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OSIAN

Von Jodhpur aus fuhren wir nach Nordwesten zum nächsten Übernachtungsort: dem Fort Pokaran in Pokaran. Die meisten fahren danach noch weiter durch bis nach Jaisalmer oder biegen nach Osten ab, um in Richtung Bikaner zu fahren. In jedem Fall sollte man den kleinen Umweg über Osian machen. Hier gibt es nicht nur ein sehr teures Camel Camp als einzige Unterkunft, der Ort lockt vor allem mit seinen Tempeln Besucher an. Die Straße von Jodhpur nach Osian bietet auf 60 km nicht viel Sehenswertes. Man fährt vorbei an spärlichem Gestrüpp, ab und zu tauchen ein paar Lehmrundhütten, Kamele und Bauern auf.

Der kleine, einsame Ort Osian ist ein wichtiges Zentrum für die hinduistischen Pilger. Hier befinden sich Ruinen von 18 frühen Jain- und Hindu-Heiligtümern, die zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert entstanden und noch sehr gut erhalten sind. Die Stadt war einst das religiöse Zentrum des Königreichs von Marwar während der Pratihara-Dynastie. Den einstigen Reichtum bezeugen heute nur noch einige eher verwahrloste Handelshäuser und natürlich die Tempel.

Brahmanen und auch die Jains pilgern bis heute hierher. Besucher aus dem Westen trifft man eher seltener, wir waren zur Zeit unseres Besuchs die einzigen Europäer, es gibt aber durchaus schon Bustouren großer Veranstalter hierhin. Unser Fahrer parkte, natürlich gegen Gebühr, am Ortseingang unter einigen Bäumen. Von da aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum ersten Tempel. Unterwegs wurden wir schon von einigen aufdringlichen alten Frauen angebettelt, die uns auch gleich verfolgten. Mitten im Dorf Osian liegt der Mahavihara-Tempel, er gilt als frühestes Zeugnis der Jainarchitektur und geht in seinen Ursprüngen auf das 8. Jahrhundert zurück. Dann gibt es noch den brahmanischen Tempel namens Sachiya Mata und den Surya oder Sonnentempel, der später ein Kali-Tempel wurde. Etwas außerhalb von Osian befindet sich noch ein weiterer Tempelkomplex, wir haben aber nicht alle besucht.

Der Mahavihara-Tempel war einst klein, wurde aber im Lauf der Zeit durch zahlreiche Umbauten und Ergänzungen stetig vergrößert. Verehrt wird hier der 24. Furtbereiter Mahavira. Im Gegensatz zu den späteren Jaintempeln, wie dem von Ranakpur, sind hier in Osian auch die Götter des hinduistischen Pantheons noch gut vertreten.



Sachiya Mata Tempel

Besonders beeindruckend ist der Besuch des Sachiya Mata-Tempels, manchmal auch Sachay Mata oder Sachchiya Mata geschrieben. Die Bauern und Nomaden aus der Region pilgern gerne hierher zum Schrein der alten Erd-, Fruchtbarkeits- und Muttergottheit Sachiya. Sie erhoffen sich dadurch reichen Kindersegen, vor allem natürlich die Geburt gesunder männlicher Nachkommen. Am Eingang muss man sich in ein Buch eintragen, dort entdeckten wir auf den letzten Seiten auch einige Tourgroups aus Deutschland. Eintritt wird nicht erhoben, gegen eine Gabe in die Spendendose am Ende des Besuchs hat der freundliche Mann am Tor natürlich nichts einzuwenden. Beeindruckend sind die vielen Treppenstufen, die von reich verzierten Steinbögen überspannt werden. Linien auf dem Boden regeln die Pilgerströme, bei unserem Besuch war der Tempel auch gut besucht, aber nicht so sehr, das die Verkehrsregelung nötig gewesend wäre.

Der Hauptschrein, bei dem noch zwei andere Tempel liegen, der Chandi Ka Mandir und der Amba Mata Mandir, wurde bereits vor dem Jahr 1180 errichtet. Die letzten baulichen Veränderungen fanden hier gegen Ende des 12. Jahrhunderts statt, seitdem ist der Tempelkomplex unverändert geblieben. Die Architektur ist sehr schön, es gibt eine Menge zu sehen und von der Aussenmauer aus hat man einen Rundblick auf den Ort Osian und die karge, wüstenähnliche Landschaft der Umgebung.

Besonders schön in Erinnerung behalten haben wir die indischen Besucher hier. Einige Jugendliche wollten sich natürlich mit uns fotografieren lassen. Gleich danach kamen ihre Eltern mit einem Tablett und boten uns süßes Getreide an, Laabsi genannt. Da kann man dann nicht kneifen, das wäre Blamage und Beleidigung zugleich. Also schön locker bleiben und erfreut und fröhlich einige Fingerspitzen zu sich nehmen, es ist recht lecker. Danach klebte alles und wir mussten grinsend die Hände ablecken, eine gruselige Vorstellung für so manchen Hygienefanatiker. Natürlich passierte uns gar nichts und die Leute freuten sich sichtlich, das uns die klebrige Süßigkeit schmeckte.

Als wir den Tempelraum betraten, wurde dort gerade gebetet. Die Leute klatschten in die Hände und sangen dazu, ab und zu wurde eine Glocke geschlagen. Wir blieben erst am Eingang stehen und verzichteten diskret auf Fotos, aber man lud uns gleich zu der Gruppe ein. Wir sollten uns zu ihnen auf den Boden setzen, Fotos währen kein Problem. Während wir dann auf dem kalten Steinboden sassen und dem Vorsänger zuschauten, kamen einige Frauen vorbei und verteilten wieder etwas Laabsi und bunte Zuckerkugeln als Fingerfood. Die Leute um uns herum waren ebenfalls begeistert, als wir dann später mit klebrigen Fingern an den richtigen Stellen mitklatschten. Danach mussten wir dann doch noch einige Foto machen und zur Ansicht die Digitalkamera herum reichen.

Die Atmosphäre in dem reich mit kleinen Spiegeln und bunten Kacheln geschmückten Tempel und die freundlichen Leute werden wir nicht vergessen und dies ist viel mehr ein Teil unserer Erinnerung an Osian als alle Steinmetzarbeiten und Säulen zusammen.



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