| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Site-Map | HOME |
Von Digby aus folgten wir dem Highway 1 mit dem Beinamen Acadien Shore weiter in Richtung Yarmouth. Die Strecke führt durch kleine Ortschaften, vorbei an Buchten, Fischereihäfen und immer wieder mit schönen Ausblicken auf den Atlantik. Wir sind an einigen Leuchttürmen vorbei gefahren, die hier an der Küste der Bay of Fundy liegen. Insgesamt fanden wir die franzöischsprachige Region nicht besonders interessant, rechts und links der Straße nur Häuser und relativ flaches, kahles Land.
Unser erster Halt galt der Église Sainte-Marie in Church Point. Die imposante Holzkirche wurde 1903 nach einem Brand ihres Vorgängerbaus innerhalb von nur sechs Monaten neu errichtet und zählt heute zu den größten und schönsten Holzkirchen Nordamerikas. Das Meisterwerk der akadischen Architektur im neoromanischen Stil wurde zwischen 1903 und 1905 vom autodidaktischen Baumeister Leo Melanson erbaut und verfügt über einen 56 Meter hohen Glockenturm, der durch 40 Tonnen Stein stabilisiert wird. Das Kirchenschiff ist 58 m lang, die Querschiffe messen 41 m. Mit ihren beiden Türmen ist sie schon von Weitem sichtbar und prägt das Ortsbild. Sogar von unserem Campingplatz bei Freeport auf Long Island in der Bay of Fundy konnten wir sie sehen, das sind knapp 18 km bis dorthin. Sie steht als denkmalgeschütztes Bauwerk für die lange Geschichte der französischsprachigen Siedler in dieser Region.
Direkt dahinter liegt die Université Sainte-Anne, bis heute die einzige französischsprachige Universität Nova Scotias. Sie spielt eine wichtige Rolle für den Erhalt der akadischen Kultur und Sprache in der Provinz.
Leider war das gesamte Gelände um die Kirche mit einem hässlichen Bauzaun eingezäunt, sodass wir nichts besichtigen können. Offensichtlich hat die Kirche ihre besten Zeiten offenbar längst hinter sich, denn sie wirkte zumindest von außen ziemlich heruntergekommen. Später haben wir dann gelsesen, dass die Kirche am 24. November 2023 offiziell profaniert wurde und seitdem finden dort keine regulären Gottesdienste mehr statt. Hier ist ein Link zu einem Video mit Blick in den Innenraum.
Anschließend fuhren wir weiter zum Cape Saint Mary Lighthouse Park. Der Leuchtturm steht hier auf einer felsigen Landzunge nördlich von Yarmouth und bietet einen schönen Blick auf die Küste und den offenen Atlantik. Da wir nur einen kurzen Zwischenstopp einlegten, genossen wir vor allem die Aussicht auf die Klippen. Wie in vielen Hafenorten steht auch hier ein Denkmal, auf dem alle Personen aufgelistet sind, die bei Schiffsunglücken hier ums Leben gekommen sind. Die örtlichen Toiletten waren die merkwürdigsten die wir in ganz Nova Scotia besucht hatten: In dem schön gemauerten Toilettenhaus standen zwei ziemlich volle Dixiklos voller Windeln. Vermutlich hat man beim Bau festgestellt, dass der Untergrund für eine Sickergrube zu felsig war.
Weiter ging es vorbei an mehreren herrlichen Sandstränden, die so gar nicht dem Bild entsprechen, das viele von Nova Scotia haben. Das helle Sandufer und das klare Wasser wirkten wie Strände weiter im Süden, auch wenn die Wassertemperaturen hier natürlich deutlich kühler waren.
Besonders am Mavilette Beach Provincial Park war eine Menge los, bei knapp 20 Grad herrschten Sommertemperaturen für die Einheimischen und es war Wochenende. Der Sand hier ist sehr fein, bei leichtem Wind weht er hoch und man ist schnell gepudert. Die Ausstattung mit Parkplätzen, Toiletten und Umkleideräumen ist sehr gut. Auch der Mavillette Beach RV Park dahinter war gut gefüllt, hier hätten wir keinen Platz mehr bekommen und die Trailer standen in Reih und Glied auf der Wiese.
Einen Platz suchen mussten wir auch nicht, denn unser Tagesziel war der Islands Provincial Park an der Südküste bei Shelburne.











Schließlich erreichten wir ein weiteres Tagesziel: den Leuchtturm vor Yarmouth namens Cape Forchu Lighthouse. Er gehört zu den bekanntesten Leuchttürmen Nova Scotias und liegt etwa 11 km westlich von Yarmouth auf einer felsigen Landzunge namens Yarmouth Bar mit schönen Villen am Eingang zum Hafen.
