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BROAD COVE

Wir fuhren ohne Vorbuchung nach zwei Übernachtungen vom Chéticamp Campground über den Cabot Trail zum Broad Cove Campground auf der gegenüberliegenden Seite des Nationalparks, weil wir uns die Buchungsgebühr von rund 16 CAD für zwei weitere Nächte sparen wollten. Leider hatten wir nicht gelesen, dass im Frühjahr und Herbst der Kiosk am Broad Cove Campground gar nicht besetzt ist. Stattdessen mussten wir erst einmal zum etwa 11 km entfernten Ingonish Visitor Centre fahren und anschließend wieder zurück zum Campground.

Im Nachhinein hätten wir die Reservierungsgebühr lieber bezahlt und uns die zusätzliche Strecke von 22 Kilometern erspart. Der finanzielle Verlust war mit ca. 8,50 CAD Dieselverbrauch gar nicht so groß, ärgerlicher waren der Zeitverlust und die unnötige Fahrerei. Das Besucherzentrum war auch nicht mit dem größeren in Chéticamp zu vergleichen.

Nach mehreren Tagen Kälte und Regen klarte es am nächsten Nachmittag etwas auf. Wir hatten einen Stellplatz direkt an der Laundry bekommen und es standen durchaus auch einige andere Camper hier auf dem riesigen Campingplatz verteilt. Im Hochsommer sieht das sicher ganz anders aus, dann ist hier dicht besetzt und kein Platz mehr ohne Vorbuchung zu bekommen. Der Campground selbst hat 202 Stellplätze mit unterschiedlicher Ausstattung, Sanitäranlagen, Duschen, Feuerstellen und liegt günstig für Wanderungen rund um Ingonish. Er ist vom 15. Mai bis zum 26. Oktober geöffnet.

Der Broad Cove Mountain Trail ist ein kurzer, aber steiler Aufstieg mit schöner Aussicht über die Küste und ca. 2,3 km lang (hin und zurück). Den Middle Head Trail, eine der schönsten Wanderungen bei Ingonish mit Ausblicken aufs Meer, haben wir nicht mehr geschafft.

Parks Canada Broad Cove Beach Logo

Am Ankunftstag haben wir erst einmal Wäsche gewaschen, denn die Laundry war frei. Je zwei Waschmaschinen und Trockner standen bereit – typisch kanadische, robuste Münzgeräte, die ohne komplizierte Bedienung auskommen. Für 2,50 CAD in Münzen wurde die Waschmaschine gestartet. Nach dem Einwerfen der Münzen wählt man einfach das gewünschte Programm. Auch die Trockner funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Münzen einwerfen, Temperatur wählen und los geht es.

Wir waren froh, dass wir jeweils zwei 1-Dollar-Münzen und zwei 25-Cent-Münzen passend hatten. Wo hätte man hier auch wechseln sollen?

Danach folgte erst einmal ein Rundgang über einen der schönsten Campingplätze im Cape Breton Highlands National Park, vor allem wegen seiner Lage direkt am Atlantik. Man kann abends noch einmal kurz ans Wasser gehen, Steine anschauen, Vögel beobachten oder den Sonnenuntergang genießen.

Hier konnten wir uns auch die oTENTiks mal näher ansehen. Sie sind eine kanadische Spezialität von Parks Canada: eine Mischung aus Zelt und kleiner Hütte. Am Broad Cove Campground gibt es 6 oTENTiks, davon eine barrierefreie und eine mit Strandblick. Sie sehen aus wie große, fest aufgebaute Canvas-Zelte auf einem Holzpodest, haben große Fenster, eine richtige Tür, Holzboden und Betten bzw. Schlafbänke mit Platz für bis zu 6 Personen. Man muss allerdings einen Schlafsack oder Bettzeug mitbringen – also nichts für Flugtouristen aus Übersee. Sie haben keine eigene Küche und kein eigenes Bad. Kochen muss man draußen am Feuerplatz oder mit dem Standgrill und die Toiletten und Duschen des Campingplatzes nutzen.

In den Bäumen hinter den Stellplätzen tollten flinke Chipmunks herum und auch Amerikanische Rothörnchen ließen sich hier besonders nett fotografieren. Flink und sehr schwer zu fotografieren waren hingegen die Magnolia Warbler (Magnolienwaldsänger), die gut versteckt unterhalb der Vegetation am Boden auf Nahrungssuche waren. Auch viele andere Vögel waren hier Ende Mai sehr aktiv.

Netztechnisch allerdings war der Campground von Broad Cove eine ziemliche Nullnummer. Mangels Besucherzentrum gab es schon mal nirgends WLAN, und auch der Mobilfunkempfang war an der unteren Grenze der Messbarkeit - aber nur an einigen Stellen in Richtung Ingonish. Über weite Strecken der Rundwege zwischen den Stellplätzen gab es gar keinen Empfang.








Broad Cove Beach

Am nächsten Morgen kam sogar die Sonne heraus und der Himmel wurde wunderbar blau. Wir nutzten den Tag für Spaziergänge in der näheren Umgebung des Campgrounds. Der Broad Cove Beach ist einer der schönen, aber etwas weniger bekannten Strände an der Ostseite von Cape Breton. Er liegt direkt am Atlantik beim Campground nahe Ingonish und ist ein langer, natürlicher Sandstrand, eingerahmt von Wald und den Bergen des Cape-Breton-Hochlands. Der Campingplatz liegt praktisch hinter den Dünen bzw. dem Waldsaum und man kann vom Campground aus zu Fuß zum Wasser gehen.

