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OKATSE CANYON

Der Besuch im Okatse Canyon war für uns ein echtes Abenteuer. Man kommt oben im Dorf Gordi an und dort befindet sich direkt an der Hauptstraße das futuristische Gebäude des Besucherzentrums. Hier kann man sich Informationen holen, es gibt ein kleines Museum mit einem Miniaturmodell der Schlucht und Toiletten. Die sollte man nutzen, denn das Toilettenhäuschen direkt am Canyon war abgeschlossen. Am Parkplatz wurden wir schon angesprochen, ob wir ein Taxi möchten.

Doch zuerst zahlten wir den Eintritt von 7 Lari, Montag ist hier Ruhetag wie so oft in Georgien. Geöffnet ist von 10:00 bis 18:00 Uhr. Für weitere 3 Lari bekamen wir eine kleine Karte mit Informationen. Darauf sind ziemlich rudimentär die Wege eingezeichnet, die zum Canyon führen. Das Ticket unbedingt aufbewahren, denn dies wird erst am direkten Zugang zum Canyon kontrolliert - dort wird es einem wieder abgenommen.

Es gibt drei Möglichkeiten, den Eingang zum Eisensteg am Canyon zu erreichen: Man kann 2,2 Kilometer durch den Wald zu Fuß gehen, muss diese dann auch wieder zurück. Der Weg ist schön angelegt, führt aber teilweile sehr steil bergauf und bergab, was in der dünnen Bergluft schnell anstrengend sein kann. Damit benötigt man auch mehr Zeit zum Besuch.

Dann warten zahlreiche Fahrer mit unterschiedlichen Autos am Besucherzentrum, unter anderem auch die Karre mit den Monsterreifen rechts auf dem Foto. Die Männer verlangen für die kurze Fahrt zum Canyon und zurück 50 Lari. Trotzdem fahren viele Besucher mit dem Taxi, denn so braucht man für den Besuch nur 1,5 - 2 Stunden Zeit.

Die dritte Möglichkeit ist eine Fahrt über den auf der Karte eingezeichneten SUV Trail, aber nur wenn man ein Allradfahrzeug hat. Im Besucherzentrum meinte man, das sei gar kein Problem, nur der weiter südlich eingezeichnete zweite Zugang zum unteren Ende des Canyonweges wäre gesperrt.

Also beschlossen wir, selbst bis zum Canyon zu fahren. Dies erwies sich als bisher größtes Abenteuer des Urlaubs, denn die Strecke war nicht ausgeschildert und katastrophal zu fahren. Michael benötigte all sein Können um hier durch zu kommen.

Es beginnt harmlos, der erste Teil der Route führt durch den Dadiani Park, der im 18. Jahrhundert von einem georgischen Prinzen angelegt wurde. Die Familie Dadiani war reich und so beschlossen sie, eine Art Sommerhaus in der Nähe des Canyons zu bauen. Hierher kamen sie dann. um sich in der malerischen Atmosphäre in den Bergen zu entspannen. Sie luden auch italienische Designer und Architekten ein, die das Gebäude entwarfen. Leider kann man heute nur noch die Ruinen einer einstmals schönen Burg sehen, die aus den weißen Steinen aus dem Canyon errichtet wurde.

Ausgeschildert war hier gar nichts. Im Gegensatz zu unserem OSMAND-Navi-Programm auf dem Smartphone gab es nicht nur einen, sondern viele Wege durch den Wald. Wir befanden uns schon nach kurzer Zeit nicht mehr auf der vorgeschlagenen gestrichelten Linie, sondern im sprichwörtlichen Niemandsland. Google-Maps mit Offline-Karte zeigte uns noch weniger an. An der nächsten Weggabelung hielten wir an und versuchten uns zu orientieren. Da kam zum Glück gerade ein Taxi vorbei, und wir hängten uns flink in den Windschatten.

Es ging über einen Hügel und um eine Kurve, dann wurde gehupt. Gute Idee, hier begann ein einspuriger, steiniger Hohlweg. Am dessen Ende kam wieder eine scharfe Kurve, dort hat ein zweites Taxi im Gegenverkehr, durch das Hupen gewarnt, auf uns gewartet. Der Weg wurde jetzt immer steiniger und dann ging es mit zwei Serpentinen steil bergab. Straße ist diese steile Geröllhalde mit einigen fiesen Steinen darin und ausgewaschenen Rinnen nicht mehr zu nennen. Es hatten sich auch noch Bodenwellen gebildet, wo bei anderen Fahrzeugen die Räder durchgedreht hatten. Ohne Offroad-Erfahrung und ein sehr gutes Fahrzeug mit Untersetung und Sperren ist man hier völlig aufgeschmissen. Die viel beschrieene Fahrt hoch zur Gergetis Sameba Kirche bei Stepanzminda war dagegen eine Spazierfahrt. Wir konnten aus nächster Nähe bewundern, was für eine hohe Verschränkung das Fahrwerk eines Mitsubishi Daelia auf solchen Bodenwellen aufbringen kann.

