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NIAGARA + KOOKYNIE

Von Menzies aus folgten wir dem Goldfields Highway weiter in Richtung Norden. Nach 42 km, kurz vor dem Jeedamya Homestead, befindet sich recht eine Abzweigung in Richtung Kookynie und zum Niagara Dam. Dort wollten wir eine Mittagsrast machen und hatten von dem reichen Vogelleben der Region gehört. Zur Wildblütenzeit soll es hier einen Farbenrausch an bunten Blüten geben. Die Kookynie Road folgt eine Zeit lang der Eisenbahn, bevor man an die gut ausgeschilderte Abzweigung in Richtung Niagara Dam abbiegt. Der staubige Weg endet an einem Parkplatz direkt an einem Staudamm, in dem sich trotz der Trockenheit der Region immer Wasser befand.

Konstruiert wurde das Ganze von den Ingenieuren der Eisenbahn, die hier ausreichend Süßwasser für die Versorgung der Lokomotiven stauen wollten, die bald entlang der neuen Bahnverbindung zwischen Kalgoorlie und Leonora dampfen würden.

Fremdfirmen aus Coolgardie wurden 1897 damit beauftragt, den Damm zu einem Festpreis von 42.000 Pfund zu errichten. Aber die Ingenieure hatten die Tiefe des Grundgesteins unterschätzt, das weggesprengt werden musste, um eine stabile Wand zu konstruieren. Die Kosten dafür betrugen am Ende 62.000 Pfund. Die größte Herausforderung war die beträchtliche Menge an Zement, die über 220 km von Coolgardie nach Niagara zu transportieren waren, nachdem sie von Perth mit der Eisenbahn befördert worden war. Man entschied, dass der einzige Weg, den Zement zu transportieren, eine Kamelkarawane sein würde. Mit 400 Tieren wurde der Plan dann ausgeführt.

Als der Dammbau beendet war, hatte sich nur sehr wenig Wasser angesammelt, weil es lange Zeit kaum geregnet hatte. Um das Ganze noch sinnloser zu machen, entdeckte man kurz darauf einen großen Vorrat an gutem, unterirdischem Wasser im nahe gelegenen Kookynie und der Damm wurde überflüssig. Heute würde man so was Verschwendung von Steuergeldern nennen - aber dabei ist man ja so manches mal erst hinterher schlauer. Der Damm blieb über Jahrzehnte eine kleine Oase im Outback, beliebt bei den Einheimischen als Picknick- und Badeplatz.

Wir waren hier ganz alleine, weit und breit kein Mensch. Leise plätscherte das Wasser an den Damm, aber da wir Mittags hier waren, sahen wir wenige Tiere. Im schlammigen Wasser leben Yabbies. Sogar die Vögel hatten sich zurückgezogen, nur ein paar Raben und kleinere Singvögel sassen in den Bäumen am Bachlauf unterhalb des Damms. Aus dem gemütlichen Picknick wurde auch nicht viel, denn die sehr penetranten Fliegen haben uns einen längeren Aufenthalt verleidet. Sie fühlen sich in der Nähe von so viel Wasser auch wohl und stürzten sich mit Wonne auf uns und unseren Joghurt. Die Überlegung, hier trotz früher Ankunft, zu campen wurde schnell wieder verworfen. Nachdem wir ein wenig herumgewandert waren und den Damm bestaunt hatten, beschlossen wir weiter in Richtung Niagara zu fahren.


Niagara

Niagara war die kleine Stadt, die gerade nebenan ihren Boom durch den Goldrausch erlebte. Ein Digger entdeckte einen winzigen Wasserfall in der Nähe an einem Bachbett, der nur nach heftigen Regenfällen existiert. Mit typischem Aussie-Humor nannte er den Winzling Niagara Falls, danach wurde der Damm benannt und später die Stadt.

Es war schon ein wenig schwer, den Ort Niagara zu finden, der sich nur 4,2 Kilometer vom Niagara Dam entfernt befand. Die Abzweigung ist zwar ausgeschildert, weil sie auch ein wichtiger Teil des Golden Quest Heritage Trail ist. Aber irgendwie verfuhren wir uns in der Einöde und landeten wir auf einem Privatgrundstück mit Mine, Bohrturm und wütend bellenden Hunden, wo wir sofort wendeten.