Anders als viele Küstenabschnitte auf Cape Breton ist Broad Cove ein richtiger Sandstrand. Das macht ihn besonders schön zum Spazierengehen und wir waren hier alleine unterwegs. Es gibt keine Strandpromenade, keine Buden und keinen Trubel, nur eine wilde Atmosphäre, die diesen Strandabschnitt besonders attraktiv macht.

Das Wasser hier ist allerdings typisch für den Atlantik und selbst im Hochsommer noch sehr frisch. Schwimmen ist möglich, aber eher etwas für Hartgesottene. Einige Besucher berichten auch von Robben, die man gelegentlich vor der Küste sehen kann, aber wir hatten diesbezüglich leider kein Glück. Dafür gab es Möwenversammlungen und wir konnten gut getarnte Spotted Sandpiper, auf Deutsch Drosseluferläufer, am Rand der Süßwasser-Lagune hinter dem Strand entdecken. Typisch ist das ständige Wippen des Hinterkörpers beim Laufen, eines der besten Erkennungsmerkmale und nur deswegen kann man ihn überhaupt entdecken. Er läuft oft allein am Wasser entlang, anders als viele andere Watvögel, die in größeren Trupps auftreten.

Der Warren Brook gehört zu diesem Küstenabschnitt direkt hinter dem Bereich von Broad Cove Beach. Es ist ein kleiner Bachlauf, der aus dem Hinterland kommt und in die Broad Cove mündet; hier treffen Salzwasser und Süßwasser aufeinander. Der Bach bildet hinter bzw. neben dem Strand einen kleinen Übergangsbereich aus Bachmündung, Sandstrand, flachem Wasser, Treibholz und Dünenvegetation.

Nördlich vom Strand schließen sich geologisch interessante Felsformationen mit Sedimentgesteinen an, und später folgen Granitklippen. Wir waren begeistert von den schön gemusterten, farbigen Steinen. Sie sind typisch für die vielfältige Geologie im Bereich des Cape Breton Highlands National Park: abgerundete Gerölle aus Sedimentgesteinen, die durch die Brandung über Jahrtausende geschliffen wurden. Die auffälligen Farben und Maserungen entstehen durch verschiedene Mineralien und Schichten im Gestein.

Der östliche Teil von Cape Breton ist geologisch ein spannendes Übergangsgebiet. Im Nationalpark treffen sehr alte Gesteine des Cape-Breton-Hochlands, unter anderem metamorphe und magmatische Gesteine, auf jüngere Sedimentablagerungen aus späteren Erdzeitaltern. Hier wechseln die Gesteinsarten auf engem Raum.

Aus diesen kleinen Kunstwerken der Natur bauten wir einen kleinen Steinturm. Eine vergängliche Skulptur, die mit der nächsten Flut wieder verschwinden würde, aber das Stapeln und Ausbalancieren macht einfach Spaß. Wir haben ihn dann fotografiert und wieder zerstört, damit die natürliche Küstenlandschaft möglichst wenig verändert wird.

Immerhin befindet man sich hier im National Park und es wird inzwischen darum gebeten, keine großen Steinmännchen zu hinterlassen, weil viele Menschen es nachmachen, ganze Steinturm-Landschaften“ errichten und dadurch Lebensräume für unter Steinen lebende Kleintiere zerstören.

Der Strand






Black Brook Beach

Nur wenige Kilometer nach der Ausfahrt vom Campground kommt man am Black Brook Beach vorbei, wenn man wieder in Richtung Chéticamp fährt. Da das Wetter an unserem letzten Tag auf Nova Scotia so schön war, sind wir schnell noch einmal über 100 Kilometer Umweg gefahren, um den Cabot Trail bei Sonnenschein zu sehen. Da hatten wir dann natürlich für längere Wanderungen keine Zeit mehr.

Black Brook Beach ist ein sehr schöner, etwas wilder Strandabschnitt im Cape Breton Highlands National Park, nur wenige Kilometer nördlich von Ingonish, und man kommt auf dem Cabot Trail direkt daran vorbei.

Er hat einen ganz anderen Charakter als der Broad Cove Beach; hier findet man keinen langen Sandstrand. Es ist eher eine Kombination aus Atlantikküste, Felsen, Bachmündung und Wasserfall. Der Black Brook fließt direkt über eine kleine Kaskade über die Felsen zum Meer. Bei unserem Besuch war das Wasser nach den Regenfällen der letzten Tage Gelb-Braun.

Anders als der Broad Cove Beach ist Black Brook Beach durchaus touristisch erschlossen und ein offizieller Day-Use-Bereich im Cape Breton Highlands National Park.

Es gibt hier einen ausgebauten Parkplatz, Toiletten, Umkleidemöglichkeiten, Picknickplätze, einen kleinen Spielbereich und kurze Wege zum Strand sowie zu den Aussichtspunkten. Der Charakter bleibt aber trotzdem sehr naturnah, es gibt hier keine Häuser direkt am Strand, keine Cafés oder Souvenirläden.

Das Besondere an Black Brook Beach ist die Kombination aus Kies- und Sandstrand mit abgerundeten Steinen, dem Wasserfall am Ende des Strandes und den dunklen sowie rosafarbenen Felsen entlang der Küste.

Blick nach Black Brook Beach
Black Brook Beach



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