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FIVE ISLANDS PP

Ein Paradebeispiel für die grandiose Parkkultur ist der Five Islands Provincial Park an der Bay of Fundy. Der Park liegt spektakulär auf bis zu 90 Meter hohen Klippen, von denen man einen atemberaubenden Blick auf die fünf vorgelagerten Inseln Moose, Diamond, Long, Egg und Pinnacle hat.

Der angeschlossene Campingplatz verfügt über gut 93 großzügige Stellflächen. Aufgeteilt in 46 unregulierte Plätze (unserviced), 36 Plätze mit Strom und Wasser (serviced mit 30 Ampere) sowie 10 reine Walk-In-Zeltplätze im Wald. Die großen RV-Plätze sind natürlich zuerst ausgebucht, leider sind dies nicht die Stellplätze mit der schönen Aussicht.

Wir haben wir hier vier Nächte unserviced gebucht und bekamen einen sehr schönen Stellplatz mit grandioser Aussicht auf die Bucht und die Küste, dazu direkt unterhalb von der zentralen Comfort Station mit warmen Duschen und WCs, Waschbecken und zum Geschirrspülen gelegen. Es gibt am Eingang natürlich auch eine Dump Station für die Abwassertanks des Campers. Für die Reiseplanung sollte man beachten, dass der Park zu den spätesten Öffnern der Provinz gehört: Die Campingsaison im Five Islands Park startet meist erst Anfang Juni und endet am Thanksgiving-Wochenende im Oktober.

Das Besondere an diesem Provincial Park ist die ungeschützte, offene Lage direkt am Meer. Die Zufahrt ist lang und führt durch Wald, mit Glück sieht man hier schon Hasen und Kragenhühner oder Ruffed Grouse an der Straße.

Die exponierte Lage bedeutet zwar, dass man manchmal selbst im Sommer eine dickere Jacke gegen den frischen Atlantikwind parat haben sollte, belohnt wird man dafür aber mit spektakulären Sonnenuntergängen direkt vor der Wohnmobiltür.

Zudem bietet der Park auch einige schöne Wanderwege. Das Wanderwegenetz im Park ist zwar kompakt, bietet aber eine geniale Mischung aus dichten Wäldern und dramatischen Küstenblicken. Zu den drei Hauptrouten gehört der beliebte Red Head Trail (ca. 2,2 km), dessen Ausgangspunkt direkt am Campground B liegt. Der Weg führt zunächst angenehm schattig durch den typisch kanadischen Mischwald, bevor er sich zu den spektakulären, 90 Meter hohen roten Sandsteinklippen öffnet. Von den hölzernen Aussichtsplattformen am Klippenrand hat man eine schöne Sicht auf das Meer und die vorgelagerten Inseln.

Während der erste Teil des Pfades hervorragend ausgebaut und gesichert ist, wird er zum Kap hin schmaler, wurzeliger und erfordert etwas Trittsicherheit. Der finale Ausblick war dann ziemlich zugewachsen und bot kaum noch Ausblick, dafür haben wir hier zahlreiche Vögel gesehen wie den Meisenwaldsänger oder Northern Parula. Sogar eine Spechthöhle mit Jungtieren, so konnten wir die Eltern beim Anflug und bei der Fütterung beobachten.

Wer auf den Wanderwegen die Augen offenhält, kann mit etwas Glück eine ganz besondere gefiederte Schönheit entdecken: den Cedar Waxwing (Amerikanischer Seidenschwanz). Diese mittelgroßen, extrem eleganten Vögel sehen mit ihrem seidigen, makellos braungrauen Gefieder, der markanten Federhaube und der tiefschwarzen, weiß umrandeten Augenmaske fast aus wie gemalt. Ihren Namen verdanken sie den leuchtend roten, wachsartigen Spitzen an ihren Flügeln, die an altmodischen Siegelwachs erinnern, während das Ende ihrer Schwanzfedern leuchtend gelb gefärbt ist, als wären sie frisch in einen Farbtopf getaucht worden.

