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BHOJPUR

Der kleine Ort Bhojpur mit seinen ca. 500 Einwohnern liegt nur ca. 30 Kilometer außerhalb der Provinzhauptstadt Bhopal. Nach unserer ersten Übernachtung im Jehan Numa Palace war unser nächstes Ziel das Denwa Backwater Retreat am Satpura Nationalpark. Und auf dem Weg dorthin liegen in den nördlichen Ausläufern des Vindhyagebirges die berühmten Bhimbetka Caves, 46 km südlich von Bhopal und UNESCO Weltkulturerbe. Die wollten wir unbedingt besuchen, ein Blick auf die Karte zeigte dazu noch den Tempel von Bhojpur, der nur einen kleinen Umweg erforderte und so beschlossen wir diesen auf dem Weg zu besuchen.

Der kleine Umweg hatte noch einen entscheideneden Vorteil: Von Bhopal aus mussten wir nicht die viel befahrene Hauptstrasse in Richtung Hoshangabad fahren, sondern konnten die kleinere Strecke nehmen, auf der wir an Dörfern vorbei kamen und erst kurz vor den Höhlen wieder auf die Hauptstrasse stoßen würden. So weit die Theorie. In der Praxis war das Landleben mit der frischen Luft zwar vorhanden, man fährt an zahlreichen Reisfeldern vorbei. Leider war Ende der Erntezeit und überall verbrannten die Bauern Reisstroh, was die Luft in Bodennähe grau erscheinen ließ. Dazu die Nähe einer Industriestadt und überall am Wegrand bunte Schilder. Auf denen waren glückliche Familien zu sehen, denen man Wohnen auf dem Land mit sauberer Luft anpries. Hier würden in den nächsten Jahren zahlreiche Neubausiedlungen entstehen und sich die Stadt Bhopal weiter ins Land ausdehnen. Noch war außer Werbung davon nicht viel zu sehen und wir erreichten nach relativ kurzer Fahrt den Tempelkomplex in Bhojpur.

Der Name des Ortes stammt von einem König namens Raja Bhoj (1010-53). Er regierte in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts über die historische Region Malwa und entstammte der regional bedeutsamen Parmara-Dynastie. Der Name der Stadt Bhopal wird ebenfalls auf ihn zurückgeführt. Einer Legende zufolge soll König Bhoja geschworen haben, in der Region mehrere Dämme und Stauseen zur Wasserregulierung der Flüsse zu bauen. Am Oberlauf des Flusses Betwa, ca. 450 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, erstreckte sich einst ein riesiger Stausee, nur kleine Reste davon sind heute noch erhalten. Er garantierte einst eine ganzjährige Wasserversorgung. Zu welcher Zeit und ob der Staudamm durch Naturkräfte oder von Menschenhand zerstört wurde, lässt sich nicht mehr feststellen.

Nach der Eroberung des Gebietes durch das Sultanat von Delhi im 13. Jahrhundert versanken sowohl der Ort als auch die Tempelstätte in Vergessenheit. Das bedeutendste Relikt aus der Zeit König Bhojas ist der unvollendet gebliebene Bhojeshvara-Tempel, den wir besucht haben. Am Eingang stehen einige Verkaufsstände, dort kann man Erfrischungen und Opfergaben kaufen. Unser Fahrer fand eine Stelle zum Parken und wir nachten uns auf den Weg zum Tempel, eine recht schweißtreibende Angelegenheit bei über 33°C. Weit und breit waren wir die einzigen Ausländer und wurden freundlich bestaunt.

Die Anlage ist sehr gepflegt mit neu gepflanzten Bäumen und Büschen und es gibt überall Infotafeln, auch in Englisch.

Etwas unterhalb einer Felsklippe und etwa 1 Kilometer vom Tempel entfernt liegt ein Felsübehang mit einem Parvati-Schrein, der Shivas Gemahlin geweiht ist. Hier beten vor allem Frauen. Es gibt in der näheren Umgebung auch noch einen Jaiin Tempel. Auf dem niedrigen Plateau oberhalb der Höhle von Parvati und gegenüber dem Bhojpur Tempel sind die Überreste von Bhojas Palast, viel ist es nicht. Der Komplex war quadratsich angelegt mit einem Innenhof in der Mitte. Sehen kann man hier nur noch unfertige geschnitzte Felsblöcke und eingeritzte Graffiti in den Felsplatten. Letztere zeigen angeblich Spiele und eine Reihe von Namen aus dem elften Jahrhundert, für uns sahen manche aus wie Architektur-Zeichnungen, Grundrisse oder Querschnitte durch Steinmetzarbeiten. So genau waren die abgesperrten Ritzungen nicht zu erkennen und man musste bei einigen auch ganz genau hinschauen.

