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ATLANTIKKÜCHE 2026

Wir haben in den Atlantikprovinzen im Camper meist selbst gekocht und viele leckere Sachen gegessen, in diesem Urlaub fanden wir es auch nicht sehr teuer. Im Jahr 2018 waren wir doch etwas geschockt von den Preisen in British Columbia, aber auch bei uns in Deutschland ist ja leider in den letzten Jahren vieles sehr teuer geworden und so ist der Unterschied mittlerweile auch nicht mehr ganz so groß.

Während Deutschland weltweit für seine extrem effiziente und durch Discounter hart umkämpfte, günstige Lebensmittelstruktur bekannt ist, leidet Kanada unter einer hohen Marktkonzentration weniger Ketten, extrem langen Transportwegen und staatlichen Regulierungen.

Einiges ist in Kanada immer noch etwas viel teurer als bei uns zu Hause. Ein echter Preisschock für Europäer sind immer die Milchprodukte. Durch das kanadische System der Mengensteuerung kontrolliert der Staat die Produktionsmengen und erhebt immense Importzölle auf ausländischen Käse.

Ein Block Standard-Cheddar oder einfacher Gouda kostet oft das Zwei- bis Dreifache des deutschen Preises, Joghurt und Butter sind ebenfalls Premium-Produkte. Ein Liter Kefir kostete im Sonderabgebot bei Abnahme von 2 Packungen 5 Dollar.

Anderes ist günstiger oder genau so teuer wie bei uns, vor allem wenn man eine Grundausstattung beim Walmart Superstore einkauft: Eiscreme, Gewürze, frischer Fisch, Kammmuscheln, Lobster, Dosen mit Bohnen oder Kichererbsen. Wir haben viel Fisch gegessen, der gefroren aber oft auch aus Asien oder Südamerika importiert wurde wie Thunfisch-Steaks oder MahiMahi. Frischen Atlantiklachs kauft man in Nova Scotia am besten nicht tiefgefroren, sondern direkt an der Fischtheke im Atlantic Superstore. Rindfleisch und vor allem Hähnchenbrust sind stark im Preis gestiegen. Hähnchenbrust fällt ebenfalls unter das Supply Management, weshalb die Preise künstlich hoch gehalten werden, um lokale Farmen zu schützen. Lecker fanden wir Bison Hackfleisch, ideal für Bolognese oder Hackbällchen. Ein einziges Mal haben wir etwas Rinderfillet gesehen für über 100 CAD das Kilogramm.

Generell gibt es viele Sonderangebote und oft wie bei uns auch heruntergesetzte Frischware, die ein paar Tage später abläüft, wenn man flexibel ist. Angenehm, dass man in den Supermärkten wie Sobey´s, Dominion, Atlatic Superstore, Walmart, Foodland oder Independent hier in Kanada keine Clubkarte braucht, um die ausgepreisten Angebote auch zu erhalten. Während US-Supermärkte Sonderangebote fast immer stur an eine physische Kundenkarte koppeln, sind die wöchentlichen Flyer-Angebote in Kanada in der Regel für jeden Kunden frei zugänglich und werden automatisch an der Kasse abgezogen. Clubkarten sind zum Sammeln von Punkten erhältlich. Es gibt auch Eigenmarken, die gut und günstig sind.

Wer in Großmärkten wie Costco oder The Real Canadian Superstore in rauen Mengen einkauft, drückt den Einzelpreis drastisch. Große XL-Packungen an Tiefkühl-Snacks, Pommes, Pizza oder asiatischen Fertiggerichten sind in Kanada viel günstiger als die kleineren Packungsgrößen in Deutschland. Das kommt aber für Urlauber mit Camper nicht in Frage, daher sollte man sich für die kleineren Packungen immer mit einem höhren Preisniveau abfinden. Eine 3 Liter Eispackung passt gar nicht in das Gefrierfach, also greift man zu den kleineren Mengen und ist damit natürlich immer teurer.

Auf den lokalen Bauernmärkten, die in vielen Regionen oft am Wochenende zu finden sind, lassen sich hervorragende regionale Zutaten wie frischer Fisch, Beeren oder knackiges Gemüse einkaufen. Auch in kleinen Lädchen mit selbstgemachten Chutneys, Marmeladen oder Senf aus der Region lohnt es sich immer zu stöbern.

Klassische, handwerklich gebackene Brote mit fester Kruste gibt es mittlerweile auch in den Supermärkten und in einigen Bäckereien, sie kosten oft zwischen 6 und 9 CAD. Günstig ist immer noch das weiche, wattige Toastbrot, das wir aber nicht ein einziges Mal gekauft haben. Gute Quellen sind immer die örtlichen Farmers Markets, so wie der in Wolfville.







