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BURG BERWARTSTEIN

Auf einem Felsen in Erlenbach bei Dahn thront die im Mittelalter als uneinnehmbar geltende Burg Berwartstein, die erstmals 1152 Urkundlich erwähnt wurde. Die Burg wurde 300 Jahre nach ihrer Zerstörung durch einen Blitzschlag in den 1890er Jahren wieder aufgebaut und ist heute als einzige Burg in der Pfalz noch bewohnt. Manchmal wird sie auch Bärbelstein genannt.

Wer das Besondere liebt der kann hier sogar in zwei komfortablen Zimmern übernachten. In der Kurfürstensuite im Obergeschoss oder im Barbarossa Turm, dem Burgturm, dessen Zugang im Hof liegt. So hat man abends die Burg beinahe ganz für sich allein und am Morgen kann man dann wie ein König im historischen Rittersaal frühstücken.

Das Burgrestaurant bietet für Gruppen ein Rittermahl an, es gibt eine Fackeführung oder Senioren Kaffeeklatsch. 130 Gäste finden hier Platz. In den Sommermonaten ist die Felsterrasse mit 60 Sitzplätzen sehr beliebt.

Auf dem Berwartstein beheimatet war einst der Ritter Hans von Trotha, er führte die so geannnte Wasserfehde gegen Abt Heinrich vom Kloster Weißenburg. Dem dortigen Benediktinerorden gehörte seit 1347 Burg. Im Jahr 1453 begab sich das Kloster aber unter den Schutz des Kurfürsten von der Pfalz, womit die Einräumung des sogenannten Öffnungsrechts verbunden war. Dies hätte dem Schutzherrn im Kriegsfall die unentgeltliche Nutzung des Klosters und somit auch der Burg erlaubt.

Im Jahr 1480 übergab Kurfürst Philipp der Aufrichtige die Burg seinem Marschall Hans von Trotha zu erblichem Lehen, gegen den heftigen Protest des Klosters, das sich weiterhin als Eigentümer sah. Der neue Besitzer verstärkt die Befestigungen und macht die Burg zum Stützpunkt seiner zahlreichen, vor allem gegen Weißenburg gerichteten Kriegs- und Raubzüge. So ging er unter seinem volkstümlich verballhornten Namen Hans Trapp ins Sagengut der Region ein. Der Heerführer der gesamten Kurpfälzischen Streitkräfte wurde durch seine Untaten ebenso legendär wie seine Burg, die schnell den Mythos der Uneinnehmbarkeit hatte.

Weil das Kloster Weißenburg aber immer wieder heftig protestierte, ließ der Marshall kurzerhand den nahen Fluss Wieslauter aufstauen und entzog so dem 8 Kilometer abwärts gelegenen Städtchen Weißenburg das Wasser. Nach den zu erwartenden Beschwerden von Abt Heinrich ließ der Ritter den Staudamms wieder einreißen und verursachte in Weißenburg eine gewaltige Überschwemmung.

Das Kloster bat daraufhin Papst Innozenz VIII., gegen Hans von Trotha den Kirchenbann zu verhängen. Aber erst der Nachfolger Alexander VI. tat dies im Jahr 1499, 14 Jahre nach der sogenannten Wasserfehde. Um nicht ebenfalls dem Bann zu verfallen, musste sich sein bisheriger Gönner, der Kurfürst, von seinem Gefolgsmann lossagen. Die Ereignisse um die Wasserfehde sind im Rittersaal der Burg bildlich dargestellt.

Die Lage von Berwartstein ist wunderschön. Das idyllische Tal, das von der Burg beherrscht wird und durch das der Erlenbach fließt, mündet etwa 3 km südlich zwischen Dahn und Wissembourg ins Tal der Lauter. Wir kamen eher durch Zufall hier auf der Kreisstraße 50 vorbei und haben uns spontan für einen Abstecher und den Besuch der Burg entschlossen. Diese ist von März bis Oktober täglich täglich ab 10:00 Uhr bis 18:00/19:00 Uhr geöffnet, im Winter von November bis Februar nur an den Wochenenden.