Auf dem Rückweg fanden wir den alten Friedhof, auf dem man noch alte Grabsteinen und Einfassungen besichtigen kann. Vom Ort aber keine Spur. Nach einigem Herumkurven auf staubigen Tracks in der flachen Steppe hatten wir dann endlich das ehemalige Niagara gefunden. Wo wir aber mindestens noch einen alten Kamin oder eine Mauer erwartet hatten, war rein gar nichts mehr. Trockenes Outback mit ein paar Hügeln und Schildern. Nur mit Mühe konnte man noch die Umrisse von Häusern unter Steinen und struppigem Gras erkennen. Ein nettes Schild mittendrin zeigte alle ehemaligen Strassen mit Namen und ein roter Pfeil besagte: "You are here". Scheinbar standen wir mitten in der ehemaligen Stadt, in Wahrheit aber mitten im Nirgendwo. Denn es gab nichts ausser ein paar rostigen Nägeln, das Bild unten rechts zeigt das Stadtzentrum mit unserem Camper. Eine typisch australische Heritage Site eben...


Kookynie

Kookynie befindet sich 70 km nordöstlich von Menzies und 26 km hinter dem Abzweig vom Goldfields Highway. Der Ort gehört zum Shire of Menzies. Na ja, Ort ist auch hier heute ein wenig übertrieben, die Einwohnerzahl wird zurzeit mit 13 angegeben. Diese leben inmitten einer Geisterstadt mit Ruinen und einem weithin bekannten Hotel, das Touristen, Landvermesser, Ingenieure, Minenarbeiter, und Farmer beherbergt. Es soll den besten Outback Pub in der Goldfields Region besitzen.

Im Grand Hotel findet man eine Sammlung historischer Fotografieren, alter Flaschen und Erinnerungen am Kookynie’s Vergangenheit. Es gibt auch einen rudimentären Caravanpark und eine Tanksäule am Hotel. Im Old Miner's Cottage Crafts kann man Kunsthandwerk kaufen, zum Beispiel Bilder, die aus rostigen Resten aus der Vergangenheit bestehen.

In ihrer Blütezeit, so um 1907, hatte Kookynie einiges zu bieten. Darunter das erste öffentliche Schwimmbad in den Goldfields für die 3.500 Einwohner, 11 Hotels für die Durchreisenden, wovon 7 eine Alkohollizenz besassen. Dazu kamen die üblichen Handwerker, Bäcker, Schlachter, Uhrmacher, Fotografen, ein Tabakladen, Gemüsehändler und fünf General Stores. Sogar ein Bordell, betrieben von Japanerinnen, gab es hier.

Dazu die übliche Verwaltung mit Polizei, Doktor, Schule, Post und Telegraph Office und sieben Straßenlampen. Auf dem Friedhof von Kookynie wurden 149 ehemalige Bewohner begraben, die alten Gräber kann man besichtigen. Vier Züge pro Tag kamen aus Kalgoorlie und der der Endbahnhof war durchaus beeindruckend. Denn bevor die Eisenbahn weitergebaut wurde und von Kookynie weiter nach Malcolm, Mertondale, Gwalia, Leonora, Murrin Murrin, Mt.Morgans, Mt.Margaret und Laverton fuhr, befand sich hier das Ende der Strecke und Züge mussten gewendet werden.

Hinter Kookynie folgt man der Strasse noch weitere, recht langweilige 48 Kilometer bis Malcom. Von dort sind es noch einmal 19 km auf der Leonora-Laverton Road bis nach Leonora und Gwalia.

Besonders interessant waren die Schilder mit laminierten Formularen entlang der Straße. Gerade frisch aufgestellt gab es hier ein amtliches Dokument vom Februar 2007 für jedes Grundstück, mit Grundbuch-Daten, jeweils adressiert an den ehemaligen Besitzer. Darauf steht die Mitteilung, daß der Shire of Menzies aufgrund des Local Gouvernment Act 1995 (financial management regulations) die Besitzrechte an dem Grundstück übernommen hat. Anscheinend wurde etliche Jahre keine Grundsteuer mehr entrichtet, seit der Ort verlassen wurde.


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Niagara Dam


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