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KÜSTE BIS COOLGARDIE

Nach einer stürmischen und regnerischen Nacht in Esperance beratschlagten wir am nächsten Morgen erst einmal die weitere Route. Eigentlich stand noch der Cape Arid National Park auf dem Programm, dort wollten wir ein paar Tage verbringen. Da das Wetter aber immer noch recht stürmisch war und wir bisher schon oft auf Einsamkeit gehofft hatten, diese aber im Süden von Western Australia eigentlich kaum angetroffen hatten, entschieden wir uns für Plan B. Dazu kam auch noch, dass wir nach dem Feststecken im Tiefsand am Black Point unserem Camper nicht mehr zutrauten uns ohne erneute Probleme über die Dünen zur Küste zu bringen.

So fuhren wir am nächsten Morgen bei Regen nach Norden über den 414 km langen Coolgardie-Esperance Highway, in Richtung Coolgardie und Kalgoorlie-Boulder. Der erste Teil der Strecke auf dem Highway 1 führt weitgehend durch den Weizengürtel, recht ödes Farmland, alle paar Dutzend Kilometer gibt es an der parallel verlaufenden Bahnlinie einen Wheat Bin. Das ist eine Sammel-, Trocken- und Verlade-Station für Getreide mit großen Silos oder Hallen, aber die Zivilisation hört dann recht schnell auf.

Beim Vorbeifahren scheucht man Raben oder grüne Papageien von den Bäumen am Strassenrand auf, ab und zu sieht man unterwegs einen Salzsee. Der nächste Ort am Coolgardie-Esperance Highway, der diesen Namen verdient, ist Norseman. Hier wechselt die Straße in den National Highway 94, er verbindet die Goldfields, das so genannte Golden Outback, mit der Küste im Westen. Je näher man den Goldfields kommt, um so mehr wird die Erde dort rot wie im Reisekatalog und die einsame und aride Region kommt unserer Vorstellung vom Outback in Australien schon näher. Doch zuvor mussten wir auf dem einsamen Highway noch viele Kilometer fressen, nur ab uns zu mal von einem schnelleren Roadtrain oder anderen Fahrzeug überholt.


Norseman

Der Ort Norseman ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, 278 Meter über dem, Meeresspiegel gelegen und 726 km östlich von Perth. Denn hier beginnt der Eyre Highway in den Osten. Er verbindet Western Australia mit South Australia und führt durch die berühmt-berüchtigte Nullarbor Plain. Erst nach einer 720 km langen Fahrt erreicht man die Grenze von Western Australia. Vom Nullarbor Roadhouse an der Grenze bis zum nächsten etwas größeren Ort Ceduna sind es dann immer noch knapp 300 km mehr, und bis Port Augusta nochmal mehr als 550 km nach Osten.

Norseman entstand im Jahr 1893, wie so viele Orte im Outback, auf Grund von Bodenschätzen. So auch in diesem Fall, man fand Eisen und natürlich auch Gold ein Jahr zuvor und 10 km südlich. Wieder ein Jahr später lief ein Mann namens Lawrence Sinclair mit seinem Pferd namens Norseman herum, als der Gaul angeblich über ein Goldnugget stolperte. So wurde ein reiches Goldvorkommen entdeckt, welches Sinclair selbstverständlich nach seinem Pferd benannte. 1895 lebten ca. 200 Goldsucher in dem noch unbenannten Ort, die Regierung besiegelte die Ortsgründung und das Pferd war wieder Namenspate und die Pferdelegende wird bis heute sorgsam gepflegt. Dem Tier wurde sogar eine Bronzestatue, an einem zentralen Platz stehend, gewidmet. In der Sprache der lokalen Aboriginal People heisst das Gebiet Jimberlana.

Die Stadt entwickelte sich, man baute Kirchen, Post, Läden, ein Gericht und alles was ein kleiner Ort so braucht. 1905 lebten hier schon 3.000 Menschen. Denn in Norseman wurden im Laufe der Zeit über 100 Tonnen Gold gefunden, damit befand sich hier das zweitreichste Goldfield nach der Golden Mile in Kalgoorlie.

