| Weltreisen | Sri Lanka | Anuradhapura | Site-Map | HOME |
| Sandahiru Seya |

Vom Ruwanweli Maha Seya aus ist es nicht weit bis zu einer der Haupt-Attraktionen für jeden Buddhisten: der Jaya Sri Maha Bodhi in Anuradhapura ist weit mehr als ein botanisches Wunderwerk, er ist das pulsierende Herz des Buddhismus in Sri Lanka.
Wir liefen das Stück zu Fuß, vorbei an Languren im Park und der antiken Mahapali Alms Hall. Dieses Gebäude diente über Jahrhunderte als zentrale Speisehalle für die tausenden Mönche, die in den umliegenden Klöstern lebten. Es wurde ursprünglich von König Devanampiya Tissa im 3. Jahrhundert v. Chr. errichtet und später von verschiedenen Königen, insbesondere von Mahinda II., erweitert. Das beeindruckendste Merkmal dieser Anlage ist der 8 Meter lange, aus Stein gehauene Trog, der oft als "Rice Boat" bezeichnet wird, unten auf dem ersten Bild zu sehen. Archäologen haben berechnet, dass allein dieses eine Trog-Boot genug Reis fasste, um etwa 3.000 Mönche gleichzeitig zu versorgen.
Vor etwa 2.600 Jahren lehnte sich Gautama Buddha mit dem Rücken an eine Pappel-Feige am Ufer des Neranjana-Flusses in Bodhgaya in Indien. In diesem Moment - die Meditation könnte auch länger gedauert haben - soll er die Erleuchtung erlangt haben. Danach wurde der Baum verehrt, als Bodhi-Baum bekannt und schon zu Buddhas Lebzeiten pilgerten Gläubige zu ihm hin.
Die Geschichte des Baumes in Anuradhapura beginnt im 3. Jahrhundert vor Christus. Nachdem der Buddhismus durch Mahinda auf die Insel gebracht worden war, sandte der indische Kaiser Ashoka seine Tochter, die Nonne Sanghamitta, nach Sri Lanka. Sie brachte einen südlichen Zweig jenes heiligen Bodhi-Baumes (Ficus religiosa) aus Bodhgaya mit, unter dem Siddhartha Gautama die Erleuchtung erlangt hatte.
König Devanampiya Tissa nahm den Setzling mit höchsten Ehren in Empfang und pflanzte ihn im königlichen Park Mahamevnawa in Anuradhapura. Mit einem Pflanzdatum von etwa 288 v. Chr. gilt der Jaya Sri Maha Bodhi heute als der älteste durchgehend dokumentierte, von Menschenhand gepflanzte und gepflegte Baum der Welt.
Die Heilige Stadt Anuradhapura wurde 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. In der Begründung wird betont, dass Anuradhapura einst genau um jenes heilige Baumstück herum entstand, er ist also buchstäblich der Wurzelkern dieser alten Hauptstadt Sri Lankas.
Vom Pflanztag an genoss der Sri Maha Bodhi kontinuierlich Schutz und Verehrung. Herrscher und Mönche durch alle Epochen hindurch kümmerten sich hingebungsvoll um den Baum. So ist überliefert, dass zahlreiche Könige im Laufe der Jahrhunderte den heiligen Baum und seine Umgebung weiterentwickelten und absicherten. Beispielsweise ließ König Vasabha im 1. Jahrhundert n. Chr. an den vier Himmelsrichtungen Buddhastatuen aufstellen, während andere Wasserkanäle zur Bewässerung anlegten. Im 18. Jahrhundert errichtete man zum Schutz vor wilden Elefanten eine massive umlaufende Mauer. Jede dieser Maßnahmen sollte die Unversehrtheit des Bodhi gewährleisten und seine spirituelle Bedeutung hervorheben. Es gibt eine eigene Wachtruppe, die über die Jahrtausende hier gesiedelt und den Baum bewacht hat, selbst in der Zeit, als die Stadt ihre Bedeutung verloren hatte.
Wer heute den Bezirk des Bodhi-Baumes betritt, spürt sofort die besondere Energie dieses Ortes. Der heilige Baum steht auf einer hohen Terrasse und wird von einem vergoldeten Zaun geschützt, der im Laufe der Jahrhunderte von gläubigen Königen und Spendern errichtet wurde. Rundum fanden bei unserem Besuch leider ein paar Bauarbeiten statt, was das Ganze noch wuseliger machte. Denn täglich strömen tausende Pilger, meist in makelloses Weiß gekleidet, zu diesem Ort.
Den eigentlichen Stamm des Jaya Sri Maha Bodhi kann man als normaler Besucher aber gar nicht direkt aus nächster Nähe sehen, aber es gibt mediale Unterstützung vor Ort. Der heilige Baum steht auf der obersten von insgesamt fünf Terrassen, etwa 6,5 Meter über dem Boden. Dieser Bereich ist für die Öffentlichkeit gesperrt, um den Baum vor Beschädigungen, Krankheiten und in der Vergangenheit auch vor Vandalismus zu schützen. Starke Stürme in den Jahren 1907 und 1911 brachen Äste ab. Im Jahr 1929 schlug ein Vandale dem Baum einen Ast ab. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, auch weil es hier einen Terroranschlag der LTTE im Jahr 1985 gab, bei dem etwa 146 Pilger getötet wurden. Doch der Baum überstand all diese Herausforderungen.
Um den Baum herum verläuft der Ran Weta, der kunstvolle goldene Zaun. Dieser ist aber so massiv, dass er den direkten Blick auf den unteren Teil des Stammes versperrt. Um den Hauptbaum herum wurden zudem sieben weitere Bodhi-Bäume gepflanzt, die als Windschutz und zur spirituellen Unterstützung dienen. Sie dienen auch als Ablenkung für Tiere wie Affen oder Fledermäuse, damit diese nicht den Hauptbaum beschädigen.
Diese verdecken den Blick auf den ursprünglichen Teil zusätzlich. Auch wenn man den Fuß des Baumes nicht berühren kann, sieht man von den unteren Terrassen aus die Zweige des heiligen Baumes, die hoch über den goldenen Zaun ragen.
Da der Zugang zur obersten Terrasse nur Mönchen und hochrangigen Würdenträgern vorbehalten ist, gibt es große Monitore im unteren Bereich. Dort werden Live-Bilder von den Zeremonien auf der oberen Terrasse gezeigt, damit die Gläubigen die Opferzeremonie direkt am Baum mitverfolgen und den Baum auch direkt sehen können.
Der Tempel hat eine eigene Medienabteilung, die bedeutende religiöse Ereignisse live im srilankischen Fernsehen oder via Internet streamt. So können Menschen aus aller Welt an den Segnungen teilhaben.












