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BAY OF FUNDY

Die Bay of Fundy, gelegen an der Atlantikküste Kanadas zwischen den Provinzen New Brunswick und Nova Scotia, ist ein weltweit einzigartiges Naturphänomen. Sie ist vor allem für den höchsten Tidenhub der Erde bekannt, der in Spitzenzeiten über 16 Meter erreichen kann. Wir waren hier am Ufer im Monat Mai unterwegs, und später hatten wir aufgrund des Unfalls auf Neufundland noch einmal Zeit, die bizarren und schönen Küsten ein paar weitere Tage in Ruhe zu entdecken.

Die geologische Geschichte der Bucht reicht rund 200 Millionen Jahre zurück bis in die späte Trias und den frühen Jura. Während dieser Epoche begann der Superkontinent Pangea aufzubrechen, wodurch das Fundy-Becken als kontinentale Grabenbruchzone (Rift Valley) entstand.

In dieser Senke lagerten sich mächtige Schichten aus roten Sandsteinen und Tonsteinen ab, die heute die charakteristischen Steilküsten prägen. Durch vulkanische Aktivitäten bildeten sich zudem widerstandsfähige Basaltschichten, wie man sie am Cape d'Or sehen kann. Über Jahrmillionen hinweg formten tektonische Hebungen, Erosion und insbesondere die gewaltigen Eismassen der letzten Eiszeiten das Becken zu seiner heutigen Gestalt. Die Erosion durch die extremen Gezeitenströme setzt diesen Formungsprozess bis heute ununterbrochen fort; ein bekanntes Beispiel für diese fortlaufende Gestaltung sind die Hopewell Rocks im benachbarten New Brunswick, es handelt sich um markante, vom Wasser unterspülte Sandsteinformationen, die auch als "Blumentöpfe" bezeichnet werden.

Die Ufer der Bay of Fundy könnten kaum unterschiedlicher sein, obwohl sie denselben gewaltigen Gezeiten ausgesetzt sind. In Nova Scotia haben wir eine von vulkanischem Basalt geprägte Küstenlandschaft kennengelernt. Diese Seite zeichnet sich durch extrem steile, zerklüftete Klippen aus, die der Wucht des Meeres trotzen.

Markante Punkte wie Cape Split im Minas-Becken ragen wie messerscharfe Keile in die Bucht hinein. Dort kann man von oben beobachten, wie sich das Wasser an den Unterwasserfelsen bricht und gigantische Strudel bildet. Die Küste hier ist rau, tief bewaldet und oft von spektakulären Aussichtspunkten gesäumt, an denen man die schiere Dynamik der Strömungen unter sich sieht.

Auf der gegenüberliegenden Seite, in New Brunswick, zeigt sich die Natur von einer ganz anderen geologischen Facette. Diese Nordküste besteht zu großen Teilen aus weicheren Sandstein- und Schieferformationen, was zu völlig anderen Erosionsformen führt. Dorthin haben wir es nicht geschafft, da im Fundy-Nationalpark kurzfristig Anfang Juli schon alle Stellplätze ausgebucht waren. Die Hopewell Rocks sind das Postkartenmotiv New Brunswicks: Durch die weiche Gesteinsart hat das Wasser dort im Laufe der Jahrtausende freistehende Felstürme aus der Klippe gewaschen, die oben mit Bäumen bewachsen sind. Bei Ebbe kann man dort auf dem schlammigen Meeresboden zwischen den riesigen Formationen spazieren gehen, während sie bei Flut fast vollständig im Wasser verschwinden.

Auf der Nova Scotia Seite der Bay of Fundy und am Minas Bassin haben wir viel Zeit verbracht, weil uns die Region so gut gefallen hat.








Phänomen des Tidenhubs

Während der durchschnittliche weltweite Tidenhub bei etwa einem Meter liegt, strömen in der Bay of Fundy im Rhythmus von gut zwölf Stunden rund 100 Milliarden Tonnen Wasser hinein und wieder heraus. Dies entspricht der Wassermenge aller Süßwasserflüsse der Erde zusammen. Für dieses extreme Phänomen sind im Wesentlichen zwei physikalische Faktoren verantwortlich:

Zum einen ist es die Trichterform, denn die Bucht verengt sich nach Nordosten hin und wird kontinuierlich flacher. Das einströmende Wasser des Atlantiks wird dadurch auf seinem Weg in die Verzweigungen, wie das Minas-Becken, seitlich und von unten komprimiert, was die Wassermassen steil nach oben zwingt. Das nennt man vor Ort den Funnel Effect.

