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Nach einem Ruhetag, an dem wir bei einem Dorfspaziergang selbst versucht haben, Vögel und Echsen zu entdecken, ging es nach einem guten Frühstück nach dem Auflösen des Morgennebels noch einmal mit Prabath auf Tour. Er nannte es Birding Tour und die war noch einmal um 50 Dollar teurer als die Tour zu 7 Wasserfällen. Dabei war diesmal gar keine Fahrt mit dem Tuk-Tuk nötig, denn der Eingang zum Nationalpark war von der Unterkunft aus zu Fuß zu erreichen. Auf dem Weg dorthin versuchte er, uns so viele Vögel zu zeigen wie es ging. Leider hatte sich das unter den Biestern nicht herumgesprochen, dass wir kamen. So konnten wir noch einmal schön Garten-Agamen bei der Paarung sehen und einige Vögelchen, die wir schon kannten.
Vorbei an zahlreichen anderen Unterkünften, Neubauten und Teefeldern führt die schmale Landstraße direkt zum Nationalpark-Eingang, wo sie kurz vorher an einen Fußpfad endet. Erst kurz davor konnten wir hoch oben in den Wipfeln ein Riesenhörnchen beobachten, das an einer Jackfruit fraß. Deren gewaltige Größe und buschige Schwänze heben sie deutlich von ihren europäischen Verwandten ab. Währenddessen hallt der melodische Ruf des Goldstirn-Bartvogels durch das Blätterdach, dessen grüne Tarnung ihn fast unsichtbar macht, wäre da nicht der markante goldene Fleck über dem Schnabel.
Auf einem Baum direkt am Weg flatterten ein paar Bartvögel herum, auf der Suche nach Früchten. So konnten wir sie mit etwas Anstrengung und Geduld sogar fotografieren.
Am Eingang studierten wir dann zuerst einmal die niedrigen Eintrittspreise, die in keinem Zusammenhang zu dem von uns bezahlten standen. Mehr zur Preisgestaltung der Guides findet Ihr auf der Seite Sinharaja-Regenwald.
Während wir warteten, fragten wir andere Besucher was sie gesehen haben mit ihrem Guide. Die Antwort war schon vielversprechend, am Ende haben wir fast das Gleiche gesehen. Die befreundeten Guides sprechen sich unterweinander natürlich ab und verraten sich die besten Plätze, wenn sie ein Tier gesichtet haben und ihre Gäste Interesse haben.










In diesem Teil des Waldes offenbart sich eine Vielfalt an Lebewesen, die oft nur hier in dieser Dichte anzutreffen ist. Wie schon an den Wasserfällen zwei Tage zuvor entdeckte Prabath auch hier einige Ceylon-Lanzenottern (Trimeresurus trigonocephalus), die gut getarnt im Wald lauerten.
Einer der prachtvollsten gefiederten Bewohner ist die Sri-Lanka-Blauelster (Urocissa ornata), hier Blue Magpie genannt. Mit seinem leuchtend blauen Gefieder, den kastanienbraunen Flügeln und dem roten Schnabel ist er eine der begehrtesten Sichtungen für Vogelliebhaber. Er ist strikt endemisch, was bedeutet, dass er weltweit ausschließlich in den feuchten Regenwäldern des srilankischen Hügellandes vorkommt.
Diese Vögel sind äußerst gesellig und meist in kleinen Trupps von sechs bis sieben Tieren anzutreffen. Sie sind bekannt für ihre Intelligenz und Neugier. Die Blauelster ist oft der Anführer der gemischten Vogelschwärme (Mixed-Species Feeding Flocks) im Sinharaja-Wald. Durch ihre lauten, variablen Rufe warnt sie andere Vögel vor Fressfeinden und koordiniert die Gruppe. Als Allesfresser ist sie wenig wählerisch. Ihr Spektrum reicht von Insekten, Fröschen und kleinen Eidechsen bis hin zu Früchten und Beeren.
Sie bauen ihre Nester meist hoch oben in den Baumkronen, gut versteckt vor Raubtieren. Hier gab es allerdings direkt am Wegrand ein Nest, das in einem Baumwipfel am Steilhang etwas tiefer lag und natürlich so gut von den Guides entdeckt werden konnte. Interessanterweise wurde bei dieser Art kooperatives Brüten beobachtet, bei dem jüngere Vögel aus dem Vorjahr den Eltern bei der Aufzucht der neuen Brut helfen.
Somit waren mehrere Vögel im dichten Grün unterwegs, sie zu sehen und sie zu fotografieren waren aber immer noch zwei verschiedene Dinge. Es war sehr mühsam, ein Foto vorbei an Zweigen und Blättern zu machen, aber es ist mir gelungen.
Wir gingen weiter und unser Guide suchte mit Erfolg auf der mittleren und unteren Etage des Waldes nach den Meistern der Tarnung. Die Höckernasenechse (Ceratophora tennentii), im Englischen oft Rhino-horned Lizard genannt, ist eines der skurrilsten und faszinierendsten Reptilien, die du im Sinharaja-Regenwald antreffen kannst. Sie verharrt oft völlig reglos an Baumstämmen, wobei ihre schuppige Textur eins mit der Rinde wird. Die Gattung Ceratophora umfasst fünf verschiedene Arten, die alle unterschiedliche Nasenformen entwickelt haben. Die Ceratophora tennentii mit dem charakteristischen, eher zylindrischen Horn ist strikt endemisch und kommt weltweit nur in einem sehr kleinen Areal in Sri Lanka vor, hauptsächlich in den Knuckles Range und im Sinharaja-Gebiet.
Für eine wahre Rarität und ein Highlight für Fotografen mussten wir über einen schmalen Weg steil nach oben klettern. Prabath war am Telefon und ließ sich von einem Freund leiten, während er im Blätterwald suchte. Dann hatten wir den Vogel der Begierde gefunden: Das Sri-Lanka-Froschmaul (Batrachostomus moniliger), im Englischen Sri Lanka Frogmouth, ist wohl einer der am schwersten zu entdeckenden Vögel im Sinharaja-Wald. Er ist ein naher Verwandter der Nachtschwalben und ein absolutes Highlight für jeden Naturbeobachter, da er die Kunst der Tarnung zur Perfektion getrieben hat. Dieser Vogel ist so perfekt als abgebrochener Ast getarnt, dass man oft direkt an ihm vorbeiläuft, ohne ihn wahrzunehmen.
Der Name Froschmaul leitet sich von seinem extrem breiten, flachen Schnabel ab, der im geöffneten Zustand tatsächlich an das Maul eines Frosches erinnert. Das Froschmaul ist streng nachtaktiv, den Tag verbringt es unbeweglich auf einem Ast. Obwohl das Froschmaul optisch einer Eule ähnelt, ist es nicht mit ihnen verwandt. Ein auffälliger Unterschied ist die Anordnung der Augen: Während Eulenaugen starr nach vorne gerichtet sind, sitzen die Augen des Froschmauls etwas seitlicher, was ihm ein breiteres Sichtfeld ermöglicht, ohne den Kopf bewegen zu müssen – ein entscheidender Vorteil, um unentdeckt zu bleiben.









