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HANUMANGARH

Wer nimmt schon den Ort Hanumangarh in das Programm seiner Rundreise auf, wenn er durch Rajasthan reist? Die wenigsten, denn meist kommen Touristen nicht aus dem Norden, sondern starten in Delhi. Und dann liegt der Ort ganz oben an der Grenze zum Punjab nicht gerade auf dem Weg.

Anders sah es für uns aus, denn wir suchten eine Unterkunft, um die lange Strecke von Patiala bis nach Bikaner zu teilen, damit wir nicht zu lange im Auto sitzen mussten. Denn die Straßenverhältnisse in diesem Teil des Landes kanten wir nicht und auch unser Fahrer war noch niemals hier gewesen.

Also habe ich in Google Maps die Strecke eingegeben und nach Unterkünften in der Nähe gesucht. So entdeckten wir dann das hübsche Rajivi Palace Hotel, ideal für einen Zwischenstopp.

Erst als wir uns dafür entschieden haben, beschäftigten wir uns mit der Umgebung und es gibt dort ein Highlight, das wir natürlich besichtigt haben: ein altes, teilweise zerstörtes Fort. Dem Rundgang in der Ruine habe ich eine eigene Seite gewidmet, siehe Bhatner Fort. Auf dem ersten Bild ist unser Hotel, vom Fort aus gesehen.

Auf dem Weg dorthin, es war vom Hotel bis zum Eingang des Forts bei der Hitze zu weit zu laufen, fuhren wir durch Hanumangarh. Genauer gesagt durch Hanumangarh Town, dem südlichen Stadtteil von Hanumangarh im gleichnamigen Distrikt Hanumangarh. Ein berühmter Bhadrakali Tempel liegt in der Nähe der Stadt an den Ufern des Ghaggar Flusses.

Der Bezirk Hanumangarh wurde am 12. Juli 1994 als 31. Bezirk von Rajasthan gegründet und teilt seine Grenzen mit dem Bundesstaat Haryana im Osten, Sriganganagar im Westen, dem Bundesstaat Punjab im Norden und dem Churu Bezirk im Süden. Die Fläche beträgt 12.645 km². Hier im Norden der Wüste Thar ist es im Sommer extrem heiß mit Temperaturen bis zu 48 ° C und im Winter extrem kalt bis zu 2 ° Celsius. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr beträgt 225 bis 300 mm.

Die Region hat auch einen bedeutenden Platz in der alten Geschichte. Ausgrabungen bei Kalibangan förderten Überreste zu Tage, die bewiesen, dass dieses Gebiet ein Teil der fast 5.000 Jahre alten Indus Valley Zivilisation war. Die bronzezeitliche Indus-Kultur oder Indus-Zivilisation war eine der frühesten städtischen Zivilisationen, die sich etwa in den Jahren 2800-1800 v. Chr. entlang des Indus im Nordwesten des indischen Subkontinents entwickelte.

Ausgrabungen fanden hier von 1960 bis 1969 unter der Leitung von B.B. Lal und B.K. Thapar für den Archaeological Survey of India statt. Man fand Überreste von Münzen, Geschirr, Schmuck, Spielzeug, Statuen, Brunnen, Bäder, Straßen, Märkte etc. Aus Kalibangan stammen Spuren des Ackerbaus mit dem einfachen Hakenpflug (Arl) aus der frühen Harappa-Kultur. Diese Ausgrabung erzählt die Geschichte von der schon gut entwickelten Lebensweise unserer Vorfahren.

Als Lebensader der Kultur hat der Indus eine ähnliche Funktion in der Welt- und Kulturgeschichte wie Euphrat und Tigris im Zweistromland Mesopotamien und der Nil in Ägypten. Für das Europa der Antike, das erst durch Alexanders Feldzug genauere Kunde vom Orient erhielt, war Indien zunächst das östliche Ende der Welt.

Neben Kalibangan gibt es mehr als 100 andere Orte in der Region, an denen Zeugnisse dieser alten Zivilisation gefunden wurden. Die in Kalibanga gefundenen Artefakte haben wir ein paar Jahre zuvor im National Museum in Delhi besichtigt.




Hochzeitszug

Auf dem Weg zum Fort passierte uns ein Hochzeitszug. Offiziell müssen Mädchen mindestens 18 Jahre alt sein, wenn sie heiraten. In Wirklichkeit ist aber jedes 13. Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren bereits verheiratet. Auch heute noch werden die meisten Ehen in Indien "arrangiert". Das heißt: Nicht die jungen Leute suchen sich ihre Ehepartner aus, sondern ihre Eltern oder spezielle Heiratsvermittler. So eine Ehe hatte in der bäuerlichen Gesellschaft eine wichtige Funktion: Man knüpfte ein Netz von Beziehungen zwischen Familien der gleichen Schicht zum Zweck der Versicherung gegen Hungersnöte und Seuchen. Die jeweiligen Familien wohnten immer so weit weg, um möglichst ein anderes Mikroklima für den Ackerbau zu haben und nah genug, um im Notfall noch mit einigen Tagesreisen erreichbar zu sein.

Der Bräutigam jedenfalls wurde gerade, prächtig geschmückt, auf einer Sänfte durch die Straßen getragen. Allerlei Volk sprang singend und tanzend um den Wagen herum, der mit einer Musikanlage bestückt war die laut Musik von Babbu Mann, einem bekannten Säger aus dem Punjab, plärrte. Wir waren als einzige Ausländer am Wegrand natürlich sofort eine Attraktion und wurden ausgiebig mit Mobiltelefonen fotografiert. Alle wollten Fotos von uns haben, das feiernde Volk gehört jedoch eher zum ärmeren Teil der Bevölkerung und nur wenige hatten ein Handy mit Kamerafunktion.

Die Braut war natürlich nirgendwo zu sehen, der Bräutigam strahlte von seinem prächtig geschmückten Thron herunter und freute sich über unsere Anwesenheit. Einige der Damen, die sich neben uns drängten und unbedingt mit auf das Bild wollten kamen uns eher wenig damenhaft vor. Wir hatten den Eindruck, hier hatten sich Hijras unters Volk gemischt. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt durch Tanzen und Segnungen auf Hochzeiten und drängelten sich nah und recht frech neben uns zum Foto.

Nachdem die Feiernden weitergezogen waren, betraten wir dann das Bhatner Fort.




Kuh

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