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| Fort Anne |
Annapolis Royal zählt zu den historisch bedeutsamsten und malerischsten Orten auf dem nordamerikanischen Kontinent. Gelegen an jener Stelle, an der der Annapolis River in das weitläufige Annapolis Basin mündet, weist das beschauliche Städtchen eine ereignisreiche Historie auf. Nach dem verheerenden englischen Angriff von 1613 im gegenüber liegenden Port Royal bauten die fanzösischen Siedler bauten die Anlage nicht sofort wieder auf. Erst in den darauffolgenden Jahrzehnten des späten 17. Jahrhunderts entstand Port Royal neu – allerdings auf der gegenüberliegenden Kanalseite, genau dort, wo sich das Städtchen auch heute noch befindet.
Im Jahr 1710 eroberten britische Truppen die Siedlung erneut. Sie tauften den Ort um und nannten ihn, als Hommage an Königin Anne, Annapolis Royal. Bis zur Errichtung von Halifax im Jahr 1749 hielt die Stadt stolz den Status als administrative Hauptstadt von Neuschottland. Am 29. November 1892 erhielt die geschichtsträchtige Gemeinde offiziell ihre Stadtrechte.
Schon während der Suche nach einem Parkplatz zog uns der Ort in seinen Bann, was sicherlich auch durch den strahlenden Sonnenschein sowie das Meer aus blühenden Bäumen und Magnolien verstärkt wurde. Unmittelbar gegenüber unserem Parkplatz öffneten zwei gelbe Magnolien vor einem farblich passenden Holzhaus ihre Blüten, während sich auf der anderen Straßenseite ein kleines Geschäft für Kleidung und Literatur befand, in dem wir einen praktischen Vogelführer erwarben.
Ein Bummel durch die Straßen, die von farbenfrohen Holzhäusern im viktorianischen Stil geprägt sind, gleicht einer Zeitreise in jene Epoche, als französische und britische Kolonialmächte intensiv um die Vormachtstellung in dieser strategisch wichtigen Gegend kämpften.
Nachdem wir den historischen Ortskern entlang der St. George Street erkundet hatten, zog es uns zu einem markanten, gelb gestrichenen Gebäude. Darin ist die German Bakery Sachsen Cafe & Restaurant untergebracht, ein bemerkenswerter kulinarischer Anlaufpunkt mit beachtlicher regionaler Bekanntheit. Der von deutschen Einwanderern geleitete Betrieb transportiert ein Stück europäische Backkultur nach Nova Scotia, indem dort jeden Tag herzhaftes Sauerteigbrot, traditionelle Brötchen sowie eine ansprechende Vielfalt an klassischen Torten und Kuchen, darunter die bekannte Schwarzwälder Kirschtorte, frisch zubereitet werden.
Obwohl das Sortiment in den Nachmittagsstunden bereits etwas dezimiert war, konnten wir uns noch zwei Laibe Sauerteigbrot sowie zwei süße Gebäckstücke sichern, wofür insgesamt ein Betrag von 30 Dollar fällig wurde. Trotz des gehobenen Preisniveaus überzeugte die Qualität des Brotes vollkommen, sodass wir einen Teil der Vorräte für den anstehenden Aufenthalt in Newfoundland eingefroren haben.
Annapolis Royal versteht es hervorragend, die Meilensteine der kanadischen Historie mit einer spürbar herzlichen Gastfreundschaft zu verknüpfen. Das gelungene Zusammenspiel aus den historischen Verteidigungsanlagen von Fort Anne, den sorgsam gepflegten Gebäuden und den unerwarteten kulinarischen Entdeckungen macht den Aufenthalt zu einer bleibenden Erinnerung auf der Route durch den Westen der Provinz. Es ist beinahe bedauerlich, dass uns für diesen Zwischenstopp nicht mehr Zeit zur Verfügung stand.










Das unübersehbare, historische Herzstück der Stadt bildet Fort Anne, welches heute als die älteste nationalhistorische Stätte Kanadas unter besonderem Schutz steht. Das weitläufige Areal ist frei zugänglich, und an vielen Stellen laden die markanten roten Stühle von Parks Canada dazu ein, Platz zu nehmen, die friedliche Atmosphäre zu genießen und den Blick über den Flusslauf schweifen zu lassen.
