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| Acadians Deportation Cross |
Das älteste militärische Blockhaus Nordamerikas und gleichzeitig das älteste komplett originale Holzgebäude an seinem Ursprungsort in ganz Kanada befindet sich in der Kleinstadt Windsor in Nova Scotia. Es handelt sich dabei um das Fort Edward Blockhouse, das im Jahr 1750 erbaut wurde.
Auf dem Weg von der Bay of Fundy zu unserer Zwischenübernachtung in Blomidon sowie weiter nach Digby haben wir noch einige historische Stätten besucht, die im Mai zeitlich nicht mehr machbar gewesen waren. Unter anderem besichtigten wir Port Royal, nachdem wir im Frühjahr lediglich das benachbarte Annapolis Royal besucht hatten.
So kamen wir auch in Windsor vorbei. Die dortige historische Stätte knüpft direkt an das dramatische Kapitel des Grand Dérangement an, das in der Grand-Pré National Historic Site eindrucksvoll dargestellt wird.
Während die ursprünglichen Kasernen im Laufe der Jahrhunderte zerstört wurden und die Offiziersquartiere im Jahr 1922 abbrannten, blieb hier einzig das quadratische, hölzerne Blockhaus unversehrt.
Es ist laut einer Tafel an der Fassade das älteste noch existierende Gebäude dieser Art in ganz Nordamerika. Da es nie durch Feuer zerstört oder rekonstruiert wurde, ist das Holz der tragenden Struktur bis heute komplett original.
Major Charles Lawrence ließ das Fort im Juni 1750 während des "Father Le Loutre’s War" errichten. Es sollte die lebenswichtige Landverbindung zwischen der alten kolonialen Hauptstadt Annapolis Royal und der neu gegründeten Hauptstadt Halifax sichern. Die Festung spielte eine zentrale Rolle im Siebenjährigen Krieg, während der Amerikanischen Revolution sowie im Krieg von 1812 und diente im Ersten Weltkrieg sogar als Truppenlager.
Genau wie die Gedenkstätte zum Grand Dérangement in Grand-Pré birgt auch das Fort Edward in Windsor eine düstere Vergangenheit. Im Herbst 1755 nutzten die britischen Truppen das Fort als zentrales Internierungslager. Über 1.200 Akadier aus den umliegenden Dörfern von Pisiquid wurden hier gefangen gehalten, bevor sie auf Schiffe gezwungen wurden. Akadier, die der ersten großen Deportationswelle entkommen konnten, wurden in den Folgejahren systematisch gejagt und nach ihrer Gefangennahme ebenfalls in Fort Edward inhaftiert.
Auch im 20.Jahrhundert schrieb das Fort Geschichte. Im Frühjahr und Sommer 1918 versammelten sich hier jüdische Freiwillige aus der ganzen Welt. Als "Jüdische Legion" wurden inoffiziell fünf Bataillone (die Bataillone 38 bis 42 der Royal Fusiliers der britischen Armee) bezeichnet, die hier ausgebildet wurden, um für das Britische Empire im Nahen Osten gegen das Osmanische Reich zu kämpfen und Palästina zu befreien. Viele Rekruten verbanden damit die zionistische Hoffnung auf eine jüdische Heimstätte. Am 1. Juli 1918 marschierte die Jüdische Legion am kanadischen Nationalfeiertag erstmals öffentlich unter dem Davidstern durch die Straßen von Windsor.
Fort Edward gilt als die Wiege der späteren politischen Führung Israels, da sich unter den in Windsor ausgebildeten Männern außergewöhnlich viele historische Persönlichkeiten befanden: David Ben-Gurion, der spätere erste Premierminister, damals 32 Jahre alt, und Yitzhak Ben-Zvi, der spätere zweite Präsident Israels, trainierten hier Seite an Seite. Auch Levi Eschkol (ebenfalls ein späterer Premierminister), Dov Joseph (späterer Minister) und der Vater von Yitzhak Rabin absolvierten hier ihre Grundausbildung.
Heute ist die Anlage als Fort Edward National Historic Site geschützt und wird von Parks Canada verwaltet. Bei unserem Besuch war das Blockhaus leider verschlossen, sodass wir lediglich über die mit Gras bewachsenen ehemaligen Wälle im Außenbereich spazierten.
Das Fort thront auf einem Hügel über dem Basin of Minas. Von den Erdwällen aus hat man einen weiten Blick über die Flusslandschaft, die einst Schauplatz dieser gewaltigen historischen Umbrüche war – leider jedoch auch auf die laute, viel befahrene Straße, die direkt unterhalb vorbeiführt.










Ein warmer Wind wehte vom Minas Basin herüber, während wir vor dem großen eisernen Kreuz in Grand-Pré stehen, das wir bei unserem ersten Besuch im Mai verpasst hatten. Das Deportation Cross markiert genau den Ort, an dem im Jahr 1755 das Leben einer ganzen Kultur gewaltsam aus den Fugen geraten ist. Heute nennt sich die Stelle Horton's Landing. Die Anfahrt führt quasi mitten über einen Bauernhof mit schwarz-weißen Milchkühen zu einem kleinen Parkplatz.
Vor Ort herrscht eine fast meditative Stille; Bänke laden zum Verweilen und Nachdenken ein. Ein Besuch dieser Gedenkstätte ist keine gewöhnliche Sightseeing-Tour, sondern eine emotionale Begegnung mit dem Grand Dérangement, der Vertreibung der Akadier. Im Idealfall hat man zuvor die Grand-Pré National Historic Site besucht, um die historischen Hintergründe zu verstehen.
Das Kreuz besticht durch seine schlichte Symbolik. Von hier aus blickten wir bei Flut direkt auf das weite, rötliche Wasser der Bay of Fundy hinaus, in dem sich dicke Wolken malerisch spiegelten.
Genau an dieser Stelle wurden damals Väter von ihren Familien getrennt, Besitztümer niedergebrannt und Tausende Menschen auf britische Schiffe gepfercht. Wenn man vor dem Kreuz steht und den Blick über die weiten, grünen Marschen schweifen lässt, wird das unfassbare Leid der Deportierten beinahe greifbar.
Hier ging es nicht nur um ein strategisches Manöver im Krieg, sondern um den gezielten Versuch, eine kollektive Identität auszulöschen.
Das Kreuz steht heute jedoch nicht mehr nur für den Verlust, sondern vor allem für das Überleben und den unbändigen Widerstandsgeist der akadischen Kultur. Trotz geografischer Zerstreuung und systematischer Unterdrückung haben ihre Sprache, ihre Musik und ihr Stolz bis heute überdauert. Der Besuch dieser historischen Stätte hinterlässt das bleibende Gefühl, dass man Geschichte zwar nicht ungeschehen machen kann, die Erinnerung an sie aber lebendig halten muss, damit sich solche Tragödien niemals wiederholen.













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