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LUNENBURG

Abseits des Hafens, dem ich eine eigene Seite gewidmet habe, hat Lunenburg eine faszinierende Siedlungsgeschichte, beeindruckende Sakralbauten und eine ganz besondere Straßenkunst zu bieten. Die Architektur von Lunenburg ist weltberühmt und der Grund, warum die Altstadt 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Wenn Besucher durch die gitterförmig angelegten Straßen spazieren, ziehen die vielen kräftigen Farben und die historischen Details sofort in den Bann.

Als wir den Hafen verlassen und die steilen Straßen der Altstadt hinaufspazieren, tauchen wir tief in die Geschichte von Lunenburg ein. Die Stadt wurde im Jahr 1753 von der britischen Krone gegründet wurde. Die ersten Einwohner waren jedoch keine Briten, sondern überwiegend deutschsprachige Einwanderer sowie Schweizer und Franzosen, die sogenannten ausländischen Protestanten.

Sie machten Lunenburg zu Kanadas ältester deutscher Siedlung. Obwohl die Siedler eigentlich Landwirtschaft betreiben sollten, zwangen sie der felsige Boden und die dichten Wälder der Umgebung dazu, sich dem Meer zuzuwenden. So wurden aus deutschen Bauern innerhalb weniger Generationen die besten Schiffbauer und Hochseefischer des Kontinents.

Beim Blick über die Dächer der Altstadt fallen uns sofort die mächtigen Kirchtürme auf, die das Stadtbild prägen. Wir machen uns auf den Weg, um die historischen Kirchen aus der Nähe zu betrachten. Die St. John's Anglican Church ist die zweitälteste anglikanische Kirche in ganz Kanada, sie wurde 1753 gegründet. Ihr markanter, schwarz-weißer neugotischer Holzstil ist sicher etwas Besonderes. Leider war abgeschlossen und wir konnten nicht hineingehen, aber die hölzernen Decke ist wie der umgedrehte Rumpf eines Schiffes gebaut. Im Jahr 2001 brannte die Kirche nach Brandstiftung fast vollständig nieder, wurde aber von der Gemeinde mit unglaublichem Aufwand bis 2005 originalgetreu wieder aufgebaut.

Ein weiteres architektonisches Juwel aus Holz ist die St. Andrew's Presbyterian Church. Mit ihrem hohen, spitzen Turm thront sie elegant über den farbenfrohen Kapitänshäusern und ist ein beliebtes Fotomotiv, das den strengen, aber wunderschönen Kolonialstil der damaligen Zeit zeigt.

Je weiter man in die Wohnviertel kommt, desto schöner wird die Architektur. Über 70 Prozent der Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind im Originalzustand erhalten. Was sofort auffällt, sind die unglaublich leuchtenden Farben: Tiefes Rot, knalliges Gelb, sattes Blau und kräftiges Grün wechseln sich ab. Früher nutzten die Fischer oft die übrig gebliebene Schiffshaut-Farbe für ihre Wohnhäuser. Heute gibt es in der Stadt sogar eine offizielle Farbpalette, damit das historische Stadtbild harmonisch bleibt.

Ein ganz besonderes architektonisches Highlight ist der sogenannte Lunenburger Buckel. Dabei handelt es sich um einen großen, reich verzierten Erker, der direkt über der Eingangstür im ersten Stock aus der Hauswand herausragt. Diese Bauform entstand im späten 19. Jahrhundert, als die wohlhabenden Kapitäne der Stadt mit ihren Häusern angeben wollten. Der Erker hat meist fünf große Fenster und sieht aus wie das Heck eines alten Segelschiffs.

Im Volksmund wird er auch scherzhaft Seemannswitwen-Fenster genannt, denn die Frauen der Kapitäne konnten dort im Warmen sitzen, Handarbeiten machen und durch die drei Himmelsrichtungen die Bucht im Auge behalten, um zu sehen, ob das Schiff ihres Mannes sicher in den Hafen zurückkehrt.








Im Ort

Nach dem ausgiebigen Besuch am Hafen wurde es Abend und uns knurrte langsam der Magen. Zum Glück müssen wir nicht lange suchen, denn die Uferpromenade von Lunenburg ist gesäumt von einigen Restaurants und maritimen Lokalen, die fast alle gemütliche Terrassen mit Blick auf den Hafen haben. Leider hatten wir nicht reserviert und so war es schwierig einen Platz zu bekommen.

In den alten Holzhäusern war es eng und richtig laut, die Terrassen waren besetzt obwohl es draussen schon schnell recht frisch wurde. Da wir keine Lust hatten uns anzuschreien und auch keinen Hummer essen wollten, landeten wir am Ende in einer libanesichen Pizzeria. Das Ambiente war nicht sehr stylisch, aber die Bedienung sehr nett, die Preise super und die Pizza riesig und sehr lecker. Dazu tranken wir einheimisches Bier. Leider hatten wir zwei Pizzen bestellt, was viel zu viel war. Gut die Hälfte nahmen wir mit zum Camper, haben sie dort dann eingefroren und später in Neufundland dann aufgebacken und gegessen.