Die Vögel sind extrem gesellig und meist in kleinen, geschwätzigen Gruppen in den Baumkronen unterwegs. Man hört sie wegen ihrer charakteristischen, sehr hohen und dünnen Pfeiftöne meist schon, bevor man sie im dichten Blätterdach der Nadel- und Mischwälder entdeckt.

Wer es etwas sportlicher mag, kombiniert den Red Head Trail mit dem Economy Mountain Trail (ca. 3,8 km). Der Name ist hier Programm: Es geht stetig bergauf und bergab über den bewaldeten Höhenrücken des Parks. Der Pfad ist gespickt mit Baumwurzeln und Steinen, weshalb feste Wanderschuhe hier absolute Pflicht sind. Belohnt wird die Anstrengung mit einer herrlichen Ruhe im dichten Waldesinneren und immer wieder aufblitzenden Ausblicken auf das Minas Basin durch das dichte Blätterdach.

Der Estuary Trail erstreckt sich auf der anderen Seite der Landzunge. Er verläuft flach entlang der Gezeitenmündung des East River, vorbei an goldenen Salzwiesen und kargen Schlammflächen. Im hohen Gras hat sich Michael trotz Hose in den Socken und eincremen eine Zecke eingefangen, die saß knapp oberhalb der Kniekehle außen am Oberschenkel. Also die Haut immer gut kontrollieren nach der Wanderung, mit einer Zeckenkarte konnte er das Biest korrekt entfernen: Immer von unten heraushebeln, nicht drücken oder pressen!








Mudflats

Das absolute Highlight abseits der Klippenwege ist jedoch ein Spaziergang auf den riesigen Schlammflächen (Mudflats) bei Ebbe. Wenn das Wasser der Bay of Fundy zurückweicht, legt es einen gigantischen, tiefen Meeresboden aus feuchtem Schlick und Watt frei. Bei Ebbe kann man hier kilometerweit auf dem Meeresboden spazieren gehen oder den Einheimischen mit ihren Quads beim Muschelgraben zusehen. Anders als in Blomidon bei unserer sonnigen Schlickwanderung ist der Boden hier nicht so fest, sondern man sinkt an manchen Stellen bei jedem Schritt ein Stück tief in den Schlamm ein .

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, meilenweit auf diesem Meeresgrund zu wandern und den Blick weit um die nächste Biegung auf die mächtigen, zerklüfteten Steilküsten zu richten. Von unten wirken die Klippen noch einmal um ein Vielfaches imposanter. Man muss die Gezeitentabelle wegen der extrem schnell und gewaltig zurückkehrenden Flut allerdings penibel im Auge behalten, um nicht abgeschnitten zu werden.

Genau an diesen Klippen riss vor rund 200 Millionen Jahren die Erdkruste auf, als sich Nordamerika von Afrika trennte. Die hier ins Meer hinausragende Felsnase, die in Richtung der five Islands deutet, hat den Namen "two hour rock", die schmale Halbinsel ist schon fast zu einer kleinen, sechsten Insel erodiert und besteht aus dunklem Basalt.

Aber unser Ziel lag ein paar Meter weiter um die Ecke, die Felsformation "The Old Wife". Die Steilküste, die hier weiterführt bis zu den Klippen am Ende des Wanderwegs zum Red Head Point, hat hier zwei Gesichter. Es gibt einen auffälligen Kontrast zwischen dem leuchtend roten Sandstein (McCoy-Brook- oder Blomidon-Formation) und dem dunkelgrauen Basalt (North Mountain Formation). Nähert man sich ihr vom Strand aus, läuft man direkt auf die berühmte Trias-Jurassic-Verwerfung zu. An dieser tektonischen Bruchlinie kann man mit bloßem Auge erkennen, wie sich die roten Jura-Gesteinsschichten durch urzeitliche Erdbeben dramatisch nach unten gegen den dunklen Basalt verschoben haben. Wir hatte das Glück, das nach über einer Stunde Wanderung genau in dem Moment, als wir die flache Stelle an der Felsnase des "two hour rock" erklommen hatten, die Bewölkung aufriss und die bunte Steilküste des "Old Wife" für etwa eine Minute in der Sonne erstrahlte. Das war die Ausleuchtung, die wir gebraucht hatten, für Aufnahmen von weiter unten am Strand reichte es dann nicht mehr.

