| Weltreisen | Sri Lanka | Entlang der Küste | Site-Map | HOME |
| Begegnungen |

Da unser Bungalow im wunderschönen Shiva Sunrise Resort direkt am Ufer der Lagune von Hikkaduwa lag, konnten wir gar nicht anders: Wir mussten aufs Wasser. Andrea erzählte uns, dass der Vater von Shyam Bootstouren auf der Lagune anbietet, die oft auch als Hikkaduwa Lake oder Rathgama Lake bezeichnet wird. Die Lagune befindet sich etwa 2 bis 3 km landeinwärts vom touristischen Zentrum Hikkaduwas, im Bereich Dodanduwa und Rathgama. Es handelt sich um ein Brackwasser-Ökosystem, in dem sich Süßwasser aus den Zuflüssen mit Salzwasser aus dem Meer mischt.
Gerade erst angekommen, hatten wir keine Ahnung, was uns dort erwartet, und buchten einfach eine Fahrt über das meist ruhige Binnengewässer im Hinterland für den frühen Morgen.
Um halb 6 wurden wir draußen vor dem Bungalow erwartet und man führte uns zum Anleger. Dort hatten Shyams Vater und ein Freund zwei Holzboote zu einem kleinen Katamaran zusammengebunden und auf der Plattform dazwischen stand eine Bank, auf die wir uns bequem setzen konnten. Die schmalen, traditionellen Auslegerboote werden hier Oruwa genannt.
Die Luft am frühen Morgen in Hikkaduwa war noch angenehm kühl, schwer von der Feuchtigkeit der Nacht und dem süßlichen Duft von feuchter Erde und den Mangroven. Am Ufer herrschte eine fast sakrale Stille. Dann paddelten sie los.
Die beiden Männer saßen an den Enden des Bootes. Es gibt hier keinen knatternden Außenborder, nur das rhythmische, fast meditative Eintauchen der Holzpaddel. Das Geräusch ist ein sanftes Glucksen, gefolgt vom leisen Rieseln der Wassertropfen, wenn das Paddel wieder aus dem Wasser gehoben wird.
Die Ufer der Lagune sind von dichten Mangrovenwäldern, Zimtpflanzungen und Palmenhainen gesäumt, was ihr eine fast dschungelartige Atmosphäre verleiht. Dazwischen stehen einige Häuser, aber noch war es zu dunkel, um viel zu erkennen.
Die Lagune ist ein Paradies für Birdwatcher. Man findet hier Eisvögel, Reiher, Kormorane und den majestätischen Weißbauch-Seeadler. Erste Anlaufstelle war ein Uferbereich, in dessen Bäumen unzählige Reiher, Ibisse, Kormorane und Klaffschnabelstörche übernachten. Sie erwachten gerade, doch leider war es noch etwas zu dunkel für gute Fotos. Die beiden Männer paddelten weiter, nachdem wir es wenigstens versucht hatten, die friedliche Stimmung im Bild festzuhalten.











Es ist sehr wahrscheinlich, dass man hier während der Fahrt Bindenwarane sieht, die oft über 1,5 Meter lang werden und ruhig durch das Wasser gleiten. Shyams Vater kleterte an einer Stelle ans schlammige Ufer, um dort frische Zimtrinde zu ernten. Er schabte vom dünnen Stämmchen zuerst die äußere, raue Borke ab. Darunter kommt eine zarte, rötlich-braune Schicht zum Vorschein. Mit Präzision ritzt er die Rinde längs ein und zieht sie dann in hauchdünnen, fast papierartigen Streifen ab. Sie verströmen einen erdigen, warmen Duft: das unverwechselbare Aroma von echtem Ceylon-Zimt.
Er schmeckt nicht nur scharf, sondern süßlich, zitrusartig und fein-würzig. Noch nie hatten wir Zimt so gegessen; er schmeckte frisch wie ein Snack und wir kauten die ganze Fahrt über begeistert darauf herum.
Die beiden Männer fanden auch eine Qualle, die sie geschickt aus dem Wasser fischten, um sie uns stolz zu zeigen. Offensichtlich ohne Nesselfäden. Rundum sprangen immer wieder Fische aus der glatten Wasseroberfläche.
Die Wurzelgeflechte der Mangroven dienen als wichtige "Kinderstube" für zahlreiche Fischarten und Garnelen. Die Lagune ist eine wichtige Lebensgrundlage für die lokalen Fischer. Nachts sieht man oft kleine Lichter auf dem Wasser; das sind die Fallen für Garnelen. Tagsüber wirken sie unscheinbar.
Während wir lautlos durch das Wasser gleiten, geht die Sonne in einem milchigen Himmel auf. Der Morgennebel tanzt noch in Fetzen über der Wasseroberfläche. Über uns krächzt ein Fischreiher, und am Ufer kann man den eisblauen Kingfisher beobachten, der wie ein Blitz über das Wasser schießt.
In diesem Augenblick fühlt sich Sri Lanka an wie vor hundert Jahren. Es gibt keine Motoren, keine Touristenströme. Nur das Boot, das Wasser und die archaische Arbeit der beiden Männer, die uns immer tiefer in das grüne Herz der Lagune bringen.
Das Boot gleitet unter die tief hängenden Äste der Mangroven in einen überwucherten Kanal zwischen dem Ufer und einer Bauminsel, und plötzlich wird die Stille von einem fremdartigen, hohen Zirpen und Flattern überlagert. Wir haben eine Insel der Flughunde erreicht. Sobald die beiden Männer das Boot unter den massiven Bäumen zum Stehen bringen, blicken wir nach oben. Da hängen tausende schlafende Indische Riesenflughunde (Pteropus medius) kopfüber an den Ästen, eingewickelt in ihre ledrigen, fast schwarzen Flügel wie in kleine Mäntel.
Da es früher Morgen ist, herrscht auf der Insel noch reges Treiben. Die Tiere kehren gerade von ihrer nächtlichen Futtersuche auf dem Festland zurück. Es wird gezankt, geschubst und mit den Flügeln gefächelt, um sich abzukühlen. Immer wieder fliegen Tiere hin und her. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,20 Metern wirken sie majestätisch.
Während wir uns langsam entfernen, wirkt die Insel wieder wie ein stiller, grüner Hügel im Wasser...
Gekostet hat die Tour Anfang 2026 mit etwas über 2 Stunden Dauer 10.000 LKR, knapp 27 Euro.













Google Map zum Thema
| Weltreisen | Sri Lanka | Entlang der Küste | HOME |
| Datenschutz | Impressum |