Ein Besuch in der antiken Stadt Anuradhapura führt Reisende meist zu den jahrtausendealten Monumenten, doch wer den Blick in den Südwesten der Stadt lenkt, stößt auf ein gigantisches Projekt der Gegenwart: die Sandahiru Seya. Nach dem Besuch des alten Bodhi Baums war es ein krasser Gegensatz, hierher zu fahren. Denn dies ist die erste Stupa dieser Größenordnung, die seit fast 800 Jahren erstmals wieder in Sri Lanka errichtet wurde.
Die Sandahiru Seya wurde im Jahr 2010 von der damaligen Regierung in Auftrag gegeben. Ihr Zweck ist tief in der jüngeren Geschichte des Landes verwurzelt, sie dient als Denkmal für das Ende des fast dreißigjährigen Bürgerkriegs und als Symbol für den Frieden. Der Name "Sandahiru" bedeutet übersetzt so viel wie "Sonne und Mond", was die ewige Beständigkeit des Friedens unterstreichen soll.
Diese Stupa ist als gewaltiges Bauwerk konzipiert, das sich nahtlos in die Reihe der antiken Riesen einfügt. Die Bauarbeiten begannen offiziell am 22. November 2010. Über ein Jahrzehnt lang prägten Baukräne und Gerüste das Bild dieses Areals. Mit einer Höhe von etwa 86 Metern und einem Umfang von rund 245 Metern gehört sie heute zu den größten Bauwerken des Landes.
Die offizielle Einweihung und die feierliche Übergabe an die Öffentlichkeit fanden im November 2021 statt udn wir sahen sie ohne Gerüst. Obwohl das Hauptbauwerk fertiggestellt ist, finden im umliegenden Gelände und an den dekorativen Details noch kleinere Anschlussarbeiten oder Verschönerungen statt.
Eine Besonderheit dieses Projekts ist die ausführende Kraft. Anstatt ein privates Bauunternehmen zu beauftragen, wurde die Errichtung der Armee sowie der Luftwaffe und der Marine Sri Lankas übertragen. Die Fachkräfte des Militärs übernahmen die gesamte Planung und die komplexe Logistik. Tausende Soldaten waren über die Jahre hinweg als Maurer, Steinmetze und Bauarbeiter im Einsatz. Das müsste man in Deutschland zur Ertüchtigung der Bundeswehr auch mal einführen. Besonders beeindruckend ist, dass ein Großteil der Ziegelarbeiten in traditioneller Bauweise erfolgte. Millionen von Ziegeln wurden von Hand gesetzt, um die Stabilität und die ästhetische Treue zu den antiken Vorbildern zu gewährleisten.
Wir konnten am Rand der Anlage noch einigen Steinmetzen bei der Arbeit zuschauen, die mit Präzision und Geschick dekorative Platten für die Verziehrung der umlaufenden Mauer der Terrasse fertigen, in erstaunlicher Größe und sehr dreidimensional ausgeführt. Ein Bauwerk dieser Größe ist ein Generationenprojekt. An den vier Haupthimmelsrichtungen einer Stupa stehen traditionell die Wahalkadas. Das sind monumentale Vorbauten oder Schaufronten. Die Steinmetze fertigen hierfür hochkomplexe Reliefs an. Häufig werden Elefanten, Löwen, Pferde und Stiere sowie florale Rankenmuster eingearbeitet.
Unter den Steinmetzen befinden sich viele spezialisierte Soldaten der Pionierbataillone, die in jahrelanger Ausbildung diese traditionellen Handwerkstechniken erlernt haben. Das Ziel ist es, dass die Sandahiru Seya in ihrer handwerklichen Qualität den antiken Vorbildern in nichts nachsteht. Es ist ein seltenes Privileg, diese Arbeit heute noch live beobachten zu können, denn in den meisten anderen Tempeln sieht man nur das fertige Resultat aus vergangenen Jahrhunderten.
Während die anderen großen Stupas der Stadt restaurierte Ruinen sind, zeigt dieses Bauwerk, dass die Tradition und die monumentale Sakralbaukunst in Sri Lanka noch immer lebendig ist. Und es hat nur 13 Jahre gedauert, bis das gigantische Bauwerk im Prinzip fertig war.















Videos zum Thema
Google Map zum Thema
Google 360° View zum Thema
| Weltreisen | Sri Lanka | Anuradhapura | HOME |
| Datenschutz | Impressum |