Dazu kommt die Gezeitenresonanz, die sogenannte Seiche. Dies ist der entscheidende physikalische Verstärker. Wasser in einem geschlossenen oder halboffenen Becken besitzt eine natürliche Eigenfrequenz, vergleichbar mit dem Hin- und Herschwappen von Wasser in einer Badewanne. Die Bay of Fundy hat aufgrund ihrer exakten Länge und Tiefe eine Schwingungsdauer von etwa 12 bis 13 Stunden. Da die ozeanischen Gezeiten den Impuls fast perfekt im gleichen Rhythmus – nämlich alle 12 Stunden und 25 Minuten – vorgeben, schaukeln sich die Wassermassen gegenseitig extrem hoch. Dieses synchrone Zusammenspiel erzeugt die weltweit einzigartigen Höchstwerte.

Durch diese enormen Wassermassen entstehen hier auch einige spektakuläre Begleitphänomene. Dazu gehören die Gezeitenwellen, bei denen die einlaufende Flut die Strömung landeinwärts fließender Flüsse umkehrt und als sichtbare Welle flussaufwärts rollt.

Wer eine detaillierte Vertiefung und aktuelle Messdaten sucht, für den bieten sich die folgenden Seiten an: Die geologischen Hintergründe und die Forschungsgeschichte lassen sich auf der Website des Fundy Geological Museum nachschlagen.

Eine physikalische Aufbereitung der Resonanzeffekte stellt die NOAA JetStream Max Plattform zur Verfügung.

Praktische Beobachtungshinweise und Erklärungen zu den Messpunkten bietet diese Infoseite zur Bay of Fundy.

Bay of Fundy Cape Split






Cape Split

Wir waren im Mai und Ende Juni im Blomidon Provincial Park, haben dort die Strände besucht und bei Traumwetter einen Schlickspaziergang auf dem Meeresgrund gemacht.

Eigentlich wollten wir auch die Wanderung zum Cape Split machen, doch im Frühjahr war das Wetter zu unbeständig und in Halls Harbour trafen wir zwei Kanadier, die von dem Weg enttäuscht waren und uns von einer Wanderung bei Regenwahrscheinlichkeit abrieten.

Der Cape Split Provincial Park ist ein Juwel an der Bay of Fundy und geografisch bildet das Kap das sprichwörtliche Gegenüber der Five Islands. Es ist eine rund sieben Kilometer lange, schmale Basalt-Landzunge, die wie ein krummer Finger von Süden her tief in den Minas-Kanal hineinragt und das Minas Basin von der offenen Bay of Fundy trennt.

Der angeschlossene Cape Split Trail ist einer der absolut bekanntesten und meistfrequentierten Tageswanderwege ganz Nova Scotias. Seit einer umfassenden Modernisierung im Jahr 2021 wandert man hier nicht mehr nur auf derselben Strecke hin und zurück, sondern kann die Tour als abwechslungsreichen Rundweg von gut 13 Kilometern Länge absolvieren. Unterwegs bieten insgesamt sieben spektakuläre Aussichtsplattformen Tiefblicke auf die felsige Brandung. Für die mittelschwere Wanderung durch den urigen, moosbewachsenen akadischen Mischwald sollte man etwa vier bis fünf Stunden einplanen. Am Ende sthet man dann auf den ungesicherten, über 60 Meter senkrecht abfallenden Klippen und blickt direkt hinab auf die berühmten Sea Stacks, gigantische, freistehende Basaltnadeln, die wie steinerne Wächter der Brandung trotzen.

Der Weg teilt sich heute in den küstennahen Scots Bay Trail (ca. 7 km) und den etwas direkteren Minas Basin Trail (ca. 6,2 km).

Wir kamen im Juni bei schönstem Sommerwetter noch einmal hierher, am Parkplatz blühten Lupinen. Leider hatten wir die Anstrengung unterschätzt. Nach dem Unfall in Newfoundland waren wir noch nicht fit genug für so eine lange Wanderung, hatten noch Verspannung und Muskelkater am ganzen Körper von dem Aufprall. Ausserdem war es uns hier viel zu voll. Dauernd kamen Wanderer vorbei, so begnügten wir uns mit einem kurzen Weg in den Wald mit vielen Pausen. Am Wanderweg konnten hier mit viel Geduld wunderbar schöne, kleine Vögel fotografieren.

Da Cape Split ein reines Tagesausflugsgebiet ist, darf auf dem großen Parkplatz am Trailhead in Scots Bay nicht übernachtet werden, aber dafür bietet der nahegelegene Blomidon Provincial Park wunderschöne, staatliche Stellplätze im Grünen.

Leuchtturm auf dem Weg





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