanten Turm blieb.
Das heutige Gebäude, das wir bei unserem Besuch bewundern durften, ist ein detailgetreuer, wunderschöner Nachbau des zweiten Leuchtturms aus dem Jahr 1914. Er wurde Mitte der 1990er-Jahre von der Gemeinde initiiert, um das maritime Erbe lebendig zu halten. Heute beherbergt das Gebäude ein liebevoll gestaltetes Interpretive Centre & Museum sowie einen kleinen Souvenirladen. Man kann sogar die schmale Treppe bis hinauf in den Turm steigen. Von dort oben hat man einen fantastischen Rundumblick auf das Minas Basin und kann perfekt beobachten, wie sich die rote Färbung des küstennahen Wassers durch den aufgewirbelten Sand vom tiefen Blau des offenen Meeres abhebt. Dort oben unter dem verglasten Ausguck wird es aber bei Sonnenschein sehr heiß, die Fenster können nicht geöffnet werden!
An diesem geschichtsträchtigen Ort wurde offiziell der weltweit höchste Tidenhub von unglaublichen 16,5 Metern gemessen! Bei Ebbe verwandelte sich die Küste hier in eine rote Mondlandschaft. Wir ließen es uns nicht nehmen, die Treppen hinabzusteigen, um etwas auf dem nackten Meeresboden zu wandern, vorbei an kleinen Gezeitentümpeln und den markanten, vom Wasser unterspülten Felsinseln.
Leider hatten diese Idee auch viele andere, im Gegensatz zu den anderen Orten, wo wir bisher bei Ebbe waren, wurde es hier schnell richtig voll. So machten wir uns nach einem kurzen Spaziergang wieder auf den Weg zurück zum Camper.
Auf unserem weiteren Weg entlang der malerischen Küstenstraße legten wir einen kurzen Stopp am historischen Walton Harbour Lighthouse ein. Die Zufahrt in einer scharfen Kurve hätten wir fast verpasst und mussten noch einmal wenden, doch das hat sich gelohnt.
Dieser im Jahr 1873 erbaute, quadratische weiße Holzleuchtturm ist das letzte verbliebene Original seiner Art im Hants County. Er thront idyllisch auf einer Klippe über der Flussmündung des Walton River und bietet von den gepflegten Klippenpfaden mit vielen Blumen und Sitzgelegenheiten aus noch einmal einen grandiosen Abschiedsblick über das weite Minas Basin.
Der Turm wird von einer lokalen Initiative ehrenamtlich betrieben und hat einen kleinen, feinen Souvenirladen sowie sehr saubere Toiletten. Die Leute hier sind super nett und man kann hier einige nette Glasarbeiten kaufen und bei der Sommerhitze vor allem auch kühle Getränke zu fairen Preisen.
Kaum zu glauben, wenn man heute bei Walton auf den ruhigen Fluss blickt, dass im späten 19. Jahrhundert von hier aus Millionen Tonnen Gips in die ganze Welt verschifft wurden. Der Leuchtturm war damals überlebenswichtig, da die Schiffe bei Flut einlaufen und bei Ebbe komplett im Schlamm aufbocken mussten.
Nach diesem letzten Fotostopp verließen wir die Küste und fuhren ein Stück ins Landesinnere zu unserem heutigen Tagesziel: dem Smileys Provincial Park bei Brooklyn.
















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