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QUILMES

Wer in der Region unterwegs ist, der sollte es nicht versäumen, die Ciudad Sagrada de los Quilmes zu besuchen. Die Anlage ist eine der größten archäologischen Attraktionen des Landes und wird jedes Jahr von tausenden Touristen und Forschern besucht. Wir kamen aus Amaichá del Valle. Von der asphaltierten Ruta 40 zweigt eine 3 Kilometer lange Schotterpiste ab, die gut ausgeschildert ist. An einem Posten entrichteten wir 2009 das Eintrittsgeld von 10 Pesos pro Person und parkt dann auf einer von Mauern und einigen Bäumen umgebenen weiten, staubigen Fläche unterhalb der Ruinen. Ein paar Lamas stehen hier herum und auf den großen Kakteen sitzen Raubvögel und halten Ausschau nach Beute. Am Eingang zu den Ruinen werden die Karten noch einmal kontrolliert. Wer möchte, kann sich hier einen Führer nehmen, aber bei unserem Besuch gab es nur spanisch sprechende Guias.

Neben dem Parkplatz befindet sich eine nett aussehende Unterkunft, die sich von der Gestaltung und vom Material der Mauern harmonisch in die Umgebung einfügt. Der Parador de Quilmes machte aber einen geschlossenen Eindruck. Wir haben durch ein paar Fenster hereingeschaut, da regte sich nichts und auch das Restaurant war geschlossen. Nur die Toiletten am Parkplatz waren für Besucher geöffnet.

Die Geschichte dieses Ortes ist schnell erzählt: Im 17. Jahrhundert verschanzten sich ca. 5.000 Calchaquí-Indianer vor den spanischen Eroberern in ihrer letzten Verteidigungsbastion Quilmes. Dieser Ort existierte schon seit 800 nach Christus und die Bewohner konnten die Spanier mehrmals vertreiben und über 35 Jahre lang erbitterten Widerstand leisten.

Dennoch wurden sie 1667 von den Spaniern besiegt, denn diese zündeten einfach die Felder an und ließen die Indios so lange hungern, bis der Stamm schließlich aufgeben musste. Außerdem waren die Eroberer inzwischen in der Überzahl und hatten moderne Waffen. Nur wenigen Indios gelang die Flucht, rund 2.000 Indianer wurden gefangen genommen und in einem Gewaltmarsch über 1.200 Kilometer in die heutige Stadt Quilmes nahe von Buenos Aires deportiert und dort zu Zwangsarbeit gezwungen. Unterwegs starben viele durch die Strapazen. Der Rest war entwurzelt und angesteckt mit den Krankheiten der Spanier gingen sie zugrunde. Eine kleine Gruppe wurde in die Nähe von Lules nahe San Miguel de Tucumán gebracht, um dort auf einem Landgut zu arbeiten. Dieser Gruppe gelang es in Verhandlungen mit den Spaniern, ihr Land rund um die Festung Quilmes wieder zurück zu bekommen.

In der Stadt Quilmes nur 20 km vor Buenos Aires, wo die Deportierten lebten, wird seit 1888 Bier gebraut. Bereits in den 1920er-Jahren war Quilmes das beliebteste Bier in Buenos Aires und die Brauerei ist heute die kommerziell erfolgreichste in Argentinien. So ist der Name der Festung heute in ganz Argentinien noch präsent.



Aufstieg

Der größte Teil der Anlage liegt recht malerisch an einem Berghang in einer Nische. Hier hatte man eine gute Übersicht auf das Tal, was bei kriegerischen Auseinandersetzungen entscheidend war. Auf den Bergrücken rechts und links des Pueblos kann man noch Reste der Befestigungsanlagen erkennen, alles wird überragt vom Gipfel des Alto del Rey. Die Ruinen sind eigentlich eher niedrige, rekonstruierte Mauern um Innenhöfe und Räume herum, die man nicht besteigen soll. Auch ist das Aufheben von Scherben oder Steinen oder das Beschädigen der Pflanzen streng verboten. In einer guten halben Stunde hat man die Festung bis oben erklommen, in der Höhe und Hitze ohne Schatten eine schweißtreibende Angelegenheit. Kopfbedeckung, Wasser und Sonnenbrille sollte man bei einem Besuch nicht vergessen. Man wandert hier auf 1.700 Höhenmetern herum.

Die verschachtelten Innenhöfe sind interessant, ebenso die Höhe der Eingangstüren. Die Menschen waren damals wesentlich kleiner. Es gab in dieser Stadt aber schon ein Wasserversorgungssystem von 100 Kilometer Länge. Einige kleinere Vierecke waren wohl Vorratskammern, dazwischen kann man noch Mühlsteine finden. Die Indianer lebten von Mais, Quinoa (eine Art Hirse), Kartoffeln, Bohnen und Paprika. Dazu hielten sie Herden von Lamas, von denen die Fleisch, Milch und Wolle bekamen.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Ruinen von Archäologen der Universität von Buenos Aires freigelegt. Im Jahr 1978 hat ein Team unter Leitung von Norberto Pelissero die Mauern, Terrassen und Wege soweit wie möglich restauriert.

Insgesamt ist von der Anlage nicht besonders viel erhalten, man sieht nur noch die Grundmauern der 30 ha großen Anlage. Aber obwohl überall nur noch etwa 1 Meter hohe Steinwände zu sehen sind, kann man sich doch ein gutes Bild machen, was für einen Umfang dieser Ort früher gehabt haben muss. Besonders, wenn man ganz hoch klettert und von dort die Aussicht genießt. Mit mehreren tausend Einwohnern war die Stadt um 1500 eine der größten Städte Südamerikas. Selbst mit Extrem-Weitwinktel braucht man mehrere Bilder, um alles zu überschauen, wenn man nicht als freeclimber auf den dahinter liegenen unwegsamen Gipfel des Alto del Rey kraxeln will. Auch von den auf den Bergrücken rechts und links angelegten Befestigungsanlagen kann man immer nur jeweils zwei Drittel der Stadt überblicken.

Beeindruckend sind auch die riesigen Kandelaberkakteen, die Cordones, die bei unserem Besuch gerade blühten. Zahlreiche Insekten hatten sich um die duftenden Blüten versammelt. Wir konnten auch einige Spechte beobachten, die in den Pflanzen ihre Höhlen bauen.

Nach dem Besuch der Ruinen fuhren wir vorbei an Weinreben und Bodegas nach Cafayate in unser Hotel Killa Cafayate, dem nächsten Ziel für 2 Nächte.



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