Der Palast ist das einzige mittelalterliche Gebäude seiner Art in Nordindien und hat somit National und International eine grosse kulturellen Bedeutung. Leider sind Palast und Dammreste ungeschützt und die wenigen Überreste werden langsam zerstört, weil die Menschen vor Ort hier Steine sammeln und als kostenloses Baumaterial für neue Gebäude verwenden.

Auf Grund der Hitze auf dem Felsplateau sind wir auf dem halben Weg zum Parvati-Schrein umgekehrt, so richtig viel zu sehen gab es hier nicht.




Bhojeshvara-Tempel

Machtig thront der blockartige Shiva Tempel auf einem Felsen, einige Stufen führen hinauf. Er trägt den Beinamen "Somnath of the East" und der richtige Namen ist Bhojeshwar Tempel. Der Tempel unterscheidet sich von den meisten früheren oder gleichzeitigen Tempelbauten in Madhya-Pradesh und Rajasthan durch seinen völlig ungewöhnlichen quadratischen Grundriss mit etwa 15 Meter Seitenlänge und durch das nahezu vollständige Fehlen von figürlichem oder dekorativem Bauschmuck. Er ist ein simples Quadrat und wirkt sehr kompakt durch seine kräftig austeigende Leinienführung und den vier Säulen, die die Konstruktion flankieren. Die rötlichen Steine der Außenwände sind größtenteils glatt behauen, eine weitere Verkleidung war wohl nicht geplant. Forscher vetreten sie Ansicht, dass heute existierende Bauwerk war nur die zentrale Cella (garbhagriha) eines viel größer konzipierten Tempelbaus, das Ganze wurde leider nie vollendet.

Die einzigen Figuren befinden sich an den mehrfach abgestuften Pfeilern zu beiden Seiten des riesigen Portalgewändes, diese sind im unteren Bereich mit den beiden Göttinnen Ganga und Yamuna und weiteren männlichen und weiblichen Wächterfiguren mit elegantem Hüftschwung geschmückt. Eine Holztreppe mit Plattform führt hinauf, von hier oben kann man in den offenen Tempel hereinschauen. Oben am Portal haben wilde Bienen ihre hängenden Nester gebaut. Der Anblick ins Innere ist sehr beeindruckend.

Inmitten der Cella und diese beinahe ausfüllend erhebt sich ein riesiger Shiva-Lingam mit breiter Yoni-Schale, der aus einem einzigen Felsblock herausgearbeitet wurde und der größte in ganz Indien ist. Mit einer ehrfurchtgebietenden Höhe von 7,5 Meter mit einem Umfang von 17,8 Meter. Die Plattform misst 21,5 Meter im Quadrat und besteht aus drei übereinander Kalksteinblöcken. Die architektonische Harmonie des Lingam und der Plattform schafft eine hervorragende Synthese von Solidität und Leichtigkeit. Bei den mehrmals täglich stattfinden Waschungszeremonien kann der glattpolierte Stein von den Brahmanen nur mit Hilfe von Leitern erreicht werden.

Wäre dieser Bau jemals vollendet worden, dann wäre er sicher ein Meisterwerk seiner Art und würde jedem Vergleich zu anderen berühmtgen Tempeln weltweit standhalten. Dieser Tempel ist sicher eines der schönsten Beispiele der Tempelarchitektur des 12. und 13. Jahrhunderts, dabei vollkommen unbekannt und noch nicht von Touristenmassen erobert. Hier waren nur wenige Gläubige anwesend und wir genossen die stille und entspannte Stimmung an diesem Platz. Auch die einheimischen Besucher machten fleissig Fotos mit dem Handy, natürlich mussten wir hier auch gleich mal mit auf Familienbild.

Vor dem Tempel stehen auf dem felsigen Gelände zwei in späterer Zeit errichtete kleine Pavillonschreine mit Kuppeldächern, in denen sich Nandi-Figuren befinden. Am Mantunga Acharya Shrine fand gerade eine Zeremonie statt und ich konnte das schöne Bild unten fotografieren.

Nach dem Besuch des Tempels fuhren wir dann weiter in Richtung Bhimbetka Caves. Die Nebenstrecke hier ist voller Schlaglöcher und man kommt etwas langsamer voran, dafür gibt es kaum Verkehr und viele Reisfelder am Wegrand.





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