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KOLMANSKUPPE 1

Ein Besuch in der Region rund um Lüderitz ist nicht vollständig wenn man nicht auch die absolut sehendwerte Geisterstadt Kolmanskuppe besucht. Auf Afrikaans heißt sie Kolmanskop. Ich bleibe bei der deutschen Schreibweise mit einem n, auch wenn es manchmal Kolmannskuppe oder Kolmanskoppe geschrieben wird. Wenn man auf der einzigen Straße von Osten nach Lüderitz kommt, dann sieht man die verlassenen Häuser schon auf der linken Seite am Hang liegen, direkt gegenüber vom Flughafen und nur 10 Kilometer von der Stadt entfernt.

Für Kolmanskuppe benötigt man eine Eintrittskarte, die kann man vorab in Lüderitz bei "Lüderitz Safaris & Tours" in der Bismarckstraße oder direkt am Eingangstor kaufen. Von Montags bis Samstags findet jeweils eine Führung um 9:30 Uhr und 11:00 Uhr statt. An Sonn- und Feiertagen gibt es nur eine einzige Führung um 10:00 Uhr. Der Preis pro Person beträgt 45 N$. Kolmanskuppe ist von 9 Uhr morgens bis um 13 Uhr offen für Besucher, danach wird es meist zu windig und zu heiß. Das so genannte Fotopermit ist eine Sondererlaubnis, damit Fotografen ohne andere Touristen die besten Lichtverhältnisse am frühen Morgen nutzen können. Dieses Permit muss spätestens am Tag vorher bei "Lüderitz Safaris & Tours" gekauft werden und kostet 145 N$ pro Person. Der Zutritt ist damit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu Fuß durch ein Seitentor gestattet.

Der Sonnenuntergang und der Nachmittag sind aber hier aber nicht so schön, da Kolmanskuppe dann im Schatten liegt und der scharfe Südwestwind ab Mittag meistens stärker wird, bis hin zu heftigen Sandstürmen an ca. 200 Tagen im Jahr. Die Spuren der vormittäglichen Besucher werden so täglich wieder vom Wüstensand getilgt. Nachmittags scheint die Sonne von Westen, so fabriziert man Gegenlichtaufnahmen oder die Häuser liegen im Schatten. Also ist ein Besuch am Morgen immer die bessere Wahl.

Als wir nach Lüderitz anreisten, sahen wir die Häuser im warmen Nachmittagslicht und machten von der Straße aus die ersten Fotos. Wir dachten kurz über ein Fotopermit nach, um früh am Morgen zu kommen, wenn die Sonnenstrahlen in die Häuser einfallen und nette Fotomotive zu erwarten sind. Da wir aber noch die Lüderitz Halbinsel mit Diaz Point besuchen wollten und am übernächsten Morgen um 8:00 Uhr eine fahrt mit der Sedina auf dem Programm stand, entscheiden wir uns dagegen. Das war auch gut so, denn leider war es am nächsten Morgen fast bis Mittags bewölkt. So hätten wir die typischen Bilder mit Sonnenstrahlen sowieso nicht machen können. Das machte aber nichts, denn es gibt so viele gute Bilder von Kolmanskuppe, die Motive sind fast schon totfotografiert. Wir erkannten vieles wieder, obwohl wir hier noch nie waren.

Die Zukunft der Region wird weiteres Wachstum im Tourismussektor bringen, seit im Jahr 2009 der Sperrgebiet Nationalpark offiziell eingeweiht wurde. Die Proklamation erfolgte am 1. Dezember 2008. Das 26.000 km² große Schutzgebiet ist das ehemalige Diamanten-Sperrgebiet 1 zwischen Lüderitz und Oranjemund. Da hier der Zutritt ab 1908 streng verboten war ist dies wohl eine einmalige Situation weltweit für Wüstenforscher. Die Sukkulenten-Karoo ist eine der artenreichsten Wüsten der Erde. Die Förderung von Diamanten findet heute nur an Orten entlang der Küste und auf dem Meeresgrund statt. Es soll einen sanften Tourismus geben, schon heute kann man Tagestouren ins Gebiet zu den ehemaligen Bergbauorten wie Pomona oder zum Bogenfels an der Küste von Lüderitz aus buchen.



