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DER WEG NACH SUSQUES

Diese Seite beschreibt den dritten Teil einer Tagesetappe, die uns von Cachi durch das schöne Tal von La Poma führte. Dann überquerten wir den Abra del Acay, einen 4.895 Meter hohen Pass und den geographischen Höhepunkt aller unserer Reisen. Nach weiteren 30 Kilometern kam der kleine Ort San Antonio de los Cobres in Sicht, ein staubiges Puna-Städtchen in 3.775 Meter Höhe. Der Ort wirkt ziemlich trostlos und viel zu sehen gab es hier nicht. Hier oben gibt es nur ein vernünftiges Hotel mit Restaurant, die Hosteria a las Nubes. Wir wollten aber an diesem Tag noch ein gutes Stück weiter bis nach Susques, wo wir im Hotel El Unquillar ein Zimmer reserviert hatten.

Von April bis November ist San Antonio de los Cobres Ziel einer großen Touristenattraktion: dem Tren a las Nubes. Dies ist ein Touristenzug, der die Besucher von Salta aus immer weiter hinauf befördert, bis in über 4.000 Meter Höhe der Scheiteltunnel durchfahren wird und man die offene Puna erreicht.

Im Juli 2005 blieb ein Zug mit defekter Lok und ohne Energieversorgung und Heizung bei Minustemperaturen auf dem Viaducto La Polvorilla stehen. Dieser gefährliche Vorfall führte zum Entzug der Betriebskonzession, erst ab März 2008 fährt der Zug wieder unter der Regie einer neuen Betreibergesellschaft.

Der Zug zu den Wolken verlässt den Bahnhof von Salta dreimal in der Woche (Mittwoch, Freitag und Sonntag) morgens um sieben und fährt bis zum Polvorilla-Viadukt, von wo er seine Rückfahrt antritt. Die Reise dauert zwischen 12 und 14 Stunden, führt 217 Kilometer weit überwindet als 3.000 Höhenmeter.

Die Eisenbahnstrecke wurde vom US-amerikanischen Ingenieur Ricardo Fontaine Maury geplant und gebaut. Ganz ohne Zahnräder, nur mit Hilfe der ausgefeilten Streckenführung und mit der Kraft des Dieselmotors der Lok schraubt sich der Zug bis auf rund 4.200 Meter in die Andenregion hinauf. 27 Jahre lang verlegten hier teilweise mehr als 1.500 Arbeiter Schwellen und Schienen quer durch die unwirtliche Landschaft, in der das Atmen schwer fällt in der dünnen Luft. Gebaut wurden 31 Brücken, 21 Tunnel, 13 Viadukte, 2 Kehrschleifen, zwei Spitzkehren und man passiert dabei 21 Stationen. An einigen Stellen schiebt die Lokomotive die Waggons in Zick-Zack-Kehren die Steigungen hinauf.

Der Tren a las Nubes setzt sich aus einer dieselbetriebenen Hauptlok und zehn Wagen zusammen. 2009 wurden die letzten Mitteleinstiegswagen mit Baujahren zwischen 1945 und 1954 in der Schweiz gekauft und importiert, sie sollen als zweiter Zug eingesetzt werden.

Die ursprünglich Ramal C-14 genannte Eisenbahnstrecke führt noch weiter - allerdings heute ganz ohne Passagierverkehr - nach Antofagasta an der Küste zum pazifischen Ozean in Chile. Die Eisenbahnlinie hat in Antofagasta eine Fortsetzung bis nach Iquique, hauptsächlich zum Transport von Salpeter angelegt. 1921 war mit dem Bau der Strecke begonnen worden und nach ihrer Fertigstellung verkehrte bis 1981 einmal in der Woche ein Personenzug mit Schlaf- und Sitzwagen zwischen Salta und Antofagasta. Die Idee, so die in der Region gewonnen Bodenschätze auf direktem Wege in den Hafen des chilenischen Antofagasta zu transportieren, wurde leider auf Dauer nicht von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt. Die neuen Luft- und Straßentransportwege wurde schnell zu Konkurrenz.

Mehr zum Thema Eisenbahn in Argentinien und ihrem Untergang in diesem interessanten Artikel aus der Süddeutschen Zeitung.



Viadukt

Auch wir wollten uns natürlich das Viadukt La Polvorilla ansehen, der Weg nach Susques führte direkt daran vorbei. Die Stahlspannbrücke liegt ein wenig außerhalb des Ortes auf 4.144 Metern Höhe und ist natürlich mal wieder ziemlich schlecht ausgeschildert. Auf dem Weg stadtauswärts wurden wir von riesigen Lastern überholt, die uns in dichte Staubwolken hüllten. Sie fahren zu den Minen, die entlang der Grenze zu Chile liegen. Dann kam irgendwo ein kleines Schild am Straßenrand, das den Weg zum Viadukt anzeigte. So klein, dass wir erst einmal daran vorbei gefahren sind.

Kurz hinter dem Abzweig endete die Straße in einer wilden Schotterhalde und mit zahlreichen frischen Fahrwegen, die zu diversen neuen Strommasten führten. Teilweise waren diese Wege extrem steil, dies konnte nicht die offizielle Strasse sein. Nach einigem Herumsuchen fanden wir dann ein paar Fahrspuren, die sich in gewohntem Stil ducht die Hügel schlängelten, denen folgten wir dann. Mehr durch Zufall sahen wir dann endlich einige Hügel später das Viadukt vor uns. Im Jahr 1921 wurde die Strecke unter hohen Kosten und technischen Schwierigkeiten hergestellt, um Salta mit den Minen im argentinischen und chilenischen Hochland zu verbinden. Die 70 Meter hohe Konstruktion sieht von unten durchaus beeindruckend aus. Heute fahren hier nur noch wenige Züge und die Zugstrecke ist leider zu einer teuren Touristenattraktion geworden, die sich die Einheimischen schon lange nicht mehr leisten können und deren Sinn sie auch nicht einsehen. Bezahlen können die Fahrt nur reiche Touristen aus Buenos Aires oder Übersee.

Unterhalb vom Viadukt saßen ein paar Händler mit dem ortsüblichen Angebot an einem gemauerten Häuschen, die einzigen Besucher fuhren gerade ab, als wir ankamen. Unter dem Viadukt hindurch führt eine schmale Straße, die man eher als Feldweg bezeichnen würde. Sie führt weiter durch das enge Tal, es gibt aber mal wieder keinen einzigen Wegweiser wohin der Weg führt. Wir fragten eine der Verkäuferinnen, die gerade ihre Sachen zusammen packte ob dies der Weg nach Susques sei, was sie bestätigte. Angesichts der dünnen Luft und der über 100 Kilometer Schotterstrecke, die noch vor uns lagen, haben wir es uns verkniffen, zum Eisenbahngleis hinauf zu klettern, es gibt aber einen Fußweg.

Mit einem komischen Gefühl im Bauch folgten wir dann dem engen Tal. Unterwegs konnten wir kleine, grüne Papageien auf de Büschen entdecken und die "Straße" wurde immer holperiger und schlechter. Erst als wir aus dem Tal heraus waren wurde es etwas besser, ohne Allrad und Bodenfreiheit hätten wir uns bis hierher nicht getraut. Um so größer war dann die Überraschung, als wir die Provinzgrenze überquerten. Eben noch in Salta auf einem Weg, der aus zwei Fahrspuren bestand, entwickelte sich die Piste direkt hinter der Provinzgrenze nach Jujuy zu einer breiten, zweispurigen und sehr gepflegten Schotterpiste.



