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WAYANG KULIT
     Das Wort Wayang hat drei Bedeutungen: Geist, Schatten und Ahne. Als Schatten erscheinen die Geister der Ahnen, mythologische Helden, Götter und Dämonen auf der Bühne.
     In den Touristenorten von Bali ist es sehr einfach, einer Legong-Vorführung beizuwohnen. Viele verschiedene Tänze werden sogar von den meisten Hotels und Restaurants angeboten. Vergeblich sucht man aber nach einer offiziellen Schattenspiel-Aufführung, die werden meist nur für die Einheimischen veranstaltet. Hartnäckiges Nachfragen führt einen dann schon mal zu einer Hinterhofaufführung, wo man inmitten der Balinesen dann als einziges Bleichgesicht sitzt und kein Wort versteht. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, wenn man die Gelegenheit dazu hat, sollte man sie nutzen.
     Wayang Kulit, das Schattenspiel, stammt wahrscheinlich aus vorhinduistischer Zeit, als man glaubte, durch die Schatten in magische Kommunikation mit den Geistern der Vorfahren zu treten. Mit dem Hinduismus übernahm das Schattenspiel die Themen des Ramayada und verknüpfte sie mit altbalinesischen Vorstellungen.
    
Das Schattenspiel hat nicht nur kulturellen Wert, weil auf diese Weise sehr altes Gedankengut von Generation zu Generation in mündlicher Überlieferung lebendig bleibt, sondern es handelt sich beim Wayang um eine echte Kunst.
     Unter Begleitung eines kleinen Gamelanorchesters werfen die kunstvoll gefertigten Lederpuppen ihre Schatten auf eine Leinwand, vor der sie mit Hilfe von Bambusstöcken bewegt werden. Die Puppen sind filigran aus Büffelhaut gepunzt und dann, meist von beiden Seiten, bemalt. Die Leinwand ist ca. 2x1 m groß, erhellt vom Flackerschein einer dahinter aufgestellten Kokosöl-Leuchte. Die Puppen sind 35 - 50 cm hoch und hinterlassen als Schatten einen bizarren Umriss mit ornamentalen Durchbrechungen. Sie sind der oft über Gererationen weitervererbte, wertvollste Besitz des Vorführers.
     Dieser Vorführer heißt Dalang und ist ein Profi, denn er führt nicht nur die Puppen, deren Bewegungen um so lebendiger wirken, je fließender sie ausfallen, sondern er muss auch die dramatische Rezitation beherrschen. Er wird ehrfurchtsvoll mit "Vater" angeredet und auch bei dörflichen und privaten Problemen oft zu Rate gezogen.
     Er allein erweckt die flachen Figuren zum Leben, zwei Helfer führen meist Handlangerdienste aus. Obwohl der Dalang auch nur 2 Hände hat, kann er bis zu 7 oder 8 Figuren gleichzeitig auftreten lassen. Ein guter Dalang begeistert sein Publikum mit kunstvoller Art, die Figuren zu bewegen und ihnen je nach sozialer Stellung und ihrem Charakter unterschiedliche Stimmen zu verleihen. Riesen und Dämonen sprechen zum Beispiel laut und polternd.
     Die Zuschauer können sich auch aussuchen, ob sie vor der Bühne sitzen möchten und die Schatten sehen, oder auf der Seite des Dalang mit Blick auf die Figuren.

 
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