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SPAZIERGÄNGE

Während des Aufenthalts in der Unterkunft Hidden Lake Cottages in Sigiriya im Februar 2026 zeigte sich das Wetter von einer äußerst unbeständigen Seite, da die Region von häufigen und intensiven Regenfällen heimgesucht wurde. Diese Wetterlage begleitete uns bereits seit dem Hochland und besserte sich erst am Tag unserer Abreise nach Anuradhapura.

Besonders in den frühen Morgenstunden, die eigentlich für den Aufstieg auf die markanten Felsformationen vorgesehen waren, setzten oft schwere Schauer ein. Dies betraf sowohl den berühmten Löwenfelsen als auch den benachbarten Pidurangala Rock, der für seine Panoramaaussicht bekannt ist. Ein tragisches Ereignis wenige Tage vor unserer Ankunft, bei dem ein Tourist auf dem Rückweg zur Unterkunft im Dunkel von einem wilden Elefanten attackiert und getötet wurde, mahnte zusätzlich zur Vorsicht. Die massiven Granitblöcke waren zu dieser Zeit regelmäßig in dichte Wolken gehüllt, was die Sicht auf ein Minimum reduzierte und die Umgebung in ein eintöniges Grau tauchte.

Aufgrund dieser klimatischen Bedingungen gab es mehrere triftige Gründe, auf die Besteigung der beiden Gipfel zu verzichten. Ein wesentlicher Aspekt war die Sicherheit, da die steilen Steinstufen und schmalen Pfade durch die Nässe extrem rutschig wurden. Zudem hätte die dichte Wolkendecke jegliche Aussicht über die Ebene unmöglich gemacht, sodass die Mühen des Aufstiegs in keinem Verhältnis zum visuellen Erlebnis und zum Eintrittspreis von insgesamt 60 US-Dollar gestanden hätten.

Bei einer derart eingeschränkten Fernsicht verliert das Plateau seine eigentliche Faszination, da man lediglich im Nebel gestanden hätte, ohne die architektonische Pracht der Ruinen oder die umliegende Dschungellandschaft erfassen zu können.

Statt sich der körperlichen Anstrengung bei strömendem Regen auszusetzen, erschien es weitaus sinnvoller, die Zeit für alternative Aktivitäten zu nutzen. Anstatt auf glitschigen Leitern gegen den Wind anzukämpfen, besuchten wir den Höhlentempel und den Großmarkt in Dambulla.

An einem Tag mit nur kurzen Schauern buchten wir eine Safari in den Hurulu Eco Park. Wir haben die Entscheidung, das Risiko und die Enttäuschung über die fehlende Aussicht zu vermeiden und den Anblick der imposanten Felsen lieber trocken aus der Ferne zu genießen, nicht bereut.

So haben wir einen sehr guten Grund, diese Region in der Zukunft erneut zu besuchen.

Wann immer es das Wetter zuließ, unternahmen wir kleine Spaziergänge in der Umgebung der Unterkunft. Hinter dem Dorf liegen viele Felder, die zahlreiche Vögel anziehen. Leider konnten wir die Wege abseits der asphaltierten Landstraße kaum nutzen, da sie durch die Regenfälle in der Nacht sehr matschig und voller Pfützen waren.

Da es auf dem Hauptweg aber nur sehr wenig Verkehr gab konnten wir einige Vögel beobachten, auch wenn die Lichtverhältnisse zum Fotografieren nicht immer optimal waren.








Palutawa Maha Wewa

Ganz in der Nähe unserer Unterkunft gab es einen künstlich angelegten See namens Palutawa Maha Wewa. Der Begriff Wewa (englisch Tank) bezeichnet in Sri Lanka die antiken künstlichen Stauseen, die bereits vor über tausend Jahren angelegt wurden, um Regenwasser für den Reisanbau zu speichern. Der Palutawa Maha Wewa liegt in einer sehr ländlichen, fast unberührten Gegend, nur etwa 15 bis 20 Minuten von den Felsen von Sigiriya und Pidurangala entfernt.

Wenn am Abend oder am Morgen nach dem Regen kurz die Sonne herauskam, sind wir hier gerne spazieren gegangen. Der Weg führte ein Stück entlqang die Hauptstraße, vorbei an vielen freundlich grüßenden Menschen, bis man in einen durch den vielen Regen matschigen Weg voller Pfützen einbog. Während die Hauptattraktionen der Region oft überlaufen sind, bietet dieser See eine tiefe Ruhe. Von den Ufern aus hat man, je nach Position, einen Blick auf den Sigiriya-Felsen und den Pidurangala Rock in der Ferne.

