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VERKEHR

Denkt man an das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz, das im Jahr 2002 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde, dann fallen einem als Erstes Burgen, steile Hänge mit Weinreben, ein mildes Klima und weiße Ausflugschiffe auf dem Rhein ein.

Leider ist das enge Tal aber auch ein Knotenpunkt für den Verkehr, auf jeder Rheinseite liegt jeweils eine viel befahrene Bundestrasse und eine Eisenbahntrasse. Dazu kommt noch der Schiffsverkehr auf dem Wasser.

Der alte Bahndamm wurde in den Jahren 1850 bis 1861 erbaut. Was füher mit weniger Zügen für die Bewohner der kleinen Ort noch erträglich war und ihre moderne Verbindung zur weiten Welt ist heute ein dickes Problem. Denn sowohl Straße als auch Bahn fahren oft mitten durch die alten Ortschaften, der Zug rauscht oft nur wenige Meter an Häusern vorbei. Mittlerweile sind das durchschnittlich mehr als 400 Personen- und Güterzüge pro Tag auf beiden Uferstrecken, die durch das Welterbe Oberes Mittelrheintal fahren. Durch die steilen Hänge bekommen an vielen Stellen die Bewohner beider Seiten den Schall ab.

Die meisten Güterzüge fahren in der Nacht auf beiden Rheinseiten, denn dann verkehren keine Personenzüge mehr und die Strecken sind frei. Die Lärmwerte betragen bis zu 110 Dezibel, das ist so laut wie in ein Presslufthammer am Bau. Zusätzlich gibt es starke Erschütterungen und die Menschen haben Angst, denn hier sind auch Gefahrguttransporte mit Chemikalien aller Art in hunderten von Kesselwaggons unterwegs und die fahren mitten durch die Wohngebiete.

Während linksrheinisch mehr die Personenzüge wie z.B. die leisere Mittelrheinbahn verkehrt sind die rechtsrheinischen Gleise laut Deutscher Bahn Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke Genua-Rotterdam. Es gibt Folgen des Güterverkehrs für die Gesundheit, für den Tourismus und andere Wirtschaftszweige sowie einen Wertverlust der Immobilien entlang der Bahnstrecke.

Oft wurde schon über eine Entlastung und eine Verlegung der Bahntrasse hoch in den Taunus diskutiert und in vielen Orten haben sich inzwischen Bürgerinitiativen wie Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V. gebildet. Ein Westerwald-Taunus-Bahntunnelsystem wäre aber mehr als 100 Kilometer lang, ein gewaltiges Bauprojekt. Nach Angaben der Bürgerinitiative Oberwesel 22 - Zukunft trotz Bahn werden für 2030 sogar 500 bis 600 Züge täglich im Rheintal vorausgesagt.

Laut dem Bundesverkehrsministerium wäre ein wirtschaftlicher Handlungsbedarf aber erst bei 5.000 bis 6.000 Zügen pro Tag erreicht. Das würde bedeuten, das alle 15 Sekunden ein Zug im Mittelrheintal fährt, rund rund um die Uhr.

Nur für die Fahrgäste der Bahn hat die Fahrt ihre Reize, denn sie zählt zu den landschaftlich schönsten Bahnfahrten der Republik, alte Dörfer, steile Weinberge und zahlreiche Burgen ziehen vor den Waggonfenstern vorbei. Auch für Auto- und Motorradfahrer gilt die Strecke zwischen Koblenz und Bingen/Rüdesheim mit ihrer großartigen Flusskulisse als deutsche Traumstraße. Dazu kommen in den letzten Jahren noch Horden von Wohnmobilen.

Die geplagten Anwohner fordern unter anderem eine niedrigere Geschwindigkeit, Nachtruhe von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr, ein Verbot von lauter Nachtarbeit in bewohnten Gebieten und ein Verbot der Dieselloks auf elektrifizierter Strecke. Mit den medienwirksamen Streitereien über oben erwähnte Maximallösungen werden solche direkten kleinen Erleichterungen und mögliche zentrale Regulierungen effektiv aus der Diskussion ausgeblendet.




Schiffe und Fähren

Der Rhein verbindet die beiden Seiten und die Ausblicke von den Höhren sind wunderschön. Leider trennt er auch die Einwohner voneinander, denn es mangelt an Querverbindungen. Keine einzige Brücke gibt es für den öffentlichen Verkehr, egal ob Bus oder Bahn, über den Rhein zwischen Mainz und Koblenz.

Neben der Fähre in Bingen ermöglichen nur vier weitere Autofähren auf über 60 Flusskilometern den Wechsel vom links- zum rechtsrheinischen Ufer: Rheinfähre Bingen–Rüdesheim, Mittelrheinfähre Niederheimbach–Lorch, Rheinfähre Kaub–Pützenbach/Oberwesel, Fähre Loreley von Sankt Goar nach Sankt Goarshausen, Rheinfähre Boppard –Filsen.

Die Fähren sind recht teuer und fahren je nach Jahreszeit auch mit eingeschränktem Fahrplan. Hat man Freunde auf der gegenüber liegenden Rheinseite, muss man so nach einem Gläschen Wein immer übernachten, sonst kommt man nicht zurück. Ein staatlich finanzierter Fährbetrieb als günstiger Brücken- und Straßenersatz wie in Kanada, das wäre traumhaft.

Von den jeweiligen Bahnhöfen liegen die Anleger der Fähren meist weit entfernt und dieses Manko gleicht auch die Personenschifffahrt nicht aus. Weder ist sie in den ÖPNV-Tarif integriert, noch sind ihre Fahrpläne auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet, denn die weiße Flotte bedient nur die touristischen Ansprüche.

Seit Jahren besteht die Forderung nach der Mittelrheinbrücke, die zwischen St. Goar und St. Goarshausen mit einem verlässlichen 24/7-Betrieb die Rheinfähren ergänzt, ähnlich der Brücke über die Mosel.

Zu Fähren und Ausflugsschiffen kommt noch die normale Rheinschifffahrt, denn der Rhein zwischen Basel und seiner Mündung in die Nordsee gehört zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt.

Auch Radfahrer befinden sich in Konflikt mit dem Verkehr im Rheintal. Zwar ist der Radweg auf der linken Rheinseite durchgängig von Bingen bis Koblenz ausgebaut, er führt aber zu großen Teilen unmittelbar an der stark befahrenen und sehr lauten Bundesstraße B9 entlang. Rechtsrheinisch fehlen entlang der B42 Radwege zum Teil noch gänzlich. Durchgängige Radtouren sind hier gefahrlos gar nicht möglich.





Video zum Thema - Der Rhein von 1920 - 1980: Am Puls des Stroms

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