Paradies auf Zeit

An diesem trüben Vormittag brauchten wir nicht allzu früh aufzustehen und sind dann gemütlich nach dem Frühstück im Nest Hotel zu dem abgelegenen Ort gefahren. Punkt 9:00 Uhr kamen wir am Gate an, zahlten dort den Eintritt und parkten auf dem Parkplatz vor den Hauptgebäude, in dem sich Café, Souvenirshop, Festhalle und Kegelbahn befinden.

Es waren so früh noch nicht so viele Leute vor Ort, kurz vor den Führungen wurde es dann aber richtig voll, sprich es parkten über 20 Autos hier. Wer früher aufsteht der ist hier sicher mehr alleine, aber auch sonst gelingen viele gute Bilder. Als eine größere deutsche Reisegruppe ankam ahnten wir schon Schlimmes, aber die Gruppe hielt sich auf Grund der Hitze nur im Café auf und machte dann die geführte frühe Tour mit, danach fuhren sie mit dem Bus wieder ab. Bei Außenaufnahmen gibt es am Vormittag eben mehr Leute, die einem durch das Bild latschen könen, aber das wusstenw wir ja vorher. Wir haben das ganz einfach umgangen, indem wir die erste Führung nicht mitgemacht haben und so hatten wir das Restgelände und die Häuser, wo sich die Gruppe gerade nicht aufhielt, fast für uns alleine.

Ein guter Sonnenschutz, also Hut auf dem Kopf und Creme auf dem Körper sowie etwas zu trinken sind hier ein Muss, auch wenn die Sonne gar nicht so kräftig vom Himmel scheint und sich scheinbar hinter Wolken versteckt. Im Laufe des Vormittags kam sie dann immer mehr heraus und jetzt im März wurde es sehr schnell sehr heiß. Dann ist das Stapfen durch den Tiefsand sehr anstrengend und wir waren froh über unsere hohen Wüstenstiefel. Im Winter gibt es hier am Morgen häufig Nebel, er entsteht in den eiskalten Fluten des Benguela-Stroms im nur zwölf Kilometer entfernten Atlantik. Das muss in einer Geisterstadt auch eine besonders schöne Stimmung sein. Es bedeutet aber auch, dass man mit dem speziellen Fotopermit nicht unbedingt eine Garantie auf sonnendurchflutete Bilder hat.

Das streng mit Drahtzäunen und Warnschildern gesicherte Sperrgebiet liegt schützend rund um die Anlage. Bis hierher darf man und nicht weiter. Das Interesse an diesem Ort war viele Jahre lang nur auf die Ausbeutung der Gebäude beschränkt. Wenn man im nahen Lüderitz Baumaterial wie Türen oder Fensterrahmen brauchte, dann fuhr man nach Kolmanskuppe und baute hier einfach aus, was gerade gebraucht wurde. So verfielen die Häuser nach und nach und der Wind und der Sand setzten ihnen zu, deckten sie aber auch ab und konservierten so den architektonischen und technischen Fortschritt aus der Kaiserzeit.

Das Interesse am Erhalt der alten Diamantenstadt begann erst mit der Unabhängigkeit von Namibia im Jahr 1990, als man sich der eigenen Geschichte bewusster wurde. Damals muss es noch ein magischer Ort gewesen sein, weit ab von allem, während heute schon über 4.000 Besucher im Jahr hierher kommen. Auch Film-Crews und Fotografen haben den Ort entdeckt und produzieren hier Auto-Werbespots oder Musikvideos.

Wer sich für die Geschichte der Stadt Kolmanskuppe interessiert, der sollte in namibischen Buchhandlungen stöbern. Dort gibt es viele interessante Bücher zum Thema, teilweise deutschsprachig und von Augenzeugen geschrieben. Wir haben zwei gelesen, mit allerlei Geschichten aus vergangenen Zeiten. Wie die ersten Bardamen nach Kolmanskuppe kamen, von der Kegelbahn an einem einsamen Strand der Lüderitzhalbinsel und von dem Leben der Familien in der damals sehr fortschrittlichen Gemeinde am Ende der Welt. Von Reichtum und Vergänglichkeit, von Gier und Arbeit in diesem "Paradies auf Zeit".

Eine kleine Zusammenfassung zur Geschichte mit mehr Bildern findet ihr auf der Seite Kolmanskuppe 2.




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Kolmanskuppe


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