Unsere Wanderung durch das Pitadeniya-Gebiet des Sinharaja-Regenwaldes endete mit einem architektonischen und zugleich abenteuerlichen Punkt: dem Überqueren der großen Hängebrücke, die über den Flus Gin Ganga führt. Diese schwingende Konstruktion führt vom dichten, grünen Herz des Nationalparks auf die andere Flusseite in ein Camp. Hier gibt es Unterkünfte, die man mieten kann, allerdings eher für Gruppen oder große Familien. Man findet Bänke und einen kleinen Sandstrand am Flussufer, baden ist dort allerdings verboten.
Hier sahen wir Affen, Gekkos und hörten sogar einen Specht. Der wollte sich aber nicht zeigen, schade. Auf tiefer hängenden Zweigen konnten wir einen Braunfliegenschnäpper beobachten, der in kurzen Ausfallflügen Insekten aus der Luft fängt und dabei eine erstaunliche Wendigkeit zeigt.
Auf dem Rückweg gab es noch eine Überraschung: Prabath fand ein Erdloch am Wegrand und stocherte mit einem dünnen Zweig darin herum, und heraus kam ein Blauer Riesenwaldskorpion (Heterometrus swammerdami), einer der größten Skorpione der Welt, etwa so groß wie eine flache Männerhand. Er beeindruckt durch seinen massiven Körper und den bläulich-schwarzen Glanz seines Panzers. Ebenso skurril wirkt die Laternenträger-Zikade (Fulgora), die mit ihrem verlängerten Kopffortsatz aussieht wie aus einer anderen Welt. Sie trägt ihren Namen aufgrund eines alten Irrglaubens. Früher dachte man, dass der lange Fortsatz am Kopf nachts leuchten würde, was jedoch wissenschaftlich widerlegt ist. Man vermutet heute eher, dass die Form zur Tarnung dient, indem sie einen abgebrochenen Pflanzenteil imitiert oder Fressfeinde durch ihre seltsame Gestalt irritiert. In diesem Ökosystem greift jedes Rädchen ins andere, und selbst die kurze Wanderung durch das Pitadeniya-Gebiet macht deutlich, warum der Schutz dieses UNESCO-Welterbes von so unschätzbarem Wert ist.
Es wurde immer heißer und so gingen wir zurück zum Eingang, kamen noch einmal an dem Nest der Sri-Lanka-Blauelster vorbei. Leider waren dort mehrere Leute, die auf dem Weg standen. Da man nur aus einem bestimmten Blickwinkel das Nest erspähen konnte, hatte man als Fotograf kaum eine Chance. Denn jetzt kam eine Gruppe nach der anderen rein und wir waren froh, dass wir am frühen Nachmittag nach Hause konnten.
Da auch unser Guide Parbath großen Hunger hatte, organisierte er ein Tuk-Tuk und wir mussten den Rest über die Straße nicht laufen. So bekamen wir nach 5 Stunden Wanderung in schwüler Hitze das wohl verdiente Mittagessen.










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