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WILD COVE

Nachdem wir uns das Long Point Lighthouse angesehen hatten fuhren wir in Richtung Wild Cove. Es gab in den sozialen Medien frische Bilder von Eisbergen, die wollten wir uns dort vom Ufer aus ansehen.

Wild Cove ist ein kleiner, malerischer Ortsteil von Twillingate und tatsächlich einer der besten und verlässlichsten Plätze in der gesamten Region, um Eisberge aus nächster Nähe zu sehen. Es liegt auf der Nordwest-Seite von Twillingate, nur wenige Fahrminuten vom Zentrum entfernt, auf dem Weg in Richtung Crow Head und Long Point Lighthouse. Weil es uns hier so gut gefallen hat, haben wir uns für 2027 ein Haus für drei Tage in Little Wild Cove gemietet.

Die Buchten von Wild Cove und die Little Wild Cove sind in Richtung Nord/Nordost offen und liegen direkt am Hauptstrom der Iceberg Alley. Wenn der Wind und der Labradorstrom die Eisriesen aus der Arktis nach Süden treiben, werden sie häufig direkt in den trichterförmigen Einschnitt der Bucht geschoben.

Vor den Klippen und dem Strand von Wild Cove flacht das Wasser ab. Große Eisberge stranden dann dort oft auf dem Meeresgrund und bleiben über Tage oder gar Wochen an derselben Stelle gefangen, während sie langsam schmelzen, zerbrechen und sich spektakulär drehen. In der Hauptsaison für Eisberge von Mai bis Anfang Juli stehen die Chancen in Wild Cove außergewöhnlich hoch. Es ist in Twillingate fast schon Tradition, dass sich mindestens einer der Eisberge des Jahres genau in dieser Bucht festsetzt.

Der Ortsteil ist extrem ruhig und urig, nur tagsüber kamen natürlich einige mit Auto oder Camper, um die Eisberge zu sehen, genau wie wir. Es gab aber direkt am Ufer noch die Möglichkeit zu parken und einmal kurz nach rechts oder links am Ufer entlang zu gehen. Bei unserem ersten besuch waren zwei Eisberge in der Bucht, sie hatten schon einiges an Eis verloren. Das trieb mit den Wellen an den kiesstrand. Einheimische kamen mit Beuteln, um sich etwas von den Eisbrocken einzupacken.

Der Ortsteil besteht im Wesentlichen aus einer geschwungenen Straße, die sich an einer natürlichen Kieselbucht entlangzieht, gesäumt von bunten Holzhäusern, alten Fischer-Bootsschuppen und Stegen.

Das Besondere an Wild Cove ist der barrierefreie Blick. Hier muss man nicht erst auf steile Klippen klettern. Man kann oft direkt am Strand stehen oder aus dem Auto aussteigen und schaut unmittelbar auf das offene Wasser und auf das Eis, also perfekt für kurze Fotostopps auf Augenhöhe mit dem Eis.

Es lohnt sich auch, öfter zu den Eisbrocken zu kommen, da sie sich fast täglich verändern, drehen, abschmelzen oder auseinanderbrechen.









Zweiter Besuch

Direkt am nächsten Tag waren wir dann noch einmal kurz in Wild Cove. Die oben fotografierten Eisberge hatten sich in dieser krurzen Zeit weitgehend aufgelöst, aber es gab einen neuen in der Bucht. Dass dieser frisches Felsmaterial aus Grönland mit sich führte, zeigt eindrucksvoll, dass diese Eisriesen nicht nur gefrorenes Süßwasser transportieren, sondern regelrechte Felsbrocken hunderte Kilometer weit über den Ozean tragen, bevor sie sie beim Schmelzen in der Bucht auf den Meeresgrund fallen lassen.

Er hatte ein Band aus dunklem Gestein und Sedimenten, das je nach Blickwinkel wie eine Halskette oder eine dunkle Perlenkette quer durch das strahlende Weiß des Eises verläuft, was ein beeindruckendes Naturschauspiel war.

Die Eisberge in der Iceberg Alley stammen aus den riesigen Fließgletschern Grönlands. Wenn der Gletscher über den Felsgrund der arktischen Kontinentalmasse hobelt, schabt er Unmengen an Felsbrocken, Sand und Geröll ab. Dieses Material wird im Eis eingefroren und bildet dunkle Schichten, die sogenannten Glacial Tills.

Manchmal handelt es sich bei den dunklen Bändern auch um uralte Schichten aus Vulkanasche, die vor Tausenden von Jahren auf den grönländischen Eisschild fielen und im Gletscher komprimiert wurden. Ursprünglich lag diese Sedimentlinie als waagerechte oder schräge Schicht im Inneren des Gletschers.

Dass die dunkle Linie hier so filigran und gleichmäßig verläuft, machte dieses Exemplar zu einem absoluten Glücksgriff für das Fotoalbum unserer Reise. Die dahinter liegende Nebelbank brachte noch etwas mehr Dramatik in die Szenerie.

Noch viel mehr beeindruckende Eisberge gab es bei der Bootstour ab Prime Berth mit Captain Dave zu sehen.












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