| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Kejimkujik Nationalpark | Site-Map | HOME |
| Black Flies | Camping und Trails |
Der waldreiche Kejimkujik Nationalpark wird liebevoll mit Keji abgekürzt. Er liegt im südlichen Landesinneren von Nova Scotia und schützt eine ursprüngliche Wildnis aus dichten Wäldern, sanften Flüssen und eiszeitlichen Hügellandschaften. Neben seiner Rolle als Naturreservat besitzt das Areal eine tiefe kulturelle Bedeutung, da es gleichzeitig eine historische Stätte der indigenen Mi'kmaq ist, deren Spuren sich bis heute in Form von jahrhundertealten Felszeichnungen finden lassen. Der Kejimkujik Nationalpark besitzt als einziger Nationalpark in Kanada einen doppelten Status, da er zeitgleich als nationale historische Stätte anerkannt ist.
Das Wort Kejimkujik leitet sich aus der Sprache der indigenen Bevölkerung ab, wobei es unterschiedliche Überlieferungen zur genauen Übersetzung gibt. Eine weit verbreitete Deutung besagt, dass der Name auf das Wort Kejimkuji'jk zurückgeht, was übersetzt so viel wie "kleine Feen" bedeutet. Der große See im Herzen des Parks wurde deshalb im 19. Jahrhundert von europäischen Siedlern auch oft als Fairy Lake bezeichnet, und eine seiner Buchten trägt bis heute den Namen Fairy Bay.
Eine andere, traditionelle Erklärung von Ältesten der Mi'kmaq verweist dagegen humorvoll auf die körperlichen Anstrengungen beim Paddeln über den oft sehr windigen, welligen See. Die Mi'kmaq lebten als Jäger und Sammler im Rhythmus der Jahreszeiten. Während sie die kalten Monate im geschützten Landesinneren verbrachten, zogen sie im Sommer an die fischreichen Küsten. Das Gebiet rund um den Kejimkujik-See bildete dabei das Herzstück eines riesigen Netzwerks aus Flüssen, Seen und Portagewegen, welches die Atlantikküste mit der Bay of Fundy verband. Archäologen haben im Park zahlreiche Spuren dieser Lebensweise entdeckt, darunter alte Lagerplätze, Wohnstätten, traditionelle Grabstätten und die Überreste von historischen Aalwehren an den Flussläufen.
Man sollte beachten, dass der Park neben dem großen Hauptteil im Landesinneren auch einen kleineren Küstenabschnitt direkt am Atlantik besitzt, den man auf gar keinen Fall verpassen sollte, und der ein komplett anderes Erlebnis bietet: Kejimkujik Seaside.
Wir kamen aus dem Norden von Digby aus und hatten eine Übernachtung geplant. Für den Zugang zum Park wird ein regulärer Eintritt erhoben, der für Erwachsene bei knapp über sieben Dollar liegt, während Kinder und Jugendliche bis einschließlich siebzehn Jahren freien Eintritt genießen. Mit unserem Parcs Canada Pass hatten wir freien Einritt.









