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Nach einer langen Fahrt mit schönem Wetter entlang der Ostküste mit jeweils einer längeren Pause in Sherbrooke und am Port Bickerton Lighthouse erreichten wir am Abend den Seabreeze Campground direkt am wilden Atlantik .Am nächsten Tag wollten wir weiter in Richtung Canso und dann rüber nach Cape Breton Island. Dort hatten wir dann noch eine Woche Zeit, um die Insel zu erkunden.
Leider wachten wir am Morgen mit Regen auf. Wir konnten auf dem Campingplatz noch ein paar nasse Schneeschuhhasen fotografieren, dann beschlossen wir, an diesem Tag noch bis Louisbourg zu fahren. Das Wetter wurde immer grauer und nasser, noch ahnten wir nicht, dass dies für einige Tage so bleiben sollte. Um Cape Breton Island zu erreichen, mussten wir erst einmal von der Ostküste zurück zum Trans-Canada Highway. 265 Kilometer sind es auf diesem Weg bis in den Ort Louisbourg.
Nach Cape Breton Island kommt man über den Canso Causeway, eines der bedeutendsten Bauwerke in Nova Scotia. Der Damm verbindet seit 1955 das Festland von Nova Scotia mit Cape Breton Island und ersetzte die früheren Auto- und Eisenbahnfähren. Vor dem Bau waren Cape Breton und das Festland ausschließlich mit Fähren verbunden. Der Causeway verkürzte die Reisezeiten erheblich und förderte Wirtschaft und Tourismus auf Cape Breton. Gleichzeitig veränderte er jedoch auch die Meeresströmungen und das Ökosystem der Straße von Canso, da das Wasser nicht mehr frei zwischen Atlantik und Golf strömen konnte. Der Verkehr rollte bereits im Mai 1955, die feierliche Eröffnung fand am 13. August 1955 statt.
Die Fahrstrecke ist etwa 1,4 km lang und führt über die Straße von Canso. Rund 10 Millionen Tonnen Fels wurden für den Bau verwendet, das Gestein stammt überwiegend vom nahegelegenen Cape Porcupine.
Da der Damm die Meerenge ja vollständig verschließt, wurde am östlichen Ende der Canso Canal angelegt. Er ermöglicht Schiffen weiterhin die Passage zwischen Atlantik und Golf des Sankt-Lorenz-Stroms. Eine große Drehbrücke öffnet sich für Schiffe und schließt anschließend wieder für den Straßen- und Bahnverkehr. Die Bahnlinie von Truro hier entlang bis nach Sydney und irgendwann früher auch mal bis Louisbourg wurde aber 2014 stillgelegt, seitdem wächst Gras über die Gleise.
Da es in Strömen regnete, haben wir das Port Hastings Visitor Information Centre direkt hinter dem Causeway im dichten Verkehr leider verpasst. Hinter Port Hastings war die Fahrt ziemlich öde, die Durchfahrt in Port Hawkesbury konnte wenig begeistern. Da wir noch etwas Zeit hatten, beschlossen wir, ab St. Peter's den Highway 247 entlang der Küste in Richtung Louisbourg zu fahren, in der Hoffnung auf einige schöne Ausblicke auf den Atlantik. Leider spielte das Wetter überhaupt nicht mit. Regen und ein grauer Himmel hüllten die langweilige und bebaute Landschaft ein, sodass von der Küste nur wenig zu sehen war. So fuhren wir ohne größere Stopps weiter in Richtung Louisbourg.
Die hier vor uns liegende Strecke entpuppte sich als eine der monotonsten Etappen unserer Reise. Die Straße zog sich wie ein graues, scheinbar endloses Band durch die Landschaft, ohne jede nennenswerte Abwechslung oder reizvolle Aussichtspunkte.
Statt unberührter Natur am Wegesrand fiel unser Blick immer wieder auf skurrile und deprimierende Szenen: Überall entlang der Route stapelten sich fast an jeder Hauseinfahrt Haufen von Sperrmüll. Alte Matratzen, kaputte Haushaltsgeräte und verwitterte Möbelstücke lagen am Straßenrand, was der ohnehin schon langweiligen Fahrt einen fast schon trostlosen Charakter verlieh. An manchen Stellen hätte man wohl vor einem Haus einen halben LKW voll bekommen, das war eine Total-Entrümpelung.