Gerichte

Da der Platz und die Kochgelegenheiten in einem Wohnmobil auf die drei Gasflammen begrenzt sind, bieten sich unkomplizierte Gerichte an, die schnell gelingen. So haben wir hier vorgekochten Reis oder vorgekochte Nudeln gekauft und das Kartoffelpüree auch mal als Pulver aus dem Beutel zubereitet, was wir zu Hause nie machen. Im Camper spart das aber nicht nur Zeit und Platz, sondern auch viel Gas für die Zubereitung.

Ein klassisches Pfannengericht mit frischem Lachs oder Scallops lässt sich wunderbar in einer Pfanne zubereiten. Für Eiergerichte am Morgen haben wir uns extra eine kleine, beschichtete Pfanne gekauft - meht dazu unter der Seite Zusatzkäufe. Damit ist mir das Rührei so gut gelungen wie selten.

Ahornsirup ist das flüssige Gold Kanadas und in seiner Heimat natürlich wesentlich erschwinglicher als in Europa und wird in jedem Supermarkt in großen Kannen zu fairen Preisen verkauft. Wir haben aber keinen gekauft, da wir ihn nicht so gerne mögen und auch am Morgen keine Pfannkuchen oder ähnliches essen.

Frittiertes und gefrorene Fertiggerichte haben wir so gut wie gar nicht gekauft, da der Gasofen nicht perfekt funktionierte und man vieles davon auch nicht gut in der Pfanne zubereiten kann.

Wer sagt, dass man beim Camping auf kulinarischen Genuss verzichten muss? Unsere Reise durch den Osten Kanadas war nicht nur landschaftlich, sondern auch geschmacklich ein absolutes Abenteuer. Um zu zeigen, wie abwechslungsreich, frisch und lecker die Küche im Truck-Camper sein kann, haben wir ein kleines kulinarisches Logbuch über unsere Gerichte geführt. Auch in einem Camper konnten wir jeden Abend ein richtiges leckeres Essen zaubern.

Der ganz große Pluspunkt in Nova Scotia und Neufundland ist natürlich der direkte Zugang zu erstklassigen, fangfrischen Meeresfrüchten. Ob frischer Lachs, zarte Jakobsmuscheln (Scallops) oder die legendären Hummerbrötchen (Lobster Rolls), die wir uns bei unseren Zwischenstopps in lokalen Restaurants wie in Halls Harbour oder am Leuchtturm von Yarmouth gegönnt haben: die Qualität der regionalen Zutaten ist einfach unschlagbar. Kombiniert mit praktischen asiatischen oder indischen Saucen für schnelle Curries, frischen Beeren aus der Region und ab und zu einem gemütlichen Essen im Restaurant, ist diese abwechslungsreiche Liste aus vollen acht Wochen Camper-Leben entstanden: Bis auf die vorgekochten Bratkartoffeln, die zu mehlig waren, und die zu salzigen Geflügelwürstchen hat alles gut geschmeckt.

Frischer Atlantik-Lachs mit Salat und Brot
Butterchicken mit Tilda Reis
Lachs (Sonderangebot) mit Tilda Reis
Lunch in Halls Harbour: Lobster Roll und Lobster Mac 'n' Cheese
Steak mit Garlic-Kartoffelpüree und gebratenen Schalotten
Seafood-Lasagne und Pasta im Fundy Restaurant in Digby
Thai Red Curry mit Rindfleisch, Ingwer und Tilda Reis
Frische Pasta mit Öl, Chili, Knoblauch und Shrimps
Pizza essen beim Libanesen in Lunenburg
Angebote Independent: Tempura Shrimps, Gnocchi mit Spinat und Huhn und frische Erdbeeren
Großes Hüftsteak mit Tomatensalat
Indische Sauce mit Huhn, grünen Bohnen und Reis
Salat mit Oliven und Hühnchen Shawarma aus dem Sonderangebot
Würstchen mit Püree und frischem Sauerkraut aus Lunenburg
Nudeln mit Pesto, Feta und Tomaten
Nudeln mit Bison-Hackfleisch und Tomatensalsa
Steak mit Garlic-Kartoffelpüree und grünen Bohnen
Fertiggericht Rana Nudeln mit Pilzen und Huhn (schnell)
Geflügelwürstchen mit Salat aus bunten Bohnen und Schalotten
Gemischte Meeresfrüchte und Fische mit Reis und Salat
Thunfisch-Steaks mit Brot und Tomatensalat
Auflauf mit Rote Bete, Kartoffeln und Feta-Käse
Scharfes Huhn mit Madras Curry und Kichererbsen
Scallops mit Nudeln und Zitronensauce
Salat mit Tomate, Oliven und Gurke, dazu gebratene Hähnchenbrust
Grüne Spinatravioli mit Pesto-Labne-Sauce
Grüne-Bohnen-Salat und aufgewärmte, eingefrorene Pizzareste
Lunch in Sallys Cove: Moose Burger und Fritten
Thunfisch-Steaks mit Nudeln und Tomatensalat
Hähnchen mit Madras Curry, Augenbohnen und Reis
Lachs mit Gemüsereis
Selbstgemachte Frikadellen mit Püree und Gemüse
Butterchicken mit Jasminreis
Frikadellen mit griechischem Salat
Nudeln mit Hähnchen (vorgebraten aus dem Kühlregal)
Mac 'n' Cheese (Independent Angebot) und Eis mit frischen Beeren
Bolognese Sauce mit Nudelnestern
Lachs mit Nudeln und Pesto
Lachs mit Zitronenreis
Würstchen mit Püree und frischem Sauerkraut aus Lunenburg
Nudeln mit Feta und Kalamanta-Oliven
Thunfisch mit Ravioli, Sauce und Salat aus Gurken und Tomaten
Greek Salat mit Baguette und Erdbeeren
Reis mit Hacksauce und den Resten vom Salat
Scallops mit Kokosreis und frischer Mangosauce
Lachs mit Kokosreis und Gurkensalat
Marokko-Würstchen mit Naan und Dal Makani
Frikadellen mit Püree und gebratenen Zwiebeln
Lunch in Yarmouth Leuchtturm: Chicken-Sandwich und Lobster Roll
Thunfisch und Lachs Tataki mit gefüllten Ravioli und Mango Chutney
Kartoffeln vorgekocht (gewöhnungsbedürftig) mit Frikadellen und Tomatensalat
Lachs mit Püree und gebratener Paprika
Restessen am letzten Tag





Getränke

Bier, Wein und Spirituosen sind extrem hoch besteuert und dürfen in den meisten Provinzen nur in staatlich lizensierten Fachgeschäften (Liquor Stores) verkauft werden. Eine günstige Flasche Wein für 3 bis 4 Euro wie im deutschen Discounter existiert in Kanada nicht, unter 12 bis 15 CAD wird es schwierig.

Trotzdem hat sich Nova Scotia hat sich in den letzten Jahren zu einer echten Top-Adresse für Weinliebhaber entwickelt. Das kühle Atlantikklima und die mineralischen Basaltböden bieten perfekte Bedingungen für spritzige, aromatische Weißweine. Das absolute Aushängeschild der Provinz ist der Tidal Bay. Dies ist der erste offiziell geschützte Appellationswein Nova Scotias. Um diesen Namen tragen zu dürfen, muss der Wein strengen Kriterien entsprechen: Er muss zu 100 % aus in der Provinz gewachsenen Trauben (wie L’Acadie Blanc, Seyval Blanc oder Vidal) bestehen, knackig frisch, säurebetont und extrem mineralisch sein. Er schmeckt sprichwörtlich wie die salzige Meeresbrise der Bay of Fundy und ist der ultimative Begleiter zu fangfrischem Fisch und Meeresfrüchten. Neben dem Tidal Bay haben uns auf unserer Tour aber auch die kräftigen Rotweine aus der Baco-Noir-Traube und die hervorragenden Schaumweine von Weingütern wie Benjamin Bridge, Luckett Vineyards oder Grand Pré begeistert. Hier ist unsere ganz persönliche Weingenuss-Chronik aus acht Wochen Camper-Leben:

Weinname Winzer / Weingut Land
Alvis Drift Viognier Alvi's Drift Südafrika
Amlaya Salta Calchaquí Valley Bodega Amalaya Argentinien
Baco Noir Blomidon Estate Winery Kanada (Nova Scotia)
Benjamin Bridge Sparkling / Sekt Benjamin Bridge Kanada (Nova Scotia)
Blanc de Noir Boschendal Südafrika
Cabernet Sauvignon Jost Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Castel Domaine de Grand Pré Kanada (Nova Scotia)
Cigar Box Malbec Cigar Box Wines Argentinien
Dark Ale / Brown Ale (Craft Bier) Lokale Brauerei Kanada
Ducks Crossing Malbec Ducks Crossing Australien
Ducks Crossing Sauvignon Blanc Ducks Crossing Australien
Edmundo Cabernet Sauvignon Edmundo / Bodegas Argentinien
Goats do Roam Red Goats do Roam (Fairview) Südafrika
Grape Thief Weiß Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Lucie Kuhlmann Gaspereau Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Malbec Ducks Crossing Australien
Ortega Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Oyster Bay Sauvignon Blanc Oyster Bay Neuseeland
Phonbox Red Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Riesling Domaine de Grand Pré Kanada (Nova Scotia)
Rosé Gaspereau Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Rosé Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Roter Beeren- / Obstwein Neufundland Weingut (z. B. Rodrigues) Kanada (Neufundland)
Shiraz Cabernet Grand Banker Australien
Small Lot Rot Gaspereau Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Sutherland Elgin Chardonnay Thelema Mountain Vineyard Südafrika
Tidal Bay Gaspereau Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Tidal Bay Jost Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Tidal Bay Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Tidal Bay Domaine de Grand Pré Kanada (Nova Scotia)
Triumphe Red Luckett Vineyards Kanada (Nova Scotia)
Wistling Duck Chardonnay Whistling Duck Australien / Südafrika

Neben der beeindruckenden Weinszene darf man an Kanadas Atlantikküste eines auf keinen Fall verpassen: die phänomenale Welt der Microbreweries (Mikrobrauereien) und des lokalen Ciders. Nova Scotia und Neufundland erleben seit einigen Jahren einen beispiellosen Craft-Bier-Boom. Fast jedes noch so kleine Fischerdorf hat heute seine eigene, unabhängige Brauerei mit angeschlossenem Ausschank (Taproom). Die Brauer sind extrem experimentierfreudig – in Nova Scotia stößt man neben klassischen IPAs oder Stouts nicht selten auf Zutaten wie Ahornsirup, Fichtennadeln, Blaubeeren oder im Falle der Big Spruce Brewing sogar auf das Mitbrauen von echten Hummer-Schalen!

Zur legendären Quidi Vidi Brewery, die malerisch in einer winzigen, von Klippen umschlossenen Bucht direkt am Rande der Hauptstadt Newfounlands St. John’s liegt sind wir auf Grund des Unfalls leider nicht mehr gekommen. Die Quidi Vidi Brewery nutzt für ihr berühmtes Iceberg Lager echtes Wasser von arktischen Eisbergen, reiner und geschichtsträchtiger kann ein Brauwasser kaum sein.

Allerdings muss man sich auf einen handfesten Preisschock einstellen, denn Bier ist an der Atlantikküste ein echtes Luxusgut. Nova Scotia gilt statistisch als die teuerste Provinz in ganz Kanada, wenn es um Gerstensaft geht: Ein einfacher 24er-Karton kommerzielles Dosenbier im Laden schlägt mit weit über 55 CAD zu Buche. In den Microbreweries und Taprooms zahlt man für eine einzelne 473-ml-Dose (Tall Can) im Straßenverkauf meist zwischen 5,00 und 6,50 CAD.

Trinkt man das Bier frisch vom Fass als Pint (das sind ca. 568 ml) vor Ort, liegt der Preis standardmäßig bei 8,50 bis 10,50 CAD. Und da sind die obligatorische Steuer und das übliche Trinkgeld von 15 bis 20 % noch gar nicht mit eingerechnet. Craft-Bier kauft man am besten direkt in die Brauereien oder in den staatlichen NSLC-Geschäften.

Wer eine erfrischende Alternative zum oft sehr hopfenlastigen Craft-Bier sucht, wird beim Thema Cider sicher glücklich. Das absolute Epizentrum der Cider-Produktion ist das fruchtbare Annapolis Valley in Nova Scotia, das für seine jahrhundertealten Apfelplantagen berühmt ist. Die Sorten werden oft verfeinert mit Earl-Grey-Tees, Rhabarber, Kirschen oder Cranberries haben überhaupt nichts mit den klebrig-süßen Industrie-Cidern aus Europa zu tun. Sie sind trocken, fruchtig und spritzig, aber ebenfalls nicht gerade günstig.

Auch in Neufundland zieht die Szene rasant nach, wie die Newfoundland Cider Company in Clarenville Apfelweine produziert, die sie mit wilden, handverlesenen Insel-Zutaten wie Moltebeeren (Bakeapples) verfeinern.

Wir sind beide keine Fans vom Cider, Michael mag ihn gar nicht und ich habe auch nur zwei Mal welchen probiert. Für den verlangten Preis habe ich dann doch lieber ein Bier getrunken.







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