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In Halifax mussten wir bei Fraserway einen kurzen Stopp einlegen, weil die Kabine bei einer Bodenwelle auf dem Highway hinten etwas verrutscht war. War es am Vortag in Peggy’s Cove noch schön mit Sonnenschein, regnete es nun den ganzen Tag und alles war Grau in Grau.
Es war ziemlich dunkel, als wir nordöstlich von Halifax den spontan ausgewählten Campingplatz erreichten, und der Himmel hatte kurz darauf noch einmal alle Schleusen geöffnet. Der Porters Lake Provincial Park liegt etwa 30 Kilometer östlich von Halifax und gehört zu den beliebtesten Campingplätzen in der Umgebung der Provinzhauptstadt. Der Regen prasselte unaufhörlich auf uns herab. Zu allem Überfluss standen wir nun vor der Aufgabe, uns zum ersten Mal anzumelden – und zwar über das berühmt-berüchtigte, gelbe Telefon an der Rezeption. Dies war die einzige Verbindung zur Außenwelt, denn das Büro war hier eigentlich nicht besetzt.
Unter dem Regenschirm gab Michael mit Hilfe einer netten Dame, die zum Schichtwechsel gerade hier war, unsere Daten durch. Für die Bezahlung mit Kreditkarte wurde die Leitung kurz auf einen Sprachcomputer umgeschaltet, Michael musste die Zahlen recht flott durchgeben. Dann bekamen wir einen Stellplatz zugewiesen. Eigentlich ist der rund 90 Hektar große Park sehr schön. Er befindet sich direkt am gleichnamigen Süßwassersee und ist damit ein idealer Ausgangspunkt sowohl für einen Besuch von Halifax als auch für Ausflüge entlang der Eastern Shore bis nach Lawrencetown, Clam Harbour oder Martinique Beach. Es gibt hier 42 unversorgte Stellplätze, 10 Stellplätze mit Strom- und Wasseranschluss, von denen wir einen bekamen, dazu noch 28 Walk-in-Campsites am Seeufer. Der Campingplatz wurde nach den schweren Schäden durch den Hurrikan Juan im Jahr 2003 umfassend erneuert. Viele der damals umgestürzten Bäume wurden entfernt, wodurch heute einige Bereiche deutlich offener wirken.
Im Gegensatz zu vielen Küstenparks Nova Scotias steht hier nicht der Atlantik im Mittelpunkt, sondern der ruhige Porters Lake. Zwischen hohen Fichten und Kiefern führen kurze Spazierwege zum Seeufer, wo sich eine kleine Badestelle, eine Bootsrampe sowie gute Möglichkeiten zum Kanufahren, Kajaken und Angeln befinden. Frühmorgens ist der See häufig spiegelglatt, und mit etwas Glück lassen sich Spechte, Fischadler oder Schneeschuhhasen beobachten.
Leider konnten wir im prasselnden Regen nicht nach draußen, so entspannten wir uns mit Lesen, Kochen und schliefen früh ein, während das Trommeln des Regens uns in den Schlaf wiegte.
Was für eine Wende der nächste Morgen brachte! Als wir die Augen öffneten, schienen die Sturmwolken wie weggeblasen, und die warme Morgensonne kämpfte sich durch die Blätter, um das feuchte Gras zum Glitzern zu bringen. Mit neuer Energie brachen wir auf und traten die Weiterfahrt in Richtung Osten an.
Nicht weit entfernt vom Porters Lake beginnt direkt der Marine Drive oder Highway 7 entlang der Atlantikküste. Er führt vorbei an Wäldern, Mooren, Seen und natürlich auch immer wieder an privaten Grundstücken mit Häusern.
Unsere anfängliche Euphorie über das gute Wetter verflog schnell, denn die vor uns liegende Strecke der Route 7 schlängelte sich leicht hügelig entlang der Küste und war angenehm verkehrsarm, bot aber kaum reizvolle Aussichtspunkte oder Gelegenheiten zum Anhalten, zumindest nicht für unseren dicken Camper.
Nett war die kurze Pause im Marie Joseph Provincial Park mit Picknicktischen und Toiletten und in Port Dufferin fotografierten wir einen malerischen Anlegesteg mit der St. James Anglican Church im Hintergrund, oben auf dem Eingangsbild zu sehen. Als wir dann endlich die historischen Holzhäuser von Sherbrooke erreichten, waren wir mehr als froh und genossen diese längere Pause.