Kommt man heute nach Norseman, hat sich der Charme einer Goldgräberstadt noch ziemlich erhalten, aber touristisch ist hier gar nichts los. Leider stehen auch hier viele alte Gebäude leer und sind dem Verfall preisgegeben. Es gibt einige nette Hotels und Motels zum Übernachten, ein Roadhouse, Läden, eine Bank, das District Hospital, das Council Office und gleich drei!!! Tankstellen. Klar, jeder, der sich von hier nach Osten auf den Weg macht muß hier tanken. Vom Beacon Hill Lookout kann man die weit verstreuten Häuser überblicken, in denen ca. 1.000 Einwohner leben. Und auch die sind nur noch wegen der hier ansässigen Minen in dieser Gegend. Immerhin wurden in 2001 in nur einer Goldmine am Beacon Hill 100.000 Unzen Gold gewonnen und der Ort wird dominiert von 4 Millionen Tonnen umfassenden Abraumhalden (tailings dump) aus feinen Quarzit.


Coolgardie

Nördlich von Norseman, 168 km auf dem Highway 94, liegt Coolgardie. Im September 1892 brach auch hier ein Goldrausch aus, der zehntausende Glücksritter auf der Suche nach schnellem Reichtum ins heiße Outback lockte. Im Jahr 1898 lebten hier schon 15.000 Menschen, weitere 10.000 auf den Goldfeldern der Umgebung. Es gab hier drei Brauereien, sieben Zeitungen und 26 Hotels. Die Digger wühlten unter heute unfassbaren Bedingungen in der roten Erde, Wasser war Mangelware. Täglich starben Menschen durch Unfälle oder aus Erschöpfung, es gab Krankheiten wie Ruhr und Typhus. Am westlichen Ende der Bayley's Street findet man den alten Friedhof.

Auf dem Höhepunkt des Goldrausches waren auf der anderen Seite der Welt in London 700 Minengesellschaften registriert, die in Coolgardie ansässig waren. "Die eine Hälfte von Coolgardie war damit beschäftigt, die andere zu beerdigen" - das kann man heute in Berichten aus jener Zeit im Museum nachlesen. Auch sind nette Verse überliefert wie: "Damn Coolgardie! Damn the track! Damn it there and damn it back! Damn the country! Damn the weather! Damn the goldfields altogether!"

Um Wasser in den Ort zu bringen wurde eine 560 km lange Pipeline unter der Leitung des Architekten O'Connor von Perth aus zu den Goldfeldern gebaut, deren Konstruktion und Bau nur ganze drei Jahre dauerte. Im Jahr 1902 sprudelte dann endlich Wasser aus den Leitungen. Der alten Goldfields Pipeline kann man heute auf dem ausgewiesenen Golden Pipeline Heritage Trail folgen.

Der Niedergang des Ortes erfolgte nach dem zweiten Weltkrieg, das Oberflächengold war abgebaut und die Goldadern reichten hier nicht weit in die Tiefe. Die Leute zogen weiter nach Kalgoorlie, wo das Gold einfacher zu fördern war. Zeitweise lebten in Coolgardie nach dem Goldrausch nicht mehr als 200 Bewohner. Heute ist Coolgardie ein kleiner, staubiger Highway-Ort mit ca. 2.000 Einwohnern, die der aufkommende Tourismus wieder in den Ort zieht. Coolgardie lag eigentlich gar nicht auf unserer Route und wir sind einen kleinen Umweg gefahren, den wir uns aber auch hätten sparen können. Was einst der drittgrößte Ort im westlichen Australien war, ist heute eine halbe Geisterstadt, durch die der Verkehr von Perth über den Great Eastern Highway (National Highway 94) ins nur 38 km entfernte Kalgoorlie-Boulder rauscht. Na ja, rauschen ist übertreiben, denn so viel ist hier wirklich nicht los. Dafür sind die Strassen extrem breit, der Grund sind die Kamelkarawanen der frühen Tage. Man brauchte den Platz zum Wenden, denn Kamele können nicht rückwärts gehen.

Immerhin ist Coolgardie heute die "Verwaltungshauptstadt" des Shire of Coolgardie und man hat rund um die Stadt einige historische Sehenswürdigkeiten für die Touristen ausgeschildert. Es gibt ein paar kleine Museen und einen alten Bahnhof in der Woodward Street. Viele Fotos haben wir trotzdem nicht gemacht, hier ist die Ausbeute.



Google Map zum Thema

Coolgardie


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Video zum Thema

Rubbish museum and ZZ Top in Coolgardie

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