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| Am Sandstrand |
Nachdem wir in Halifax unseren zweiten Camper übernommen hatten (der erste wurde war nach dem Unfall auf Neufundland verschrottet), waren wir erst einmal im Supermarkt etwas Grundnahrungsmittel einkaufen. Für das Programm der nächsten zwei Wochen waren wir noch ziemlich planlos, da wir gar nicht damit gerechnet hatten, noch einmal nach Nova Scotia zu kommen. Somit hatten wir nichts vorgebucht. Da es Samstag war, wollten wir noch Brot und Leckereien rund um Lunenburg einkaufen.
Für den ersten Abend nach Übernahme hatten wir im Rissers Beach Provincial Park gebucht, an dem wir im Mai nur vorbeigefahren waren. Der Park liegt an der Lighthouse Route, dem Highway 331, zwischen Bridgewater und LaHave. Er lässt sich hervorragend mit Besuchen der LaHave Bakery und am Wochenende auch beim Sunnybrook Mill Market an der Hermans Island Road etwas nördlich von Lunenburg verbinden. Dort kamen wir dank der Fähre noch einmal vorbei und kauften wieder das leckere Brot. Auch der Hafen von Lunenburg, der Thomas Raddall Provincial Park sowie Kejimkujik Seaside sind von hier aus nicht weit entfernt.
Der 101 Hektar große Park wurde 1973 offiziell als Provincial Park ausgewiesen. Seit Jahrzehnten zählt er zu den beliebtesten Strandparks Nova Scotias und dient sowohl der Erholung als auch dem Schutz der empfindlichen Küstenlandschaft. Der Strand und später der Park wurden nach der Familie Risser benannt, die im 19. Jahrhundert Land in diesem Gebiet besaß. Daher findet man auf älteren Karten auch die Schreibweise Risser's Beach mit Apostroph. Heute wird offiziell die Form Rissers Beach verwendet.
Der Provincial Park verfügt über 17 unversorgte Stellplätze, 19 Stellplätze mit Strom und Wasser und 6 Walk-in-Plätze in North Rissers sowie 28 verbliebene, teilweise bewaldete Stellplätze in Little Rissers und liegt an der Mündung des Petite Rivière. Wir bekamen eine von Grün umschlossene unversorgte Site. Die Stellplätze mit Strom und Wasser waren im System alle schon ausgebucht. Die üblichen Duschen, Picknickplätze, ein Parkplatz für Tagesbesucher und ein Spielplatz runden das Angebot ab; die Saison dauert hier normalerweise von Mitte Mai bis Mitte Oktober.
Im Juni konnten wir viele Singvögel rund um den Camper beoabchten, überall blühte es. Lupinen, Weißdorn und Rhododenron waren Farbtupfer am Straßenrand und in den Vorgärten.
Es gab früher auch noch Little Rissers (Loop C) direkt hinter dem Strand. Die Schäden durch den posttropischen Sturm Lee im September 2023 waren aber leider deutlich gravierender als zunächst angenommen. Von der Sturmflut betroffen war fast ausschließlich Little Rissers, also der strandnahe Campingbereich. Dabei wurden Dünen abgetragen, Straßen unterspült und zahlreiche Stellplätze überflutet.
Nach einer eingehenden Untersuchung entschied Nova Scotia Parks: Die Campsites 1–19 werden dauerhaft aufgegeben, Campsites 48–57 werden ebenfalls nicht wieder aufgebaut. Wieder geöffnet wurden nur die höher gelegenen Sites 20–47, mit Ausnahme von 27.
Denn eine 2024 veröffentlichte Küstengefahrenstudie kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Das Gelände von Little Rissers wird heute bereits mit einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von über 20 % bei Sturmfluten überflutet. Die Küstenerosion beträgt derzeit etwa 4–8 Meter pro Jahrzehnt, hat sich in den letzten Jahren aber deutlich beschleunigt. Die Experten empfahlen also ausdrücklich, Infrastruktur nicht mehr direkt an der Küste wieder aufzubauen, sondern langfristig auf höheres Gelände zu verlagern.
Rissers Beach zeigt eindrucksvoll, wie stark der Klimawandel die Atlantikküste Nova Scotias verändert. Statt kostspieliger Schutzbauten setzen die Parkverantwortlichen auf den Rückzug aus besonders gefährdeten Bereichen und geben der Natur Raum, die Küstenlandschaft selbst zu gestalten. Dies gilt inzwischen als Vorbild für den zukünftigen Umgang mit erosionsgefährdeten Küsten in Nova Scotia.










Eher untypisch für den klassischen Kanadaurlaub, aber sehr typisch für Nova Scotia: Aufgrund der enormen Küstenlänge von rund 7.600 Kilometern findet man in der gesamten Provinz vom feinsandigen und kilometerlangen Sandstrand bis zu kleinen Buchten alles, was man für einen entspannten Tag am Strand benötigt. Der Crescent Beach hier direkt vor diesem Provincial Park gehört zu den schönsten Sandstränden an der Südküste von Nova Scotia.
In wenigen Minuten ist man zu Fuß dort, ein Tunnel in einer Blechröhre führt unter dem Highway 331 hindurch. Der etwa einen Kilometer lange Strand besteht aus hellem, feinem Quarzsand und wird von einem gut erhaltenen Dünensystem geschützt. Direkt hinter dem kleinen Parkplatz für Gehbehinderte gibt es ein kleines Museum, in dem die Natur der Küste dargestellt wird.
Die Wassertemperaturen des Atlantiks sind an der South Shore generell erfrischend und erreichen im Hochsommer Juli und August selten mehr als 16 bis 18 °C. Der Rissers Beach und der angrenzende Crescent Beach bilden hier jedoch eine kleine Ausnahme: Da das Wasser über die flach abfallenden Sandbänke und die geschützten Flachwasserzonen der Bucht einströmt, erwärmt es sich an sonnigen Tagen spürbar schneller. In den seichten Uferbereichen können die Temperaturen im Spätsommer so durchaus auf angenehmere 19 bis 21 °C klettern, was den Strand zu einem der beliebtesten Badestopps der Region macht.
Wer am Strand baden möchte, der sollte die Gezeiten im Blick behalten. Der Tidenhub in dieser Region der South Shore beträgt zwar nicht die extremen Ausmaße der inneren Bay of Fundy, macht sich aber dennoch mit zwei bis drei Metern Unterschied deutlich bemerkbar. Bei Ebbe zieht sich das Wasser weit zurück und legt weite, wattähnliche Sandflächen frei, die sich ideal für lange Wattwanderungen eignen. Bei Flut hingegen schwappt die Brandung oft bis dicht an das Dünensystem heran, und die kleinen Priele im Salzmarschgebiet füllen sich komplett mit Wasser.
Hinter den Dünen liegt ein ausgedehntes Salzmarschgebiet, das über einen ca. 650 Meter langen Holzbohlenweg gut erschlossen ist. Gerade diese Kombination aus Atlantikstrand, Dünen und Marsch macht den besonderen Reiz des Parks aus. Es gibt auch ein paar Waldwege und Aussichtspunkte über Strand und Dünen. Insgesamt ideal für einen Spaziergang von 30 bis 60 Minuten.
Die Dünen sind ökologisch äußerst empfindlich. Das Dünengras hält den Sand fest und verhindert, dass Wind und Sturmfluten die Dünen abtragen. Besucher sollen deshalb ausschließlich die Holzstege benutzen. Leider haben wir hier an einem sonnigen Tag nicht viel gesehen.
Nur ein paar Silbermöwen, Mantelmöwen und Singvögel wie die Savannensperlinge (Savannah Sparrow) und Spitzschwanzammer (Sharp-tailed Sparrow) waren zu entdecken, dazu waren einige Libellen und Schmetterlinge unterwegs. Seeschwalben, Reiher, Strandläufer und andere Watvögel suchten wir im Juni leider vergeblich. In der Marsch leben außerdem Muscheln, kleine Krebse und viele andere wirbellose Tiere, die als Nahrung für die Vögel dienen.
Der Strand fällt relativ flach ins Meer ab. Im Juli und August wird ein Bereich von Rettungsschwimmern überwacht. Da wir also noch in der Nebensaison unterwegs waren, gab es nur ein paar Spaziergänger, meist mit Hunden, am Strand.
Wind, Brandung und Winterstürme transportieren den Sand entlang der Küste. Besonders bei Sturmfluten wird Material abgetragen und an anderer Stelle wieder angelagert. Deshalb untersuchen Geologen den Strand regelmäßig, um Wege, Treppen und Dünen langfristig zu schützen. Aufgrund des steigenden Meeresspiegels gehört Rissers Beach zu den besonders beobachteten Küstenabschnitten Nova Scotias.
















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