Nachdem wir heftig durchgeschüttelt waren erreichten wir dann endlich ein futuristisches Betongebäude am Rand der Schlucht, wo wir neben etlichen anderen Offroad-Fahrzeugen parken konnten. An einem Tor am Waldrand werden die Eintrittskarten einkassiert und dann geht es über Treppen steil bergab zum hängenden Aussichtsweg entlang der Canyonwand.






Hängender Steg

Der Steg durch den Canyon führt zu einer Aussichtsplattform, die weit in den Canyon hineinragt und fantastische Ausblicke und Fotogelegenheiten bietet. Doch diesen Steg muss man erst einmal erreichen, dazu steigt man 544 normale Treppenstufen auf einer Metalltreppe in vielen Kurven entlang des Hangs im Wald steil bergab. Das geht ganz schön in die Beine, danach befindet man sich 140 Meter tiefer.

Die Kalksteinschlucht des Okatse Flusses ist weder besonders eng noch besonders tief und daher nicht außergewöhnlich, aber durchaus sehenswert und sehr grün. Das Spektakulärste hier ist der Steg selber, der entlang der Steilseite großenteils frei über der Schlucht schwebend verläuft. Zwischen 80 und 120 Meter über der Talsohle wurden Stahlträger in die Schluchtwand gebohrt und mit Seilen nach oben abgespannt, darauf liegt der gut gesicherte Laufsteg etwa 2 Meter von der Felswand entfernt. Die Arbeit daran dauerte etwa 2 Jahre und jetzt beträgt die Länge des hängenden Teils 780 Meter, der gesamte Rundweg entlang der Schlucht ist etwa zwei Kilometer lang. Wer nicht schwindelfrei ist, der könnte hier Probleme bekommen.

Auf dem Weg zur Aussichtsplattform hat man nach jeder Kurve des Weges andere Ausblicke in die schöne Umgebung. Weit unten im Tal über den weißen Kalkstein des Canyons fließt der Okatse. An einigen Stellen entstehen kleine, aber tiefe Seen mit kristallklarem türkis wirkenden Wasser. Man kann hier oben noch das Rauschen des Wassers hören. Es gibt drei Wasserfälle, die in der Schlucht des Okatse münden. Sie sind 70, 35, und 25 Meter hoch, aber weil es schon lange nicht mehr geregnet hatte, sahen wir davon nicht viel.

Nach der Hälfte der Strecke sieht man in der Ferne schon die Aussichtsplattform über dem Abgrund hängen, das Ziel des Weges. Um dorthin zu gelangen, muss man noch einmal eine weitere Treppe mit 139 Stufen zur Kante der Schlucht hinaufsteigen und von dort wieder ein Stück runter zur Plattform.

Da wir recht spät vor Ort waren, schließlich hatten wir am gleichen Tag schon die Prometheus Caves und die Kinchkha Wasserfälle besucht, lag der Weg schon im Schatten. Das war fotografisch nicht so toll, da es sehr heiß war tat das Laufen ohne Sonne aber gut.

Dann hat man am Ende die spektakuläre Plattform erreicht. Sie ragt 20 Meter frei in die Schlucht hinaus und bietet noch ein bisschen mehr Nervenkitzel. Von der Spitze kann man fast den gesamten hängenden Weg sehen, den man gerade gekommen ist. Hier kann man sitzen und sich vor dem Rückweg ausruhen, die herrliche Landschaft und den frischen Wind genießen.

Nun warten weitere 320 Treppenstufen auf den Rückkehrer, dann ist man oberhalb der Schlucht auf einem gepflasterten Fußweg, der zurück zum Eingang führt. Hier warten die Taxifahrer auf ihre Gäste für die Rückfahrt zum Infozentrum.

Dort stellten wir fest, dass wir die einzigen vor Ort mit einem eigenen Auto waren. Alle anderen Autos waren wirklich Taxis. Als zwei davon besetzt waren und losfuhren, hängten wir uns wieder mit etwas Abstand hinten dran. So mussten wir nicht den Weg suchen und die Engstelle bergauf passierten wir auch ganz gut, denn jetzt kannten wir die Strecke ja. Filmen konnten wir bei dem Gewackel nicht und so haben wir nur wenige Fotos gemacht. Auf keinem kann man wirklich gut erkennen, welche Herausforderung diese Strecke ist. Erstaunlicherweise kamen wir auch die steilen Geröllstrecken recht bequem hoch, und die vor uns fahrenden Taxis haben uns auch nicht mit Steinen beworfen. Alle hatten wir unsere Fahrzeuge für die Bedingungen korrekt eingestellt. Heil erreichten wir wieder das Besucherzentrum und fuhren zurück zum Hotel in Tskaltubo.






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