Während wir mit dem Pizzakarton in der Hand zurück zum Campingplatz spazierten fiel uns ein lustiges und einzigartiges Detail an den Straßenlaternen und Strommasten auf. Statt gewöhnlicher Dekoration hängen hier überall wunderschöne, handgemalte Skulpturen von Fischen und Meerestieren aus Aluminium.

Wir finden heraus, dass dahinter das berühmte "Lunenburg Fish Project" aus dem Jahr 2002 steckt. Die Stadt suchte damals nach einer pflegeleichten Alternative zu den klassischen Blumenampeln, die im Sommer ständig gegossen werden mussten. Die Künstlerin Laura Fisher entwarf daraufhin 44 einzigartige Skulpturen. Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir fast jede lokale Meeresart: von Kabeljau, Makrelen und Heringen über Hummer und Tintenfische bis hin zu riesigen Schwertfischen und Haien. Diese farbenfrohe Straßenkunst verleiht unserem Spaziergang durch die historischen Gassen den perfekten, maritimen Charme.







Einkaufstipps

Das kleine Dorf LaHave liegt malerisch an der Mündung des LaHave River südlich von Lunenburg. Es gehört zu den ältesten europäischen Siedlungsgebieten Kanadas, denn bereits im 17. Jahrhundert errichteten französische Siedler hier einen Handelsposten. Heute strahlt der Ort eine angenehme Ruhe aus und ist vor allem für seine maritime Atmosphäre.

Wir nutzten hier mehrmals die LaHave Ferry, eine kleine, kostenlose Kabelfähre, die das ganze Jahr über die beiden Ufer des LaHave River verbindet. Die Überfahrt dauert nur etwa fünf Minuten, erspart aber einen Umweg von mehr als 30 Kilometern über die nächste Brücke und die Schnellstraße. Während der kurzen Fahrt genießt man schöne Ausblicke auf den breiten Fluss. Die Fähre verkehrt tagsüber in kurzen Abständen und gehört für viele Reisende einfach zum Erlebnis dazu.

So entdeckten wir ein Stück neben der Fähr-Anlegestelle die LaHave Bakery, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Die Bäckerei ist in einem historischen Holzgebäude untergebracht und lockt mit frisch gebackenem Sauerteigbrot, Zimtschnecken, Butterhörnchen, Kuchen und herzhaften Sandwiches. Viele Zutaten stammen aus der Region oder aus biologischem Anbau.

Im Inneren ist es recht urig, es gibt ein Café mit Blick auf den Fluss Terrasse. Für viele Besucher zählt die LaHave Bakery zu den schönsten Cafés an der South Shore und ist ein fester Bestandteil einer Reise entlang des Lighthouse Route. Auch wir kamen mehrmals hierher, denn geradeus durch den Gastraum führen Stufen hinunter in ein Schlemmerparadies im Souterrain. Man kann hier leckere Chutneys, Sossen, Senf, gefrorene Fertiggerichte und vieles mehr kaufen. Das Brot hier ist fantastisch, besonders für Camper. Denn es hälts sich im Kühschrank sehr lange. Man hat die Whl zwischen frischen Brot, reduziertem Brot vom Vortag und fertig eingefroren gibt es das auch. Besonders gut fanden wir das mit den Äthiopischen Gewürzen, aber auch das marrokanische und andere Sorten waren sehr lecker.

Wer am Wochenende in der Region unterwegs ist, der sollte unbedingt einen Abstecher zum weiter nördlich gelegenen Sunnybrook Mill Market machen. Es handelt sich nicht um einen klassischen Supermarkt, sondern um einen kleinen, liebevoll geführten Hofladen mit regionalen Produkten, etwa 10 Autominuten nördlich der Altstadt von Lunenburg auf der Hermans Island Road.

Hinter dem Markt fließt ein kleiner Wasserfall in eine Meeresbucht. Von dort hat man einen sehr schönen Blick aufs Wasser und auf die umliegenden Weiden. Mit etwas Glück sieht man sogar die Ziegen oder die norwegischen Fjordpferde der sehr netten Besitzer.

Im Mai kauften wir hier ein, es gab hervorragende, geschnittene Kalamanta Oliven im Kilopack, die wir auf verschiedene Töpfe verteilten. Auch der frische Ziegenfeta war toll, normaler Feta ist hier günstiger als im Supermarkt. Ausserdem gibt es hier frisches Obst und Gemüse der Saison, Fleisch und Fisch aus Nova Scotia, Eier, Marmeladen und Honig und ein bisschen Kunsthandwerk.

Hier kaufte ich das leckerste Pflaumen-Chutney, das wir je hatten und es gibt auch frisch gebackenes Brot und andere Backwaren. Da sind besonders die Zimtschnecken und der Mandelkuchen ein Genuß. Direkt nebenan wird das gute Sauerkraut aus Lunenburg hergestellt, das bekommt man natürlich auch im Laden, abgefüllt im Tertra Pack.

Als wir nach Rückkehr aus Neufundland in Halifax an einem Samstag unseren neuen Camper übernommen hatten, führte uns der erste Weg direkt hierher zum Einkauf. Als wir von unserem Unfall erzähten, boten uns die Besitzer spontan sogar einen Stellplatz für den Camper auf ihrem Hof an, leider hatten wir schon einen Platz im Rissers Beach Provicial Park gebucht und wir wollten vorher noch einmal in LaHavre vorbei.






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