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FORT DAULATABAD 1

Wie ein Götterberg, so lautet der ursprüngliche Name Devagiri, erhebt sich die imposante Festung von Daulatabad über die Ebene. Daulatabad bedeutet übersetzt Ort des Wohlstands und schon die Anfahrt war sehr imposant, immer mit Blick auf den kegelförmigen Hügel, der etwa 200 Meter hoch über der Ebene aufragt. Ein Großteil der unteren Hänge des Hügels wurde unter der Yadava-Dynastie per Hand entfernt, so entstanden die 50 Meter hohen senkrechten Wände als Optimierung der Verteidigungsanlagen. Aus der Ferne kann man das besonders gut erkennen.

Wir kamen an Daulatabad quasi automatisch vorbei, auf dem Weg von den Ellora Caves zu unserem nächsten Übernachtungsort, dem Viventa by Taj in Aurangabad. So stand eine Besichtigung des Forts an diesem Vormittag auf unserem Programm, wir hatten nichts anderes vor und somit viel Zeit.

Zuvor hatten wir uns aber nicht richtig informiert, denn wie anstrengend der Aufstieg werden würde ahnten wir noch nicht, als unser Fahrer unten einen Parkplatz anfuhr. Dort befanden sich ein paar Verkaufsstände mit kalten Getränken, Obst und Kinderspielzeug. Anders als im Asirgarh Fort nördlich von Burhanpur einige Tage zuvor kann man hier nicht gemütlich mit dem Auto bis nach oben fahren. Hier hat der Baumeister vor dem Erreichen der Festung den Schweiß gesetzt.

Da die Sonne prall vom Himmel schien und es sehr heiß war, nahmen wir ausreichend Trinkwasser und etwas zu Essen mit.

Dann machten wir zwei Fehler: ich ging mit Sonnenbrille los und ließ meine normale Brille im Auto. Und weil wir schon genug zu schleppen hatten, dachten wir nicht an die Taschenlampe, die wir an den Tagen zuvor immer zur Besichtigung von Höhlen dabei hatten. Da hier nur eine Festung zu besichtigen war, blieb die Lampe zusammen mit dem Fotorucksack im Auto. Das sollten wir noch bereuen.

Unten zahlt man den üblich hohen Ausländer-Eintritt und steht dann hinter dem ersten Tor in einem Innenhof. In diesem stehen viele alte Kanonen, teilweise in überdachten Erkern, teilweise mitten im Hof. Auch Hinweisschilder diese nicht zu berühren konnten die Besucher nicht davon abhalten, ihre Sprösslinge für ein Foto auf die Kanone zu setzen oder sie darauf herumklettern zu lassen.

Nach ein paar Stufen und Verschwenkungen der Zuwegung durch weiter Tore führt ein breiter Weg geradewegs in Richtung Fort.



Geschichte

Die Geschichte des Forts von Daulatabad, das von einer knapp 5 km langen, massiven Mauer umgeben ist, könnte kurioser nicht sein und sollte kurz erzählt werden. Spärliche Überreste eines buddhistischen Höhlenklosters deuten an, dass der Platz bereits um 100 vor Christus besiedelt war. Die mittelalterliche Dynastie der Rashtrakutas, die zwischen 752 und 973 in weiten Teilen Süd- und Zentralindiens und auf dem Dekkan-Plateau herrschte, drang Mitte des 8.Jahrhunderts bis nach Ellora vor. Dort schlugen sie den Kailasa-Tempel aus dem Felsgestein heraus, daher wird ihnen von einigen Forschern auch die enorme Steinmetzarbeit am seitlich rundum behauenen Festungsberg von Devagiri zugeschrieben.

Ein einschneidendes Ereignis war die Eroberung der Stadt und ihres Festungsbergs im Jahr 1327, danach entstand hier die Hauptstadt der Tughlaq Dynastie. Der Sultan al-Mujahid Muhammad bin Tughluq (1325-1351) änderte den Namen von Devagiri in Daulatabad. Hier, über 1.000 Kilometer südlich von Dehli, wollte er seine neue Hauptstadt bauen um sein Reich, das bis an die Südspitze des indischen Subkontinentes reichte, besser verwalten zu können.