Genau hier, am Fuß der uralten Basaltfelsen des "two hour rock", saß bei unserem Ausflug im Juni auch einen riesiger, wunderschöner Falter, etwa 10 mal 10 cm groß. Eigentlich sind diese majestätischen Mondspinner (Actias luna) streng nachtaktiv und tagsüber so gut wie nie zu sehen. Da diese Insekten nach dem Schlüpfen im Juni keine Mundwerkzeuge besitzen, nicht fressen können und nur etwa eine Woche leben, ruhen sie tagsüber völlig regungslos an geschützten Orten, um Energie für die nächtliche Partnersuche zu sparen. Ein solcher seltener Anblick mitten am Tag direkt an den rauen Klippen war für uns ein echter Glücksfall und ein unvergessliches Naturerlebnis.







Five Islands Lighthouse Park

Vom Camper aus sahen wir ihn, den Leuchtturm von Five Islands und den darum liegenden Park. Also machten wir uns auf den Weg dorthin und waren begeistert.

Wer die fünf Inseln mal aus einer ganz anderen Perspektive sehen möchte, sollte unbedingt den kleinen, gegenüberliegenden Five Islands Lighthouse Park am Ende der Broderick Lane ansteuern. Das rund 9 Hektar große, liebevoll gepflegte Gemeindegelände bietet eine weite, flache Grasfläche direkt an der Küste mit einem fantastischen Panorama auf das Minas Basin. Es gibt saubere, barrierefreie Toilettenanlagen, einen Trinknapf für Hunde, einen großern überdachten Picknick-Pavillon und kostenfreie Parkplätze.

Das unbestrittene Herzstück des Parks ist der historische, rot-weiße Holzleuchtturm im klassischen Pepperpot-Stil. Erbaut wurde er bereits im Winter 1913/1914 am nahegelegenen Sand Point. Weil die gewaltigen Gezeiten der Bay of Fundy die dortige Küste im Laufe der Jahrzehnte jedoch unaufhaltsam wegspülten, musste der Turm wegen drohender Erosion insgesamt viermal umgezogen werden. Seine endgültige und sichere Heimat fand er schließlich im Jahr 2008 genau hier in diesem Park. Der 10 Meter hohe, quadratischer Turm aus Holz wird von der Five Islands Lighthouse Preservation Society ehrenamtlich gepflegt. In den Sommermonaten Juli und August ist er nachmittags oft für Besucher geöffnet, sodass man sogar bis ganz nach oben in die Laterne steigen kann.

Der Lighthouse Park ein wunderbarer Zwischenstopp für eine Rast. Es gibt gepflegte Schotterwege, gemütliche Picknickplätze, Hängematten zum Entspannen, bunte Muskoka Chairs und einen tollen Spielplatz in Form eines Holzschiffes für Familien.

Über eine Treppe gelangt man zudem direkt hinunter an den weiten Kieselstrand. Bei Flut kann man hier Kajakfahrer beobachten, während sich das Gelände bei Ebbe in ein riesiges, scheinbar endloses Watt verwandelt. Dann breiten sich die Schlammflächen so weit aus, dass man den Gezeitenunterschied, der hier zu den extremsten der Erde gehört, hautnah miterleben kann.

Ins Gras war ein Weg gemäht, der in einen kleinen Wald führte. Hier haben Kinder bunte, bemalte Steile und Muscheln ausgelegt und es gibt ein paar Stühle. Die Kühle des Windes und die salzige Luft machen diesen Ort zu einem herrlich unaufgeregten, friedlichen Fleckchen Erde.

Unser Brocki auf dem Parkplatz





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