Die Burgruine Lindelbrunn befindet sich etwa 6 km nordöstlich, die haben wir dann einen Tag später besucht. Der Berwartstein ist nicht nur für Wanderer, sondern auch für Kraftfahrzeuge erreichbar. Unterhalb der Burg befindet sich ein größerer Parkplatz, auf dem wir sofort einen freien Platz bekamen. Von hier sind es nur 10 Minuten bis zum Eingang der Burg.

Eigentlich finden hier Führungen statt, aber zu Corona Zeiten durften diese nicht durchgeführt werden. So zahlten wir Eintritt und konnten alleine durch die Burg streifen.






Rundgang

Wie viele andere Burgen der Gegend ist auch der Berwartstein eine weitgehend in den gewachsenen Sandstein gehauene Felsenburg. Die aus den Kellern, Gewölben und Zugängen gebrochenen Steine wurden in Mauern und Türmen gleich weiter verwendet. Im Dahner Felsenland findet man viele Burgen, bei dem Treppen, Gänge und Kammern aus dem Fels gemeißelt sind.

Auf den ersten Blick wirkt diese Burg wie eine vollständig erhaltene Burganlage, die Oberburg erstreckt sich hier sich über 400 m² auf einem länglichen, steil abfallenden Sandsteinfelsen. Die Gebäude sind jedoch zum Großteil eine nachträgliche Ergänzung der ursprünglichen Felsenburg und entstanden in den 1890er Jahren nicht sehr originalgetreu bei der Restaurierung.

Original erhalten ist die Südwand des 150 Personen fassenden Rittersaals aus gewachsenem Fels. Darin eingehauen ist ein Schacht, durch den die Ritter auf bequeme Weise Speisen und Getränke aus der darüberliegenden Küche heranzuschaffen konnten. Die Waffen- und die Folterkammer ist mit Replikaten von mittelalterlichen Gerätschaften ausgestattet. Oben angekommen hat man unterhalb der Spitze des Bergfrieds einen schönen Ausblick über den gesamten südwestlichen Wasgau bis ins französische Elsass hinein.

Der Burgbrunnen wurde knapp 100 Meter tief in Handarbeit senkrecht durch den Fels bis auf die Talsohle getrieben. Dieser Schacht, der seinen Durchmesser von 2 Metern durchgängig über die gesamte Tiefe beibehält, garantierte bei Belagerungen die Wasserversorgung und damit die erfolgreiche Verteidigung der Burg.

Der Garten ist auch für Besucher begehbar, hier stehen historische Katapulte und Geschütze. Man kann auch einen in die senkrechte Wand geschlagenen steilen Kamin mit einigen Felsenfenstern bestaunen, der früher der Zugang zur Burg war - fast unmöglich, dort ohne Leiter hochzukommen. Von allen anderen Burgen im Dahner Felsenland unterscheidet sich der Berwartstein durch diesen Aufstiegskamin, er ist in seiner geologischen Beschaffenheit einmalig und stellte einst einen leicht zu verteidigenden Zugang dar. Diese enge, steile und glatte Naturröhre bot damals die einzige Möglichkeit, nach oben zu gelangen. Mit Rüstung und Waffen gar nicht vorstellbar, durch diesen fast senkrechten engen Gang zu klettern, wie man auf dem Bild unten gut erkennen kann.

Vom Garten aus sahen wir dann Leute hinter einer Tür verschwinden und folgten ihnen mit einigem Abstand. Dahinter lag ein Gang in den Berg hinein und nur langsam gewöhnten sich die Augen an die Dunkelheit.

Vorsichtig und mit etwas Restlicht tasteten wir uns vorwärts, man hat hier in den Nischen entlang des Weges Kerzen angezündet, die etwas Licht spendeten. Ein tolles Erlebnis, hier ganz alleine durchzugehen. Das hat uns sehr an den Besuch im indischen Fort Daulatabad erinnert, nur gab es dort niemanden, der vorher Kerzen in Nischen stellte.

Am Ende steht man in einem etwas größeren und höheren Raum und eine Tür führt in den Burghof und zurück zum Eingang. Hier konnten sich wohl die Verteidiger unbemerkt sammeln und einen überraschenden Ausfall durchführen.







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