Am Nachmittag erreichten wir den Riverdale RV Park in Louisbourg. Der Campingplatz hatte gerade erst einen Tag zuvor seine Saison eröffnet und außer uns war nur ein weiteres Wohnmobil zu Gast. Wir mussten anrufen und es kam extra jemand zum Kassieren in Bar, denn das Büro war noch nicht geöffnet. Entsprechend ruhig war es und die angenehm warmen Duschen mit Heizung und die sauberen Sanitäranlagen hatten wir praktisch für uns allein. Wenn es voll ist, dann steht man auch hier auf einem besseren Parkplatz.
Vorher legten wir noch einen kurzen Stopp am kleinen Eisenbahnmuseum ein, mussten aber feststellen, dass es leider geschlossen war. So blieb es bei einem Blick von der Straße, man kann einige alte Waggons sehen.
Louisbourg selbst wirkte auf uns ruhig und etwas verlassen. Die Straßen waren nahezu leer und nur wenige Besucher waren unterwegs. Vielleicht lag es an der frühen Saison oder am trüben Wetter, jedenfalls wollte der Ort an diesem Tag nicht so recht seinen Charme entfalten. Viele Geschäfte und Einrichtungen öffnen hier erst später im Jahr, sodass der Ort im Frühjahr verschlafen wirkt.
Wir machten es uns am Abend in unserem Camper gemütlich, die Heizung lief die ganze Nacht und es wurde bitterkalt.










Unser Besuch der Fortress of Louisbourg National Historic Site am nächsten Tag zeigte eine ganz garstige Seite von Cape Breton: Statt sommerlicher Idylle Ende Mai erwarteten uns 3°C, ein fieser kalter Atlantikwind, bei dem man kaum den Schirm aufspannen konnte und leichter Dauerregen. Wir freuten uns über die Handschuhe, die wir vorsorglich zum Fotografieren in der Kälte mitgenommen hatten, denn das war gefühlt -5°C. Die graue Wolkendecke hing tief über der Bucht, das Meer war Grau, aber genau dieses Wetter passte erstaunlich gut zur Atmosphäre dieses Ortes.
Am Eingang bekamen wir gleich aufgezählt, welche Häuser in dem historischen Viertel schon geöffnet haben, wir befanden uns ja noch ganz am Anfang der offiziellen Saison.
Die Festung liegt direkt am offenen Atlantik und ist dem Wetter völlig ausgesetzt. Bei Sonnenschein wirken die bunten Häuser, die Fahnen und die kostümierten Darsteller fast wie eine Zeitreise in das 18. Jahrhundert. An diesem Tag aber konnten wir uns viel besser vorstellen, wie hart das Leben der Soldaten, Fischer und Siedler einst hier gewesen sein muss: feuchte Kleidung, eisiger Wind, nasse Holzstege und ein Hafen, der jederzeit den Launen des Meeres ausgeliefert war.
Unser Rundgang führte uns in eine längst vergangene Zeit. Hinter den mächtigen Steinmauern und Toren entstand das Bild einer französischen Hafenstadt des 18. Jahrhunderts: breite Straßen, einfache Wohnhäuser, Offiziersquartiere, Werkstätten, Gärten und der geschäftige Hafenbereich zeugen davon, wie das Leben hier einst ausgesehen haben muss.
Louisbourg war einst eine der wichtigsten französischen Festungsstädte Nordamerikas. Im frühen 18. Jahrhundert errichtet, kontrollierte die Stadt den Zugang zum Golf von St. Lawrence und war ein bedeutender Handels- und Fischereihafen. Wegen seiner strategischen Lage wurde sie zweimal von den Briten angegriffen und schließlich 1758 zerstört. An dieser Stelle hat sich danach niemand sonst wieder angesiedelt, die Ruinen blieben unverändert und wurden überwuchert.
Zwischen 1960 und 1980 hat Parks Canada etwa ein Viertel der ursprünglichen Bausubstanz rekonstruiert, dabei handelt es sich um eine der umfangreichsten historischen Rekonstruktionen Nordamerikas. Durchgeführt wurden die eigentlichen handwerklichen Arbeiten unter Anleitung von Archäologen von einer großen Zahl Arbeiter, die nach Schließung von Kohleminen bei Sydney arbeitslos geworden waren. Je nach Vorkenntnissen haben sie sich als Schmiede, Zimmerleute, Maurer oder Steinmetze spezialisiert und gelernt, wie man all dies 200 Jahre vorher gemacht hat. Besonders spannend, dass die Festung nicht wie ein gewöhnliches Museum wirkt. Historisch gekleidete Darsteller schlüpfen in der Saison in die Rollen von Soldaten, Handwerkern, Händlern und Bewohnern und erzählen den Besuchern vom Alltag in der Kolonie: vom Kochen und Handwerken bis zum militärischen Leben hinter den Mauern.