Schon die Anfahrt hierher, vorbei an Schiffen, kleinen Stränden, einem Schuppen mit zahlreichen Bojen und dem Lost to the Sea Memorial Park mit Picknicktischen ist schön. Besonders auffällig war das kleine Bunker Island Lighthouse, welches am Eingang zum Yarmouth Harbour auf einem vorgelagerten Riff steht. Wegen seiner geringen Größe wird es von den Einheimischen liebevoll "Bug Light" genannt.
Der erste Leuchtturm an dieser Stelle wurde bereits 1874 errichtet und sollte zusammen mit dem größeren Cape Forchu Lighthouse die Einfahrt zum Hafen von Yarmouth sichern. Der ursprüngliche Bau bestand aus einem kleinen Holzturm mit einem Wärterhaus. Die schwierige Lage auf einem Riff machte die Errichtung besonders aufwendig.
1959 wurde der heutige Turm gebaut. Der kleine weiße Betonbau steht noch immer auf seiner roten Caisson-Konstruktion im Wasser, ist inzwischen jedoch nicht mehr bemannt. Seine Aufgabe als Navigationshilfe wurde weitgehend durch moderne Technik übernommen. Während Cape Forchu den großen Überblick über die offene Küste bietet, markiert Bunker Island den sicheren Weg durch die gewundene Bucht in den geschützten Hafen.
Die weitere Straße nach Cape Forchu ist teilweise sehr eng und steil. Unterhalb und direkt neben dem Lighthouse gibt es Parkplätze und der Ort war gut besucht, aber wir fanden noch einen freien Platz für den großen Camper. Forchu kommt aus dem französischen, es bedeutet gegabelt/verzweigt, weil die Landzunge wie eine Gabel ins Meer ragt.
Besonders auffällig ist dieser Leuchtturm auf Grund seine ungewöhnlichen Apfelkernhaus-Form. Der heutige Turm wurde 1962 errichtet und war der erste Leuchtturm Kanadas in dieser Bauweise. Der dünne Betonturm sollte weniger Windwiderstand bieten, dafür ist im Inneren nur 1,5m Platz für die Wendeltreppe. Sein Vorgänger war aus dem Jahr 1840 und wurde nach mehr als 120 Jahren Dienst ersetzt. Hier legten wir eine längere Pause ein, es gibt kurze Rundwege in Richtung Strand, vorbei an blühenden Wiesen.
Besonders interessant sind die Felsen rund um Cape Forchu. Sie gehören zur geologisch sehr alten White Rock Formation und bestehen aus vulkanischen Gesteinen, die vor mehr als 400 Millionen Jahren entstanden sind. Die Felsen erzählen von einer Zeit, als hier noch unterseeische Vulkane aktiv waren. Zwischen den vulkanischen Ablagerungen finden sich Tuffgesteine, Lavaflüsse und vulkanische Konglomerate, die heute durch Wind, Wellen und die starken Kräfte des Atlantiks freigelegt werden.
Wir machten natürlich den kurzen Spaziergang über die Felsen und durch den Leif Erikson Park, natürlich dürfen hier auch die typischen roten Stühle nicht fehlen. Auf dem Wasser sahen wir einige Eiderenten und ein Wegweiser aus Holz zeigte Richtungen zu allen möglichen Orten auf der Welt.
Direkt am Leuchtturm fällt außerdem ein großes Walskelett namens "Foggy" ins Auge. Das etwa 15 Meter lange Skelett stammt von einem Bartenwal, wahrscheinlich einem Finnwal. Der Wal wurde 2006 auf einer Insel bei Woods Harbour gefunden. Nachdem die Knochen geborgen und gereinigt worden waren, wurde das Skelett auf dem Gelände des Leuchtturms wieder zusammengesetzt und als anschauliche Ausstellung aufgestellt.
Direkt neben dem Leuchtturm befindet sich außerdem das saisonal geöffnete Blueberry Fields Bakery Café, von dessen Terrasse man auf das Meer blickt. Hier arbeiten Studenten, die auch den Eintritt für den Leuchtturm kassieren und Besucher begleiten. Denn man kann den Leuchtturm sogar über 77 Stufen bis zur Laterne besteigen.
Darauf haben wir verzichtet und lieber bei einem leckeren Mittagessen den Blick auf das Meer genossen. Michael bestellte sich ein Brötchen mit Huhn, ich hatte mir hier noch einmal eine Lobster Roll bestellt, die sehr lecker war. So hatte jeder von uns in diesem Urlaub insgesamt zwei mal eine gegessen, das reicht. Dazu tranken wir Kaffee und haben dafür zusammen 45,50 CAD ohne Trinkgeld bezahlt.
















Video zum Thema
Google Map zum Thema
| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |