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| Am Leuchtturm |
Wir kamen aus dem Süden von Lunenburg, wo wir uns auch den schönen Hafen angesehen hatten. Von hier aus ist es nicht weit nach Peggy’s Cove, und wir fanden im Mai schnell einen Stellplatz auf dem nahe gelegenen Wayside Campground in Glen Margaret. Da das Wetter bei unserer Ankunft noch sehr schön war und für den nächsten Tag Regen angesagt war, haben wir uns noch am Nachmittag direkt auf den Weg gemacht, um uns eines der meistbesuchten Highlights von Nova Scotia anzusehen.
Denn Peggy's Cove ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Kanadas und gehört zu den meistfotografierten Orten des Landes. Das kleine Fischerdorf liegt etwa 45 Kilometer südwestlich von Halifax an der zerklüfteten Atlantikküste von Nova Scotia. Heute leben dort nur noch rund 30 bis 40 Menschen dauerhaft, hauptsächlich vom Hummerfang und natürlich auch vom Tourismus.
Trotz jährlich Hunderttausender Besucher ist der Ort bis heute ein aktives Fischerdorf geblieben. Um den ursprünglichen Charakter zu bewahren, gelten strenge Bauvorschriften; Veränderungen an den historischen Gebäuden sind nur eingeschränkt möglich.
Bevor wir den Ort mit dem berühmten Leuchtturm erreichten, kamen wir noch an einer Gedenkstätte vorbei. Nur wenige Kilometer nordwestlich von Peggy's Cove ereignete sich am 2. September 1998 eines der schwersten Flugzeugunglücke der kanadischen Geschichte. Die McDonnell Douglas MD-11 der Swissair (Flug SR 111) war auf dem Weg von New York nach Genf, als die Besatzung Rauch im Cockpit bemerkte. Die Piloten leiteten einen Notanflug auf Halifax ein, doch das Feuer breitete sich unkontrolliert aus. Um 22:31 Uhr Ortszeit stürzte die Maschine etwa 8 bis 10 Kilometer vor der Küste in den Atlantik. Alle 229 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die spätere Untersuchung ergab, dass sich brennbares Isoliermaterial im Flugzeug entzündet hatte und das Feuer sich rasch ausbreitete.
Etwa einen Kilometer nordwestlich von Peggy's Cove befindet sich daher heute auf einer Felsplattform "The Whalesback". Von hier aus blickt man direkt auf das Meer in Richtung der Absturzstelle. Das Denkmal besteht aus einer Granitwand mit den Namen aller 229 Opfer. Viele Besucher legen hier immer noch Blumen oder kleine Steine nieder.
Eine zweite, größere Gedenkstätte befindet sich bei Bayswater, etwa 70 Kilometer entfernt. Dort wurden nicht identifizierbare sterbliche Überreste der Opfer beigesetzt.
Rundum sieht man schon die spektakulären Granitfelsen, welche diese Küste so einmalig machen, und in der Ferne kann man Peggy’s Cove und den Leuchtturm sehen.
Die glatt geschliffenen Felsen entstanden vor rund 400 Millionen Jahren, als glühendes Magma tief unter der Erdoberfläche langsam abkühlte. Während der Eiszeit wurden sie zusätzlich von mächtigen Gletschern abgeschliffen und erhielten ihre heutige Form.
Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir dann den großen Besucherparkplatz am Ortseingang von Peggy’s Cove, wo wir ohne Probleme am späten Nachmittag einen Stellplatz für den Camper bekamen. In den vergangenen Jahren wurde die Infrastruktur deutlich ausgebaut. Vom oberen Parkplatz sind es etwa 5 bis 10 Minuten zu Fuß bis zum Leuchtturm. Direkt daneben befinden sich das Besucherzentrum und öffentliche Toiletten. Mit einem Camper muss man hier parken, denn der zweite Parkplatz weiter unten in der Nähe des Sou'Wester Restaurants ist von 10 bis 16 Uhr für Camper gesperrt. Auf die 5 langen Plätze dürfen dann nur die Tourbusse von Marine Atlantic.
Diese weiteren Parkplätze sind aber besonders in der Hauptsaison schnell belegt. Zwischen Juni und September, ganz besonders wenn Kreuzfahrtschiffe in Halifax liegen, kann es zwischen 10 und 15 Uhr hier sehr voll werden. Dann sind auch die Parkplätze stark ausgelastet.











Wir hatten Glück und es war wenig los, so konnten wir durch den Ort spazieren und haben auch überall auf den bunten Muskoka Chairs ohne langes Warten noch einen Platz gefunden. Bei unserem Besuch war der Himmel blau und die Sonne schien; bei Nebel oder Regen ist die Atmosphäre hier sicher ganz anders.
Vom großen Besucherparkplatz beginnt ein kurzer, aber sehr schöner Spaziergang, der bis an den Leuchtturm führt. Er dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten, je nachdem, wie oft man unterwegs stehen bleibt. Das passiert fast jedem, denn es gibt einiges zu fotografieren, wie den malerischen, kleinen Naturhafen mit seinen bunt gestrichenen Fischerhäusern und den Hummerbooten. Sogar das Wrack eines alten Holzbootes, das dort verrottet, bildet ein spannendes Fotomotiv. Die salzige Meeresluft und das Rauschen der Brandung begleiten einen hier den gesamten Weg.
Man folgt der Peggy's Point Road, die heute durch Gehwege und barrierefreie Abschnitte sicher gestaltet ist. Entlang des Weges passiert man kleine Galerien, Souvenirläden und das bekannte Sou'Wester Restaurant, das sich direkt neben dem Leuchtturm befindet. Hier kann man einkehren und sich vor einer britischen Telefonzelle oder einem roten Hummer fotografieren lassen. Bei dem netten Fotomotiv mit dem Hummer konnten auch wir nicht widerstehen.
Eine der größten und wichtigsten Neuerungen im Ort ist das im Jahr 2021 eröffnete, barrierefreie Aussichtsdeck aus Holz. Diese rund 1.300 Quadratmeter große Plattform fügt sich optisch gut in die karge Felslandschaft ein und wurde speziell entwickelt, um allen Besuchern – egal ob mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehbehinderung – einen sicheren und unvergesslichen Blick auf den Leuchtturm und den tosenden Atlantik zu ermöglichen. Gleichzeitig dient die stilvolle Holzkonstruktion als natürlicher Schutz für das empfindliche Ökosystem der umliegenden Küstenvegetation, die jahrelang unter den Massen an Fußgängern gelitten hatte. Das Deck bietet zudem bequeme Sitzgelegenheiten, um die raue Schönheit der Bucht ganz entspannt auf sich wirken zu lassen.
Die dunklen, oft auch nassen Felsen direkt am Meer werden von den Einheimischen "Black Rocks" genannt. Sie sind extrem rutschig. Immer wieder wurden hier Besucher von unerwartet hohen Wellen erfasst und ins Meer gerissen. Deshalb gilt die eindringliche Warnung: "Never turn your back on the ocean."
Um da ganz sicherzugehen, steht ein Mitarbeiter zur Sicherheit dort, um Neugierige von der Kante abzuhalten. Bei unserem Besuch gab es weder Wellen noch waren die Steine rutschig. Aber das kann sich hier ja ganz schnell ändern; am nächsten Tag hat es den ganzen Tag geregnet. Wir sind dann nicht noch einmal hierher, weil wir es ja schon bei bestem Wetter erlebt hatten.
Der heute sichtbare, knapp 15 Meter hohe Peggy's Point Leuchtturm aus Stahlbeton stammt aus dem Jahr 1915 und markiert die östliche Einfahrt in die St.-Margaret's-Bucht. Er ersetzte einen hölzernen Vorgänger von 1868, welcher der Besatzung zugleich als Wohnhaus diente, jedoch 1954 durch den Hurrikan Edna zerstört wurde. Im Jahr 1958 wurde das markante, achteckige Bauwerk schließlich komplett automatisiert. Interessant ist auch das Farbspiel des Leuchtfeuers über die Jahrzehnte: Zu Beginn leuchtete es rot, nach der Automatisierung weiß, in den 1970er-Jahren grün und seit 2007 dann, angepasst an internationale Standards, wieder in hellem Rot.
Eine weltweite Besonderheit verbindet den Turm zudem mit der Postgeschichte: Von 1975 bis 2009 beherbergte das Erdgeschoss des Leuchtturms in den Sommermonaten eine winzige Filiale der Canada Post. Es war das wohl berühmteste Leuchtturm-Postamt der Welt. Von hier aus verschickten Touristen ihre Postkarten mit einem einzigartigen Sonderstempel, der die Form des Leuchtturms besaß. Wegen akuter Schimmelbildung im feuchten Fundament musste die Postfiliale nach über 30 Jahren leider dauerhaft geschlossen werden. Die Bekanntheit des Bauwerks geht sogar so weit, dass Kanada ihm 1992 eine eigene Quarter-Münze und 2017 zwei silberne 10-Dollar-Münzen widmete.
Als wir uns auf zwei Stühlen in meiner Lieblingsfarbe ausruhten und den Ausblick auf den Leuchtturm und die Besucher genossen, hat gleich jemand angeboten, uns zu fotografieren. Sehr nett – das vergessen wir meist immer und sind selten zusammen auf einem Bild. Wie in Kanada üblich, hielt man danach noch ein kurzes Schwätzchen, dann gingen wir zurück zum Camper und fuhren zum Wayside Campground zurück, so sich am Ufer schon die Kanadagänse mit ihrem Nachwuchs tummelten.

















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