Sherbrooke ist ein kleiner Ort an der Mündung des St. Mary's River an der Eastern Shore von Nova Scotia. Bekannt wurde er durch den Goldrausch der 1860er-Jahre sowie den Holz- und Schiffbau. Heute zählt der Ort nur noch wenige Hundert Einwohner und lebt vor allem vom Tourismus rund um das historische Dorf Sherbrooke Village.
Die bekannte Sehenswürdigkeit vor Ort ist dieses größte Living-History-Museum Nova Scotias. Der Komplex umfasst rund 80 Gebäude, von denen gut 25 auch von innen besucht werden können, darunter eine Schmiede, eine Töpferei und eine Sägemühle.
Hier wird das Leben um das Jahr 1867 nachgestellt. Anders als in einem klassischen Freilichtmuseum sind viele Werkstätten auch noch in Betrieb: Holzwerkstatt oder Weberei, die Schmiede, die Töpferei und die Druckerei werden zur Hauptsaison von Darstellern in historischer Kleidung betrieben, die ihre Handwerke vorführen und erklären. Besucher können vielerorts dann auch selbst aktiv werden.
Das Ganze sollte bei unserem Besuch in einer guten Woche eröffnet werden, und überall wurde noch gewerkelt, Rasen gemäht und die Häuser geputzt. Wir waren sehr froh darüber, denn so konnten wir ohne Eintritt durch den Ort spazieren und uns die hübschen Häuser ganz in Ruhe ansehen. Leider ging das nicht von innen, aber das machte uns nichts, denn wir hatten ja schon so viele Freilichtmuseen besucht.
Ein netter Herr mit einem ganz niedlichen Shepard names Emma, die ständig mit Stöckchen holen beschäftigt werden wollte, hielt mit uns ein längeres Schwätzchen, während die Sonne auf die bunten Holzfassaden schien.
Die Geschichte des kleinen Ortes begann bereits im 17. Jahrhundert mit einem französischen Handelsposten. Um 1800 siedelten sich englischsprachige Einwanderer an, und 1815 erhielt der Ort seinen heutigen Namen zu Ehren von Sir John Coape Sherbrooke, dem damaligen Lieutenant Governor von Nova Scotia. Der eigentliche Aufschwung kam jedoch 1861 mit einem Goldfund. Innerhalb weniger Jahre entstanden zahlreiche Minengesellschaften, Sägewerke, Werften und Geschäfte. Sherbrooke entwickelte sich zu einem wohlhabenden regionalen Zentrum, bevor der Goldrausch gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder abflaute.
Besonders schön ist der Spaziergang entlang des St. Mary's River mit den historischen Häusern, Kirchen und Brücken. Wir gingen noch im kleinen örtlichen Supermarkt etwas einkaufen und fuhren dann weiter. Die nächsten großen Supermärkte wie Sobeys oder Walmart findet man nach 50 Minuten Fahrt weiter nördlich in Antigonish.











Unser nächstes Ziel war ein spontaner Abstecher zum Port Bickerton Lighthouse, welches uns während des Stöckchenwerfens empfohlen worden war. Der weiß-rote Leuchtturm steht malerisch auf einer kleinen Landzunge am Eingang des Hafens und weist seit dem späten 19. Jahrhundert den Schiffen den Weg entlang der zerklüfteten Eastern Shore.
Heute gehört das restaurierte Leuchtturmgelände zu einem kleinen Heritage Park mit Aussichtsplattformen und einem kurzen Rundweg. Der Lovitt's Nature Walk führt zu einem kleinen Sandstrand.
Es gibt Informationstafeln und schöne Ausblicke auf den Atlantik, die vorgelagerten Inseln und den Fischerhafen. Im Hochsommer hat man mit Glück manchmal auch einen Blick auf Wale. Besonders bei ruhigem Wetter wirkt dieser abgelegene Ort ausgesprochen friedlich und lädt zu einer schönen Pause ein.
Hier fanden wir zum ersten Mal am Parkplatz unterhalb vom Leuchtturm ein Schild mit der Aufschrift "RV´s willkommen". Nur Zelte sind nicht gerne gesehen; es gab sogar eine Sunset-Schaukel mit einen schönen Blick aufs Meer. Leider hatten wir für den Abend schon einen Stellplatz auf dem Seabreeze Campground vorgebucht und es war erst früher Nachmittag. Schade, hier wären wir sehr gerne über Nacht geblieben, aber so konnten wir an diesem Tag noch locker 92 Kilometer Strecke machen. Denn am nächsten Tag war die Überfahrt nach Cape Breton Island geplant, wo wir die letzten Tage in Nova Scotia vor der Fähre nach Neufundland verbringen wollten.
Eigentlich wollten wir den weiteren Weg entlang der Küste mit der Country Harbour Ferry abkürzen, doch die fiel an diesem Tag wegen Reparaturarbeiten für mehrere Stunden aus. So blieb uns nichts anderes übrig, als einen längeren Umweg um den tiefen Fjord des Country Harbour in Kauf zu nehmen, allein von der Anlegestelle zurück zum Highway sind es 33 km. Dort steht an der Abzweigung zwar eine Tafel, ob die Fähre in Betrieb ist oder nicht, aber bei dem akuten Ausfall hatte das noch niemand aktualisiert.
Die Route führte entlang der rauen Atlantikküste vorbei an winzigen, typisch kanadischen Küstenorten wie Tor Bay mit dem nahen Tor Bay Provincial Park, Larry’s River und Queensport.
Der Seabreeze Campground liegt spektakulär direkt am wilden Atlantik und bietet einen Panoramablick auf Fox Island. Das WLAN über Starlink auf dem ganzen Campground war hervorragend. Am Ufer schwammen Eiderenten, es standen einige Domes dort und es war hier insgesamt nichts los, da die vielen Dauercamper nicht vor Ort waren.
Warum, das sollten wir am nächsten Tag erleben, als das Wetter wieder umschlug und es für einige Tage so richtig kalt und nass wurde. Als Vorwarnung standen wir diesen Abend schon auf einer recht feuchten Wiese.










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