Die Bodenbeschaffenheit wurde besser, sobald man den See erreicht hatte. Hier läuft man auf einem Damm, auf der linken tieferliegenden Seite von Gebüsch und Reisfeldern flankiert, auf der rechten Seite von der Uferzone mit alten Bäumen und Rietgras, in der sich viele Vögel und auch Affen tummeln.

Fast direkt am Seeufer liegt nur eine einzige kleine Unterkunft, weiter hinten leben Bauern, die ihre Felder bestellen. Manchmal kommen Angler mit dem Tuk-Tuk oder Motorrad an das Ufer, ansonsten ist hier kaum Verkehr vorhanden. Wir konnten ganz in Ruhe Vögel wie Fischadler, diverse Reiher und Kormorane beobachten, während in den Feldern und auf dem Weg zahlreiche Pfaue umherliefen. Auf dem See war ein einsamer Fischer unterwegs.

Besonders gefreut hat uns, dass wir hier endlich einmal einen Kuckuck nicht nur sehen, sondern sogar fotografieren konnten. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sich hier jedoch nicht mehr aufhalten, da man Gefahr läuft, auf wilde Elefanten zu treffen.

Oft fahren Touristen achtlos an solchen Orten vorbei, dabei sind es gerade diese Wewas, die die Seele der srilankischen Kulturlandschaft ausmachen. Die Bewohner der Umgebung leben seit Generationen von der Landwirtschaft, die durch den Maha Wewa ermöglicht wird. Er stellt sicher, dass die umliegenden Reisfelder auch in der Trockenzeit mit ausreichend Wasser versorgt werden.








Kampf um die Felder

Wenn die Erntezeit in den ländlichen Regionen rund um Sigiriya und Polonnaruwa beginnt, verwandeln sich die Reisfelder in eine Bühne für einen jahrhundertealten Überlebenskampf. Für die Bauern der Region bedeutet diese Phase nicht nur harte körperliche Arbeit, sondern vor allem schlaflose Nächte. Sobald die Ähren golden auf den Halmen stehen, lockt ihr Duft die größten wilden Elefanten an.

Um ihre Existenzgrundlage zu schützen, errichten die Bauern provisorische Wachtürme, die sogenannten Kulas, direkt am Rand oder inmitten ihrer Felder. Im Umkreis vom S ee kann man zahlreiche sehen. Es sind einfache Holzkonstruktionen in den Baumkronen, sie bieten den einzigen Schutz vor den grauen Riesen. Während der Erntewochen übernachten die Männer auf den Feldern, um beim ersten Knacken im Unterholz oder dem charakteristischen Grollen der Elefanten sofort einsatzbereit zu sein.

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In der Dunkelheit wird die Stille oft unterbrochen. Sobald eine Elefantenherde versucht, die schützende Waldgrenze zu überschreiten, um sich an dem nahrhaften Reis gütlich zu tun, müssen die Bauern schnell reagieren. Eine einzige Herde kann innerhalb einer Nacht die Arbeit eines halben Jahres vernichten, indem sie die Felder nicht nur kahl frisst, sondern die empfindlichen Pflanzen auch niederrampelt.

Das wichtigste Instrument der Bauern in dieser nächtlichen Verteidigung sind Lärm und Licht. Spezielle Feuerwerkskörper, in Sri Lanka als Ali Wedi oder Elefanten-Kracher bekannt, werden eingesetzt, um die Tiere zu vertreiben. Es handelt sich dabei um extrem laute Böller, die einen grellen Lichtblitz erzeugen.

Sobald ein Elefant gesichtet wird, zünden die Bauern diese Kracher. Das Ziel ist es, die Tiere durch den plötzlichen Lärm und das ungewohnte Licht zu erschrecken und sie so zurück in den dichten Wald zu drängen, ohne sie physisch zu verletzen. In solchen Nächten gleicht die Umgebung von Orten wie Palutawa oft einem kleinen Schlachtfeld: das Echo der Explosionen hallt kilometerweit durch die feuchte Nachtluft.

Dieser nächtliche Einsatz ist für die Bauern lebensgefährlich. Elefanten sind hochintelligent und verlieren bei häufigem Kontakt mit Menschen oft ihre natürliche Scheu vor den Böllern. Manchmal lassen sie sich nicht mehr so leicht beeindrucken, was die Konfrontationen immer riskanter macht. Wenn am Morgen die Sonne aufgeht und die Kracher verstummen, ist es für die Bauern ein Sieg, wenn die Felder noch unversehrt sind. Bis die nächste Nacht anbricht.






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