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Unser erster Campingplatz in Nova Scotia nach der Übernahme des Campers war der Highbury Garden RV Park nahe Kentville. Hier wollten wir erst einmal ankommen, uns und unsere Sachen sortieren und die Umgebung erkunden. Neben hervorragenden Einkaufsmöglichkeiten mit diversen Supermärkten direkt um die Ecke waren auch Ausflugsziele wie Wolfville, Grand Pré und das Kentville Migratory Bird Sanctuary nicht weit.
Ein Spaziergang durch das hübsche Städtchen Wolfville im Frühling offenbart den ganz besonderen Charme dieser kleinen Universitätsstadt, wenn die Natur nach dem langen Winter erwacht. Die Luft ist frisch, in den Vorgärten blühen Mitte Mai die Magnolien, Tulpen, Narzissen und Löwenzahn auf grünem Rasen, während die Sonne die historischen Holzhäuser der Stadt in ein warmes Licht taucht.
Die Geschichte von Wolfville ist untrennbar mit den gewaltigen Gezeiten der Bay of Fundy und dem fruchtbaren Boden des Annapolis Valley verbunden. Bevor europäische Siedler die Region erreichten, war das Gebiet über Jahrtausende hinweg die Heimat der Mi'kmaq, die den Ort wegen der hier zusammenlaufenden Flüsse und der reichen Naturressourcen schätzten und nutzten.
Der heutige Name der Stadt geht auf die Familie DeWolf zurück, die im frühen 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im Gemeindeleben und im Postwesen spielte. Auf Anregung der Bürger wurde der etwas unschöne Name Mud Creek im Jahr 1830 offiziell in Wolfville geändert. Kurz darauf, im Jahr 1838, wurde die Acadia University gegründet, die sich schnell zu einem akademischen und kulturellen Zentrum entwickelte und bis heute das jugendliche, lebendige Flair der Stadt prägt. Mit dem Anschluss an die Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert blühte Wolfville als wichtiger Knotenpunkt für den Export der berühmten Äpfel aus dem Annapolis Valley auf.
Heute verbindet die charmante Kleinstadt ihre reiche akademische und landwirtschaftliche Geschichte mit einer modernen Rolle als Zentrum für Weinbau und sanften Tourismus. Entlang der lebhaften Hauptstraße kehrte das Leben Mitte Mai spürbar ins Freie zurück, die Menschen nutzen die wärmeren Stunden für einen Kaffee auf den ersten geöffneten Außenterrassen oder schlendern entspannt an den Schaufenstern der inhabergeführten kleinen Läden vorbei. Wir waren noch etwas zu früh an einem Samstag vor Ort, da hatten die meisten Geschäfte noch geschlossen. Erst ab 12:00 Uhr füllte sich der Ort, und Besucher schlenderten durch das historische Ambiente mit vielen, gut gepflegten Häusern.
Verlässt man das Zentrum ein wenig, führt der Weg unweigerlich vorbei an den ehrwürdigen, backsteinernen Gebäuden der Acadia University, deren weitläufiger Campus im Frühjahr ebenfalls von frischem Grün umrahmt wird. Wer den Spaziergang in Richtung der Deiche und der Ufer des Minas-Beckens ausdehnt, wird mit einem Blick über das Annapolis Valley belohnt.
Neben den ersten zarten Kräutern und dem frischen Frühlingsgemüse steht Wolfville vor allem für ein Handwerk, das tief in den weitläufigen Obstwiesen der Umgebung verwurzelt ist; die Kunst der Cider-Herstellung.
Da das Tal für seinen erstklassigen Apfelanbau berühmt ist, keltern die lokalen Produzenten hier leckere, handwerkliche Cider, die zu 100 Prozent aus den knackigen Früchten der Region gewonnen werden. So eine Dose kostet dann schon mal um die 7 Dollar. Direkt an der Hauptstraße in Wolfville lädt beispielsweise die renommierte Annapolis Cider Company zur Probe ein. Die spritzigen, klaren Cider zeichnen sich durch eine wunderbare Balance aus natürlicher Fruchtsüße und einer Säure aus, die typisch für die im kühlen Atlantikklima gereiften Äpfel ist.










Da wir an einem Samstag in Wolfville waren, konnten wir auf dem lebhaften Farmers Market einkaufen, der von 8:30 bis 13:00 Uhr als das pulsierende Herz der kleinen Universitätsstadt gilt. Schon am Morgen füllt sich die historische Halle mit einer einladenden Mischung aus dem Duft von frisch geröstetem Kaffee und warmem Gebäck. Besucher schlendern gemütlich in einer großen Halle an den Ständen vorbei, während lokale Musiker mit akustischen Klängen vor der Tür und in der Halle für eine entspannte Atmosphäre sorgen.
Die Vielfalt an frischem Gemüse aus dem nahegelegenen Annapolis Valley, handgemachtem Käse, Fleisch, Brot und kunstvollen Handwerksprodukten spiegelt die tiefe Verbundenheit der Region mit der Landwirtschaft wider. Hier kommt man leicht mit den Erzeugern ins Gespräch, was dem Einkauf eine besonders persönliche Note verleiht.
So haben wir hier ein Bild von einem Künstler gekauft, der wunderbare, sehr detaillierte Bleistiftzeichnungen anfertigt. Auch wenn die Motive aus der Umgebung detailverliebter waren, uns reizte nur der schöne Weißkopfseeadler.
Begeistert waren wir auch vom leckeren Brot, das an einem Stand von Boulangerie La Vendeenne am Ende der Halle verkauft wurde. Ganz besonders das dicke Ciabatta mit Kalamata-Oliven war köstlich. Davon haben wir ein paar Scheiben eingefroren, sodass wir es später noch auf Newfoundland genießen konnten.
Angezogen wurden wir auch von einem Stand, der Limoncello und Liköre verkaufte: Die Raging Crow Distillery aus Canning. Auch Gin mit drei verschiedenen Zitrusaromen war im Angebot, der aus den Resten der Limoncello-Produktion entstand. Wir entschieden uns für den Orangen-Gin, was sich als eine hervorragende Wahl herausstellte. Später wollten wir, aus dem Blomidon Provincial Park kommend, nachkaufen. Leider waren wir am Morgen vor Ort und die Destille machte erst ab 12:00 Uhr auf.
Es gibt einige Winzer in der Region um den Ort und die sonst so geschäftigen Rebflächen zeigten bei unserem Besuch gerade das erste, zarte Grün.
Wir besuchten in der Umgebung auch das Weingut der leidenschaftlichen Winzer von Luckett Vineyards, gelegen an den malerischen Hängen des Gaspereau Valley. Die berühmte rote Telefonzelle dient mitten im Weinberg als skurriler Blickfang, ist absolut Instagram-tauglich und ziert auch die Etiketten der hier verkauften Weine. Eigentlich wollten wir hier zu Mittag essen, aber das Restaurant war am Wochenende brechend voll und sehr laut. Ohne Reservierung war nichts zu machen, und so kauften wir im Shop nur ein paar Flaschen Wein, da das Weingut vor allem für seine eleganten Tropfen wie den charakteristischen Tidal Bay bekannt ist.
Uns haben im Laufe des Urlaubs auch der Ortega sowie die roten Phone Box Weine und der Triumphe sehr gut geschmeckt.














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