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UNTERWEGS 2007

Eine Fahrt durch die Wüste Thar ist heute recht bequem, denn die Straßen sind hier in der Grenzregion sehr gut ausgebaut und man kommt schnell voran. Unterwegs sieht man am Rand eine Menge Militär im Gelände und ab und zu überholt man auch schon mal einen Konvoi. Große Gebiete rechts und links der Hauptstraße sind militärisches Sperrgebiet, Dort sind Zeltcamps aufgebaut und Kamele grasen am Rand neben abgestellten Panzern. Im Mai 1974 ließ man in der Nähe von Pokaran einen schweren Sprengkörper tief in einen Schacht unter der Wüste verwschwinden: es folgte die Zündung von Indiens erster Atombombe.

Trotz der widrigen Witterung, der extremen Hitze und der Trockenheit leben viele Menschen in der Wüste Thar. Über Osian und Pokaran fuhren wir zuerst in Richtung Jaisalmer. Nach einem zweitägigen Aufenthalt in der goldenen Stadt stand die lange Strecke nach Bikaner auf dem Tagesprogramm. Dazu fährt man 333 km auf einer recht uninteressanten Hauptverkehrsstrasse, der NH 15, an deren Rand sich in regelmäßigen Abständen Rastgelegenheiten finden. Diese Raststätten gehören meist zu der Kette namens Midway, hier findet man meist eine saubere, westliche Toilette, einen Souvenirshop und ziemlich heftige Preise. Wir hielten unterwegs auch mal an einfachen Buden, an denen wir zusammen mit einigen LKW-Fahrern einen Tee tranken.

Die Fahrt dauert ca. 5 Stunden und man ermüdet rasch. Ab und zu hielten wir mal an, weil es ein Wasserloch zu sehen gab, in dem sich einige Büffel tummelten. Einmal fanden wir an einer Nebenstrecke eine schöne Pfütze vor, an der zahlreiche Vögel tranken. Leider hatte unser Fahrer Karan Singh nicht ganz verstanden, dass wir die Viecher fotografieren wollten. So lief er zum Wasser und nur wenige Minuten später kam ein Trupp von Halbstarken hinzu, die auf dem Feld gegenüber Kricket spielten. Da waren dann auch die letzten Vögelchen und die scheuen Antilopen entfleucht. Statt dessen haben wir dann ein paar Bilder von den sportlichen Jungs gemacht.

Ist man in der Wüste unterwegs, dann kreuzen oft Eisenbahnschienen den Weg. Wenn man Pech hat, dann kommt gerade ein Zug und man sollte sich auf eine längere Wartezeit gefasst machen. Den ersten Teil der Strecke nach Bikaner kannten wir ja schon, sie führte uns wieder an Pokaran vorbei. Man überquert unterwegs auch den Rajasthan-Kanal, der das Wasser von den weit entfernten Bergen im Norden ins trockene Rajasthan bringt.



Kraniche?

Die kleine Ortschaft Phalodi ist das Zentrum der Salzgewinnung in Rajasthan. Der Ort ist nicht weiter sehenswert, allerdings kann man hier auch in einem einfachen Heritage Hotel namens Lal Niwas übernachten. Uns zog es weiter, in einen 4 km entfernten Ort namens Keechen, oder auch Kinchan. Auch hier gibt es eigentlich außer staubigen Straßen und nicht gerade malerischen Häusern nichts zu sehen. Allerdings gibt es nahe dem kleinen Ort ein einmaliges Naturschauspiel, das wir auf keinen Fall verpassen wollten. Denn hier sammeln sich im Winter tausende der schönen Jungfernkraniche, die von ihren Brutstätten in den zentralasiatischen Steppen den Weg hierher finden. Seit über 150 Jahren werden die Vögel hier am Ort zweimal täglich gefüttert, dann versammeln sie sich und man kann sie gut fotografieren. Leider sind die Fütterungszeiten 6:30 und 15:30 Uhr schlecht, wenn man auf dem Weg am späten Vormittag hier vorbei kommt.