Der erste Stopp ist immer das Besucherzentrum, hier beginnt der Mill Falls Trail und man kann Toiletten und kostenloses WLan nutzen. Auch eine kleine, informative Ausstellung ist zu bewundern. Im kleinen Shop gibt es auch Mittel gegen Inskten und Souvenirs.
Eine Reise im Frühjahr bringt jedoch eine ganz besondere Herausforderung mit sich, da der Mai im Osten Kanadas als der Beginn der berüchtigten Kriebelmücken-Saison gilt. Diese winzigen, meist nur zwei bis fünf Millimeter große als Black Flies bekannten Insekten schlüpfen in gewaltigen Mengen aus den fließenden Gewässern und können durch ihre schmerzhaften Bisse den Aufenthalt im Freien erheblich beeinträchtigen.
Besucher sollten in diesem Monat unbedingt auf helle, langärmelige Kleidung setzen und wirksame Insektenschutzmittel bereithalten, um die Wanderungen trotz der Insektenplage genießen zu können.
Die Beister sitzen besonders gerne auf dem Scheitel, hinter den Ohren und sind lästig. Sie fliegen auch bevorzugt Augen, Ohren und Nase an, da sie vom ausgestoßenen Kohlendioxid der Atemluft und von der Körperwärme angezogen werden. Wenn man sich zügig fortbewegt, dann geht es. Aber wehe, man bleibt stehen, dann hat man schnell eine kleine Wolke um sich.
Während sich die Männchen ausschließlich von pflanzlichem Nektar ernähren, benötigen die weiblichen Kriebelmücken nach der Paarung eine proteinreiche Blutmahlzeit, damit sich ihre Eier entwickeln können. Im Gegensatz zu Stechmücken, die die Haut mit einem feinen Rüssel schmerzlos wie eine Nadel durchstechen, besitzen Black Flies scherenartige Mundwerkzeuge. Sie raspeln oder schneiden eine winzige Wunde in die Hautoberfläche, bis sich ein kleiner Blutstropfen bildet, den sie anschließend auflecken.
Da die Kriebelmücke beim Beißen einen betäubenden Speichel in die Wunde injiziert, bemerkt man den eigentlichen Biss oft gar nicht sofort. Erst kurz danach bildet sich ein kleiner, meist blutunterlaufener roter Punkt, der extrem stark und tagelang jucken kann. Der Speichel enthält Substanzen, die die Blutgerinnung hemmen, weshalb die kleinen Wunden oft auffällig lange nachbluten und sich leicht entzünden können.
Black Flies jagen rein optisch und sind im Gegensatz zu vielen Stechmücken tagsüber aktiv. Besonders aggressiv sind sie an warmen, windstillen und bewölkten Tagen. Nachts oder bei starkem Wind ziehen sie sich komplett zurück, wir wanderten vor 10 Uhr am Morgen an den Mill Falls und wurden auch wenig gepiesakt. Gegen 10 Uhr wurden sie dann richtig aktiv, da waren wir dann weg, an der Küste sind sie nicht so eine Plage wie hier im Landesinneren.







Die Übernachtungsmöglichkeiten im Park konzentrieren sich vor allem auf den beliebten Campingplatz in der Jeremy's Bay, welcher über dreihundert Stellplätze für Zelte und Wohnmobile bietet, die teilweise mit Stromanschlüssen ausgestattet sind. Neben klassischen Zeltplätzen stehen dort auch komfortablere, fest installierte Unterkünfte wie Hütten oder die kuppelförmigen Ôasis-Zelte zur Verfügung. Bei unserem Aufenthalt im Mai waren noch nicht alle Schleifen geöffnet und die Anzahl der Besucher war überschaubar.
Wer Abenteurer und Einsamkeit sucht, der findet hier im weitläufigen Hinterland zudem über vierzig abgelegene Wildnis-Lagerplätze, die ausschließlich zu Fuß oder mit dem Kanu über die zahlreichen Wasserwege erreichbar sind.
Das Wegenetz im vorderen Parkteil umfasst zahlreiche gut ausgebaute Wanderwege, die meist flach und leicht zu bewältigen sind, wie etwa der beliebte Slapfoot Trail, der sich direkt am Ufer des Kejimkujik-Sees entlangzieht. Auf dieser Seite sind oben unter anderem noch ein paar Fotos vom recht kruzen Farmlands Trail, der vorbei an den Überresten einer alten Farm führt.
Ein besonderes Highlight haben wir natürlich besucht, den wunderschönen Hemlocks and Hardwoods Trail, auf dem Wanderer über schützende Holzstege durch einen uralten Wald mit dreihundert Jahre alten Schierlingstannen spazieren können. Am nächsten Morgen konnten wir noch bei schönem Wetter den Mill Falls Trail laufen, bevor wir zum Parkteil am Meer gefahren sind.
Wer eine größere Herausforderung sucht, findet im Hinterland anspruchsvolle Mehrtagesrouten wie den Channel Lake Loop oder den über fünfzig Kilometer langen Liberty Lake Trail, die tief in die unberührte Natur führen.









Video zum Thema
Google Map zum Thema
| Weltreisen | Kanada | Nova Scotia | Kejimkujik Nationalpark | Site-Map | HOME |
| Datenschutz | Impressum |