Ruta 40 nuevo

Laut unserer Karte befanden wir uns auf der Ruta Provincial 74, um so erstaunter waren wir über ein Schild, auf dem die magische Nummer 40 prangte. Laut unserer Information befand sich die Ruta 40 doch über 100 Kilometer weiter östlich. Doch schon im Jahr 2005 entschloss man sich den so genannten "corredor minero" weiter im Westen zur neuen Ruta 40 zu machen. So geht die Strecke heute nicht mehr von San Antonio de los Cobres über die großen Salzseen bis Abra Pampa, wo sie bisher endete. Die neue Ruta 40, die wir hier eher zufällig ein ganzes Stück befuhren, verläuft nun tatsächlich durch den Viadukt La Polvorilla hindurch, über das hochgelegene Punadorf Susques und von dort aus weiter nordwärts durch das pittoreske Valle de Marte, über Cusi Cusi und Santa Catalina bis La Quiaca an der Grenze zu Bolivien.

Das nagelneue Schild hatte also Recht, kam aber leider etwas spät. Wir hätten es schon am Viadukt oder schon an der Abzweigung davor erwartet. Auf der nun sehr gut zu befahrenden Straße kamen wir schnell vorwärts, dabei zogen wir eine riesige Staubfahne hinter uns her. Bleibt zu erwähnen, dass wir die komplette Strecke lang das einzige Auto waren. Eine beeindruckende Wegmarke ist der riesige, 5.520 Meter hohe Vulkan Tuzgle, an dem die Ruta 40 vorbei führt. Er ist ein echter Bilderbuchvulkan mit gut erhaltenem Krater und mit frisch aussehenden dunklen Lavazungen auf der Flanke. Es handelt sich um den östlichsten jungen Stratovulkan der zentralen Anden. Das man dort sehr gut klettern kann, zeigt das Video unten. Eine Gruppe Kletterer aus Grenoble erschließt dicke Flesklötze im Tal und Routen im kupferfarbenen Vulkangestein rund um den Vulkan.

Uns hat die ganze Szenerie auch ziemlich beeindruckt. Die Straße folgt einem kleinen, kalten Fluss durch ein nettes Tal und ab und zu fließt das Wasser auh mal über die Straße. Riesige Felsbrocken liegen hier in der Gegend herum. Einige sind wirklich beeindruckend groß, daneben sah unser Auto zierlich aus. Am Wasser gab es teilweise noch ein wenig Eis am Rand. Trotzdem konnten wir ein paar kleine Enten beobachten, die uns misstrauisch beäugten und hintereinander durch das Gras liefen. Hier kamen uns auch ein paar Mopeds mit Einheimischen entgegen, der erste Gegenverkehr seit San Antonio de los Cobres.

Schließlich endet das felsige Flußtal und eine flache weite Ebene beginnt. Schnurgerade und topfeben verläuft die Strasse hier und man kann richtig rasen. Nach 45 Kilometern ab dem Viadukt erreicht man Sey, ein kleines Dorf mitten im leeren Nichts. Die Häuser sind rötlich aus Lehm und die Menschen hier leben sehr ärmlich. In der Umgebung ziehen Lama-Herden, Schafe und Ziegen umher, die hier als Nutzvieh gehalten werden. Auf der mindestens 3.500 Meter hohen Puna mit dem noch von seinen Ureinwohnern bevölkerten Hochplateau liegen nur noch zwei weitere kleine Orte namens Pastos Chicos und Huancar am Wegrand, weit weg von jeglicher Zivilisation.

In einem Hinterhof in Huancar konnte man von einem Hügel aus einen bedeutenden Freizeitspaß der Region erkennen: Auf der Wäscheleine trockneten die bunten Trikots der lokalen Fußballvereine. Ab Huancar wird es wieder etwas kurviger und bergiger. Der kleine Bach in den Bergen hat sich inzwischen zu einem ordentlichen Fluß gemausert und zwingt mit seinen Erosionstälern die Straße auf und ab und hin und her.

Am späten Nachmittag erreichte wir dann Susques. Nicht den Ort, denn die Ruta 40 mündete auf der asphaltierten Ruta 52 und nur wenige Meter von der Einmündung rechts und noch vor dem Ort Susques lag schon in einsamer Landschaft das von uns vorgebuchte Hotel El Unquillar. Nach langer Fahrt voller Höhepunkte hatten wir unser Tagesziel erreicht.



Google Map zum Thema

Viadukt La Polvorilla


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Video zum Thema

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