Wir fuhren zu den zwei kleinen Seen ein wenig außerhalb des Ortes. Unterwegs kamen uns schon Busse und andere Fahrzeuge mit Reisenden entgegen, ein Geheimtipp ist das Ganze schon lange nicht mehr. Kaum hatten wir gehalten, um uns zu orientieren, waren wir schon von Kindern und Bettlern umlagert. Am Himmel flogen einige letzte Kraniche gerade davon, ansonsten war weit und breit kein Vogel zu sehen. Die recht aufdringlichen Menschen machten uns nervös, also verließen wir den Ort rasch wieder ohne ein einziges Foto.



Kolayat

Ab Keechen führt die NH 15 weiter in nordöstlicher Richtung nach Bikaner. Unser Fahrer kannte aber noch ein weiteres Highlight an der Strecke, einen Tempel den er als "Little Pushkar" bezeichnete. Natürlich wollten wir den besuchen.

Kolayat ist ein kleines Dorf, noch ca. 1,5 Fahrstunden von Bikaner entfernt. Hier befindet sich ein heiliger Ort mit schönen Seen und sehr entspannter und spiritueller Atmosphäre. Es gibt 52 Ghats unter schattenspendenden Banyan-Bäumen rund um einen heiligen See, in dem die Gläubigen rituelle Bäder nehmen. Karan Singh versicherte uns, dass man dort kaum Touristen trifft und der Ort ruhig und wundeschön sei. So beschlossen wir dort eine kleine eine Rast einzulegen. Doch unterwegs dorthin wurden wir am laufenden Band von übervollen Bussen überholt. Je näher wir kamen, um so voller wurde es und um so dichter war der Verkehr. Schließlich dämmerte es uns: An diesem Tag war Vollmond im November und zahlreiche Pilger aus der Umgebung strömten zum Tempel.

Denn vom 20.11.2007 - 29.11.2007 fand hier die Kapil Muni Fair statt. Dies ist, ähnlich wie in Pushkar, ein zehntägiges Fest an der heiligen Stätte, wo Kapil Muni meditiert haben soll. Dies ist der Gott, der den Ganges zur Erde gebracht haben soll. Begleitet wird dieser Anlass von einem Viehmarkt, auf dem Pferde, Kamele und Wasserbüffel ihren Besitzer wechseln und die erfolgreichsten Züchter prämiert werden. Das Ganze hatten wir ja schon wenige Tage zuvor in Pushkar erlebt, auch hier kommen die Leute aus der ganzen Umgebung mit ihren Ochsenkarren, Kamelwagen oder zu Fuß, mit Jeeptaxi oder Bus.

Das Chaos rund um den heiligen See war riesengroß, wir kamen mit dem Auto gar nicht weiter und waren dennoch sofort im Zentrum des allgemeinen Interesses. Wären wir ausgestiegen, dann hätten wir keine ruhige Minute gehabt. Und dann stand Polizei an einer Strassensperre und erklärte, wegen Überfüllung seien ab hier keine Fahrzeuge mehr erlaubt, So hätten die letzte Wegstrecke zu Fuß in der quirligen Menschenmenge zurücklegen müssen. Dazu hatten wir weder Lust noch Zeit, waren leider gar nicht auf so ein Fest vorbereitet und außerdem war es mörderisch heiß. Am schönsten soll es hier sein, wenn es dunkel geworden ist. Denn dann schwimmen Hunderte von Öllichtern auf kleinen Flößen aus Blättern auf dem See. Schon der zweite Abstecher an diesem Tag, bei dem wir kein Glück hatten.

Später erfuhren wir, dass es auch hier Deluxe-Zelte gibt, in denen man übernachten kann. Hätten wir das nur vorher gewusst. So mussten wir weiter nach Bikaner und genossen die kleinen Dinge am Wegrand: Kamele mit Jungtieren, kleine Wüstenmäuse am Rande von Erdnussfeldern und weiße Salzseen.



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