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CHÉTICAMP CAMPGROUND

Nach dem Besuch am Morgen in der Fortress of Louisbourg, einer Fahrt im Regen zur Alexander Graham Bell National Historic Site und einem Besuch im Museum machten wir uns auf zum nächsten Übernachtungsplatz. Vorgebucht hatten wir nichts.

Auch die letzten knapp 100 Kilometer der Strecke waren wenig aufregend, das Wetter war trüb und grau und es regnete in Strömen. Die Strecke vom Bras d’Or Lake durch die Berge zur Küste war nicht nur kurvig und bergig, sondern für so eine wichtige Straße relativ schmal und mit Schlaglöchern reichlich bestückt. Nach knapp 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir Chéticamp, einen besonderen Ort am westlichen Eingang des Cape Breton Highlands National Park, Ausgangspunkt für den Cabot Trail und eines der wichtigsten Zentren der akadischen Kultur auf Cape Breton.

Der Name stammt ursprünglich nicht aus dem Französischen, sondern von den Mi'kmaq, den indigenen Bewohnern der Region. Die heutige Schreibweise geht auf das Mi'kmaq-Wort Awjátúj zurück, das etwa "selten voll" bedeutet. Gemeint war vermutlich die Hafeneinfahrt, denn vor der Ausbaggerung gab es dort Sandbänke, die bei Ebbe sichtbar wurden und den Eindruck vermittelten, dass die Bucht nie richtig gefüllt war.

Die französische Schreibweise entwickelte sich über viele Varianten und erst im 19. Jahrhundert setzte sich die heutige Form Chéticamp durch.

Chéticamp wurde 1785 dauerhaft von akadischen Familien besiedelt, nachdem viele Akadier nach der Deportation von 1755 neue Heimatorte suchten. Schon vorher nutzten französische und jerseyanische Fischer die Gegend als Fischereistützpunkt. Hier findet man französische Straßennamen, zweisprachige Beschilderung, akadische Musik und Familiennamen wie Aucoin, Chiasson oder LeBlanc.

Ein Pflichtstopp für viele Besucher ist die Aucoin Bakery, ein schönes Beispiel für die lebendige französisch-akadische Kultur des Ortes. Hier bekommt man klassische Backwaren, wie sie in vielen Familien über Generationen weitergegeben wurden. Wir kauften hier ein Baguette, durch den Ort selbst sind wir leider nur durchgefahren.

Die Einfahrt zum Campground war irgendwie komisch ausgeschildert: statt rechts direkt zum Besucherzentrum abzubiegen ging es erst noch um eine Kurve und dann nach links in einem weiten Bogen wieder unter der Fernstrasse hindurch über eine Schleife zum Besucherzentrum, wo wir den Platz für die nächsten beiden Nächte buchen mussten.

Parks Canada Chéticamp Campground Logo

Der Chéticamp Campground ist vom 15. Mai bis zum 26. Oktober geöffnet.

Der Campingplatz bietet 97 Stellplätze mit unterschiedlicher Ausstattung. 15 Plätze haben Vollanschluss mit Feuerstelle, 9 ohne Feuerstelle. Wir hatten eine von 14 Sites mit Stromanschluss und Feuerstelle. Dazu gibt es noch 38 unserviced Sites mit und 11 ohne Feuerstelle. Bei der Nässe haben wir natürlich kein Feuer angemacht.

Auf dem Campground gibt es Trinkwasser, Wanderwege, saubere Waschräume und 10 oTENTiks, die kanadische Mischung aus Zelt und Hütte. Und vor allem das Chéticamp Visitor Information Centre, einen guten ersten Halt, bevor man in den Nationalpark fährt.

Für Camper ist es besonders praktisch, denn hier gibt es kostenloses WLAN und einige bequeme Sitzmöbel in der Halle zwischen Rezeption und Souvenir Shop. Ein großer Vorteil, denn die Mobilfunkabdeckung in den Highlands ist teilweise lückenhaft. Man kommt hier hinein, lädt Karten oder Nachrichten herunter, holt sich Informationen für den nächsten Tag und kann bei einem Kaffee oder mit einem Buch über die Region ein wenig verweilen oder im kleinen Souvenir-Shop stöbern.








Salmon Pools Trail

Auch am nächsten Tag regnete es noch ziemlich viel, man wachte mit Tropfentrommeln auf dem Dach auf. Nachdem wir gemütlich und lange gefrühstückt hatten, gingen wir erst einmal rüber ins Besucherzentrum, da wir am Camper keinen Mobilfunkempfang hatten. Dort arbeiteten wir ein wenig am Computer, aber leider gab keinen Tisch, daher gaben wir nach einer Weile wieder auf.

Im Camper haben wir dann noch etwas gelesen und am Nachmittag hörte der Regen endlich mal auf. Misstrauisch blickten wir in Richtung Himmel, aber auch der Wetterbericht versprach zwar keine Sonne, aber wenigstens auch keinen Regen mehr in den nächsten Stunden.

Also machten wir uns auf, um vom Campground aus ein Stück den Salmon Pools Trail zu laufen. Dieser Weg folgt dem Tal des Chéticamp River hinein in die Schlucht der Cape Breton Highlands. Bis zu den ersten Pools sind es etwa 7,2 Kilometer hin und zurück.

Die Wege waren nass und überall stand das Wasser im Wald. Wir trafen hauptsächlich Kanadier, die mit ihren Hunden unterwegs waren. Bis zum Ende haben wir es nicht geschafft, weil es unterwegs wieder anfing zu tröpfeln und da sind wir umgekehrt.

Der Weg ist leicht bis moderat, überwiegend eben und führt durch den Wald, immer wieder am Fluss entlang. Dort sieht man Stromschnellen – insgesamt ein schöner und entspannter Natur- und Waldweg, wenn man etwas Bewegung braucht. Unterwegs fanden wir Bissspuren von Bibern, aber leider keinen der Verursacher. Einige Trampelpfade führen hinunter zum Fluss, wo es wohl einige Angelspots gibt. Allerdings ist dieser Flussabschnitt der einzige, an dem man im Nationalpark überhaupt angeln darf, und die Regulierung ist strikt: Natürlich braucht man eine Registrierung, und nur bestimmtes Angelzubehör ist zugelassen. In dem entsprechenden Saisonabschnitt darf man pro Tag 2 Lachse fangen - und sie wieder freilassen. Dann ist Feierabend für diesen Tag. Allerdings ist die Freiwilligenorganisation Cheticamp River Salmon Assocciation sehr an Forschungsdaten über geangelte oder gestrandete Lachse interessiert.

Im Besucherzentrum hatten wir zuvor die beeindruckenden Bilder der Elche gesehen, die direkt am Waldrand vom Campground fotografiert wurden. Cape Breton ist eine der wenigen Regionen in Nova Scotia mit einer größeren Elchpopulation. Einen Elch zu sehen, ist aber trotzdem eher Glückssache, denn sie sind trotz ihrer Größe erstaunlich unauffällig.

Der Salmon Pools Trail und der Acadian Trail, der gegenüber vom Visitor Centre steil bergauf führt, werden als Gebiete genannt, in denen man mit etwas Glück Elche beobachten kann.

Leider hatten wir auch dabei kein Glück, sahen nur Spuren im Kies am Flussbett. Dafür konnten wir einige Haarspechte (Leuconotopicus villosus) beobachten. Aber allein die stille Flusslandschaft vermittelte schon ein Gefühl für den Lebensraum der Tiere im Cape Breton Highlands National Park.

Weg










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