Fort Anne erweist sich als ein beeindruckender Ort, an dem die koloniale Vergangenheit Kanadas sowie die tiefen Wurzeln der indigenen Mi'kmaq spürbar werden. Die Anlage gilt als eine der am heftigsten umkämpften Regionen Nordamerikas, da hier schottische, französische und britische Truppen über Jahrhunderte hinweg die Vorherrschaft beanspruchten. Insgesamt vierzehn Belagerungen überstand dieser strategisch wichtige Außenposten im Laufe der Zeit, was ihn zu einem der am häufigsten umkämpften Schauplätze des Kontinents macht.
In der Gegenwart präsentiert sich die Festung als eine ruhige, weitläufige Parklandschaft, von deren grünen Erhebungen aus sich ein großartiger Panoramablick über das glitzernde Wasser des Beckens öffnet. Im Zentrum des Festungsplatzes zieht das weiße, im klassizistischen Stil errichtete Offiziersquartier die Blicke auf sich.
Dank des Parks Canada Pass genossen wir freien Eintritt und erkundeten zunächst die Ausstellungsräume im Hauptgebäude. Dieses markante Bauwerk im Zentrum stammt aus dem Jahr 1797 und wurde einst von den Briten errichtet, heute beherbergt es das informative Museum der Gedenkstätte. Im Inneren wird die bewegte Geschichte sämtlicher Kulturen beleuchtet, die diesen geschichtsträchtigen Ort geprägt haben, angefangen bei den Mi'kmaq über die akadischen Siedler bis hin zu den schottischen, französischen und britischen Kräften. Als besonderes Glanzstück der Ausstellung gilt der Fort Anne Heritage Tapestry, ein gewaltiger, in Handarbeit von Freiwilligen gefertigter Wandteppich, welcher vier Jahrhunderte regionaler Historie detailreich abbildet.
Im Anschluss spazierten wir durch die Anlage, deren gut erhaltene Festungsstruktur im Vauban-Stil angelegt ist. Diese sternförmige Architektur mit ihren markanten, vorspringenden Bastionen erlaubte es den Verteidigern, jeden erdenklichen Winkel abzusichern. Die Erdwälle wurden bewusst nicht aus Stein gemauert, um die Wucht von Kanonenkugeln effektiv abzufedern und das Risiko durch gefährlichen Steinsplitterflug zu minimieren. Ein Rundweg auf den Festungswällen belohnt während des Spaziergangs mit abwechslungsreichen Ausblicken auf das Wasser der gut geschützten riesigen Hafenbucht.
In der südlichen Flanke des Paradeplatzes befindet sich ein massives Steingebäude aus dem Jahr 1708. Es wurde von den Franzosen erbaut, stellt das älteste erhaltene Bauwerk innerhalb von Fort Anne dar und gilt gleichzeitig als das älteste von Parks Canada verwaltete Militärgebäude des Landes. Die Konstruktion des Pulverbunkers war gut durchdacht, während die dicken Mauern einer potenziellen Explosion standhalten sollten, war das leichtere Dach so konzipiert, dass der Druck im Ernstfall nach oben entweichen konnte, um die restliche Festung zu schonen. Lüftungskanäle in den Mauern reduzierten die Feuchtigkeit.
Die offene Fläche vor den Offiziersunterkünften diente in früheren Zeiten für Truppenaufmärsche und Appelle. Heutzutage markieren Hinweisschilder die Positionen, an denen sich einst weitere Gebäude wie die Residenz des Gouverneurs, Mannschaftsbaracken oder die Kapelle befanden. In einer der Ecken stößt man auf das einstige erste unterirdische französische Pulvermagazin, welches aufgrund der permanenten Feuchtigkeit in späterer Zeit von den Briten als Gefängniszelle zweckentfremdet wurde.
Unmittelbar an das Festungsareal schließt sich einer der ältesten englischen Friedhöfe Kanadas an. Er dient als letzte Ruhestätte für zahlreiche frühe Siedler, Soldaten sowie bedeutende Persönlichkeiten der Region und lädt zu einem beschaulichen, geschichtsträchtigen Rundgang ein.














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