Aber nicht nur er und sein Hof, sondern auch die gesamte Bevölkerung von Delhi sollte in den weit entfernten neuen Regierungssitz umsiedeln. Diesen unsinnigen Plan verwirklichte er auch und viele seiner Untertanen starben auf dem ihnen aufgezwungenen langen Marsch. Das Ganze war auch mit enormen Kosten und Widerständen in der Beamtenschaft und in der Bevölkerung verbunden, so dass der ganze Umzug 17 Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Diese falsche Strategie führte dazu, dass die Nordwestgrenzen des riesigen Reiches nicht mehr ausreichend verteidigt wurden. So kam es zum Mongoleneinfall von 1328/29, der das Land bis in die Region von Delhi verwüstete. Der Herrscher wurde immer unbeliebter, zahlreiche Rebellionen folgten und er verlor große Teile seines Machtbereichs. Darunter alle Gebiete südlich der Narmada, wo sich 1335 das Malabar-Königreich, 1336 das Vijayanagar-Reich und nach 1347 das Bahmani-Sultanat etablieren konnten.

Dazu kamen zahlreiche Rebellionen im Norden. Im Jahr 1351 verstarb der Sultan und übrig blieb das Fort von Daulatabad. Die Stadt wechselte danach noch mehrfach ihren Herrn bis sie im Jahr 1633 nach mehrmonatiger Belagerung von den Truppen des Mogulreichs unter Shah Jahan eingenommen wurde. Der letzte bedeutende Mogulherrscher, Aurangzeb, führte mehrere Kriegszüge auf dem Dekkan von Daulatabad aus bis er seine Hauptstadt in das benachbarte Fatehnagar verlegte, das kurze Zeit später in Aurangabad umbenannt wurde.



Chand Minar

Den Weg hoch zum Fort sollte man hier unbedingt auf sich nehmen, denn von dort oben genießt man einen herrlichen Blick in die Umgebung. Was man beim Aufstieg erlebt, das wird auf der zweiten Seite Daulatabad 2 beschrieben.

Wenn man die ersten Tore passiert hat führt ein langer Weg in Richtung Fort. Es wird fleißig an einigen Ruinen gearbeitet und der Weg befestigt. Hier saßen Affen auf der Mauer, meist sind es die frechen Hanuman Languren und auch ein paar Makaken konnten wir beobachten. Sie haben keine Angst vor den Besuchern und toben gemeinsam über die Mauern. Wir konnten sogar einen Makaken dabei beobachten, wie er das Fell eines Languren lauste. Eine eher seltene Partnerschaft.

Auf der linken Seite der Zuwegung zum Fort befinden sich die Ruinen einer Moschee, die aus den Überresten von Hindu-Tempeln gebaut wurde. Die noch in Teilen erhaltene Freitagsmoschee bot aber wenig Schatten, daher haben wir nur kurz einen Blick herein geworfen. Wir wollten so früh wie möglich hoch auf die Festung, bevor es nach Mittag noch heißer werden würde.

Auf der rechten Seite gegenüber der Moschee steht ein einzelner Turm: der Chand Minar. Das in hellroten bis ockerfarbigen Tönen leuchtende und von drei umlaufenden Balkonen unterteilte Minarett ist etwa 64 Meter hoch und hat einen Basisumfang von 21 Metern. Es stammt aus den Jahren um 1447 und wurde von Ala-ud-din Bahmani Sultan Ahmed Shah II als Siegesturm anlässlich der Einnahme der Stadt errichtet. Seine Architektur ist eine Kopie des um 5 Meter höheren Qutab Minar in Delhi. Damit ist er der zweithöchste Siegesturm von Indien. Am Fuß der Festung beginnen die imposanten Verteidigungsanlagen, die ich auf der zweiten Seite beschreibe.




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