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In Lunenburg haben wir auf dem örtlichen Campground gestanden, von dort aus waren wir schnell zu Fuß in der Stadt und auch an der Waterfront und am Hafen. Angeblich sollte der Platz noch unbetreut uns daher kostenlos sein, dem war aber nicht so. Duschen und WLAN waren gut, der Rest wie vielerorts eher ein besserer Parkplatz. Es empfiehlt sich, im Office die Karte des Platzes vor der Buchung genau zu studieren, denn der von uns gewählte Platz hatte Fullservice mit Abwasser, was wir gar nicht benötigten. Dafür war es mit knapp 90 CAD der teuerste Platz der ganzen Reise, da hätten wir besser einen günstigeren gewählt. Wir hatten nur die unterschiedlichen Kategorien nicht verstanden.
Das Wetter meint es hier im Mai besonders gut mit uns. Unter einem strahlend blauen, wolkenlosen Himmel glitzert das Wasser des Atlantiks im Hafen von Lunenburg. Die warme Sonne bringt die berühmten, farbenfrohen Holzhäuser der Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, erst so richtig zum Leuchten. Ein leichter und kühler Wind wehte vom Meer herüber und wir genossen den Spaziergang am Pier. Zu dieser Jahreszeit ist es hier noch nicht so voll und wir bekamen ohne Probleme einen Platz auf den bunten Muskoka Chairs, die hier überall standen. Wir setzen uns gemütlich hin, strecken die Beine aus und genossen das lebendige Treiben auf und am Wasser. Bei diesem Traumwetter gab es für uns kaum einen schöneren Ort, um die Seele baumeln zu lassen.
Schon von Weitem fällt der Blick auf das absolute Highlight dieses Hafens: Die legendäre Bluenose II lag gerade stolz vor Anker. Auf dem berühmten Segelschiff bereitete sich die Crew auf die nächste große Fahrt vor. Alle waren emsig bei der Arbeit, überall wurde gewirkt, geschrubbt und das Holz poliert, bis alles im Sonnenlicht glänzt. Es ist faszinierend zu beobachten, mit wie viel Liebe zum Detail dieses Stück lebendige Geschichte gepflegt wird.
Sieht man das Schiff hier, dann hat man Glück, denn es ist oft unterwegs. Auf der Offiziellen Webseite gibt es auch eine Sailing Schedule, dort kann man nachschauen wo sich das schöne Segelschiff gerade befindet.
Natürlich fragt man sich, warum das Schiff und die Menschen in Nova Scotia "Bluenose", also Blaunase genannt werden. Beim Stöbern in der Hafengeschichte stoßen wir auf die skurrilen Ursprünge dieses Spitznamens, der bis in das 18. Jahrhundert zurückreicht. Eine berühmte Legende besagt, dass die Frauen der Fischer ihren Männern warme, blau gefärbte Wollfäustlinge für die See strickten. Wenn sich die harten Seeleute bei eisigem Wind den kühlen Spray und die laufende Nase mit den Händen abwischten, färbte der billige blaue Farbstoff ihre Nasen blau!
Andere Erzählungen führen den Namen auf eine alte, bläuliche Kartoffelsorte zurück, die die frühen Siedler hier massenhaft anbauten und aßen. Was einst als spöttischer Name begann, ist heute ein stolzer Begriff für die widerstandsfähigen Bewohner der Region.
Als im Jahr 1921 ein schnelles Schiff gebaut werden sollte, um die Amerikaner beim International Fishermen's Trophy Bootsrennen zu schlagen, gab man ihm genau diesen Namen: Bluenose. Es war das erste Schiff der Smith and Rhuland Werft, welches unter Murren der Schiffsbauer nach einem vorher erstellten Bauplan gefertigt wurde. Unter dem legendären Kapitän Angus Walters wurde der Schoner zum unschlagbaren Champion und zur Königin des Nordatlantiks, denn 17 Jahre lang verlor dieses Schiff kein einziges großes Rennen.
Sie wurde so berühmt, dass ihr Bild seit 1937 die kanadische 10-Cent-Münze ziert. Nach einer traurigen Spätphase als Frachtschiff sank das Original leider 1946 vor Haiti. Weil wir Kanadier das Schiff aber so vermissten, wurde 1963 in derselben Werft in Lunenburg die Bluenose II als originalgetreuer Nachbau nach den Originalplänen gebaut.










Aber nicht nur die Bluenose liegt hier am Pier, wir schauten uns noch die anderen historischen Schiffe an, die hier an den Piers und Schwimmstegen liegen und zum Fisheries Museum of the Atlantic gehören, das saisonal von Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet ist. Leider waren wir zu spät, um noch auf die Schiffe zu gehen, denn das Museum macht schon um 17:00 Uhr zu.
Die hohen Masten ragen in den Himmel und versetzen die Besucher direkt zurück in die Blütezeit der Segel-Seefahrt. Auch von außen betrachtet sind einige Schiffe sehr beeindruckend.
Die Theresa E. Connor ist das unübersehbare Flaggschiff des Museums und Kanadas ältester erhaltener "Saltbank Schooner". Das hölzerne Prachtstück von 1938 kann man auch innen besichtigen. Ehemalige Besatzungsmitglieder sitzen oft in der Kombüse und erzählen aus erster Hand, wie hart das Leben beim Kabeljaufang auf den rauen Grand Banks war.
Direkt daneben liegt ein stählerner Seitentrawler namens Cape Sable. Er steht für die modernere Ära der Fischerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Kontrast zwischen dem alten Holzsegler und diesem wuchtigen Stahlschiff zeigt uns hautnah, wie rasant sich die Seefahrt im 20. Jahrhundert verändert hat.
Neben den beiden Riesen entdecken wir im Wasser und im Museum kleinere, flache Holzboote, das sind die sogenannten Dorys. Mit diesen wendigen Booten ließen sich die Fischer damals mitten auf dem offenen Ozean aussetzen, um die Fangleinen einzuholen. Ein mutiger Job, bei dem wir schon beim bloßen Gedanken daran Gänsehaut bekommen.
Der Hafen von Lunenburg ist voller Restaurants, kleiner Imbisse und Brauereien, die in bunten Häusern alle an der Straße oberhalb der Uferpromenade liegen und einen großartigen Blick auf das Wasser bieten.
Nach dem Rundgang am Hafen gingen wir Pizza essen.














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