| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Bay of Fundy | Site-Map | HOME |
| Brier Island Whale & Seabird Cruises | Freeport Whale & Seabird Tours |
Weil die gewaltigen Gezeitenströme der Bay of Fundy zweimal täglich kaltes, extrem nährstoffreiches Tiefenwasser entlang der steilen Unterwasserklippen des Kaps pressen, verwandeln sich die Gewässer zwischen Juni und Oktober in eine riesige Futterkammer. Bis zu zwölf Walarten, darunter majestätische Buckelwale, Finnwale und die seltenen Nordkaper, kehren jeden Sommer hierher zurück, um sich an gigantischen Krillschwärmen sattzufressen. Zudem ist das Areal durch seine exponierte Lage ein wichtiger Orientierungspunkt auf der transatlantischen Route für Millionen von Zugvögeln.
Die Route 217 von Digby aus endet auf dem Festland in East Ferry, wo die unberechenbare, bis zu acht Knoten schnelle Strömung der Petit Passage den Digby Neck von Long Island trennt. Hat man diese erste kurze Fährüberfahrt gemeistert, folgt am Ende von Long Island in Freeport die Grand Passage, die wiederum zur finalen Außenstation führt: der Insel Brier Island.
Die Fahrten sind kostenlos, die Fähren fahren einmal pro Stunde in jede Richtung und sind zeitlich aufeinander abgestimmt. Trotzdem sollte man die Anfahrt planen, wenn man einen festen Termin hat. Will man unbedingt die nächste Fähre am anderen Ende von Long Island erwischen, so muss man flott durchfahren und keine Zwischenstopps einlegen.
Auf der gesamten Landzunge des Digby Neck sowie den beiden vorgelagerten Inseln Long Island und Brier Island gibt es fünf etablierte und lizenzierte Anbieter für Waltouren. Da alle Boote in dasselbe nährstoffreiche Meeresgebiet hinausfahren, teilen sie sich die Sichtungen. Die Touren starten je nach Wetterlage Mitte Mai und laufen bis Mitte Oktober.
Hier sind alle Tour-Betreiber, sortiert nach ihrer geografischen Lage von Norden nach Süden: Petit Passage Whale Watch am Hafen von East Ferry, ideal für Reisende, die keine Fährüberfahrt machen möchten oder unter Zeitdruck stehen. Dann folgt die Adventure Bay Whale Watch Company in Tiverton, direkt nach dem Verlassen der ersten Fähre auf der rechten Seite. Freeport Whale & Seabird Tours befindet sich am westlichen Ende von Long Island, direkt neben dem zweiten Fähranleger. Nach der zweiten Fähre kann man dann auf Brier Island mit Brier Island Whale & Seabird Cruises oder Mariner Cruises Whale & Seabird Tours unterwegs sein.
Da die Anfahrt aus Digby lang ist, sind vor allem die Fahrten um die Mittagszeit beliebt und schnell ausgebucht. Besonders im Juli und August kommen Busgruppen und Touristen; dann sollte man unbedingt einige Tage im Voraus reservieren. Wer anfällig für Seekrankheit ist, wählt statt der schaukelnden Zodiacs lieber die großen, ruhigeren Holzboote. Aber auch dort geht es bei passender Dünung ganz schön rauf und runter.
Da wir mit dem Camper auf Long Island auf dem Whale of a Time Campground standen, hatten wir eine Tour auf Brier Island am Nachmittag um 17:30 Uhr mit Mariner Cruises und am nächsten Morgen um 10:00 Uhr eine weitere von Freeport mit Freeport Whale & Seabird Tours aus per Internet ca. eine Woche im Voraus gebucht. Schließlich war an einem Tag Nationalfeiertag und wir konnten nicht einschätzen, wie voll es dann werden wird.
Am Tag vorher sagte uns Mariner dann die Nachmittagstour ab, die Mittagstour war schon ausgebucht und die Morgentour sollte um 9:30 Uhr starten. Das war uns zu früh, daher buchten wir spontan auf die Brier Island Whale & Seabird Cruises um, die um 10:30 Uhr starteten. Praktischerweise wird hier überall erst bei Erscheinen am Ticketoffice bezahlt, so dass bei einer Absage keine Erstattung nötig ist, so etwas kann einem aber schon die Planung verhageln. Schlechtes Wetter, technischer Defekt, zuwenig Buchungen für eine bestimmte Tour - das kann schon mal daneben gehen.