Bei unserem Besuch sahen wir einen einzigen jungen Mann, der als Soldat verkleidet war und am Eingang zur Kirche Schutz vor dem Wetter suchte. Seine Uniform sei - so erklärte er uns - eine typische französische Soldatenkleidung für Sommerklima, also eigentlich viel zu dünn und kalt. Winterkleidung wurde nur alle zwei Jahre ausgegeben - wenn man im falschen Jahr eingezogen wurde dann hatte man halt Pech gehabt und durfte ein Jahr lang frieren. Gemütlich am Feuer in der Küche konnten wir mit zwei netten Damen plaudern und uns dabei gleich mit aufwärmen. Auf dem Gelände fanden gerade Filmaufnahmen statt, so dass einige Gebäude und Nebenstrassen geschlossen waren und überall Leute der Filmcrew herum liefen.
Auf jeden Fall war unser Besuch in der Nebensaison sicher ein ganz anderer als im Hochsommer. Die Atmosphäre war eine ganz andere, mit weniger Besuchern, mehr Ruhe und ein fast authentischer Eindruck einer verlassenen Kolonialstadt.










Die Rekonstruktion der Fortress of Louisbourg National Historic Site umfasst nicht nur die Befestigungsanlagen, sondern auch viele Gebäude des täglichen Lebens.
Bei einem Spaziergang durch die Straßen wird deutlich, welche Bedeutung Louisbourg einst hatte. Der gut geschützte Naturhafen machte den Ort zu einem wichtigen Handelsplatz und zu einer der stärksten französischen Festungen Nordamerikas. Gleichzeitig spürt man auch die Härte des Lebens hier: das raue Klima, die Abhängigkeit vom Meer und die ständige Bedrohung durch die Konflikte zwischen Frankreich und Großbritannien.
Der Eingang zur Stadt führt durch eines der großen Stadttore namens Dauphin Gate. Hier wird bereits deutlich, dass Louisbourg nicht nur ein Dorf, sondern eine militärisch geplante Festungsstadt war. Die gewaltige Kaserne namens King’s Bastion Barracks war eines der größten Gebäude der Festung. Hier lebten die Soldaten, die Louisbourg verteidigen sollten. Man kann Mannschaftsräume, Offiziersbereiche und Ausstellungen zum Militärleben besichtigen. An mehreren Stellen entlang der Mauern und Tore befinden sich Räume für Wachen und Soldaten. Hier wurden Zugangskontrollen durchgeführt, Befehle ausgegeben und der Alltag der Garnison organisiert. Die gewaltigen Befestigungen mit ihren Bastionen und Geschützen machen deutlich, warum Louisbourg als eine der stärksten Festungen Nordamerikas galt.
Die kleine Kirche Chapelle Saint-Louis war das religiöse Zentrum der Festung. Hier fanden Gottesdienste, Taufen und andere kirchliche Zeremonien für Soldaten, Händler und Familien statt.
Das repräsentative Gebäude des Gouverneurs und der königlichen Verwaltung zeigte die Bedeutung Louisbourgs als französischer Außenposten. Hier wurden politische und militärische Entscheidungen getroffen. Die Festung verfügte auch über ein Militärhospital zur Versorgung von Soldaten und Bewohnern. Es zeigt, wie wichtig eine eigenständige Infrastruktur in einer abgelegenen Kolonie war. Das gilt auch für die große Bäckerei, in der Brot für die Garnison und die Bevölkerung hergestellt wurde. In den Lagergebäuden wurden Lebensmittel, Salzfisch, Munition, Werkzeuge und Handelswaren aufbewahrt. Die Versorgung über den Atlantik war schwierig, deshalb waren große Vorräte lebenswichtig.
Entlang der Straßen sieht man die Häuser von Kaufleuten, Handwerkern und Familien. Offiziere, Seeleute, Fischer, Händler und einfache Arbeiter lebten hier einst dicht nebeneinander. Viele kleinere Häuser hatten bis zu einem Dutzend Bewohner, es ging also recht eng zu.
Der Rundgang endet mit dem Blick über den Hafen und die Küste. Genau hier kamen vor fast 300 Jahren Schiffe aus Europa an und machten Louisbourg zu einem wichtigen Tor zwischen der Alten und der Neuen Welt.










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