Man soll eine Stunde vor Beginn der Tour vor Ort sein, also nahmen wir am Morgen die Fähre nach Brier Island und fuhren zum Office des Veranstalters. Dort checkten wir ein, bezahlten die Fahrt und liefen dann zu Fuß zum zehn Minuten entfernten Anleger. Man hätte dort auch parken dürfen, aber wir hatten einen schönen Stellplatz an der Kirche für unseren Camper gefunden.
Wer sich für eine Tour mit Brier Island Whale & Seabird Cruises entscheidet, bucht bei den absoluten Pionieren der Region. Gegründet wurde das Unternehmen bereits in den 1980er-Jahren von Harold Outhouse, der als einer der Ersten das enorme Potenzial der Gewässer rund um Brier Island für den Ökotourismus erkannte. Das in Westport ansässige Familienunternehmen hat maßgeblich dazu beigetragen, Brier Island als Welthauptstadt des Whale Watchings zu etablieren. Das Besondere an diesem Anbieter ist die enge Verknüpfung von Tourismus und aktiver Meeresforschung.
Auf fast jeder Fahrt ist ein ausgebildeter Meeresbiologe oder Naturführer mit an Bord. Bei uns kamen noch einige Studenten dazu, die sich alle kurz vor der Fahrt vorstellten. Während der Tour werden kontinuierlich Daten über die Sichtungen, das Verhalten der Tiere und die Wassertemperaturen gesammelt, die direkt in internationale Forschungsprojekte zum Schutz der bedrohten Wale einfließen. Über die Jahrzehnte hinweg haben die Forscher an Bord einen riesigen Katalog zur Foto-Identifikation erstellt. Sie erkennen viele der im Spätsommer wiederkehrenden Buckelwale in der Bay of Fundy allein an den individuellen Mustern auf der Unterseite ihrer riesigen Fluken und kennen die Tiere beim Namen.
Für Familien, Fotografen und alle, die es etwas gemütlicher mögen, ist die Mega Nova das Flaggschiff der Flotte. Das stattliche, 15 Meter lange Passagierboot bietet zwei Decks, eine beheizte Innenkabine, Waschräume an Bord und eine sehr stabile Wasserlage. Wer dagegen das pure Abenteuer und den Nervenkitzel sucht, bucht eine Tour auf den rasanten, offenen Zodiac-Schlauchbooten. Diese Festrumpfschlauchboote jagen mit hohem Tempo über die Wellen und bringen die Passagiere quasi auf Augenhöhe mit der Wasseroberfläche. Man trägt dabei dicke, wind- und wasserdichte Thermo-Sicherheitsanzüge, die einen vor der eiskalten Gischt schützen und auch als Ganzkörper-Schwimmwesten dienen.
Während der Fahrt wird anschaulich anhand von Walbarten und Knochenmodellen erklärt, wie die gigantischen Bartenwale Tonnen von winzigem Krill aus dem kalten Wasser filtern.
Da die nährstoffreichen Gewässer der Bay of Fundy als absolute Welthauptstadt für Meeressäuger gelten, waren unsere Erwartungen riesig. Die Realität auf dem Wasser zeigte uns jedoch wieder einmal, dass die Natur kein Streichelzoo ist und sich nicht planen lässt. Da es erst Juni und damit noch recht früh in der Saison war, hielten sich die riesigen Buckelwal-Schulen noch größtenteils außerhalb der Bucht auf. So bekamen wir während der gesamten Ausfahrt leider nur zwei Wale zu Gesicht, die sich zudem ziemlich rar machten und nur kurz an der Oberfläche auftauchten. Nur einmal war eine Fluke zu sehen, die ich auch erwischte.
Wer also das ganz große Spektakel mit springenden Walen sucht, sollte seine Reise lieber in den August oder September legen, wenn die Tiere in riesiger Zahl hier fressen. Da waren wir von Südafrika und den Azoren wohl etwas verwöhnt.
Dafür machte die Tour ihrem Namen als Seabird Cruise Ehre und wir konnten einige atlantische Meeresvögel sehen: Dunkle Sturmtauchern, die elegant dicht über den Wellenkämmen dahinglitten. Auch Trupps kleinen Sturmschwalben begleiteten uns. Das unbestrittene und herzerwärmende Highlight für uns war jedoch die Entdeckung eines einzigen, einsamen Puffins (Atlantischer Papageientaucher). Mit seinem charakteristischen, leuchtend bunten Schnabel schwamm der kleine Kerl ein ganzes Stück direkt neben unserem Boot auf den Wellen.
Für uns besonders emotional, da wir kurz vor Erreichen der schönen Puffin-Klippen in Elliston in Newfoundland unseren schweren Unfall hatten und die Insel danach verlassen mussten. So konnten wir die Puffins, auf die wir uns schon so sehr gefreut hatten, leider nicht besuchen. Daher war das einzelne Tierchen, von dem mir auf schaukelnden Wellen ein einziges Foto gelang, ein absolut magischer Moment, der die magere Walausbeute sofort vergessen ließ.
Leider wurde es einem Kind trotz des großen Bootes bei dem Seegang schlecht. Danach wurden dann noch viele Tüten verteilt, was wir Gott sei Dank nicht mitbekamen, da wir auf einer Bank mit dem Rücken zum Geschehen saßen und so die frische Seeluft genießen konnten. Glück gehabt.










Die zweite Tour am nächsten Morgen war etwas anders. Das Office war klein und familiär, was auch für das Boot galt.
Für Reisende, die den Camper auf Long Island stehen lassen und sich die zweite Fährüberfahrt nach Brier Island ersparen möchten, bietet Freeport Whale & Seabird Tours die perfekte Alternative. Das charmante Familienunternehmen wurde bereits im Jahr 1994 von Tim und Karen Crocker gegründet und im Jahr 2022 in der zweiten Generation an ihren Sohn, Kapitän Bradley Crocker, übergeben.
Die tiefe Verwurzelung der Familie in der Region spürt man in jedem Moment; hier gibt es keine angestellten Studenten oder Kotztütenangebote zu Beginn der Fahrt. Im Winter arbeitet diese Crew als traditionelle Hummerfischer auf dem Atlantik, während sie im Sommer von Anfang Juli bis Mitte September leidenschaftlich Gäste in die Bay of Fundy hinausfährt. Das sorgt an Bord für eine unheimlich authentische, entspannte und urige Atmosphäre abseits des klassischen Massentourismus.
Gefahren wird mit der MV Georgie Porgie, einem klassischen, rund 14 Meter langen Holzboot, das ursprünglich als echtes Fischerboot im Familienbesitz gebaut und später für Passagiere umgerüstet wurde. Das Boot bietet komfortable Sitzplätze, einen Waschraum an Bord und ist sogar rollstuhlgerecht ausgebaut. Die dreistündigen Touren starten täglich um 10:00 Uhr, 13:00 Uhr und 17:00 Uhr direkt vom Fährpier in Freeport. Ein seefester Hund namens Hank ist ein treuer Begleiter der Familie Crocker und gehört fest zum maritim-familiären Charme des Anbieters. Er sammelt die Fahrkarten ein und fährt mit hinaus aufs Meer. Hank ist bei den Gästen für seine treue und unterhaltsame Art absoluter Kult.
Während professionelle Naturführer die Fahrt live kommentieren und erklären, wie Buckel-, Finn- und Zwergwale das nährstoffreiche Gewässer als Sommerresidenz nutzen, steuert Kapitän Bradley auf fast jeder Fahrt auch eine lokale Seehundkolonie an, bei der man oft Hunderte von Tieren gleichzeitig beobachten kann. So weit die Theorie – das hatten wir gelesen.
Leider kam es ganz anders, denn wir sahen gar nichts. Wir fuhren auf aufgewühlter See hinaus über die grauen Wellen, stundenlang, zeitweilig in eine Nebelbank, und dann wieder zurück. Nichts. Kein Wal, kein Delfin, kein Puffin, kein Seehund. Nur Nebel, Grau und Wellen und mit Glück ab und zu mal ein paar Sturmtaucher, die im tiefen Flug knapp über dem Wasser flogen. Diese Vögel brüten im antarktischen Winter auf den einsamen Tristan-da-Cunha-Inseln im Südatlantik und fliegen für den Sommer den kompletten Atlantik hinauf bis nach Nova Scotia.
Da das Wetter am äußeren Zipfel des Digby Necks unberechenbar ist und dichter Seenebel oft die Sicht komplett nehmen kann, arbeitet das Unternehmen fair: Wir bekamen am Ende alle einen ewig gültigen Gutschein für eine zweite Tour, da wir ja nichts gesehen hatten. Wir haben also noch zwei Tickets für Senioren ab 55 Jahren. Vielleicht sind wir ja noch mal vor Ort – irgendwann.







| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Bay of Fundy | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |